Young Urban Anesthesiologists

Young Urban Anesthesiologists

Der Podcast der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen

Transkript

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00:00:03: Hallo und herzlich willkommen zur nächsten Folge des Young Urban Anesthesiologist

00:00:07: Podcast aus der Universitätsmedizin in Göttingen. Wir zeichnen eine Sommerepisode

00:00:13: auf. Wir haben im Vorgespräch schon über warmes Wetter gesprochen.

00:00:17: Und heute machen wir abseits der tiefen Pharmakologie und Physiologie mal was

00:00:24: anderes, worüber ich mich wirklich freue. Es wird allerhöchste Zeit,

00:00:27: dass wir wieder mit einem interessanten Gesprächspartner sprechen.

00:00:31: Und wir haben Mark Weinhardt zu Gast in der Episode.

00:00:36: Mark Weinhardt hat nach der Folge 10, das war die Folge zum Thema Übergabe,

00:00:41: hat mir eine E-Mail geschrieben und mir noch ein paar Hinweise geschickt.

00:00:45: Aber bevor wir die besprechen, müssen wir Mark Weinhardt vorstellen.

00:00:50: Ich zitiere aus der Süddeutschen Zeitung. Das ist die kürzeste und ich finde,

00:00:54: eine sehr nette Zusammenfassung.

00:00:57: Da steht, Mark Weinhardt ist Oberarzt, Anästhesist und Notfallarzt und Kommunikationstrainer.

00:01:03: Und er glaubt, dass eine gute Kommunikation in der Medizin das Gesundheitswesen besser machen kann.

00:01:08: Das ist, glaube ich, die zweizeilige Zusammenfassung von Mark Weinhardt.

00:01:16: Wir haben uns vorhin einfach schon geduzt. Ich kenne Mark auch aus E-Mail-Verteilern,

00:01:20: wo wir uns über die Rahmenbedingungen von Simulationen im Rahmen der CRM-Ausbildung

00:01:29: in der anesthesiologischen Weiterbildung beschäftigen.

00:01:31: Das hat er vielleicht gar nicht gemerkt, dass ich da auch drin stecke.

00:01:36: Aber genau, und er ist jemand, der sich eben nicht nur mit Anästhesiologie,

00:01:40: sondern eben auch mit Kommunikation und wie das Ganze im Gesundheitswesen durch

00:01:44: Kommunikation möglicherweise besser werden könnte, das Zusammenleben beschäftigt.

00:01:49: Außerdem ist Hannah wieder mit dabei. Hallo.

00:01:53: Und das Ziel dieser Folge soll es werden, dass wir uns mal gemeinsam über Kommunikation,

00:01:58: Simulation und Ausbildung in der Medizin unterhalten, wo wir glauben oder wie

00:02:03: wir glauben, dass dass sich das Ganze ...

00:02:08: Wo wir gerade stehen und wie sie es entwickeln wird. Das hoffe ich,

00:02:11: dass wir das in den nächsten paar Minuten hinkriegen.

00:02:14: Marc, hast du zu dieser Einleitung was entgegenzusetzen, Widersprüche oder was

00:02:19: hinzuzufügen, was dir besonders wichtig wäre?

00:02:21: Ich habe nichts hinzuzufügen. Ich finde es total spannend, dass du was gefunden

00:02:30: hast, wo man mich sozusagen auf zwei Zeilen reduzieren kann.

00:02:34: Das ist immer gemein, wenn man so reduziert wird.

00:02:36: Ich sage ja sonst oft, dass ich Arzt aus dem letzten Jahrtausend bin und das ist,

00:02:41: wenn ich vor Ärzten, die nicht alles Anästhesisten sprechen,

00:02:46: dann sage ich gerne, es ist ungewöhnlich, dass ein Anästhesist auch Kommunikationstrainer

00:02:50: ist, weil normalerweise sorgen wir dafür, dass die Leute nicht miteinander sprechen

00:02:56: oder nicht mehr sprechen.

00:02:58: Ja, das ist aber eigentlich, glaube ich, schon ein Imageproblem unseres Faches.

00:03:02: Also klar sprechen wir mit den Patienten nicht mehr, wenn sie in Narkose sind,

00:03:07: aber ich glaube, dass die Minuten, die wir mit unseren Patientinnen und Patienten haben,

00:03:11: bevor sie in Narkose gelegt werden, dass das eine so vulnerable Phase ist,

00:03:16: dass es da auf Zwischentöne, auf Dinge, die nicht gesagt werden,

00:03:20: zwischen den Zahn ganz viel ankommt und natürlich sprechen wir auch nicht nur

00:03:27: mit Patientinnen und Patienten, sondern auch eben mit Team- und Crew-Mitgliedern.

00:03:31: Aber ja klar, ich verstehe das total, wie du da hinkommst.

00:03:36: In der Folge 10 unseres Podcasts haben wir über Übergabe gesprochen und ich habe damals behauptet,

00:03:42: dass es zum Thema Simulation und Übergabesituationen ja auch in Simulationen

00:03:48: ganz häufig eben als, ja, ich will nicht sagen als Hauptelement,

00:03:52: aber als ein ganz wichtiges Element der Informationsweitergabe mittrainiert.

00:03:56: Ich habe gesagt, es gibt einfach keine hochrangige Evidenz, die nachweist,

00:04:01: dass Simulation wirklich wirkt.

00:04:03: Dass wir das zwar alle machen, aber dass wir es nicht beweisen können,

00:04:08: dass wir keine doppelt blinden,

00:04:11: randomisierten, prospektiven Studien haben, die zeigen, dass Simulation am Ende

00:04:17: einen Vorteil für unsere Patienten im wahren Leben außerhalb des Sim-Zentrums irgendwie bietet.

00:04:23: Und da hat mir Marc eine E-Mail geschrieben und gesagt, halt,

00:04:26: stopp, ich habe hier eine Handvoll von Studien, die mindestens Signale senden,

00:04:32: dass da Evidenz entsteht oder im Entstehen ist.

00:04:36: Und dann ist noch ein bisschen Zeit ins Land gegangen und dann hat er auch versprochen,

00:04:40: dass er eine Studie kennt, die gerade im Entstehen ist und wenn die publiziert

00:04:45: ist, dass er dann nochmal Kontakt aufnimmt. Und genau so ist es gekommen.

00:04:50: Und ich bin immer noch so ein bisschen auf der Schiene, dass wir es noch nicht

00:04:53: beweisen können, aber dass die Belege sich verdichten, dass wir die Erkenntnisse,

00:04:58: die wir aus den SIM-Zentren haben, höchstwahrscheinlich auf die Realität übertragen

00:05:02: lassen. Jetzt habe ich schon wieder viel geredet.

00:05:05: Wenn du, ich sage jetzt mal, eine konkrete Frage hast, kann ich da gerne einhaken.

00:05:12: Konkrete Frage wäre, warum fällt es uns so schwer, knallharte Evidenz zu schaffen?

00:05:21: Warum machen wir diese Studien nicht, die uns das zeigen, woran wir eigentlich

00:05:26: immer glauben, nämlich dass Simulation wirkt und dass es gut und wichtig ist, das zu machen?

00:05:30: Warum machen wir das nicht? Ich würde sagen, es gibt schon ein paar,

00:05:34: die das zumindest als Ziel hatten, das zu zeigen.

00:05:39: Die drei Großen, eben Moffat, Hurkins und Draycott, die ja schon drauf aus waren,

00:05:47: patientenorientiertes oder so gut wie es geht hartes Outcome zu zeigen.

00:05:53: Und es natürlich ein bisschen schwierig ist,

00:05:57: dieses, also erstens in der Anzahl an eingeschlossenen Teilnehmern,

00:06:02: wie das bei vielen Studien der Fall ist, das hinzukriegen, kriegen,

00:06:07: dass man da tatsächlich ein hartes Outcome wie Überleben zeigen kann und das andere ist, dass,

00:06:16: Die Frage auch immer ist, wie wichtig ist es, denen, die so was bezahlen,

00:06:21: beantragen, durchführen.

00:06:25: Und sagen, wenn ich jetzt ein neues Medikament auf den Markt bringe,

00:06:31: wo ich weiß, das kann ich, wenn ich da einen ordentlichen p-Wert dahinter habe,

00:06:38: mit 0,01, für 1000 Euro verkaufen pro Stück oder pro Dosis,

00:06:44: ist da oft eine andere Geldgeber-Power dahinter, sage ich jetzt mal.

00:06:50: Als wenn man sagt, wir sind jetzt das Simulationszentrum und wir wissen,

00:06:56: ihr habt eigentlich kaum Zeit, hierher zu kommen. Wir glauben aber trotzdem,

00:06:58: dass das wichtig ist, dass ihr das macht. Und wir würden das auch gerne über

00:07:01: fünf Jahre durchführen.

00:07:03: Und wir würden auch gerne richtig hartes Patienten-Outcome messen.

00:07:06: Deshalb würden wir das gerne prospektiv machen. Und wir würden das gerne so

00:07:10: gut wie es geht randomisieren und verblinden.

00:07:15: Und dann ist es schon schwieriger, das irgendwie sozusagen zu begründen und

00:07:19: dann auch durchzuführen.

00:07:21: Also am Ende ist es eine Machbarkeitsfrage aus Kostensicht und aus Messtechnik-Sicht,

00:07:27: weil ich glaube, die Zeiträume so lang sind.

00:07:29: Also wenn wir irgendwie ein Training in einem Jahr machen, bis wir dann Outcome-Relevanz

00:07:34: nachweisen können, vergehen wahrscheinlich ein paar Jahre und dann sind so viele

00:07:37: Konferenzen dann noch mit an Bord, die die Ergebnisse wahrscheinlich schwierig machen.

00:07:42: Die Frage, die dann aber mit dabei schwingt, ist, diese Trainings sind ja,

00:07:48: also gehe ich nochmal einen Schritt zurück, wenn wir Dinge trainieren im Simulator

00:07:52: oder wenn wir in ein Zentrum gehen, trainieren wir entweder Skills,

00:07:57: handwerkliche dinge die man bevor man irgendjemandem das erste mal eine nadel

00:08:01: irgendwo rein steckt vielleicht besser abläufe irgendwie mal an der plastikpuppe trainiert.

00:08:06: Das ist glaube ich so der dass das erste und alles was danach kommt ist wenig

00:08:13: handwerk sondern viel wissen und viel.

00:08:19: Team, dann benutze ich die Worte nach, also mein Buch, was ich immer gelesen

00:08:23: habe, war der Miller und der unterscheidet dann gleich zwischen Crew und Team.

00:08:28: Das eine ist eher monoprofessionell und das andere ist interprofessionell,

00:08:32: also die Boxencrew oder das Segelschiff, das sind alles irgendwie Leute aus

00:08:38: der, mit einem gemeinsam, das sind alles Segler, genau, auch wenn sie unterschiedliche

00:08:43: Ausbildungen irgendwie haben.

00:08:45: Und dann gibt es eben diese großen Teams, die dann eben aus unterschiedlichen

00:08:48: Fachrichtungen irgendwie zusammengesetzt sind. Und dann geht es sofort um Kommunikation.

00:08:52: Und da stelle ich mir manchmal die Frage, warum wir dann das rausverlagern,

00:08:56: wenn wir sowieso über Kommunikation sprechen möchten, rausverlagern aus dem

00:09:02: Klinikalltag und nicht den Kommunikations- oder Simulatorexperten,

00:09:07: den Trainer, den Teacher in unseren Alltag mit reinnehmen.

00:09:11: Wenn wir schon möchten, dass wir unsere Arbeit im Alltag verbessern,

00:09:15: warum machen wir es nicht noch mehr bei der Arbeit, sondern in dieser artifiziellen Umgebung?

00:09:23: Hast du darauf eine Antwort?

00:09:24: Das ist eine spannende Frage. Die, die so viel Wert drauf liegen,

00:09:30: haben das teilweise auch gemacht.

00:09:34: Also zum Beispiel bei der Moffat-Studie 2015, wo sie gefragt haben,

00:09:40: also wo sie tatsächlich nach dem Geld gefragt haben, gibt es ein Return on Investment,

00:09:45: wenn wir CRM-Training machen?

00:09:49: Und die haben nicht aufgehört mit dem mit dem einmaligen CRM-Training,

00:09:55: sondern die haben sich Punkte rausgepickt, die sie dann bei jeder Woche mal

00:10:02: wieder angesprochen haben bei den üblichen Wort-Rounds auf der Intensivstation.

00:10:07: Also sie haben... Dazu gehörte plötzlich, dass man bei der Visite auf der Intensivstation

00:10:13: über CRM-Themen gesprochen hat.

00:10:15: Über Speaking Up, über gute Kommunikation, über Fehler,

00:10:19: über Fehlerverhalten, über Medikamentengaben und das Ganze unter dem CRM-Thema

00:10:27: beleuchtet hat, was sie sozusagen da trainiert hat.

00:10:30: Und so haben sie das Ganze am Laufen gehalten.

00:10:33: Weil wir wissen ja, als Trainer oder jeder, der irgendwem irgendwas beibringt,

00:10:39: ein einmaliges Training hat sozusagen den maximalen Effekt am Ende des Tages.

00:10:45: Und dann fällt es ab und nach einem Jahr sind wir fast wieder da,

00:10:49: wo wir vor dem Training waren.

00:10:53: Und idealerweise ist es nicht nur eine einzelne Trainingsmaßnahme,

00:10:56: sondern es ist was, was dann von da ab in den Alltag integriert wird.

00:11:01: Und das ist das, wo interprofessionelles Training so wichtig ist.

00:11:05: Weil es natürlich wenig bringt, wenn wir als Anästhesisten allein als Anästhesisten

00:11:10: im Simulator trainieren.

00:11:13: Aber es fängt schon damit an, machen unsere Pflegekräfte auch dort mit.

00:11:20: Lernen die das auch, mit uns zusammenzuarbeiten? Haben die die gleichen Vorstellungen

00:11:25: davon, wenn wir von Speaking Up sprechen? Oder von Closed-Loop-Kommunikation?

00:11:33: Und dann auch noch drüber hinaus, weil das ist ja erst der Beginn des Teams,

00:11:37: trainieren wir zusammen mit Chirurgen.

00:11:40: Und dann wird es schon schwierig, weil wir sind ja so zu sagen in der Klinik

00:11:45: quasi so eine Art Allgemeinmediziner, weil wir mit jedem anderen Fach zusammenarbeiten.

00:11:50: Und das heißt, wir müssten eigentlich auch mit jedem anderen Fach trainieren,

00:11:53: nur allein um die gleiche Sprache zu sprechen.

00:11:58: Und dann gibt es nicht nur die chirurgischen Ärzte und Ärztinnen,

00:12:04: sondern es gibt ja auch noch die Pflegekräfte, die OTAs, die am Tisch stehen.

00:12:10: Waren die auch beim Simulationstraining dabei? Wissen die, was damit gemeint ist?

00:12:16: Meistens waren sie das nicht. Es ist sehr schwierig für Instrumentierpflegekräfte,

00:12:22: Szenarien zu entwerfen.

00:12:25: Wir haben das mal versucht, haben gedacht, wie kann man die am besten integrieren?

00:12:31: Ich kenne das aus verschiedenen Simulationszentren so, dass wenn wir ein Szenario

00:12:37: machen, wo auch eine Pflegekraft am Tisch steht, dass die meistens von jemandem

00:12:42: gespielt wird, der das nicht selber ist.

00:12:45: Und das ist dann eine Sim-Nurse, die die Pflegekraft spielt,

00:12:49: oder es ist ein anderer Arzt.

00:12:50: Aber tatsächlich ist OTA oder Instrumentierkraft eigentlich so gut wie nie im

00:12:55: SIM-Training dabei, weil es meistens für die auch nicht wirklich was zu tun gibt.

00:13:02: Und wir haben uns überlegt, was könnte man denen anbieten, was könnte man für

00:13:06: Szenarien entwerfen, wo auch Instrumentierkräfte so richtig mit einbezogen werden.

00:13:13: Und ich muss gestehen, dass wir da gescheitert sind.

00:13:16: Uns ist nichts Vernünftiges eingefallen, wo wir sagen konnten,

00:13:19: das ist was, wo die wirklich sowohl Spaß dran haben, als auch was lernen würden.

00:13:25: Das Einzige, was ich mal kennengelernt habe in den Jahren,

00:13:29: in denen ich das schon mache, ist, wo tatsächlich im VetLab operiert worden ist,

00:13:35: wo Schweine instrumentiert worden sind und Chirurgen kommen und die dann dort

00:13:41: laparoskopisch operieren können und die fangen dann an mit einer Fundoplikatio.

00:13:46: Und dann macht ein anderes Team die Gallenblase raus. Und dann können sie sozusagen

00:13:51: noch so anfangen, ein bisschen Darm zu resizieren.

00:13:54: Und da sind bei diesen Kursen dann auch immer OP-Pflegekräfte dabei.

00:13:58: Mhm.

00:14:00: Die dann selber nicht nur auch instrumentieren dürfen, sondern die dürfen dann

00:14:03: auch so ein bisschen operieren.

00:14:06: Dass sie dann auch mal die Instrumente in der Hand haben, dass sie sehen,

00:14:09: wie sich das anfühlt, Schneide mit der Schere und...

00:14:15: Die Begeisterung von den Utas da war wirklich sehr, sehr hoch.

00:14:22: Aber das war natürlich noch kein Zwischenfallstraining.

00:14:26: Die machen das dann am Schluss so, dass sie da am Schluss auch noch eine Komplikation einbauen.

00:14:33: Also die Schweine sind alle anesthesiert.

00:14:36: Und das ist alles sehr ethisch angelegt und abgesegnet.

00:14:45: Und am Schluss gibt es dann sozusagen auch eine Komplikation,

00:14:48: wo dann sozusagen das ganze Team arbeiten muss. Aber das ist nichts,

00:14:51: was man dauernd machen kann. Es ist ein Kurs, der sehr teuer ist.

00:14:56: Und das ist ein Kurs, der wahrscheinlich auch mal so einmal im Leben von einem

00:14:59: Chirurgen besucht wird.

00:15:02: Und dann auch dort natürlich nicht das ganze Team der Pflegekräfte dabei.

00:15:06: Mhm.

00:15:07: Wie sieht das in so Situationen generell mit dem Rollenwechsel sozusagen aus?

00:15:11: Also klar, die instrumentierende Pflegekraft jetzt am Tisch ist primär da eingesetzt,

00:15:16: aber aus persönlicher Erfahrung würde ich jetzt sagen, dass es in so Simulationstrainings

00:15:20: ja durchaus auch Verständnis für andere Berufsgruppen stärkt,

00:15:23: wenn man zum Beispiel mal in der Rolle der Person ist, die sich ausschließlich

00:15:28: um das Monitoring kümmert und so weiter.

00:15:29: Also, dass man immer wieder die Perspektiven wechselt und auch in Bereichen tätig ist,

00:15:34: die man jetzt im Berufsalltag eigentlich nicht ausfüllt und dadurch einfach,

00:15:38: ja weiß ich nicht, so ein Verständnis stärkt oder einfach den Blickwinkel einmal

00:15:41: verändert und dann vielleicht in der Realität auch nochmal eine andere Perspektive

00:15:45: einnehmen kann in solchen Situationen.

00:15:47: Das ist ein Lieblingswort von mir, Perspektivwechsel.

00:15:52: Das ist deshalb ein Lieblingswort von mir, weil man kann in anderen Menschen,

00:15:58: man kann in den nicht reinschauen und man weiß nie, was ein anderer Mensch denkt.

00:16:04: Wir haben nur Hinweise darauf, was jemand denkt, aufgrund von dem,

00:16:08: was er sagt, wie er guckt, wie er mimikgestik Körperhaltung macht.

00:16:13: Aber so richtig wissen, was jemand anders denkt, tun wir nicht.

00:16:16: Und ein guter Hinweis dafür, wie sich jemand anders fühlen könnte,

00:16:21: ist, wenn man tatsächlich die Rolle einnimmt, die der andere hat.

00:16:27: Und ein Beispiel dafür ist zum Beispiel, wenn ein Arzt Patient wird und dann

00:16:30: ins Krankenhaus geht und stellt fest,

00:16:32: dass er erst mal in der Aufnahme zwei Stunden warten muss, wo er sonst immer

00:16:37: nur gehetzten Schrittes vorbeiläuft und stellt dann plötzlich fest,

00:16:41: das nächste Mal, wenn er da jemanden sitzen sieht, dann erinnert er sich daran,

00:16:45: wie das war, als man da zwei Stunden gewartet hat. Also das ist so der Perspektivwechsel.

00:16:53: Und ein großes Aha-Erlebnis in der Simulation im Perspektivwechsel hat mal der

00:16:58: Professor Heinrichs aus Mainz, der auch so ein Simulations-Urgestein ist, sozusagen erzeugt.

00:17:04: Der hat mir erzählt, dass sie ein Szenario gemacht haben, wo sie die Anästhesisten,

00:17:09: die Chirurgen, haben sein lassen.

00:17:11: Und es gab dort dann eine Komplikation. Und es hat dann sozusagen geblutet und

00:17:17: sie mussten sich um die Blutung kümmern.

00:17:21: Und ein klassisches Problem, wo ich mich schon öfters geärgert habe,

00:17:26: wenn mir der Chirurg nicht sagt, dass es blutet.

00:17:32: Und das ging tatsächlich auch ein paar Mal so heiß hin und her,

00:17:38: weil der Chirurg gesagt hat, ich bin hier konzentriert, das musst du bitte merken, das ist dein Job.

00:17:46: Und das ist, wenn du das nicht merkst, dann machst du was falsch.

00:17:50: Nicht, weil ich es dir nicht gesagt habe. und.

00:17:56: Der Professor Heinrichs hat gesagt, jetzt haben die Anästhesisten dieses Problem gehabt.

00:18:00: Wir mussten das lösen und es hat da sozusagen geblutet. Und rat mal,

00:18:04: wer dem Anästhesist nichts gesagt hat?

00:18:07: Das waren die Anästhesisten, die Chirurg gespielt haben. Und dann haben sie

00:18:11: sie nachher gefragt, warum habt ihr ihm nichts gesagt? Und dann haben sie gesagt,

00:18:15: naja, wir hatten ja hier schon zu kämpfen.

00:18:17: Und der hat da drüben ja auch zu tun gehabt. Ich wollte ihn jetzt nicht noch zusätzlich ablenken.

00:18:22: Und das war was, was niemals dieses Feedback und dieses Selbererkennen dargewiesen

00:18:31: wäre, wenn nicht der Perspektivwechsel dargewiesen wäre.

00:18:34: Und das Gleiche ist, ich kann jedem mal empfehlen, sich in ein Patientenbett

00:18:38: zu legen und durchs Krankenhaus schieben zu lassen. Das ist auch ein Perspektivwechsel,

00:18:42: der einige AHA-Lebnisse hervorruft.

00:18:45: Zum Thema Perspektivwechsel, das ist der Moment, wo ich immer auf Oliver Sacks verweise,

00:18:50: Psychiater aus New York, der hat ein Buch geschrieben, das heißt Der Tag,

00:18:53: an dem mein Bein davon lief, wo er genau das beschreibt, wo er als Arzt,

00:18:57: er bricht sich das Bein und wird auf einmal Patient und es ist ein unfassbar

00:19:01: präziser Beobachter, der da seine Beobachtung als Patient, als Arzt und Patient

00:19:07: in einem Krankenhaus beschreibt.

00:19:08: Ich liebe Oliver Sacks, ich habe alle Bücher von ihm gelesen.

00:19:14: Und jetzt wo du das sagst, kann das sein, dass das sozusagen den ersten Samen

00:19:18: gelegt hat, mich damit auch so ein bisschen mehr zu beschäftigen.

00:19:24: Das ist schon viele Jahre her, aber das ist genau so ein Punkt.

00:19:29: Mit dem Perspektivwechsel im Simulator, ich finde das gut, wenn man das ab und zu macht.

00:19:35: Also das ist eine spannende Erfahrung, aber das ist für mich auch immer mit

00:19:42: riesigen Herausforderungen verbunden, weil alle anfangen zu spielen.

00:19:50: Und dann ist die Gefahr, dass man aus der Simulation rausfliegt,

00:19:54: weil man sich überlegt, was kann ich eigentlich in der Rolle,

00:19:59: die mir gerade zugewiesen wurde, überhaupt wissen, leisten können,

00:20:03: was wird von mir erwartet?

00:20:05: Da habe ich immer als Instruktor Schwierigkeiten, damit vernünftig umzugehen.

00:20:11: Ich sehe das total. Wir haben das mal gemacht in der Ausbildung von Medizinstudierenden und GKP-Kräften.

00:20:18: Die haben wir mal zusammen in Simulator gesteckt und die notfallmedizinische

00:20:21: Szenarien arbeiten lassen und da haben wir auch diesen Rollenwechsel mit eingebaut

00:20:25: und auch irgendwie so Hierarchien mit eingebaut.

00:20:27: Und das war, genau wie du beschreibst, total spannend zu beobachten,

00:20:31: dass man erkennt, was die Herausforderungen und Probleme der einzelnen Disziplinen

00:20:35: sind, aber auch, was für Schwierigkeiten das irgendwie mit sich bringt.

00:20:39: Und du hast völlig recht, das kann man nicht jedes Mal machen.

00:20:42: Und wenn man es macht, muss man sich vorher überlegen, was das Lernziel ist.

00:20:47: Und da fällt mir was ein zu dieser Team-Baby-Studie, wo wir unter anderem verschiedene

00:20:54: Dinge, die rein kommunikativer Art waren, geschult haben. Und eins davon,

00:20:59: da ging es auch darum, Perspektivwechsel einnehmen zu lassen.

00:21:04: Und das ist so eine Übung, die wir mitgenommen haben, die wir jetzt eigentlich

00:21:08: in jedem Training machen, wenn es irgendwo Kommunikationstraining ist,

00:21:12: dass wir eine Empathy-Map erstellen lassen von einer anderen Berufsgruppe.

00:21:19: Also zum Beispiel, dort war es so, da musste eine Person...

00:21:23: Ich erkläre kurz, was eine Empathy-Map ist. Da wird sozusagen exemplarisch jemand beschrieben.

00:21:30: In dem Fall zum Beispiel eine Hebamme.

00:21:34: Und dann ist die Frage, also wer ist das? Das ist eine Hebamme während der Geburt.

00:21:41: Und dann ist die Frage, okay, was sieht sie, was hört sie?

00:21:47: Zweite Frage ist, was ist ihre Aufgabe?

00:21:51: Dritte Frage ist, was sind ihre Ängste? Und vierte Frage ist,

00:21:57: was sind ihre Bedürfnisse?

00:22:01: Und das schreiben nicht die Hebammen auf, sondern die Ärzte.

00:22:04: Und die Hebammen schreiben das auf für die Ärzte.

00:22:08: Und die Oberärzte schreiben das auf für eine Pflegekraft auf der Station und andersrum.

00:22:13: Und dann stellen die das am Schluss vor.

00:22:18: Und das ist schon interessant, weil eine Frage ist auch noch,

00:22:23: was sieht, also was denkt und fühlt diese Person.

00:22:27: Und da hatten wir einmal eine Situation, das war jetzt nicht in den Krankenhäusern,

00:22:31: in denen die Studie lief, die Studie lief, sondern in einem anderen Krankenhaus,

00:22:35: wo die Ärzte davor standen und sagen, ich habe keine Ahnung,

00:22:39: was die Hebamme denkt und fühlt.

00:22:41: Da stand ich ein bisschen sprachlos fast davor und dann habe ich gesagt,

00:22:45: ja gut, aber versetzt euch einfach rein. Das ist Teil der Aufgabe,

00:22:48: versetzt euch da rein und überlegt euch, was sie denkt und was sie fühlt.

00:22:52: Und da ist ihnen aufgefallen, wie schwer ihnen das gefallen ist.

00:22:58: Und genau so ging es eben, welche Aufgaben die hatten.

00:23:03: Ein paar Aufgaben haben sie sozusagen richtig benannt und danach stellt man

00:23:06: das der anderen Gruppe gegenseitig vor und fragt, habt ihr euch da abgeholt

00:23:09: gefühlt? Haben wir das so richtig dargestellt?

00:23:12: Und zu Beginn der Aufgabe hieß es so, ja klar, natürlich wissen wir, was die zu tun haben.

00:23:18: Und danach stellte sich raus, nee, wissen sie nicht so richtig.

00:23:23: In dem speziellen Krankenhaus war es zum Beispiel so, dass die Hebammen auch

00:23:26: den Kreißsaal putzen mussten.

00:23:29: Weil aufgrund von Personalmangel sie keine Putzkraft für den Kreißsaal haben,

00:23:36: sodass es die Hebammen machen.

00:23:38: Und das wussten die Ärzte nicht.

00:23:41: Und da kam dann zum Beispiel raus, dass die Hebammen gesagt haben,

00:23:45: ja, und deshalb sind wir jedes Mal sauer, wenn ihr nach der einen Sektio gleich

00:23:48: die nächste reinschieben wollt. Das geht nicht. Wir müssen erst putzen.

00:23:52: Da ist niemand, der das für uns macht.

00:23:55: Und das hat dann sozusagen zu so einem Aha-Erlebnis geführt.

00:23:58: Und die sagten, okay, gut, das wussten wir ja nicht. Wir haben immer nur gedacht,

00:24:02: wieso dauert das so lange?

00:24:05: Und das kann man relativ weit fortführen. Und das war sehr spannend.

00:24:10: Vor allen Dingen, wenn man dann drüber nachdenkt und das auch beschreibt,

00:24:14: was sind die Ängste von der Person, also bei der Geburt.

00:24:19: Und es sind viele Ängste, die sind gleich. Also man hat natürlich Angst,

00:24:23: dass dem Kind was passiert.

00:24:25: Das ist sowohl für die Ärzte wie für die Pflegekräfte gleich.

00:24:30: Aber dass dann zum Beispiel die Ärzte sagen, okay, gut, aber wir tragen mehr

00:24:34: Verantwortung. Wenn jemand verklagt wird, dann sind wir das.

00:24:39: Und den gleichen Gedanken hatten aber die HEPAM auch.

00:24:44: Wir tragen die Verantwortung. Wenn jemand verklagt wird, dann sind wir das.

00:24:48: Und das hat auch geholfen, sozusagen gegenseitig Empathie aufzubauen und besser

00:24:55: zusammenzuarbeiten danach.

00:24:56: Was glaubst du, warum das so schwierig ist oder warum wir das erst so spät lernen,

00:25:04: was die Perspektiven, die Ängste, die Nöte, die Sorgen der anderen Professionen sind?

00:25:11: Ich glaube, das liegt damit zusammen, wie unser Studium aufgebaut ist.

00:25:15: Weil wenn man ganz ehrlich ist, das erste Mal, wenn man mit einer Pflegekraft

00:25:19: zusammenarbeitet, ist im Peer-Odd.

00:25:24: Vielleicht in der Formulatur noch davor, aber so richtig zusammenarbeiten eigentlich erst im Peer-Odd.

00:25:29: Das heißt, wir haben das ganze Studium, verbringen wir quasi allein als Studenten

00:25:35: und Ärzten und dann plötzlich sollen wir ein Team sein.

00:25:42: Sollen wissen, was die anderen machen, was deren Aufgaben sind,

00:25:45: was deren Probleme sind, wo sie Schwierigkeiten haben, wo ich ihnen helfen kann

00:25:49: oder wo sie mir helfen können. Oder wo ich ihnen vielleicht Probleme mache.

00:25:54: Und das ist als Problem schon identifiziert worden.

00:25:58: Mhm.

00:25:59: Und es gibt wohl auch Krankenhäuser, wo gesagt wird, wir wollen die Ausbildung mehr verzahnen.

00:26:06: Das zum Beispiel ... Das ist jetzt ein anderes Beispiel, auch Notsands und Notärzte

00:26:13: in der Ausbildung zum Beispiel gemeinsam trainieren.

00:26:18: Ich mache unter anderem auch einen Notarzt-Refresher bei der Bundeswehr.

00:26:22: Alle drei Jahre müssen die so einen Refresher kriegen, damit die weiter Notarzt fahren dürfen.

00:26:29: Das sind rein ärztliche Teams. Und das Feedback ist jedes Mal,

00:26:33: wir würden aber gerne zusammen mit den Notsands trainieren.

00:26:38: Und die Notsand sagen, und das ist ja in der Sannag, die sind ja da und die

00:26:42: haben dort auch ihre Kurse.

00:26:44: Die Notsand sagen, ja, wir würden gerne zusammen mit den Notärzten trainieren.

00:26:49: Und die Führung sagt, nee, das ist ein ärztlicher Kurs, Punkt.

00:26:55: Wir machen das bei, wir machen Nasim-Kurse.

00:26:59: Und das machen wir mit Notfallsanitäter-Auszubildenden zusammen.

00:27:03: Da haben wir Kontakt zu dieser Schule und das ist auch das, was in den Feedbacks

00:27:07: da am positivsten raussticht.

00:27:10: Am Ende ist das ein Kostending. Also wie viele Leute du in diesem Kurs durchschleifen

00:27:16: kannst und wie viele du formal in den Szenarien irgendwie drin hattest.

00:27:21: Aber aus einer Lehrperspektive macht es total Sinn,

00:27:24: die andere Profession da in ihren originären Rollen eben nicht spielend,

00:27:28: sondern mit allem, was sie sind und was sie mitbringen, damit zu nutzen und

00:27:35: auch was die angehenden Notärzte,

00:27:36: Notärzte da lernen, was für Maschinen die NotfallsanitäterInnenausbildung da

00:27:44: produziert, das ist beeindruckend.

00:27:46: Ja, und vor allen Dingen auch, wie die Feedback können.

00:27:50: Und auch, wie routiniert die auch in dem Konzept der Simulation sind.

00:27:55: Also, was auf der ärztlichen Seite, es ist halt was Besonderes,

00:27:59: wenn man mal einen Tag im Simulator oder mit einer Puppe verbringt.

00:28:04: Das ist für andere Professionen, wie eben NotfallsanitäterInnen, viel einfacher.

00:28:11: Hanna, du hattest noch eine Frage, ja?

00:28:12: Ich würde gerne nochmal einen Schritt zurückgehen, weil ich habe noch eine Frage zu den Empathy Maps.

00:28:17: Du hast ja beschrieben, es gab da einen, wenn ich es richtig verstanden habe,

00:28:20: insbesondere ein ärztliches Team, was sich unglaublich schwer getan hat,

00:28:22: im ersten Moment sich in die Rolle rein zu versetzen.

00:28:25: Stellst du fest, dass auch diesbezüglich durchaus Lernkurven da sind?

00:28:29: Also, dass wenn man häufiger die Aufgabe bekommt, versetzt dich bewusst in die

00:28:33: Lage und benennt das auch?

00:28:37: Also, dass man das in der Form lernen kann und dass das besser wird und dass das was verändert?

00:28:41: Also die kurze Antwort ist ja.

00:28:45: Die etwas längere Antwort ist, bei dem Projekt Team Baby haben wir ja auch die

00:28:50: Mitarbeiter evaluiert.

00:28:53: Genauer gesagt nicht ich, sondern das Team von der Sonja Lübke,

00:28:57: die das aus der Jakobs-Universität in Bremen, die das alles wissenschaftlich

00:29:02: überwacht und geleitet hat.

00:29:06: Und die psychologische Sicherheit war höher, der Mitarbeiter.

00:29:13: Und damit auch sozusagen die Möglichkeit, das Picking abzumachen, war größer.

00:29:19: Und fangen wir von mir an. Ja, ich habe festgestellt, dass das sozusagen N1

00:29:25: bei mir funktioniert hat. Dass sich was geändert hat, als ich dann selber mal Patient war.

00:29:33: Ich habe festgestellt, dass man das trainieren kann und auch da ist es so,

00:29:42: ist die Frage, ist das eine einmalige Trainingssache oder ist das was,

00:29:46: was sozusagen öfters und immer wieder kommt.

00:29:50: Und war es ein interprofessionelles Training, wo man sich sozusagen daran erinnern kann.

00:29:57: Und das Ziel vom Perspektivwechsel ist, Empathie für den anderen aufzubauen.

00:30:03: Und das ist was, was relativ gut

00:30:05: untersucht ist, dass man im Laufe des Medizinstudiums Empathie abnimmt.

00:30:13: Weil das nicht das ist, was sozusagen von uns gefordert wird in den Prüfungen.

00:30:18: Und die Studien dazu gibt es über die letzten 30 Jahre auf allen fünf Kontinenten.

00:30:24: Die zeigen, dass je weiter ein Mediziner oder Medizinerin in der Ausbildung

00:30:30: ist, desto geringer sozusagen die Empathie ist im Vergleich zum Beginn des Studiums.

00:30:40: Und man kann das aber auch wieder zurücklernen. Das ist aber was,

00:30:43: was nur, wenn man sozusagen sich dessen bewusst ist, dass das vielleicht nicht

00:30:48: so die Haupt-Kernkompetenz ist und dass man das auch machen möchte.

00:30:53: Beantwortet das deine Frage?

00:30:54: Ja, auf jeden Fall. Und ein bisschen, also irgendwie nachvollziehbar,

00:30:58: aber auch ein bisschen erschreckend, dass das so ist mit der Empathie im Verlauf des Studiums.

00:31:02: Also wie schon gesagt, das ist eben nicht das, wo der Fokus drauf liegt,

00:31:05: aber ja, durchaus das, was vielleicht dann im klinischen Alltag auch den Unterschied machen kann.

00:31:13: Es gibt ein sehr gutes Buch dazu, das heißt Compassionomics.

00:31:16: Den Autor kann ich nie aussprechen, aber wenn man das googelt, findet man das sofort.

00:31:21: Der ist auch ein Intensivmediziner und hat sehr viel zur Reanimation geforscht

00:31:27: und war an seiner Uni der Forscher mit den meisten Impact-Punkten. Deshalb ist sein...

00:31:34: Dean zu ihm hergegangen und hat gesagt, also der Dekan der Uni,

00:31:37: und hat gesagt, hey, Steven, pass mal auf.

00:31:40: Du hast ja jetzt, du bist unser Top-Forscher. Wir überlegen,

00:31:44: ob wir bei uns in der Medizinausbildung, ob da Empathie irgendwie eine größere Rolle spielen sollte.

00:31:49: Kannst du da mal in die Literatur reingucken und dann mir sagen,

00:31:53: ob wir da irgendwas ändern sollen.

00:31:55: Und das hat für ihn in einer Fünf-Jahres-Reise geendet mit dem Buch Compassionomics

00:32:01: und der Evidenz dafür, was das für einen Riesenunterschied macht,

00:32:06: wenn wir zu wenig Empathie und.

00:32:17: Mitgefühl haben, finanziell und im Patienten-Outcome und in der Lebensqualität

00:32:21: für die, die im Gesundheitswesen arbeiten.

00:32:24: Und er ist eigentlich losgezogen und hat gedacht, Ah ja, das ist sowas Softes.

00:32:31: Da ist mir schon klar, was ich finde. Und es ist genau das Gegenteil passiert.

00:32:35: Also er hat seine Meinung zum 180 Grad gedreht und ist jetzt einer der größten

00:32:41: Verfechter dessen, was bei uns sich ändern muss in der Ausbildung.

00:32:46: Es gibt einen sehr guten TED-Talk von ihm.

00:32:50: Den kann ich euch im Nachgang schicken. Dann könnt ihr den in die Show Notes tun.

00:32:54: Ja, das ist letztendlich eine sehr große Literature-Review mit über 600 Literaturstellen,

00:33:03: wo er auf das alles eingeht, was das für einen Riesenunterschied macht,

00:33:07: sowohl für die Patienten als auch für uns.

00:33:10: Und dass wir aber denken, dass wir dafür keine Zeit hätten. Und letztendlich

00:33:14: ist das Gegenteil der Fall.

00:33:15: Weil wenn wir nach ungefähr 15 Sekunden das erste Mal einen Patienten unterbrechen,

00:33:22: im Durchschnitt, dann kommt er häufig gar nicht zu dem, was er eigentlich sagen wollte.

00:33:28: Also, 15 Sekunden ist der Durchschnitt. Da sind auch welche dabei,

00:33:30: die haben acht Sekunden das erste Mal den Patienten unterbrochen.

00:33:35: Und wenn der Patient zum Beispiel zum Hausarzt geht, und er versucht,

00:33:41: sich erst warmzureden, und das ist ja häufig der Fall, dass man sich erst ein

00:33:46: bisschen warmreden muss,

00:33:48: bevor man auf die Hämorrhoiden zu sprechen kommt, mit dem Rezept für seinen

00:33:52: Schnupfen aus der Tür geht, ohne dass er jeder über sein wirkliches Problem gesprochen hat.

00:33:57: Gibt es auch eine Studie, wo herauskommt, dass ungefähr ein Drittel der Menschen,

00:33:59: die Schnauze trinken wollen, die Schnauze trinken wollen, die Schnauze trinken wollen, die.

00:34:03: Im initialen Gespräch das Hauptproblem, weshalb sie zum Arzt kam,

00:34:07: überhaupt nie ansprechen konnte.

00:34:09: Das holt mich auf verschiedenen Punkten gerade total ab.

00:34:11: Ich hab auch grad ... Man braucht einmal kurz einen Moment, weil ... ja.

00:34:16: Es ist super. Er legt das wirklich ... Er legt das wirklich sehr, sehr gut da.

00:34:23: Und erklärt all die ... Missverständnisse, die wir im Kopf haben,

00:34:28: auf. Er sagt letztendlich, wenn wir das machen, dann sparen wir Zeit und wir

00:34:33: sparen Geld und das sind ja gute Argumente.

00:34:38: Das sind wahrscheinlich leider die Argumente, die man braucht,

00:34:41: um irgendwie was zu verändern in unserem Gesundheitssystem.

00:34:46: Und ich glaube, die Werte, die du gerade angesprochen hast,

00:34:49: sind natürlich auch die, die in einem System, das das nicht weiß,

00:34:53: wie es da steht, als erstes geopfert werden, um Effizienz oder um Ökonomie irgendwie

00:34:59: zu, also in dem Versuch, das zu steigern, ist das, was dann als erstes über

00:35:03: Bord fällt, oder ist zumindest die naive Beobachtung.

00:35:07: Ja, das ist ja auch das Gefühl, was entsteht, dass, wenn man versucht irgendwie,

00:35:10: also, dass man versuchen sollte, effizient zu sein im Sinne von Dinge schnell erledigen,

00:35:16: Dinge effektiv erledigen, eben das vollständige Anamnese-Gespräch am besten

00:35:21: in unter fünf Minuten und dann aber mit schnellen, prägnanten Fragen am besten

00:35:24: alles abgearbeitet haben.

00:35:26: Und das ist ja das, was in Anführungsstrichen kurzfristig belohnt wird,

00:35:31: weil jetzt aus unserer Perspektive zum Beispiel ...

00:35:35: Dann ist der draußen und der Nächste kann reinziehen.

00:35:36: Genau, aus unserer Perspektive, also der Assistent, der die Prämie in 10 Minuten

00:35:40: fertiggestellt hat, der ist ja super, den schicke ich auch zum nächsten Patienten.

00:35:45: Deswegen ist das auf jeden Fall...

00:35:46: Wer schnell arbeitet, wird mit mehr Arbeit belehnt.

00:35:49: Auch das.

00:35:52: Aber da können wir auch gleich wieder sozusagen so einen Loop zurückziehen zu

00:35:56: Simulation und Kommunikation.

00:35:58: Closed-Loop-Kommunikation. Also, wenn ich darauf bestehe, dass der andere nochmal

00:36:03: ein Readback macht und ich das dann bestätige, kann man ja auch sagen, das dauert ja länger.

00:36:11: Tatsächlich gibt es eine Studie, die zeigt, dass Teams, die mit Closed-Loop-Kommunikation

00:36:15: arbeiten, die Aufgaben, die angefordert werden, schneller durchgeführt werden.

00:36:21: Also auch da, sozusagen, wenn ich eine Methode verwende, von der man initial denkt,

00:36:28: das ist ja vielleicht ein bisschen affig und ich weiß doch, dass wir arbeiten

00:36:33: jeden Tag zusammen und wir spritzen immer 15 Mikrogramm Sofenta und es sind

00:36:37: immer ungefähr 200 Milligramm Propofol, es sind ungefähr immer 30 Milligramm Atrachurium.

00:36:43: Wieso sollte es jetzt was anders sein? Nee, bei jedem Patienten nochmal zurück. Ja. Warum?

00:36:52: Hängen wir diese Trainings eigentlich immer an Notfallsituationen auf.

00:36:58: Wenn wir über Kommunikationstraining sprechen, sprechen wir fast immer über

00:37:01: Zwischenfallstraining.

00:37:04: Oder Kommunikation im Rahmen von Notfallsituationen, von Stresssituationen,

00:37:08: wenn es irgendwie darum geht.

00:37:10: Wobei doch das Ziel im Alltag eigentlich sein sollte,

00:37:13: möglichst den Anteil der Notfallsituationen klein zu halten und den Anteil von

00:37:20: ruhiger und normaler Kommunikation in normalen Situationen irgendwie stromlinienförmig zu gestalten.

00:37:25: Warum ziehen wir trotzdem so viel Notfallmedizin oder so viel Extremmedizin

00:37:32: da rein und simulieren Narkoseeinleitungen in einer ABC-Schutzausrüstung in einem brennenden OP?

00:37:41: Ich meine, diese Unterwasser im Nebel bei Stromausfall.

00:37:47: Das ist eine total spannende Frage.

00:37:53: Ich habe keine definitive Antwort dazu. Ich sehe das genauso wie du.

00:37:58: Das Entscheidende ist ja, bevor

00:38:00: es eigentlich knallt. Da gibt es auch das Konzept, das heißt Left of Bang.

00:38:07: Also nicht 99, aber 90 Prozent von allen Algorithmen, die wir haben,

00:38:11: um einen Notfall zu bearbeiten, sind, wenn der stattgefunden hat.

00:38:19: Was mache ich, wenn jemand flimmert? Was mache ich, wenn ein Polytrauma reinkommt?

00:38:26: Was mache ich, wenn das und das passiert ist?

00:38:30: Die meiste Zeit ist es aber gar nicht so, sondern der Patient liegt noch auf

00:38:35: der Station rum und die Schwester ruft an und sagt, Ach, kannst du mal vorbeikommen?

00:38:40: Irgendwie gefällt mir der nicht.

00:38:43: Und also die meisten Sachen, die wir haben, sind sozusagen rechts vom Knall,

00:38:49: weil wir in der westlichen Welt hauptsächlich Zeit so von links nach rechts wahrnehmen.

00:38:54: Und in der Mitte ist der Knall und dann ist rechts das, was danach ist.

00:38:58: Und links davon wäre sozusagen was davor.

00:39:04: Und zum Beispiel der News-Score von den Engländern, National Early Warning Score

00:39:10: oder Nice Early Warning Score, der zielt auf dieses Links davon.

00:39:15: Da kann die Schwester sagen, ja, der gefällt mir nicht, der hat eine Atemfrequenz

00:39:19: von 32, der ist rot, du musst jetzt vorbeikommen.

00:39:23: Das triggert den MRT-Einsatz.

00:39:25: Ganz genau. Und genauso könnten wir das aber auch mit anderen sozusagen in Kommunikation machen.

00:39:35: Wenn wir, ich nehme jetzt mal Speaking Up als ein Beispiel haben,

00:39:41: wenn wir eine Kultur auf der Station haben,

00:39:45: sagen wir, wir sind auf einer Intensivstation und wir haben eine Kultur,

00:39:48: wo die Pflegekräfte nicht nur,

00:39:52: weil sie das 20 Jahre länger machen als der junge Assistent,

00:39:55: der da gerade eingeteilt ist im Dienst, sondern weil es eine Kultur ist,

00:39:59: wo die Pflegekraft den Arzt immer wieder auf was hinweisen kann,

00:40:02: wenn sie meint, da muss jetzt noch mal nachgeschaut werden.

00:40:07: Dann kann das vielleicht sein, dass sie sagt, außerdem finde ich,

00:40:12: Bilanz ist irgendwie nicht ausreichend für den. Und dann geht man da so drüber.

00:40:17: Und dann sagt sie, ja, also, jetzt passt mal auf.

00:40:21: In meiner Erfahrung ist das so, das ist jetzt der dritte Tag nach der Sigma-Respektion.

00:40:28: Der pinkelt nicht mehr.

00:40:31: Ähm, hol bitte den Chirurgen, dass er sich den Bauch noch mal anguckt.

00:40:35: Ich glaube, der hat eine Anastomoseninsuffizienz.

00:40:38: Im Vergleich zu ... Ah, Bilanz ist ein bisschen schlecht.

00:40:43: Und dann kommt zurück, ja, dann geb ich ihm einmal 20 Glasics für die Bilanz. Und das ...

00:40:49: Geht dann so über, das ist dann Freitagabend. Und ...

00:40:53: Das ist immer Freitagabend.

00:40:54: Und das zieht sich dann so bis Montagmorgen bei der chirurgischen Visite,

00:40:58: sagt, der muss sofort in den OP.

00:41:00: Schauen wir, was aus den Drainagen kommt.

00:41:04: Hätte vielleicht auch schon Freitag sein können. Eigentlich hat sie es Freitag auch schon gewusst,

00:41:09: sie war aber nicht in der Lage, das sozusagen so deutlich zu sagen,

00:41:13: weil sie halt auch schon gehört hat, nee, das ist was, was wir entscheiden und

00:41:19: nicht, was du entscheidest.

00:41:23: Ist ja auf der, wenn wir aus unseren Professions-Silos, dem Anästhesie-Silo,

00:41:28: auf das Chirurgie-Silo, Also in den Kommunikationen zwischen diesen Silos ist

00:41:32: es ja auch ganz genau so, dass wir manchmal, bevor wir die Frage stellen,

00:41:36: eigentlich die Antworten kennen

00:41:37: oder glauben zu kennen und sie dann auch manchmal gar nicht mehr stellen.

00:41:43: Es deckt sich an der Stelle.

00:41:44: Aber um auf deine Frage zurückzukommen, warum machen wir, warum legen wir sozusagen

00:41:48: auf die Basis Sachen in der Kommunikation keinen großen Wert?

00:41:52: Ich glaube, weil wir mit Notfällen die Leute tatsächlich locken können.

00:41:57: Und die kommen ja auch nicht ins Simulationstraining, weil sie sagen,

00:41:59: okay, ich will jetzt einen Tag lang Softskills trainieren, sondern die kommen

00:42:04: ins Simulationstraining, Ich will einen Tag lang Notfälle trainieren.

00:42:08: Und stellen dann im Debriefing fest, dass wir mindestens die Hälfte gar nicht über die Medizin reden.

00:42:33: Also zum Beispiel Closed-Loop-Kommunikation. Das ist ja was,

00:42:35: wenn man das in mehreren Notfallszenarien geübt,

00:42:39: gelernt hat und in Teams arbeitet, die das auch geübt haben und kennen,

00:42:42: dann hält das ja Einzug eben auch in andere Arbeitsbereiche und ist dann auch

00:42:47: bei der Narkoseeinleitung eines Elektiveingriffs eines ASA 1-Patienten nicht

00:42:52: so irgendjemand, die Augen rollt und denkt, ach, was machen die denn jetzt, sondern das ist dann so.

00:42:57: Und deswegen glaube ich schon, dass das auch

00:42:59: einen Effekt auf eben diese Nicht-Notfall-Situationen durchaus hat. hat.

00:43:03: Total.

00:43:05: Aber ich provoziere an der Stelle wieder und würde sagen, wir müssen eigentlich andersrum anfangen.

00:43:10: Also wir müssen halt nicht aus der Notfallsituation unseren Alltag beeinflussen,

00:43:14: sondern wir müssen aus dem Alltag das Management unserer Notfallsituation beeinflussen.

00:43:18: Also wir können nicht die Kultur aus den Extremsituationen auf die ASA 1-Elektiveinleitung

00:43:22: übertragen, sondern wir müssen unsere Kommunikation aus der ASA 1-Elektiveinleitung

00:43:28: in das Notfallsetting ziehen.

00:43:30: Dass du natürlich mit Notfallsituationen Stress erzeugst und dass unter Stress

00:43:34: Dinge demaskiert werden, die so ansonsten vielleicht schlechter sichtbar und

00:43:39: damit schlechter nachbesprechbar debriefbar sind. Das hat natürlich auch einen

00:43:43: Didaktik-Hintergrund.

00:43:45: Aber ich gebe dir Recht. Und ein Beispiel dafür wäre zum Beispiel 10 für 10

00:43:52: oder einfach ein Briefing vor jeder Einleitung.

00:43:57: Also das, was ich in Neuseeland gelernt habe, ist, dass ich als Anästhesist

00:44:03: bitteschön vorher dem Anesthetic Technicians,

00:44:07: also das sind dort keine Pflegekräfte, sondern die heißen Technicians,

00:44:12: ähnlich wie Arthas bei uns, denen sagt man vorher den Anesthetic Plan.

00:44:22: Also letztendlich in abgeschwächter Form, sagen wir das ja schon auch,

00:44:26: es soll eine Intubation werden oder es soll ein Plexus oder sollen es Spinale

00:44:30: werden? Und dafür hätte ich dann ganz gern.

00:44:34: Man kann das aber auch richtig standardisiert machen und sagen,

00:44:37: hier, pass auf, mein Plan ist so, das wird eine Intubationsnarkose.

00:44:42: Ich möchte den und den Tubus dafür. Ich möchte gleich das Videlongoskop.

00:44:46: Das sind die Medikamente, die ich haben möchte.

00:44:48: Und das ist die Dosis, die von jedem Medikament gegeben werden soll.

00:44:53: Und das sage ich dem, Bevor der Patient eine Nadel kriegt.

00:45:01: Und dann hab ich sozusagen meinen Plan dargelegt.

00:45:05: Und dann weiß die Pflegekraft, was sie zu richten hat. Und was dann als Nächstes passiert.

00:45:12: Und es gibt auch eine Studie, wo Briefings vor Kindereinleitungen ...

00:45:18: Die ... Das ist zwar kein hartes Outcome, aber trotzdem den Sättigungsabfall

00:45:23: reduziert hat. Wo man gesagt hat, wir machen jedes Mal vor der Kindereinleitung einen Briefing.

00:45:30: Das ist der Änästhetikplan, das sind die Medikamente, die wir geben werden.

00:45:33: Das ist so, so werden wir vorgehen.

00:45:37: Und das ist dann in der Normalsituation.

00:45:41: Und wenn man das jeden Tag in der Normalsituation macht, und dann kommt plötzlich

00:45:45: ein kritisch krankes Kind rein, dann macht man das natürlich selbstverständlich genauso.

00:45:49: Das ist aber nichts, wo man sagt, wieso muss der denn jetzt noch ...

00:45:53: Wieso muss der denn jetzt das noch vorher sagen? Wir haben es doch eilig.

00:45:57: Aber das ist ganz spannend. Da bleibe ich wieder so ein bisschen bei dem hängen, was du eben sagtest.

00:46:03: Es stimmt, wir machen solche Sachen in besonderen Situationen,

00:46:06: weil wir zum Beispiel bei Kindereinleitungen machen wir es bei uns ja eigentlich

00:46:09: auch standardmäßig, dass wir vorher eben ein Briefing machen und einmal besprechen,

00:46:13: was geben wir auch bei Elektiveingriffen.

00:46:15: Bei einer RSI machen wir es üblicherweise, aber bei dem normalen Elektivpatienten

00:46:19: eben nicht. Also deswegen ist das schon auf jeden Fall ein guter Punkt.

00:46:23: Eine andere Technik dafür wäre sozusagen ein Clean Cockpit, dass man sagt,

00:46:27: okay, gut, Helios Einleitung reden wir nicht über den neuesten Firmen,

00:46:31: sondern bis der Tubus drin ist, machen wir jetzt nur genau das und sonst nichts.

00:46:38: Das ist was, was ich mir in einem interprofessionellen Team oder Training wünsche, weil,

00:46:44: die Disruptoren kommen immer durch die Tür und müssen, ich möchte niemanden

00:46:49: zu nahe treten, aber die Die müssen immer das Sieb genau da durchtragen,

00:46:52: wo wir gerade ein steriles Cockpit bauten.

00:46:58: Der C-Bogen muss in diesem Moment da durch.

00:47:03: Was glaubst du, das ist auch eine aufgeladene Frage, ist das ein Generationending?

00:47:08: Also gibt es Hoffnung, dass andere Generationen anders mit Empathie und interprofessionell umgehen?

00:47:18: Wie viel davon ist also Gesellschaft, also wenn wir das Studium,

00:47:21: klar haben wir im Lernzielkatalog steht jetzt Interprofessionalität öfter irgendwie mit drin.

00:47:26: Wie das in die Ausbildung implementiert wird, ist noch ein ganz anderes Thema.

00:47:33: Aber funktionieren die nachwachsenden Gesundheitswesensgenerationen so anders

00:47:38: als die vorherigen, dass das vielleicht auch von alleine, das Miteinander sich ändert?

00:47:43: Du hast es ja schön als U-Boot-Frage angekündigt. Ja.

00:47:50: Nein.

00:47:52: Die kurze Antwort ist nein. Die etwas längere Antwort ist, wir lernen ja durch Nachahmung.

00:48:03: Und warum sollte ich das jetzt anders machen, wenn ich es auf eine andere Art

00:48:09: und Weise vorgelebt bekomme?

00:48:11: Und warum sollte ich es anders machen, wenn ich eins auf den Deckel kriege,

00:48:14: wenn ich es anders mache?

00:48:16: Und ich bin kein großer Freund von diesem Einteilen in verschiedene Buchstaben, Generationen.

00:48:24: Obwohl ich damals von Generation X von Coupland ganz begeistert war und fand eigentlich,

00:48:31: dass er das ganz gut beschrieben hat, habe ich dann doch festgestellt,

00:48:33: dass Menschen halt doch sehr individuell sind und es zwar Generationswerte gibt,

00:48:40: das aber nicht heißt, dass das persönliche Werte sind.

00:48:44: Und ich sehe in meiner Arbeit und bei meinen Kollegen und genauso Leute,

00:48:53: die hart und lange arbeiten, wie ich das gesehen habe, als ich angefangen habe.

00:49:01: Und genauso sehe ich Mediziner, die frisch aus dem Studium kommen,

00:49:05: die gut mit Patienten und Kollegen und Pflegekräften umgehen können und welche,

00:49:11: bei denen das, wie bei mir, als ich angefangen habe, viel, viel Luft nach oben hat.

00:49:17: Das kann sich nur ändern, wenn wir sagen, okay, gut, das ist was,

00:49:20: was wir als Edukator generell ändern wollen.

00:49:25: Und das dann sowohl in den NKLM als auch vorlegen, also in den NKLM reinbringen,

00:49:33: als auch dann in der Arbeit vorlegen.

00:49:36: Aber dann muss es doch von unten nach oben durchwachsen.

00:49:40: Idealerweise wächst es von beiden Seiten und trifft sich dann irgendwo in der Mitte.

00:49:46: Am einfachsten ist es natürlich, wenn du jemanden hast, der sagt,

00:49:48: ich kann das jetzt umsetzen und sagt, das ist was, worauf wir jetzt Wert legen.

00:49:54: Aber auch von oben nach unten kann es total schwierig sein, was durchzusetzen.

00:49:59: Also ein ganz banales Beispiel. Ich habe in einem Haus gearbeitet,

00:50:03: da haben wir für Ladungsmasken damals zu 90 Prozent gleich ProSeals verwendet. Die mit der Magensonde.

00:50:14: Die kann man auf unterschiedliche Arten und Weise legen. Jeder Anästhesist kennt

00:50:18: mindestens zehn Arten, eine Laryngosmaske einzulegen.

00:50:22: Es gibt eine, die ist richtig, das ist seine.

00:50:27: Und bei der Post-Heal kann man einen Absaugkatheter durch den Magenkanal tun.

00:50:34: Und die mit einem Laryngoskop einlegen.

00:50:37: Man macht eine Laryngoskopie und schiebt dann den Absaugkatheter in den Oesophagus.

00:50:43: Und damit gibt es eine Studie, dass die halt eine höhere First-Pass-Rate hat,

00:50:48: als wenn man das anders macht.

00:50:51: Und das fand ich damals sehr sympathisch und das hat der damalige Chef auch

00:50:55: gewollt, dass man das so macht, weil er diese Studie kannte und weil er das gut fand.

00:51:01: Und es ist fast wahnsinnig geworden. In den fünf Jahren, in denen ich da gearbeitet

00:51:06: habe, haben, waren am Schluss nur er und ich, die das so gemacht haben.

00:51:11: Und es verging eigentlich keine Woche, wo er nicht in irgendeiner Einleitung

00:51:15: ausgeflippt ist, weil die Pflegekraft die nicht mit dem Absaug-Katheter vorbereitet hat.

00:51:23: Und vor allen Dingen ausgeflippt, wenn die Pflegekraft dann auch noch gesagt

00:51:27: hat, das macht sonst niemand so.

00:51:28: So.

00:51:32: Ich hatte halt, für mich habe ich halt gedacht, ja, okay, gut,

00:51:36: warum soll ich das nicht machen, wenn ich da eine höhere First-Pass-Rate habe?

00:51:39: Und zweitens, wir legen so viele Ladungsmasken, geht mir die Anzahl an Laryngoskopien runter.

00:51:45: Und um meinen Skill zu halten, habe ich dann halt bei jeder Ladungsmaske auch

00:51:49: eine Laryngoskopie dabei.

00:51:53: Und halte da sozusagen dieses Skill aufrecht. Im Im Vergleich zu jemandem,

00:51:59: der das nicht macht, hab ich halt

00:52:01: tatsächlich drei- bis viermal mehr Laryngoskopien in einem Jahr gemacht.

00:52:05: Und das macht sich dann über die Jahre hinweg dann schon irgendwo bemerkbar.

00:52:10: Und das war so mein Hintergrund. So erstens höhere Fast-Pass-Rate und zweitens

00:52:13: zusätzliches, sozusagen, Skillaufrecht erhalten.

00:52:18: Waren wir aber die Einzigen, die das so gesehen haben. Und er konnte es in fünf

00:52:20: Jahren nicht durchsetzen.

00:52:23: Exchange-Management, ja.

00:52:24: Ja, da hilft auch keine E-Mail mit großen Ausrufezeichen.

00:52:28: Nee, im Gegenteil. Das erzeugt dann Reaktanz und geht dann noch weniger.

00:52:35: Ich habe noch eine aufgeladene Frage. Ja, damit.

00:52:39: In diesen Trainings identifiziert man ja manchmal Leute,

00:52:43: denen es ausgesprochen schwerfällt, die vermittelten Lerninhalte umzusetzen,

00:52:48: aus unterschiedlichen Gründen, oder anders gefragt, kommt man in – nein,

00:52:56: ich muss noch mal anders ansetzen –

00:52:58: die Teilnehmenden in CRM-Trainings entweder dahin gezwungen worden,

00:53:05: weil das dann die neue Weiterbildungsordnung vorschreibt, dass es ein CRM-Training

00:53:10: geben muss jedes Jahr, oder das sind die Freiwilligen, die sagen,

00:53:15: ach, ich halte CRM für eine wichtige Sache, ich interessiere mich da sowieso

00:53:18: dafür, lass uns doch mal gucken.

00:53:19: Das sind die, die erfahrungsgemäß das sowieso immer schon ganz gut machen.

00:53:23: Gibt es eine Strategie, wie man mit den Leuten umgeht, die da nicht freiwillig

00:53:29: hingegangen wären und denen es vielleicht auch schwerfällt, auf der Empathy-Map

00:53:35: im ersten Anlauf mitzumachen?

00:53:37: Die kurze Antwort ist ja. Die lange Antwort ist,

00:53:41: das ist harte Arbeit und nicht eine einzelne Strategie oder eine einzelne Taktik,

00:53:52: die man machen kann, sondern das ist was, das dauert den ganzen Tag und je nach,

00:54:02: Persönlichkeit und Hintergrund von dem, der da jetzt ist, kann es ja unterschiedliche

00:54:06: Gründe haben, warum der das doof findet.

00:54:12: Und um die Teilnehmer, die geschickt wurden und da eigentlich nicht sein wollen,

00:54:15: abzuholen, muss man erst mal, und da sind wir gerade wieder bei dem Empathie-

00:54:22: und Perspektivwechsel, rausfinden, warum die da nicht sein wollen.

00:54:25: Sind die sehr erfahren und denken, sie können alles?

00:54:32: Gibt's, ist aber eigentlich selten.

00:54:35: Sind die sehr erfahren und haben aber Angst, dass sie sich blamieren als Erfahrener

00:54:44: vor Leuten, die weniger erfahren sind?

00:54:47: Haben sie nicht das Gefühl, dass das eine sichere Lernumgebung ist?

00:54:51: Oder haben sie vielleicht auch die Erfahrung gemacht, dass es keine sichere Lernumgebung hat.

00:54:58: Was bringen Sie sonst mit in Ihrem persönlichen Rucksack? An Lernerfahrungen

00:55:04: mit Ausbildern bis dahin. Wie sind Sie selbst als Ausbilder?

00:55:10: Sind Sie jemand, der gerne eher aus dem Eltern-Ich, von oben nach unten spricht, einem Zeigefinger?

00:55:16: Und das jetzt erwarten, dass wir das auch so machen, das aber selber gar nicht

00:55:19: so gut vertragen? Haben Sie Angst, dass man Ihre Erfahrungen nicht respektiert?

00:55:26: Oder dass man die nicht anerkennt? Oder dass man Sie auch blamieren möchte?

00:55:30: Das wären auch so Sachen. Und das sind ja Dinge, die in der Vorstellungsrunde keiner sagt.

00:55:38: Da wird... Wir fragen ab, wie

00:55:40: oft jemand schon dabei war und was Sie sich jetzt von dem Tag erwarten.

00:55:47: Und dann sitzt da vielleicht jemand. Man sieht schon, offensichtlich freut er sich nicht so drauf.

00:55:53: Aber der sagt jetzt nicht, Ich habe überhaupt keine Lust, mich hier vor euch zu blamieren.

00:56:01: Und das sind auch selten die, die als erstes reingehen, ins erste Szenario.

00:56:08: Und wenn man dann die Möglichkeit hat, also man muss halt schauen,

00:56:12: dass man jeden einzelnen Teilnehmer einzeln abholt. Und das ist harte Arbeit.

00:56:16: Und jeden mitintegriert und zeigt und auch die Diskussion so steuert,

00:56:21: dass das ein sicheres Lernfeld ist.

00:56:26: Und eine sichere Lernumgebung, das ist nicht nur so mit dem,

00:56:29: was wir sagen als Instruktoren, Oder idealerweise sagen wir eigentlich gar nichts,

00:56:33: sondern stellen nur Fragen.

00:56:36: Und die Teilnehmer, die briefen sich selbst. Das ist sozusagen die höchste Kunst.

00:56:41: Und dann gleichzeitig andere, die dann vielleicht sagen, so,

00:56:44: ja, aber das hast du, einbremst.

00:56:52: Um auch klarzumachen, dass sozusagen auch die anderen, die da sind,

00:56:55: dieses, diese sichere Lernumgebung aufrechterhalten müssen.

00:57:02: Und ja, das geht. Und das ist der Grund, warum man abends echt immer platt ist,

00:57:05: wenn man Simulationen so wenig gemacht hat.

00:57:07: Du musst halt 100% on sein als Instructor, um die ganze Gruppe zu fühlen und

00:57:15: gleichzeitig das Medizinische zu debriefen und die Soft Skills.

00:57:21: Ja, also so ein Hyper-Alerta-Status, den man die ganze Zeit hat.

00:57:25: Genau. Und dabei nach außen total ruhig erscheinen.

00:57:28: Und sich nicht anmerken lassen, wie lange man eigentlich gerade über die nächsten Sätze nachgedacht hat.

00:57:33: Zwei Teams. Es gibt zwei Teams in deinem Simulatorzentrum.

00:57:36: Das eine ist total erfahren und das andere ist nicht so erfahren.

00:57:40: Und die Lernziele sind vorher klar gesteckt worden. Wir machen CRM,

00:57:43: wir machen Closed Loop, wir wollen über Kommunikation sprechen.

00:57:46: Und dann stellt sich raus, dass das erfahrene oder das hast du bestimmt auch

00:57:50: schon mal beobachtet, dass extrem erfahrene Teams auch ohne Kommunikation funktionieren

00:57:54: auf einem sehr hohen Niveau.

00:57:56: Glaubst du, dass die mit professionalisierter Kommunikation noch besser wären

00:58:00: oder ob die durch diese Strukturierung der Kommunikation aus ihrem blinden Verständnis

00:58:06: irgendwie aus dem Tritt gebracht werden?

00:58:08: Also gibt es Teams, die durch mehr Kommunikation schlechter werden?

00:58:13: Spannende Frage. War jetzt auch tatsächlich überrascht, worauf du hinaus willst.

00:58:18: Ich habe gedacht, du willst die beiden Teams sozusagen vergleichen,

00:58:22: aber jetzt geht es um die, die erfahren sind. sind. Richtig?

00:58:25: Also es geht um zwei Dinge. Also das ist das, was du gesagt hast.

00:58:28: Auf jeden Fall. Aber die zweite Frage ist auch, wenn wir im Simulator Forschung

00:58:32: machen und Erfolg im Simulator messen wollen, dann gucken wir auf Kommunikation

00:58:37: und wir gucken auf die auf die medizinfachlichen Sachen.

00:58:40: Und wenn wir am Ende sagen wollen, wer ist, wer hat bestanden,

00:58:44: wer kriegt das Zertifikat, Wer kriegt das IP, den IP-Lobe?

00:58:51: Wer wird Combat Medic of the Year?

00:58:54: Ja, genau. Kann man das werden mit wenig Kommunikation?

00:58:58: Also Combat Medic of the Year, kannst du nicht mit wenig Kommunikation reden.

00:59:00: Ich war gestern und vorgestern auf der Combat Medical Care Konferenz in Blaubeuren.

00:59:07: Da gibt es tatsächlich diese Auszeichnung.

00:59:11: Ist ein Aufnäher wahrscheinlich.

00:59:13: Ja, und wenn du dabei warst, kriegst du auch so eine Münze.

00:59:17: Ja, das ist schön.

00:59:21: Die können sehr gut kommunizieren und gleichzeitig verstehen sie sich blind.

00:59:25: Wenn da jetzt ein Team ist, das sehr gut ist und wenig miteinander kommuniziert,

00:59:31: heißt das nicht, dass die nicht miteinander kommunizieren, sondern das bedeutet,

00:59:36: dass sie bei der Suffizienzkurve, was sie brauchen, um sich gut zu verstehen,

00:59:41: das sich sozusagen so ein bisschen auf weniger verschiebt.

00:59:45: Und mit Suffizienzkurve meine ich so ein umgedrehtes U, so einen Bogen.

00:59:51: Das ist eine der Kompetenzen, die wir identifiziert worden sind,

00:59:56: die Probleme bei der Kommunikation machen, ist Suffizienz.

01:00:00: Und was du angesprochen hast, ist, wenn jetzt wenig gesprochen wird,

01:00:04: ist das sozusagen auf der Seite, wo wenig einfach nur an Menge gesprochen wird,

01:00:10: Reicht das aus? Ist das suffizient genug, um die Information rüberzubringen, die ich brauche?

01:00:17: Und es gibt so einen Sweet-Spot, also wenn man sich das so als Kurve vorstellt,

01:00:20: der ist halt da oben, wo es die maximale Verständnis ist, aufgrund von der Menge an Kommunikation.

01:00:29: Das ist sehr schwierig nachher beim Hören. Ja, okay, gut.

01:00:34: Umgekehrt ist U, man kann zu wenig oder zu viel sprechen.

01:00:36: Ja, eine Normalverteilung am Ende.

01:00:39: Letztendlich eine Normalverteilung. Und das ist klar, wenn ich sage,

01:00:44: treffen uns später, dann ist es zu wenig, weil du weißt nicht,

01:00:49: wann und du weißt nicht, wo.

01:00:52: Jetzt ist es aber so, dass wir beide, kennen uns sehr gut, und wir gehen jeden

01:00:58: Freitagabend um 19 Uhr zum Billardspielen.

01:01:02: Und ich sage zu dir, treffen wir uns später, und du sagst ja,

01:01:05: dann weiß ich, okay, gut, wie jeden Freitag?

01:01:07: 19 Uhr Billard.

01:01:08: Treffen wir uns später um 19 Uhr dort. Das heißt, bei uns verschiebt sich das.

01:01:14: Wir brauchen nicht so viel.

01:01:16: Wenn ich jetzt sage, treffen wir uns später um 19 Uhr, du weißt schon,

01:01:19: da wo wir immer Billard spielen, also heute ist ja auch wieder Freitag,

01:01:22: und wie jeden Freitag würde ich das machen,

01:01:26: und jetzt rede ich noch fünf Minuten, dann ist das wahrscheinlich zu viel,

01:01:31: weil am Schluss haben wir uns vielleicht über die Evidenz von Simulationen unterhalten,

01:01:36: und dabei ist es total untergegangen, dass ich eigentlich am Anfang gesagt habe,

01:01:39: eigentlich wollen wir uns um sieben zum Billardspielen treffen.

01:01:43: Das heißt, da ist zu viel, es sind zu viele Worte und zu viel gesprochen.

01:01:47: Und man kann beides machen, also man kann zu wenig und zu viel sprechen.

01:01:51: Und das ist aber individuell unterschiedlich. Man kennt es sicher,

01:01:54: und das kennt wahrscheinlich auch jeder, der zuhört, Menschen,

01:01:57: die sehr, sehr viel sprechen und sehr, sehr wenig sagen.

01:02:00: Schönes Beispiel ist auch immer das, was wir unterschreiben,

01:02:03: wenn wir irgendein Social-Media-Netzwerk benutzen.

01:02:06: Da steht alles drin, was wir an Rechten abgeben. Das liest kein Mensch,

01:02:10: weil das sind elf Seiten.

01:02:12: Das ist zu viel Information und da sind die wichtigen Sachen so drin versteckt,

01:02:17: dass wir sie nicht mehr brauchen.

01:02:21: Genauso gibt es das andere. Das ist die Datenschutzerklärung von der VR-Brille von Pico.

01:02:26: Die sieht so aus, als hätte die ein Sechsjähriger geschrieben.

01:02:29: Also mit Rechtschreibfehlern und sehr, sehr einfachen Sprache.

01:02:33: Und es ist aber auch nicht wirklich klar, was man damit alles unterschreibt,

01:02:37: wenn man da jetzt auf Yes klickt.

01:02:40: Werden die jetzt schlechter, wenn die mehr kommunizieren sozusagen müssen, in Anführungszeichen?

01:02:46: Wenn das für die auf der Suffizienzkurve zu viel ist, vielleicht.

01:02:51: Interessant fände ich es, da als Trainer zu gucken, okay, die sprechen relativ

01:02:55: wenig miteinander und das funktioniert alles. Schauen wir uns Safety 2 an.

01:03:00: Also Safety 1 lernen aus Fehlern, Safety 2 lernen aus dem, was sehr,

01:03:04: sehr gut lief. Warum lief das sehr gut bei denen?

01:03:07: Was waren die Gründe dafür, dass

01:03:09: das funktioniert hat, obwohl ihr so wenig miteinander gesprochen habt?

01:03:14: Was habt ihr in dem Moment gedacht, also was hast du gedacht,

01:03:17: als er das gesagt hat? Hätte er auch was anders meinen können?

01:03:22: Gab es schon mal eine Situation, wo ihr so wenig gesprochen habt und das hat

01:03:27: dann aber nicht funktioniert? Frage beantwortet?

01:03:30: Ich glaube ja.

01:03:32: Jetzt habe ich viel gesprochen.

01:03:34: Das ist doch gut, deswegen bist du hier. Weil wir deine Gedanken,

01:03:37: weil du interessante Perspektiven hast.

01:03:42: Wir hatten am Anfang über Evidenz zur Simulation gesprochen und ich habe gerade

01:03:46: mit der Frage auch schon ein bisschen versucht, in diese Richtung wiederzukommen

01:03:49: mit Forschung aus dem Simulator oder aus Trainings, ist ja nicht nur immer mit

01:03:55: High-Fidelity-Puppen irgendwie verbunden.

01:03:58: Glaubst du, dass wir schon an dem Punkt sind, wo wir mit Fug und Recht sagen

01:04:02: können, Simulation wirkt, sodass wir unseren finanziellen Entscheidern,

01:04:08: die in irgendwelchen Büros sitzen und darüber entscheiden,

01:04:13: den OP-Plan an dem Tag einen Saal zu streichen, um ein Team in den Simulator

01:04:17: zu schicken, sind wir da schon? Und was fehlt?

01:04:21: Und wenn nein, was fehlt?

01:04:25: Ich glaube, und damit befinde ich mich jetzt sozusagen nicht mehr auf der Seite von ich weiß,

01:04:30: sondern wenn ich sage ich glaube, dann ist das meine persönliche Meinung und

01:04:34: das schränkt sozusagen die Festigkeit der Aussage bei mir ein bisschen ein.

01:04:41: Es gibt andere Menschen, wenn die sagen ich glaube, dann möchten sie damit das

01:04:46: unterstreichen, was sie sagen.

01:04:49: Ich schränke das da sozusagen damit Ich glaube, dass das, was wir an Studien

01:04:53: und an großen Studien haben, ausreicht, um es Entscheidern, die fürs Geld zuständig

01:05:00: sind, hinzulegen und zu sagen, hier, guck mal, damit kann man Geld sparen.

01:05:04: Weil die Leute, die für das große Geld entscheiden, sehr selten mit Studien

01:05:10: überzeugt werden, die für uns ein Level haben müssen, bevor wir uns für eine

01:05:17: neue Therapie entscheiden.

01:05:18: Du sagst, du möchtest prospektive, randomisierte, multicenter,

01:05:23: doppelblinde Studien auf mehreren Kontinenten mit einem harten Patientenausgaben, damit du...

01:05:32: Also Klammer, mir ist klar, dass das nicht geht. Wer weiß. Aber das ist genau

01:05:37: das Level an Evidenz, was wir ansonsten fordern, wenn wir was ändern wollen.

01:05:40: Das ist das, wo wir sozusagen klinisch das fordern, das ist unser heiliger Gral.

01:05:46: Und da wollen wir klinisch hin, damit wir mit Fug und Recht sagen können,

01:05:50: wir können jetzt jeden davon überzeugen mit diesen Daten. Weil jetzt haben wir

01:05:54: die Daten und damit können wir überzeugen.

01:05:57: Das ist eine andere Art und Weise, jemanden zu überzeugen, als zu sagen,

01:06:01: hier, guck dir das an, 9 Millionen gespart.

01:06:06: Und das ist eine große Studie, und das passt so.

01:06:10: Das ist nicht das Level, auf dem wir diskutieren, von der Detailschärfe her.

01:06:16: Das ist aber das Level, was dafür ausreichen kann. Und das ist ja auch das Level,

01:06:20: was bei den Studien letztendlich ausgereicht hat, um die zu finanzieren.

01:06:25: Weil die musste ja auch jemand finanzieren.

01:06:27: Da ist auch jemand hingegangen und hat gesagt, ich glaube, wir können damit Geld sparen.

01:06:32: Ohne das vorher beweisen zu können. Das ist sozusagen der eine Teil.

01:06:37: Können wir aufhören, Forschung zu machen, um zu zeigen, wie Simulation wirkt

01:06:42: und was das für eine fantastische Sache ist? Auf gar keinen Fall.

01:06:46: Ja.

01:06:48: Da gibt es so viele interessante Ansätze, wo wir dann auch tatsächlich hoffentlich

01:06:55: dann auch zeigen können, dass auch Teilbereiche sozusagen was wirken.

01:07:00: Ich habe unter anderem auch mal Ausbildung als Deeskalationstrainer gemacht.

01:07:06: Und das ist was, was im Medizinstudium überhaupt nicht vorkommt und auch in

01:07:10: der Pflegeausbildung nicht vorkommt, also zumindest nicht als zertifizierter Trainer.

01:07:15: Das ist aber was, was extrem wichtig ist für jeden, der in der Notaufnahme arbeitet.

01:07:23: Und wenn der wählen könnte, gehe ich jetzt noch auf ein Radiologie-Auffrischungskurs

01:07:29: oder habe ich einen Tag Deeskalationstraining, dann glaube ich,

01:07:34: weißt du, wie die Wahl ausfallen würde.

01:07:36: Dann mache ich den Combat-Casualty-Care-Kurs.

01:07:45: Und dafür gibt es keine harte Evidenz in Studien, dass Deeskalationstraining funktioniert.

01:07:53: Aber Aber jeder, der es gemacht hat, weiß, dass es wirkt und dass er weniger

01:07:59: Geschrei hat und Leute abholen kann.

01:08:02: Und das wäre aber total spannend, das zu zeigen, ob das auch hartes Outcome bringen kann.

01:08:08: So ein bisschen die Fallschirmanalogie, dass es halt Dinge gibt,

01:08:11: die so offensichtlich klar sind, dass sie wirken und auf der anderen Seite sehr

01:08:16: schwierig sind, auf dem geforderten Evidenzniveau zu beweisen.

01:08:20: Und da ist das sicher auch so eine Sache, ja.

01:08:22: Apropos Fallschirm, total spannend, kann man googlen, es gibt Menschen,

01:08:27: die fallen aus Flugzeugen und sterben nicht.

01:08:28: Also weil sie in den Sumpf gefallen sind, weil sie so schräg an einem Abhang waren,

01:08:35: wo genügend Schnee war, weil sie in eine Tanne gefallen sind,

01:08:37: könnte man jetzt auch anführen und kann sagen, ja, das sind aber Evidenz,

01:08:41: das ist Evidenz, das sind zwar nur Fallberichte, aber du kannst nicht sagen,

01:08:47: dass aus dem Flugzeug springen immer tödlich ist. Jetzt habe ich dich rausgebracht, tut mir leid.

01:08:53: Nee, es ist alles gut. Ich überlege gerade, wie ich eine Brücke...

01:08:56: Ich habe noch einen Themenaspekt, der in Richtung Zukunft zielt.

01:09:00: Ich glaube, wir stehen nämlich gerade an einem Wendepunkt oder an einem...

01:09:05: Ja, Scheideweg ist es nicht, aber ich glaube, es ist ein Wendepunkt,

01:09:07: der vielleicht vergleichbar ist mit Internet oder Buchdruck,

01:09:12: nämlich der künstlichen Intelligenzrevolution.

01:09:15: Vielleicht sind wir in so einem Hype-Cycle gerade oben auf dem Gipfel der überzogenen

01:09:19: Erwartungen und uns steht vielleicht eine Enttäuschung bevor,

01:09:23: aber vielleicht auch nicht. Vielleicht sind wir auch schon sehr nah an einem

01:09:27: Produktivitätsplateau angekommen.

01:09:30: Das wird ja, wenn das so kommt und die AI eine Entwicklung weitermacht,

01:09:35: die sie jetzt in den letzten Jahren, in den letzten wenigen Jahren genommen hat,

01:09:39: wird das unsere Arbeit im Krankenhaus, in der Anästhesiologie,

01:09:42: in der Notfallmedizin, gerade in diesem, ich glaube, hochgeschwindigkeits- und

01:09:47: datengetriebenen System wahnsinnig verändern.

01:09:51: Siehst du am Horizont der medizinischen Ausbildung da schon Signale,

01:09:54: dass die Ausbildung sich in diese Richtung mitentwickeln kann oder mitentwickeln wird.

01:10:01: Sind wir dafür gewappnet und kriegen wir das, ja, wie gehen wir damit um aus

01:10:06: einer Ausbilderperspektive?

01:10:08: Das sind viele Fragen auf einmal. Sind wir dafür gewappnet? Nein.

01:10:14: Die Entwicklung, die da stattfindet, ich habe erst dieses Jahr in Amsterdam

01:10:18: noch ein Keynote über AI in der Medizin gehalten.

01:10:23: Und was seitdem passiert ist, ist schon einfach unglaublich.

01:10:27: Wir wissen nicht, keiner von

01:10:29: uns weiß, wofür wir uns, was wir eigentlich regeln oder schützen müssen.

01:10:36: Bei dem, was gerade passiert. Da gibt es auch von denen,

01:10:40: die das Social Dilemma gemacht haben,

01:10:42: das ist eine, ironischerweise auf Netflix,

01:10:46: Dokumentation über die Probleme von Social Media,

01:10:50: mit dem, wie es damals hieß, Race to the Brainsteam,

01:10:54: Also, wie wir unsere Aufmerksamkeitsspanne so aufrechterhalten,

01:10:58: dass wir niemals von Facebook oder Instagram Feed weggehen, weil das Bild,

01:11:03: was wir jetzt angucken, ausgewertet wird in Millisekunden und das Bild,

01:11:07: was danach kommt, erst geladen wird aufgrund von dem, was wir sozusagen angesehen haben.

01:11:15: Und so Dinge, dass es ein Recht auch vergessen im Internet geben muss,

01:11:18: dass das gesetzlich festgelegt worden ist.

01:11:22: Das wusste niemand, als das Internet begann.

01:11:26: Wir haben jetzt keine, also mit so einer Technologie,

01:11:31: die so massiv ist und so disruptiv ist, haben wir keine Vorstellung davon,

01:11:36: was für Schwierigkeiten, Herausforderungen auf uns zukommen,

01:11:43: die geregelt werden müssen.

01:11:45: Das heißt, wir wissen nicht mal, was wir eigentlich sozusagen regeln müssen,

01:11:50: weil wir nicht wissen, was das Ding letztendlich alles kann im nächsten Monat,

01:11:57: was das für eine Bedeutung hat.

01:12:00: Und aber um von dem sozusagen großen Thema AI und Herausforderung das runterzubrechen auf Ausbildung.

01:12:09: Es gibt jetzt schon, und das war noch CHAT-GPT 3, eine Studie,

01:12:15: dass die Antworten auf Fragen von Patienten von CHAT-GPT empathischer waren als die von Ärzten.

01:12:22: Das habe ich auch gewissen.

01:12:25: Was mich persönlich nicht sonderlich verwundert. Es gibt jetzt schon eine Firma,

01:12:31: die ein VR-Programm herstellt, mit dem man einen Perspektivwechsel vornehmen

01:12:38: kann, wenn man mit einem Patienten spricht und es geht darum zu beurteilen, ob der suizidal ist.

01:12:44: Und man setzt die Brille auf und dann sieht man den anderen vor sich und man

01:12:48: hat die Controller in der Hand und.

01:12:51: Die Patientin oder der Patient sagt was, und dann kann man ein paar Antworten auswählen.

01:12:57: Welche sind sinnvoll, welche sind weniger sinnvoll. Zum Beispiel,

01:13:01: jetzt stell dich nicht so an, ist weniger sinnvoll.

01:13:05: Oder ich kann mir genau vorstellen, was Sie fühlen. Ist auch weniger sinnvoll.

01:13:09: Man sagt, das hört sich für mich sehr schlimm an.

01:13:13: Erzählen Sie mir mehr, dann ist das sinnvoller. Klar, das ist jetzt nichts Herausragendes.

01:13:17: Aber man kann dann auch selber was sagen.

01:13:20: Und dann kommt eben dieser Perspektivwechsel, man hat sich vorhin ein Avatar ausgesucht,

01:13:24: wie man halt eben aussehen möchte, und dann wechselt die Perspektive,

01:13:29: und man sieht sich aus der Sicht des Patienten, und da die Brille Eye-Tracking

01:13:35: hat, sieht man auch, ob man einen anschaut oder nicht.

01:13:41: Und das Programm sagt einem schon, du hast zwei richtige Worte verwendet,

01:13:45: ich habe rausgehört, Du hast das gesagt, du hast das gesagt und das sind gute

01:13:49: Worte für diese Kommunikation, aber du hast nur 12% Augenkontakt gehabt.

01:13:56: Und das ist zum Beispiel eine Sache, wo das schon mal interessant sein kann,

01:14:01: mit einem AI-Programm tatsächlich eigene Empathie zu trainieren.

01:14:09: Ja, ich glaube gerade, da geht natürlich jetzt ein zweites Keyword mit virtueller

01:14:15: Realität auch direkt auf, dass diese Verknüpfung da wahrscheinlich ganz sinnvoll

01:14:19: ist und uns wahrscheinlich wahnsinnig viel Daten liefern wird.

01:14:21: Im positiven wie im negativen Sinne.

01:14:24: Mit auch viel, ja, Noise, Signal-to-Noise-Ratio, bin ich mal gespannt,

01:14:28: was da passiert, weil ich glaube, das ist die Herausforderung bei uns im System,

01:14:31: dass wir unsere Probleme eigentlich nicht genau genug definieren können.

01:14:41: Aus einer künstlichen Intelligenz Perspektive, wenn ich versuchen würde,

01:14:46: das zu operationalisieren, wie wir Kommunikation stromlinienförmig machen,

01:14:50: ist das, glaube ich, auf der Verständnisebene ganz schwierig.

01:14:54: Da bin ich richtig gespannt, was da passiert, aber ich glaube,

01:14:56: wir werden uns wundern, wie gut es am Ende funktioniert.

01:14:59: Das hoffe ich total. Ich bin immer ein Fan davon, wenn es gut ausgeht.

01:15:02: Ja.

01:15:04: Und nicht wie ein deutsches Märchen.

01:15:07: Ich hoffe, dass das menschlich ist, dass wir alle davon ausgehen,

01:15:10: dass es am Ende gut ausgeht.

01:15:13: Ich glaube, ich bin durch meine Fragenliste im Wesentlichen durch.

01:15:16: Gibt es etwas, was dir noch wichtig wäre? Was macht Marc nächstes Jahr?

01:15:20: Spannend. Was macht Marc nächstes Jahr? Nächstes Jahr arbeitet Marc weiterhin klinisch.

01:15:28: Ich bin ja Oberarzt, Anästhesie, Intensivmedizin, ich war Notarzt und das möchte

01:15:33: ich alles drei auch nächstes Jahr weiterhin machen.

01:15:37: Das mache ich zu 50 Prozent. Zur anderen Hälfte gebe ich Trainings,

01:15:41: wenn es um Kommunikation geht, oder auch Simulationen oder auch VR und schreibe.

01:15:49: Und je nachdem, wie das jetzt mit dem Buch weitergeht, gibt es das dann entweder

01:15:54: auch auf Englisch oder ich arbeite am nächsten Buch.

01:15:59: Und das nächste Buch, da geht es genau um Perspektivwechsel.

01:16:05: Und der Arbeitstitel ist mal

01:16:07: Arzt unter Messer. Kann aber auch auf der falschen Seite der Nadel heißen.

01:16:14: Das ist noch nicht ganz sicher. Und da möchte ich Geschichten erzählen.

01:16:20: Also tatsächliche, echte Geschichten. So wie von Oliver Sacks.

01:16:25: Aber nicht von einem ein ganzes Buch. Sondern von vielen Menschen aus dem Gesundheitswesen.

01:16:33: Und zwar idealerweise tatsächlich von Ärzten, die Patient geworden sind und

01:16:39: dann festgestellt haben, das ist aber nicht so, wie ich mir das eigentlich vorstelle.

01:16:42: Und zwar nicht, dass ich Patient bin, sondern wie,

01:16:46: was mir in dem Gesundheitswesen widerfährt, wie meine Kollegen mit mir umgehen

01:16:52: und vielleicht ist auch noch irgendwas schief gegangen und wie ist dann damit

01:16:56: umgegangen worden und ändere ich danach, was an meiner Praxis ist.

01:17:03: Also was habe ich daraus gelernt durch diesen Perspektivwechsel und davon Geschichten

01:17:09: daraus ein Buch zu machen.

01:17:10: Ich habe mir vorgenommen, immer wenn ich mit Gästen spreche,

01:17:13: dass ich ihnen noch so Fragen stelle, die möchte ich allen stellen.

01:17:18: Nämlich welches Buch liest du gerade?

01:17:22: Ich lese also selten nur eins, deshalb würde ich auch gerne beide nennen.

01:17:28: Das eine ist von Ruben, Kreativ, die Kunst zu sein.

01:17:36: Das ist der legendäre Music Producer,

01:17:40: der mit Run-DMC und Red Hot Chili Peppers und Eminem und so gut wie jedem und

01:17:50: auch so gut wie jedem Musikrichtung gearbeitet hat.

01:17:55: Er hat auch einen epischen Bart.

01:17:57: Und er hat ein episches Buch über Kreativität geschrieben, das sich von allen

01:18:03: anderen Büchern unterscheidet.

01:18:05: Es ist ein sehr, sehr weiser Mensch, stellt sich raus. Das habe ich jetzt gerade

01:18:09: das zweite Mal gelesen und lese jetzt noch das dritte Mal, weil da so viel drin ist.

01:18:14: Übers Leben und über Kreativität überhaupt.

01:18:19: Und dann lese ich ein Buch über Dorothee Parker, noch ein Martini und ich lege unter dem Gastgeber.

01:18:28: Das ist eine Biografie über Dorothee Parker, die ich durch Zufall bei meiner

01:18:34: Schwiegermutter, die ausschließlich Biografien liest, gefunden habe.

01:18:38: Und dann habe ich reingeschaut und jetzt Biografien über berühmte Frauen ist

01:18:44: normalerweise nicht Zielgruppe an,

01:18:46: also bin ich normalerweise nicht die Zielgruppe, aber die Frau war so faszinierend

01:18:52: und so witzig, dass ich nicht mehr aufhören konnte daran zu lesen.

01:18:57: Okay, danke. Ohne welche Tools in Sachen Produktivität auf deinem Handy oder

01:19:02: auf deinem Computer könntest du nicht leben?

01:19:06: Ich Ich bin Klegastheniker und das Gleiche gilt für Daten.

01:19:13: Das heißt, ich brauche einen Kalender. Ohne diesen Kalender bin ich hoffnungslos in der Zeit verloren.

01:19:20: Das ist das eine. Und das andere, ich benutze Trello als To-Do-Liste mit verschiedensten

01:19:28: Listen und Karten und Zeugs,

01:19:31: um meine tausend und drei Dinge, die ich alle gleichzeitig mache, irgendwo zu ordnen.

01:19:40: Und dort gehe ich nach dem David Allen Getting Things Done Prinzip vor.

01:19:46: Also es gibt eine Eingangskarte, es gibt eine Heute-zu-erledigen-Karte,

01:19:49: es gibt eine Ich-warte-auf.

01:19:50: Das sind irgendwie 20 und da schreibe ich immer das Datum hin,

01:19:53: wann habe ich angerufen, wann kommt das sozusagen nochmal zurück,

01:19:57: damit ich dann schön nachverfolgen kann.

01:20:00: Dann gibt es eine Done-Liste, wo ich alle Sachen, die ich heute erledigt habe,

01:20:06: draufschiebe und am Abend sagen kann, hey, guck mal da, das hast du heute alles geschafft.

01:20:12: Ja, die beiden Sachen. Schon wieder zwei.

01:20:15: Schon wieder zwei. Genau. Wenn du David Allen sagst, ist deine Inbox jemals

01:20:19: Zero gewesen? Willst du sie sehen? Ja. Ich schaff das nicht.

01:20:26: Ich hab vier Haupt-E-Mail-Adressen und drei davon haben aktuell null.

01:20:36: Sehr gut. Ja, wie gesagt, das sind die Fragen, wo ich dachte,

01:20:40: wenn ich mit Leuten spreche, die interessant sind, dann versuche ich an der

01:20:44: Stelle, was über die zu lernen.

01:20:45: Dankeschön. Ich muss mich korrigieren, zwei davon sind null.

01:20:50: Ich habe gerade rüber geguckt und die anderen sind gerade wieder viel eingeflossen.

01:20:56: Ja, alles fließt. Hunter Ray. Genau. Marc, an der Stelle würde ich einfach Danke

01:21:02: sagen. Vielen Dank für deine Zeit. Das ist ein Gespräch gewesen,

01:21:04: auf das ich mich lange gefreut habe. habe und was mir auch leid tut,

01:21:08: dass es so lange gedauert hat, bis sie es realisieren konnten.

01:21:11: Ist ja kein Notfall.

01:21:11: Ist genau das gewesen. Genau, ist genau das, was ich mir erhofft hatte.

01:21:17: Ich weiß noch nicht genau, was für eine Überschrift ich am Ende auf die Episode

01:21:21: setze, weil wir wunderbar ins Schwadronieren gekommen sind, fand ich.

01:21:24: Es hat mich total gefreut. Danke. Marc, vielen Dank.

01:21:28: Wer mehr Informationen zu Marc Weinhardt sucht oder zu Marc sucht,

01:21:31: Wir verlinken da alle wesentlichen Informationen auf unserer Homepage.

01:21:35: Er hat nämlich auch eine sehr interessante Homepage und da gibt es ganz viel

01:21:38: noch über ihn zu erfahren.

01:21:41: Ja, vielen Dank und wir hören uns in der nächsten Episode. Dankeschön.

01:24:07: Ich fand das wirklich nett, hab mich wirklich gefreut.

01:24:10: Ich auch. Ja, spannend.

01:24:14: Und ich finde, dein Lebensentwurf ist jetzt so ein riesiges Wort,

01:24:18: aber diese Kombination aus klinischer Arbeit und Kommunikationstraining,

01:24:23: so logisch und nachvollziehbar, das finde ich toll. Das finde ich richtig gut.

01:24:30: Danke. Also es hat noch nie jemand Lebensentwurf genannt,

01:24:37: aber ich habe mir, also du hast David Allen erwähnt,

01:24:42: ich habe viele Bücher, ich lese glaube ich zwei Drittel Fach und ein Drittel

01:24:46: Non-Fiction, mir viel, viel Gedanken darüber gemacht, was kann ich und wo soll es hingehen.

01:24:56: Und das ist mir immer schwergefallen.

01:25:00: Ich habe ganz lange gebraucht dafür, dass ich sozusagen das,

01:25:05: was ich jetzt mache, und das ist jetzt auch noch zu viel.

01:25:07: Also es ist nicht gespitzt, sondern es ist halt so breit.

01:25:13: Was hat VR mit Anästhesie zu tun? Ja klar.

01:25:20: Aber ich kann es darauf zurückführen, auf das, was mir… ich lege total viel Wert darauf,

01:25:25: zu arbeiten und habe festgestellt, dass ich mit Kommunikation und Kommunikationstraining

01:25:34: da am meisten reißen kann.

01:25:40: Ich habe mich, nachdem ich das erste Buch geschrieben habe, meine Frau und ich

01:25:45: uns hingesetzt und haben gesagt, okay, gut, dabei habe ich dir jetzt geholfen.

01:25:49: Bei der Doktorarbeit auch. Noch ein Buch hält unsere Ehe nicht aus.

01:25:55: Und, also das habe nicht ich gesagt. Und jetzt habe ich danach noch zwei geschrieben.

01:26:01: Und bin aber immer noch verheiratet. Und das liegt unter anderem auch daran,

01:26:06: dass wir eben beide Kommunikationstrainer sind.

01:26:11: Und ich mich gegen die Uni-Publikationskarriere entschieden habe.

01:26:20: Weil da wäre die Häufigkeit, sich weiterhin kreativ und schreibend tätig zu

01:26:28: sein, das wäre wahrscheinlich ein zu großer Strain gewesen.

01:26:32: Und das ist auch nicht meine Kernkompetenz, wissenschaftliches Schreiben.

01:26:37: Sondern für mich ist, und das können andere viel besser als ich,

01:26:40: und das soll in keinster Weise das irgendwie schmälern.

01:26:46: Es ist nur so, dass ich das eben nicht gut kann. Und mehr mit der Verbindung

01:26:52: aus klinischer Tätigkeit und Erfahrung das Hands-on weiterzugeben.

01:27:02: Und so einfach wie möglich. Also das ist auch noch eine Sache,

01:27:06: die mir total wichtig ist und das, was ich auch immer wieder zurückgespiegelt krieg.

01:27:10: Ich hab vorvorgestern eine Keynote über Ärger und 10 für 10 gehalten.

01:27:21: Und da war vor mir jemand, der seine Studien dazu vorgestellt hat,

01:27:26: das war aber kein Fachpublikum.

01:27:30: Er hat das schon sehr viel runtergebrochen, aber es war immer noch zu hoch fürs Publikum.

01:27:41: Auf dem medizinischen Kongress wäre es nicht speziell genug gewesen,

01:27:45: aber für das Publikum war es noch zu hoch.

01:27:49: Ich habe über ein ähnliches Thema gesprochen, aber auf einem viel einfacheren

01:27:56: Level. Das ist das, was die Leute zu mir nachher gesagt haben.

01:27:58: Sie haben gesagt, es ist ja super. Das kann man ja auch einfach ausdrücken.

01:28:05: Und darauf versuche ich mich zu konzentrieren, mir was rauszusuchen.

01:28:10: Wie kann ich das so rüberbringen, dass Leute das verstehen und annehmen können,

01:28:15: Obwohl es vielleicht gar nicht so einfach ist.

01:28:20: Ja, also ich glaube, Glaubwürdigkeit wäre das Stichwort, was ich da für dich

01:28:25: benutzen würde, dass du eben aus der Klinik das übertragen, also die Erfahrungen

01:28:30: aus der Klinik übertragen, in die Kommunikationsstrategien.

01:28:33: Wenn du sagst, deine Frau ist auch Kommunikationstrainerin, dann würde mich

01:28:36: ja noch interessieren, wie es am Esstisch bei euch funktioniert und wie Closed-Loop-Kommunikation

01:28:43: mit eurem Sohn beim Anziehen funktioniert, ob man das… Gerne.

01:28:49: Kann ich gerne Beispiele erzählen. Erstens ist Abendessen genau richtig,

01:28:55: weil wir halt viele verschiedene Sachen haben.

01:29:01: Wir sind oft unterwegs. Sie ist heute in Köln, ich war gestern in Blaubeuren

01:29:05: und zwei Tage davor in Bordeaux.

01:29:08: Und am Freitag geht es nach Paris, sofern da nicht alles brennt.

01:29:15: Deshalb legen wir total viel Wert drauf, wenn wir da sind, dass wir gemeinsam ablässen.

01:29:22: Und da funktioniert das tatsächlich, dass wir unsere Telefone weglegen.

01:29:29: Aber wir erinnern uns auch jeder gegenseitig dran. Also auch mein Sohn sagt

01:29:32: zu mir, jetzt legst du's weg.

01:29:35: Und wir nennen das für die Kinder, haben wir das Dinner-Uni genannt. Das ist,

01:29:40: glaube ich, sogar ein echter Begriff, dass man halt, wir besprechen Dinge über

01:29:46: den Tag, aber auch Beispiele, Kommunikationsbeispiele, die uns passiert sind.

01:29:54: Und da haben unsere Kinder, ich habe noch eine Tochter, die lebt in Berlin und

01:29:57: studiert dort, glaube ich, recht viel mitgenommen.

01:30:03: Also sie haben als, immer wenn sie in eine neue Klasse kamen oder wenn das neue

01:30:08: Schuljahr anfing, am ersten Tag, wenn die Lehrer vorgestellt wurden, kam sie zurück.

01:30:12: Und ich weiß noch, das war fünfte Klasse, da kam mein Sohn zurück und hat gesagt,

01:30:18: ja, also der Herr X, dem sind Fakten sehr wichtig.

01:30:25: Und beim Herrn Y, der legt mehr Wert auf Meinung. Und Frau Dings,

01:30:31: mit der kann ich Spaß haben.

01:30:36: Wie cool.

01:30:37: Und ich werde wahrscheinlich nicht Ethik, sondern Religion lehnen,

01:30:40: weil er gesagt hat, bei mir müsst ihr nichts wissen, bei mir köft ihr träumen.

01:30:46: Und so hat er die sozusagen immer eingeschätzt, wenn er, oder sie auch,

01:30:52: auch, wenn sie neu jemanden kennengelernt haben.

01:30:59: Insofern funktioniert das ganz gut, würde ich sagen.

01:31:02: Ja, also meine Kinder sind noch relevant kleiner, aber auch da merkt man total,

01:31:07: wie, also wenn man diese ganzen Kommunikationskonzepte, die man irgendwie von

01:31:11: der Arbeit mitbringt mit non-violent communication, Placebo,

01:31:16: Nocebo-Sprache, wie sehr das einfach auch im Alltag wirkt

01:31:21: Und wie einfach es ist, damit einen Unterschied zu machen.

01:31:24: Auch wenn man ja, kennst du bestimmt auch, dass da Situationen.

01:31:28: Also meine Frau macht was anderes.

01:31:30: Nichts, nichts mit Medizin und nichts mit, ich sag mal, Grenzbereichs Kommunikation.

01:31:39: Was das für einen Unterschied machen, wie unterschiedlich die Kinder darauf

01:31:42: reagieren und das ist einfach manchmal.

01:31:45: Ich glaube, besser funktioniert. Und das ist doch diese Übertragbarkeit aus dem Alltag.

01:31:49: Das ist doch total schön. Und das bringt mich noch zu einem Punkt,

01:31:53: dem ja auch total wichtig ist.

01:31:56: Ich hatte einen Vertrag mit einem Verlag für das Buch, eben den 3-Minuten-Arzt

01:32:03: und habe ihm zuerst das Kapitel über Kommunikation mit Medien geschickt.

01:32:09: Und dann hat er gesagt, naja, das war vor der Pandemie. Letztendlich waren es

01:32:13: fünf Jahre, die ich da reingesteckt habe.

01:32:14: Und da hat der Verleger gemeint, naja, irgendwie passt das ja nicht so.

01:32:18: Ich dachte, das ist hauptsächlich Arzt-Patienten-Kommunikation und ein Arzt

01:32:22: braucht ja eigentlich keine Kommunikation mit Medien.

01:32:25: Und dann habe ich gemerkt, okay, gut. Und außerdem schreibst du in der ersten

01:32:29: Person. Das ist jetzt auch für ein wissenschaftliches Buch jetzt nicht so.

01:32:33: Und dann habe ich überlegt, ob ich mich da hinbiegen will oder nicht und hab

01:32:37: dann gedacht, nee, das ist nicht das, was ich mir vorstelle.

01:32:40: Und wir haben dann glücklich den Vertrag aufgelöst. Deshalb ist das jetzt sozusagen meins.

01:32:47: Und ... weil ich glaub nicht, dass es einen großen Unterschied macht,

01:32:52: dass ein Arzt mit einem Patienten spricht, oder ob ein Arzt mit einem anderen

01:32:55: Arzt spricht, oder ob ein Arzt mit einer Pflegekraft spricht.

01:32:58: Da sprechen immer zwei Menschen miteinander.

01:33:02: Und die Prinzipien sind immer die gleichen. am Esstisch oder bei der Einleitung

01:33:08: um 3 Uhr nachts im Dunkeln unter Wasser.

01:33:13: Wenn ich meinem Sohn sage, okay, gut, ja klar, du kannst bis dahin wegbleiben

01:33:18: und du kannst auch da übernachten, aber wenn du das machst, dann schreib mir

01:33:23: das bitte und schick mir einen Standort.

01:33:27: Und dann sagt er ja und dann sage ich, nee, jetzt wiederhol bitte,

01:33:33: Schau von deinem Telefon auf und wiederhol mir, was du gesagt hast.

01:33:36: Ja, ich schicke dir einen Standort und ich sag, wenn ich daheim bin.

01:33:42: Und wir machen das mit Closed-Loop-Kommunikation eben auch zu Hause.

01:33:47: Und dementsprechend weiß ich dann, gut, der kann nach Hause kommen,

01:33:51: wenn ich schon lange schlafe, wenn ich dann um drei Uhr nachts irgendwie aufwache

01:33:53: und aufs Handy gucke und dann steht da die WhatsApp, ich bin daheim.

01:33:58: Und das hilft da genauso wie Bei der Anleitung.

01:34:07: Jetzt wo du es mit deinem buch das sagst ich auf

01:34:10: deiner homepage hast du

01:34:13: die das im vorfeld

01:34:16: hat erstens ein kompliment hanner hat im vorfeld an deinen probe kapitel irgendwie

01:34:21: aus dem einen minuten arzt gelesen oder wo das ist aber sehr schön lesbar das

01:34:27: fand sie fand sie sehr gut und dann habe ich lange überlegt die sieben tipps

01:34:32: für die kommunikation mit medien die man herunterladen kann.

01:34:35: Die führen zu einem 404 Fehler.

01:34:37: Siehst du, das hatten ja meine Freunde.

01:34:39: Und da habe ich überlegt, ob das Absicht ist. Weil wenn ja, super.

01:34:50: Das hat mir meine Frau neulich gesagt. Sie hat gesagt, wir müssen diese Downloadseite

01:34:55: dringend überarbeiten, weil da ist eben was, was ausgerechnet dahin führt.

01:35:04: Und aber jetzt, wo du sagst, glaube ich, ich lasse es.

01:35:10: Das ist so um die Ecke.

01:35:22: Witzig. Witzig. Ja, ähm, ja. Wollte ich dich fragen, ob das Absicht ist?

01:35:25: Nee, das ist keine Absicht. Ich überlege noch mal, ob ich das ändere oder nicht.

01:35:32: Ja, das ist ein Tipp für dich. Ja.

01:35:38: Ich danke dir.

01:35:41: Wie gesagt, wenn du jetzt auf den Leave-Knopf unten drückst,

01:35:45: dann ist der, also ich sehe, der ist zu 99% schon fertig.

01:35:50: Dann ist das in 10 Sekunden wahrscheinlich erledigt.

01:35:55: Ich werde das über eine AI laufen lassen und versuchen, Wir versuchen eine Speech-to-Text-Analyse

01:36:00: und eine Zusammenfassung mal computergeneriert zu erzeugen.

01:36:03: Und dann werde ich mich wieder ärgern, dass ihr die ganzen Medizin nicht erkennt.

01:36:08: Und dann schicke ich dir mal ein fertiges Produkt und dann sagst du mir,

01:36:12: was du davon hältst. Dankeschön.

01:36:15: Ich danke dir, Ingo.

01:36:16: Und dann... Schönes Wochenende. Super, gerne. Und dann ein schönes,

01:36:20: warmes Wochenende wünsche ich dir. Danke schön. Tschüss.

Über diesen Podcast

Der Podcast aus der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen. Wir berichten über Aktuelles aus Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin. Manchmal sprechen wir auch einfach über Dinge, die uns interessieren.
"Young Urban Anesthesiologists", kurz "YUAN" referenziert das Weiterbildungsformat der Abteilung, auch wenn wir weder besonders jung noch urban sind.

CME-Fortbildungspunkte für das Hören des Podcasts können über unsere Homepage beantragt werden.

von und mit Ingmar Finkenzeller (Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen)

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