Young Urban Anesthesiologists

Young Urban Anesthesiologists

Der Podcast der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen

Transkript

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Ingmar: Willkommen zur nächsten Folge des Young Anesthesiologist Podcast.

Ingmar: Heute wollen wir in die faszinierende Welt der Elektroencephalographie, des EEGs, eintauchen.

Ingmar: Das mit dem EEG gibt es so seit den 1920er Jahren.

Ingmar: Es ist in Jena durch den Neurologen und Psychiater Hans Berger erfunden worden

Ingmar: und ist seitdem in der Neurophysiologie eine ziemlich etablierte Untersuchungstechnik.

Ingmar: Wikipedia sagt, die häufigste Untersuchungstechnik in der Neurophysiologie.

Ingmar: In der Anästhesie und in der Intensivmedizin verwendet man auch EEGs.

Ingmar: Das ist dann der Punkt, wo wir hier unsere Messtechnik-Reihe damit belasten wollen.

Ingmar: Aber ich glaube, dass wir eben zur Interpretation eines EEGs eben nicht nur

Ingmar: ein bisschen theoretisches Wissen brauchen, sondern auch etwas Übung und Erfahrung.

Ingmar: Und vielleicht können wir hier mit einer Diskussion um unprozessiertes und unprozessiertes

Ingmar: EEG von kritisch Kranken oder von narkotisierten Patienten ein paar Gedankenprozesse anstoßen.

Ingmar: Und ich glaube, das könnte eine ganz spannende Folge werden.

Ingmar: Mit dabei am runden Tisch in der Reihe nach. Ich bin Ingmar.

Ralf: Ich bin Ralf.

Hanna: Ich bin Hannah.

Clemens: Und ich bin Clemens.

Ingmar: Alle da, das heißt, das müsste eine gute Folge werden. Wir haben im Vorfeld

Ingmar: schon ein bisschen diskutiert und ich hoffe, dass die Diskussion gleich nochmal aufflammt.

Clemens: Vielleicht trauen wir uns nicht mehr.

Ingmar: Aber bevor wir ins Richtige diskutieren kommen, sollten wir vielleicht nochmal

Ingmar: über Grundlagen des EEG-Monitorings oder von EEGs an sich nochmal sprechen.

Ingmar: Das ist vielleicht ein bisschen die Perspektive von mir als Intensivmediziner.

Ingmar: Die anderen bringen vielleicht hoffentlich ein bisschen mehr OP-Saal-Perspektive

Ingmar: mit. Mal gucken, wie wir uns da ergänzen.

Ingmar: Im EEG grundsätzlich zeichnet man Potenzialschwankungen von elektrisch erregbaren

Ingmar: Strukturen im Kortex auf und diese elektrischen Strukturen sind die Nervenzellen.

Ingmar: Das sind die Pyramidenzellen und die Gliazellen. Und die Gliazellen haben aber

Ingmar: eigentlich gar nicht so richtig die Fähigkeit, elektrische Potenziale zu erzeugen.

Ingmar: Bleiben übrig die Pyramidenzellen.

Ingmar: Das sind die elektrisch erregbaren Neuronen

Ingmar: im Cortex. Die haben ein Ruhemembranenpotenzial bei 60 bis 70 Mikrovolt.

Ingmar: Und wenn sich das verändert, dann

Ingmar: gibt es eben eine Depolarisation und es entsteht ein Aktionspotenzial.

Ingmar: Das ist super basic. Diese Potentialschwankungen, die

Ingmar: durch das Auslenken des Ruhemembranpotentials in Aktionspotentiale oder die

Ingmar: Umwandlung von Ruhemembranpotentiale in Aktionspotentiale und die dadurch entstehenden

Ingmar: Spannungsdifferenzen und Potentialschwankungen können im EEG registriert werden

Ingmar: und das erzeugt eben messbare Bannungen.

Ingmar: Wichtig ist noch, dass wir mit dem EEG nicht einzelne Neuronen anschauen,

Ingmar: sondern dass es ein Summationspotential ist, so wie beim EKG,

Ingmar: wo wir auch ein Summationspotential der Oberflächenspannung des Herzens angucken,

Ingmar: gucken wir so ein Summationspotential aller excitatorischen und inhibitorischen

Ingmar: post-synaptischen Potentiale an.

Ingmar: Und das wird dann eben zusammengebaut. Das gibt jede Menge Artefakte,

Ingmar: das hängt davon ab, wo man das EEG ableitet, ob eben über die Haut oder direkt

Ingmar: invasiv kann man das machen.

Ingmar: Dann gibt es ganz viele Strukturen, die im Gehirn für Widerstände,

Ingmar: Impedanzen sorgen, Sulki, Furchen, Flüssigkeiten, Knochen, Luft,

Ingmar: Blut, je nachdem was man da so hat.

Ingmar: Aber das ist glaube ich so die ganz grobe Einleitung oder Einführung in die

Ingmar: Grundlagen der EEG-Messtechnik.

Ingmar: Wir messen also eine elektrische Spannung in Volt oder in Mikrovolt und Spannung

Ingmar: zur Erinnerung war das Produkt aus Stromstärke und Widerstand.

Ingmar: Stromstärke beschreibt die Bewegung von Ladungen pro Zeit und Widerstand beschreibt

Ingmar: die Kräfte, die dem freien Fluss von Ladungen entgegenwirken.

Hanna: Kurze Wiederholung der Physikgrundlagen aus der Mittelstufe.

Clemens: Wir wussten das alle noch.

Ralf: U ist gleich M mal I.

Hanna: Uri haben wir nicht vergessen.

Ingmar: Uri Dreieck.

Ralf: Es ist schön, dass das so lange bleibt im Kopf.

Ingmar: Es ist eigentlich ziemlich stumpf, dass wir sowas immer. Dass es so wenige Dinge

Ingmar: gibt, die wir so oft wiederholen, wie die Arterie läuft am Unterrand der Rippe.

Ralf: Ivan.

Ingmar: Ivan und Uri.

Hanna: Sind durchaus hilfreiche Dinge, die wir auf die Art und Weise immer wiederholen.

Clemens: Denk mal, Get Better, das wird ja auch gleich noch kommen.

Ingmar: Ja.

Clemens: Das ist einfach was Neues.

Ingmar: Die EEGs, die in der Intensivmedizin und im OP angewendet werden,

Ingmar: sind normalerweise Oberflächenelektroden.

Ingmar: Neurophysiologen mögen hier andere Techniken verwenden oder in der Epilepsie-Chirurgie.

Ingmar: Da bewegen wir uns mit anderen Elektroden im Gehirn, aber wir machen das alles erst mal außerhalb.

Ingmar: Wir versuchen trotzdem so gute elektrische Leitfähigkeit, wie es geht,

Ingmar: zu erreichen, indem wir irgendwie die Haut entfetten und so wenig Hornhaut wie

Ingmar: möglich zwischen der Elektrode und dem Gehirn haben.

Ralf: Ich glaube, das ist grundsätzlich was Wichtiges, was man bei dieser ganzen Sache,

Ralf: eben beachten muss, damit es eben funktioniert.

Ralf: Dadurch, dass wir eben nicht so kleine Schräubchen in die,

Ralf: Also diese kleinen Drehnadelschräubchen, die neurophysiologisch teilweise mal

Ralf: da so in den Kopf reingemacht werden.

Ralf: Bei irgendwelchen evozierten Potentialen, sage ich mal so als Überbegriff,

Ralf: da umgeht man ja genau das Problem, dass wir dann einen sehr hohen Widerstand,

Ralf: eine hohe Impedanz haben, die uns die Messung dann versaut.

Ralf: Haut, die lösen das Problem, indem sie es einfach in die Haut machen,

Ralf: damit die Elektrode schon direkt umgeben ist von irgendwas, was Wasser hält und keine Hautschicht.

Ingmar: Was Elektrolythaltiges. Ja.

Ralf: Und das ist eben auch irgendwie das ganz Wichtige für uns, dass wir es nicht

Ralf: so invasiv machen wollen, dass wir dann eben entsprechend diese Schritte machen,

Ralf: die du schon angesprochen hast.

Ralf: Fett wegbringen, weil Fett ist wie unsere Doppel-Lipid-Schicht, was was isoliert.

Ralf: Etwa tote Hautzellen, die irgendwie auch in Isolation machen,

Ralf: wegmachen und dann irgendwie Gel oder irgendeine Form von Leitendengel darauf

Ralf: bringen, dass das einen guten Kontakt gibt.

Ingmar: Das sollte man nicht verbimmeln. Ich schulde jemandem, verbimmeln zu sagen.

Ingmar: Denn dann wird die Messqualität da besser. Und das Ganze ist sowieso so,

Ingmar: so kleine Spannungsunterschiede, so kleine Potenzialunterschiede.

Ingmar: Und es ist so artefaktanfällig, dass es manchmal auf so Kleinigkeiten ankommt,

Ingmar: dass man eben eine gute Signal- oder eine Signalqualität hat,

Ingmar: die so gut wie möglich ist.

Ingmar: Die abgeleiteten Spannungen sind eben so artefaktüberlagert durch alles,

Ingmar: was noch so elektrisch in der Nähe passiert,

Ingmar: zum Beispiel EKG oder Muskelartefakte, dass es dann auch noch ganz viele Filter

Ingmar: gibt, die darüber gelegt werden, Hochfrequenz- und Tieffrequenzfilter,

Ingmar: um eben dann am Ende aus diesem analogen EEG-Signal was Digitales, Lesbares zu machen.

Ingmar: Dann kann man sich noch Gedanken machen über Abtastraten, die abhängig sind

Ingmar: von der zu erwartenden Analysefrequenz. Wollen wir gleich das Codewort machen?

Ralf: Nyquist-Shanon-Abtasttheorie.

Ingmar: Nyquist-Shanon-Abtasttheorie. Ich habe beschlossen, einfach keine Codeworte mehr zu machen.

Ralf: Nyquist kennt man ja vielleicht vom Ultraschallgerät. Das Nyquist-Level. Also vom Farbdoppler.

Ingmar: Ist ja genau das gleiche.

Ralf: Es wird die gleiche Person sein und es geht ja auch Und.

Ingmar: Es geht auch um die.

Ralf: Abtastfrequenz. Deswegen sage ich ja, dass man erst mal den Namen Nyquist kennen

Ralf: könnte und vielleicht auch wie er geschrieben ist.

Ingmar: Nyquist Shannon.

Ralf: Ja, Shannon kannte ich jetzt in dem Sinne nicht.

Hanna: Aber Nyquist Shannon Abtasttheorem ist schon auch wirklich ein gutes Wort.

Ingmar: Ja, das besagt, dass die Abtastrate eines Signals immer größer als das Zweifache

Ingmar: seiner höchsten noch zur Darstellung zu bringenden Frequenz sein muss.

Clemens: Logisch.

Ingmar: Die Abtastfrequenz ist größer als das Zweifache der zur Darstellung zu bringenden Frequenz.

Ingmar: Also beim EEG zwischen 256 und 4000 Hertz, sagt unsere Quelle.

Clemens: Gut, also wir haben festgehalten, dass ein EEG eine standardisierte Methode

Clemens: ist, um die elektrische Aktivität des Gehirns zu erfassen.

Clemens: In unserem Fall natürlich, muss man fairerweise sagen, eher des Frontallappens bzw.

Clemens: Des Cortex vorne am Kopf. Man kann natürlich die subkortikalen Strukturen indirekt

Clemens: mitmessen, aber dadurch,

Clemens: dass das natürlich extrem weit entfernt ist, auch von der Elektrode,

Clemens: wird da nicht mehr so viel von ankommen.

Clemens: Bei einem Routine-EEG, also bei dem, was wir jetzt nicht in der Anästhesiologie bzw.

Clemens: Intensivmedizin nutzen, sondern eher in der Neurophysiologie,

Clemens: gibt es verschiedene technische Anforderungen, die eingehalten werden müssen.

Clemens: Da wollen wir jetzt aber im Detail gar nicht so sehr drauf eingehen.

Clemens: Die haben einfach natürlich viel, viel mehr Kanäle,

Clemens: viel mehr Elektroden auf dem Kopf und haben da bestimmte Sachen,

Clemens: die sie natürlich noch viel deutlicher darstellen können und können auch verschiedene

Clemens: Hirnareale natürlich damit messen.

Clemens: Während wir, wie gesagt, eher frontal

Clemens: unterwegs sind. Das passt ja auch vielleicht zu uns in der Hinsicht.

Hanna: Alles ein bisschen reduzierter.

Clemens: Ein bisschen einfacher.

Ingmar: Und gerne enthemmt.

Clemens: Genau.

Hanna: Unbedingt.

Clemens: Dauer der Ableitung beim Routine-EG ist auch mindestens 20 Minuten.

Clemens: Das ist jetzt nichts, was man dauerhaft bei den Patienten drauf ist.

Ralf: Ich wollte noch sagen, man gibt ja wie so eine Art Eichung, macht man ja auch

Ralf: so, bitte mal jetzt die Augen öffnen, die Augen schließen.

Ralf: Das sind ja so am Anfang so Kommandos, die es dazu gibt. Entschuldigung.

Clemens: Ja, das sind ja auch dann Artefakte, die man auch sehen kann beim Patienten,

Clemens: wenn man das EEG frontal schon aufsetzt, bevor man oder anbringt,

Clemens: bevor man die Narkose einleitet, dann kann man ja blinzeln und solche Sachen

Clemens: tatsächlich auch ableiten und auch sehen, auch als Artefakt.

Clemens: Ja, Ingmar, du wolltest glaube ich was zu den Unterschieden in der Intensivmedizin noch sagen Ja.

Ingmar: Du hattest ja gerade gesagt mindestens 20 Minuten man kann das natürlich,

Ingmar: komplett kontinuierlich machen und sich dann überlegen, was will ich sehen,

Ingmar: gibt es bestimmte Areale im Gehirn die ich elektrisch abbilden möchte und das

Ingmar: geht mit beliebiger Komplexität bis zu mehreren hundert Elektroden,

Ingmar: die man über Kappen auf der Intensivstation eben auch,

Ingmar: tagelang, wochenlang irgendwie drauf darauf lassen kann, um dann eben kontinuierliche

Ingmar: Veränderungen zu sehen.

Clemens: In der Epileptologie machst du ja dann auch irgendwelche Hyperventilationsmanöver

Clemens: oder du legst sie und machst Schlafentzugs-EEG, solche Sachen.

Ingmar: Ja, wir bewegen uns also...

Ingmar: Konzeptionell ziemlich genau dazwischen, also zwischen den ernsthaft kontinuierlichen

Ingmar: Verfahren, die wirklich dauerhaft sind und ich nenne es mal Punktmessungen, die einfach,

Ingmar: EG-Muster auffangen, dann versuchen daraus eine Aussage zu treffen,

Ingmar: wie es dem Patienten oder der Patientin gerade geht.

Ingmar: Und ich glaube, ein Unterschied ist auch so ein bisschen, wer es befindet.

Ingmar: Das ist im OP, da sind eben seltenst Neurophysiologen irgendwie mit direkt dabei,

Ingmar: Es sei denn, man hat spezielle Fragestellungen.

Ingmar: Auf der Intensivstation sind so Langzeit-EEGs dann eben häufig mitbefundet von

Ingmar: den Kolleginnen und Kollegen aus der Neurophysiologie.

Ingmar: Da hat man dann auch nochmal Hilfe. Auch die Indikation ist auf der Intensivstation

Ingmar: fürs E-Gen eine andere oder häufig eine andere,

Ingmar: weil wir da wirklich nach Pathologien forschen, während im OP sind wir eher

Ingmar: der Frage hinterher, wie ist unser Sedierungsmanagement,

Ingmar: sind wir da auf dem richtigen Weg.

Ingmar: Das ist etwas, was wir auf der Intensivstation zwar auch machen,

Ingmar: aber ich würde sagen, das wird ergänzt auf der Intensivstation um wirkliche Diagnostik.

Ralf: Ich würde dir gerne noch eine Frage zur Intensivstation stellen.

Ralf: Jetzt könnte man ja auch sagen, wir möchten jemanden, der in irgendeiner Weise,

Ralf: möchtest du den cerebralen Sauerstoffverbrauch reduzieren, aufgrund einer Pathologie,

Ralf: wie auch immer sie jetzt geartet sei.

Ralf: Könnte man ja sagen, dann möchte ich jetzt auch irgendwie Burst Suppression

Ralf: machen durch einen multiplen Cocktail an Dingen.

Ralf: Dann könntest du ja deinen Effekt auch messen wollen, wenn du ein EEG dran machst

Ralf: oder ein prozessiertes EEG.

Ralf: Was sagst du dazu?

Clemens: Jetzt sagst du ja schon so böse Sachen wie Burst Suppression.

Clemens: Das müssen wir eigentlich kurz klären, oder?

Ingmar: Eigentlich ja.

Ralf: Dann klär's.

Clemens: Okay, also wenn wir jetzt vom EEG sprechen, dann gibt es da bestimmte Konventionen,

Clemens: die sich international durchgesetzt haben.

Clemens: Und die betreffen insbesondere die Potenzialschwankungen, also die Frequenzen

Clemens: und die Amplituden der Wellen, die man da so sehen kann. Und deswegen meinte

Clemens: ich auch vorhin Get Batted.

Clemens: Das soll die Abkürzung sein, um sich zu merken, in welcher Reihenfolge die Frequenzen benannt werden.

Clemens: Also G, also Gamma, Beta, Alpha, Theta, Delta und so weiter Wellen.

Clemens: Warum diese Abkürzung da jetzt hilft, das muss man sich wahrscheinlich lieber

Clemens: einmal durchlesen dann merkt man, dass das eben die Anfangsbuchstaben sind von diesem Begriff,

Clemens: und im Prinzip zeigt es eben die Frequenzen der verschiedenen Wellen,

Clemens: die man messen kann also Gammawellen haben eine Frequenz von über 30 Hertz,

Clemens: die werden dann gefolgt von Betawellen 12 bis 30 Hertz da gibt es Low-Beta und High-Beta,

Clemens: also Low-Beta unter 20 Hertz Hertz, Halbwetter über 20 Hertz und nur damit man

Clemens: da nicht durcheinander kommt, also Hertz heißt einfach wie oft pro Sekunde.

Hanna: Das ist die Einheit.

Clemens: Ja, ja, das ist die Einheit, aber nur, dass man sich das mal wieder vergegenwärtigt,

Clemens: wenn man das nicht allzu oft macht.

Clemens: Ansonsten Alphawellen 8 bis 12 Hertz, Thetawellen 4 bis 8 Hertz,

Clemens: Deltawellen 1 bis 4 Hertz und dann gibt es noch Slow Waves unter 1 Hertz.

Clemens: Und was wir jetzt gerade meinten mit Birth Suppression ist quasi das,

Clemens: was noch danach kommt, nämlich ein komplett isoelektrisches EEG, gefolgt von...

Clemens: Burst, also von, sagen wir mal, hochfrequenten Wellen, die dann wieder gefolgt

Clemens: werden von eben mehr oder weniger isoelektrischem EEG.

Clemens: Und das kann man erreichen, indem man bestimmte Narkosemittel einsetzt in hoher

Clemens: Dosierung und das ist im OP-Bereich zumindest ein Hinweis darauf,

Clemens: dass man es übertrieben hat.

Clemens: Aber auf der Intensivstation, bei Patienten mit Hirndruck etc.

Clemens: Kann das mal erwünscht sein. Aber jetzt kann irgendwann da noch was dazu sagen.

Hanna: Ich wollte ganz kurz noch Burst Suppression, weil wir haben ja kein Bild hier.

Clemens: Ja, leider nicht.

Hanna: Man muss es sich glaube ich ein bisschen so vorstellen, als hätte man so eine

Hanna: Trommel mit so einem Trommelfell und es passiert nicht viel und dann haut irgendwann mal einer drauf.

Hanna: Und dann wird es einmal kurz viel und dann wird es wieder weniger.

Hanna: Also so eine Trommel, die nur ganz kurz schwingt. So eine Snare.

Ingmar: Das war so eine Misconception, die ich früher hatte, dass ich dachte,

Ingmar: Burst Suppression heißt, wir unterdrücken alle Bursts, also wir suprimieren die Bursts.

Ingmar: So ist es halt nicht, sondern die Suppression wechselt sich mit den Bursts ab. Ja, richtig.

Ralf: Die cerebrale Asystolie mit einer Extrasystole ab und zu.

Ingmar: Wir werden halt ganz viele EKG-Allegorien irgendwie noch bauen.

Clemens: Und diese Nomenklatur, die ich gerade durch exerziert habe, die entspricht dann

Clemens: auch entsprechenden Wachheitsstadien, die der Patient so haben kann oder die der Mensch so hat.

Ingmar: Und da ist die ganz grobe Verallgemeinerung, dass je schneller die Grundfrequenz

Ingmar: ist, desto wacher die Patienten.

Ingmar: Und dann ist eben am unteren Ende, wenn die Grundfrequenz quasi Null ist,

Ingmar: dass dann auch das Bewusstsein maximal oder die ZNS-Funktion maximal ausgeschaltet ist.

Clemens: Mutmaßlich, wobei das dann fast philosophisch ist.

Ingmar: Genau, da wird es dann wirklich…,

Ingmar: Eigentlich ganz spannend an der Stelle. Wir benutzen Burst-Suppressions-EGs als Ziel.

Ingmar: Gar nicht so in der Neuroprotektion, sondern vor allem dann,

Ingmar: wenn wir sagen, wir haben vorher irgendwie Epilepsie-Potenziale.

Ingmar: Und wir müssen das Gehirn, auch da ist wieder die EKG-Defibrillator-Allegorie,

Ingmar: einmal ausschalten und dann wieder anschalten.

Ingmar: Um Sauerstoffverbrauch zu sparen Bei einem Neurotrauma zum Beispiel.

Ingmar: Auch das ist eine ganz philosophische Frage, ob es neuroprotektive Sedierungsformen oder Muster gibt.

Ingmar: Die Antwort ist wahrscheinlich nein. Nein, unter der Prämisse,

Ingmar: dass Neuronen, die nicht feuern, wahrscheinlich auch weniger Energie verbrauchen,

Ingmar: ist die Argumentation schon nachvollziehbar, dass man sagt, okay,

Ingmar: wir machen für eine bestimmte Phase,

Ingmar: um eine Schwellungsphase zu überbrücken, eine Sedierung, die sicher so ist,

Ingmar: dass das Gehirn keinen Stress hat.

Ingmar: Es geht nicht darum, möglichst tief zu sein, sondern es geht darum,

Ingmar: sicher Stress auszuschließen Und dafür kann man das EEG verwenden,

Ingmar: aber auch hier ist nicht das Ziel, eine Burst-Suppression zu erreichen oder

Ingmar: ein Burst-Suppressionsmuster zu erreichen,

Ingmar: sondern einfach nur sicher tiefe Narkose zu haben.

Hanna: Ich wollte gerade sagen, weil die Frage ist ja, welchen Stress wollen wir an

Hanna: der Stelle vermeiden? Ja, eher nicht unbedingt den Stress fürs Hirn,

Hanna: sondern den Stress für den Gesamtorganismus, oder? Weil Stress ja auch irgendwie

Hanna: wieder Aktivität macht.

Ingmar: Es ist alles verknüpft, aber was du sagen kannst, ist, wenn du eine Narkose

Ingmar: hast, die so tief ist, dass dein EEG ein Burst-Suppressionsmuster zeigt,

Ingmar: dann ist sie auf jeden Fall tief.

Clemens: Ja. Jetzt waren wir ja gerade auf einem Kongress, da wurde dann gesagt,

Clemens: die Sprecherin, die da den Vortrag gehalten

Clemens: hat, sie würde eher auf Sauerstoffsättigung verzichten als auf EEG.

Clemens: Und dann muss man natürlich erstmal ein bisschen überlegen, wie kann sie das

Clemens: meinen, weil warum messen wir denn überhaupt das EEG?

Clemens: Jetzt hast du es ja gerade schon angeteasert. Klar, man will vermeiden,

Clemens: dass die Patienten zu tief sediert sind.

Clemens: Man will natürlich gleichzeitig vermeiden, dass die Patienten zu flach sediert

Clemens: sind, um Awareness oder auch Schmerzen und solche Sachen zu vermeiden.

Clemens: Aber es gibt halt auch Untersuchungen dazu, dass es, also das Nutzen des EEGs

Clemens: in der klinischen Praxis, also OP vor allem, dass das ja aber helfen kann,

Clemens: Narkosemittel zu sparen,

Clemens: hemodynamische Stabilität aufrechtzuerhalten.

Ralf: Wechselzeiten toll machen.

Clemens: Wechselzeiten können ganz toll gemacht werden. Aber auch postoperative und auch

Clemens: langfristige Sachen bei Patienten können mutmaßlich verbessert werden.

Clemens: Also auch vielleicht sowas wie Entstehung von Schmerzsyndromen, Delirium.

Ingmar: Am Ende ist es Mortalität.

Clemens: Genau, ja.

Hanna: Und aber auch ein Faktor, den ich bis vor kurzem auch nicht auf dem Schirm hatte,

Hanna: so in der Form, in diesem Kontext, ist nämlich nicht nur ökonomisch.

Hanna: Da muss man ja am Ende sagen, das ist uns als kleinen SaalanästhesistInnen ja

Hanna: meistens nicht das Wichtigste in unserer Denkweise, aber vor allen Dingen auch

Hanna: aus ökologischen Gründen.

Hanna: Also Narkosemittel sparen heißt ja nicht nur Kosten sparen, sondern wir wissen

Hanna: ja, das was wir da machen ist einfach auch nicht gut für die Umwelt und wenn

Hanna: wir wissen, okay, wir müssen nicht acht Milligramm pro Profol pro Kilogramm

Hanna: pro Stunde geben, sondern es reichen auch drei für diesen Patienten,

Hanna: dann hat das natürlich auch einen gewissen Impact und ist sicherlich,

Hanna: könnte ich mir vorstellen, auch was, womit man Leute dazu bringen kann,

Hanna: das Zeug zu benutzen und zu sagen, hier,

Hanna: das ist besser für die PatientInnen, ist aber auch ein Umweltfaktor,

Hanna: weil ich ballere ja auch nicht mit meinem Porsche mit 200 über die Autobahn.

Hanna: Also ich habe keinen Arsch.

Clemens: Aber vor allem bei volatilen Anästhetikern ist das ja ein großes Thema.

Clemens: Also die sind ja besonders umweltschädlich.

Ingmar: Aber auch beim Propofol ist es genau das gleiche. Aber nur, dass wir dem Argument

Ingmar: auch gleich Vorschub leisten.

Ingmar: Du musst natürlich auch den Footprint von deinem Neuromonitor auch erstmal wieder rein erwirtschaften.

Hanna: Ja, ist natürlich auch richtig.

Hanna: Auf der anderen Seite, wenn das Ding da ist und benutzt wird.

Ralf: Aber du hast Verbrauchsmaterial.

Hanna: Ja, aber je nachdem. Also wenn du, ich weiß nicht, so ein paar EKG-Elektroden.

Ralf: Aber nicht alle sind mit EKG-Elektroden.

Hanna: Das ist richtig.

Clemens: Ja, stimmt. Aber da ist Silber drin. Also jetzt mal ganz kurz.

Ingmar: Lifecycle Assessment für alles brauchen wir.

Clemens: Jetzt mal so eine rein praktische Frage. Benutzt ihr das in 110 Prozent eurer klinischen Fälle im OP?

Ralf: Wenn ich dran komme und wenn es halt leben darf, dann ja.

Clemens: Ralf, ja.

Ingmar: Ich mache Intensivmedizin und ich würde schon sagen, dass wir das nicht so häufig

Ingmar: machen, wie man es machen könnte, aber dass die Nutzungsfrequenz zunimmt. Stetig.

Clemens: Wobei es jetzt keine neue Technik ist.

Ingmar: Nee.

Hanna: Aber ich würde auch sagen, je mehr ich mich damit beschäftige,

Hanna: desto eher nutze ich das, weil man dann ja doch merkt, also erstmal ist es wir

Hanna: haben ja schon Spaß daran, irgendwie Werte und Zahlen zu haben und irgendwelche

Hanna: Kurven und dann können wir das interpretieren und wenn wir noch eine Kurve mehr

Hanna: haben, freuen wir uns ja schon irgendwie, dass wir jetzt noch einen weiteren Faktor haben,

Hanna: den wir in die Art und Weise, wie wir Narkose führen, was wir machen,

Hanna: mit einbeziehen können und wie gesagt, wenn man sich dann so mit den verschiedenen,

Hanna: Themen beschäftigt, die das impliziert, dann würde ich sagen,

Hanna: sinnvoll und kommt immer mehr.

Ralf: Was man vielleicht noch dazu sagen muss, Das finde ich jetzt gerade,

Ralf: gerade wenn wir sagen, wir machen es immer, dass es ja unterschiedliche Systeme

Ralf: gibt, auf die wir dann später vielleicht noch irgendwie eingehen.

Ralf: Aber das, was wir verwenden, hat sozusagen als Ablättungsform,

Ralf: als Verbrauchsmaterial im Prinzip drei EKG-Elektroden, die anders preisig sind

Ralf: im Einkaufspreis als andere Geräte, die halt so ein vorgefertigtes Set haben,

Ralf: was sozusagen auch miteinander verbunden ist.

Hanna: Jetzt weiß niemand, von was er redet. Keiner eine Vorstellung.

Hanna: Wir machen hier keine Werbung. für irgendwelche Unternehmen.

Ralf: Ich wollte es ja erstmal nur außen vor lassen, dass wir sozusagen auch einen

Ralf: relativ geringen finanziellen Aufwand haben und dass es bei Nativa im Prinzip

Ralf: am Ende des Tages eh, glaube ich, sehr stark empfohlen ist, dass man eine narkositive

Ralf: Überwachung machen sollte.

Clemens: Gut, klar, das ist ja unbestritten. Ich meine, sobald du jemanden muskelrelaxiert hast und,

Clemens: nur eine Tiva machst, in Anführungszeichen.

Hanna: Da war doch diese interessante Studie in dem Zusammenhang, wo einfach mal wache,

Hanna: nicht sedierte, freiwillige Anästhesistinnen und Anästhesisten sich zur Verfügung gestellt haben,

Hanna: um sich komplett wach voll relaxieren zu lassen.

Ralf: Australien.

Hanna: Genau. Unter einem EG-Monitoring.

Clemens: Also ich glaube, Ingmar wird euch das verlinken in den Shownotes.

Clemens: Das ist wirklich köstliche qualitative Studie, die da gemacht wurde.

Clemens: Die könnt ihr euch mal durchlesen.

Ingmar: Wir müssen noch einmal über die Grundfrequenzen drüber huschen,

Ingmar: beziehungsweise erzählen, was man unter Grundrhythmus versteht.

Ingmar: Und der Grundrhythmus ist definiert als die EEG-Frequenz, die jemand hat,

Ingmar: der wach ist, aber die Augen geschlossen hat.

Ingmar: Und da findet man in 90% bei allen gesunden Erwachsenen Alpha-Wellen.

Ingmar: Rhythmische Alpha-Wellen von 8 bis 13 Hertz, so eine sinusoidale Kurve.

Ingmar: Und manchmal sind die Frequenzen auch ein bisschen schneller,

Ingmar: also 13 bis 30 Hertz heißt es und dann spricht man von Beta-Frequenzen.

Ingmar: Also Alpha und Beta sind die normalen Frequenzmuster, die man bei wachen,

Ingmar: gesunden Erwachsenen findet, mit geschlossenen oder vielleicht auch mit offenen Augen.

Clemens: Und Gamma, wann hast du das?

Hanna: Gamma-Wellen sind ja die hohen, das hatten wir ja vorhin, ab 30 Hertz und die

Hanna: können auftreten, wenn wir uns extrem stark konzentrieren, zum Beispiel beim

Hanna: Lernen oder auch beim Meditieren interessanterweise.

Hanna: Und tatsächlich ist es so, dass bei Mönchen mit sehr langjähriger Meditationspraxis

Hanna: über 30-fach erhöhte Amplituden gemessen werden.

Hanna: Also das ist offensichtlich ein sehr...

Clemens: Also die krampfen im Prinzip.

Ingmar: Die machen Gehirngewicht heben.

Hanna: Ja, so ein Stück weit schon.

Ralf: Also ich finde das schon saukrass.

Hanna: Ja, ist wirklich krass. Vor allen Dingen, wenn man auch bedenkt,

Hanna: dass das offensichtlich bei Konzentrationen und Lernprozessen stattfindet und

Hanna: daneben auch beim Meditieren.

Ingmar: Bei mir ist es umgekehrt. Ich kann mich bewusst in Burst-Suppressionsmuster versetzen.

Clemens: Logisch.

Hanna: Okay.

Clemens: Bis Beta-Frequenz, also 4 bis 7,5 Hertz bzw. Beta-Esser. darüber.

Clemens: Da kann das also auch physiologisch sein.

Clemens: Aber ansonsten ist es natürlich so, wie du sagst, diese Grundfrequenz sollte

Clemens: nicht allzu langsam sein beim gesunden erwachsenen Patienten.

Ingmar: Wenn ich als Erwachsener eine Theta oder eine Delta-Frequenz habe,

Ingmar: also die langsameren, dann ist es normalerweise ein Problem.

Clemens: Und man muss natürlich auch darauf achten, wo hat man das abgeleitet.

Clemens: Also üblicherweise sind diese Grundfrequenzen im Wachenzustand eher so Posterior, Occipital etc.

Clemens: Am ausgeprägtesten und frontalisieren dann, wenn man eine Narkose einleitet.

Clemens: Also das kommt uns natürlich zu pass, weil wir naja hauptsächlich die unbehaarte,

Clemens: Stirnhaut nutzen, um unsere Elektroden aufzukleben.

Clemens: Aber es hat auch quasi ein neurophysiologisches Korrelat, das wenn man eine

Clemens: Narkose einleitet, eben diese Frequenzen besser ableitbar sind,

Clemens: tatsächlich beim frontalen Korn.

Ingmar: Was die Neurophysiologinnen und Neurophysiologen dann tun, ist sich eben diese

Ingmar: EEG-Kurven anschauen und dann auf Veränderungen gucken.

Ingmar: Wie verändert sich die Grundfrequenz? Wird die schneller oder wird die langsamer?

Ingmar: Wie verändern die sich, wenn ich bestimmte Stimuli setze, zum Beispiel akustische oder visuelle Reize?

Ingmar: Wenn etwas passiert mit dem EEG, wenn ich jemandem wehtue, gibt es dafür dann

Ingmar: einen Korrelat oder eine Reizantwort im Gehirn, das ich über das EEG ableiten kann.

Ingmar: Und das kann man dann nutzen, um Prognosen zu stellen oder irgendwie auch Aussagen

Ingmar: über Schädigungsmuster zu treffen.

Ingmar: Das ist aber weit ab von meiner Fachdisziplin und extrem dünnes Eis für mich.

Ralf: Es gibt ja dann auch noch diverse Muster. Die Schlafspindeln haben wir,

Ralf: glaube ich, alle schon mal irgendwie aus dem Studium gehört.

Ralf: Aber das geht ja noch viel weiter. Es gibt dann noch K-Komplexe,

Ralf: Vertexwellen, Paroxysmen, Sharp Waves, Spikes. Ja, Spikes and Waves, das geht noch.

Ralf: Und ein sehr schönes Wort ist auch Hübs-Arithmie.

Clemens: Okay, aber vielleicht hast du jetzt einen spannenden Begriff gesagt.

Clemens: Nämlich, wir haben jetzt von Frequenzen gesprochen, wir haben von Amplituden

Clemens: gesprochen. Aber was ist denn eine Spindel?

Ralf: Ja, das fällt in die Kategorie der Muster sozusagen.

Ralf: Also wenn man sozusagen den Text dazu liest, das ist ein Muster von schnell

Ralf: aufeinanderfolgenden mittelamplitudigen Wellen in einer Frequenz von circa 13 Hertz.

Ralf: Und ist Schlafphase 2 zugeordnet. Aber wie Ingmar glaube ich gerade schon anteasern

Ralf: wollte, ist das was, wo wir halt eben sehr schnell dabei sind,

Ralf: dass das nicht mehr unsere Expertise ist.

Ralf: Diese Muster zu erkennen, wird sicherlich eine gewisse,

Ralf: Bildwiedererkennungs,

Ralf: Kompetenz erfordern, die ich so nicht habe. Also Schlafspindeln,

Ralf: ich glaube, das erkennt man.

Ralf: Ich habe auch mal gejobbt in so einem Polysomnographie-Ding im Studium für kleine Kinder.

Ingmar: Lügendetektoren, ne?

Ralf: Um rauszufinden, ob kleine Kinder lügen und gar nicht schlafen.

Hanna: Wenn sie ganz verzweifelt sind.

Clemens: Die haben sich nur hingelegt, die schlafen gar nicht.

Hanna: Justus Johannes, heute zum Lügendetektortest.

Ralf: Die habe ich gefühlt noch gesehen, aber auch das ist schon, glaube ich...

Ingmar: Ich würde nochmal eine EKG-Allegorie aufmachen.

Hanna: Oh, unbedingt.

Ingmar: Da sprechen wir auch über Frequenzen. Und ich glaube, das, was wir im EEG als

Ingmar: Muster bezeichnen, kann man vielleicht als die QRS-Komplexform bezeichnen.

Ralf: Also RSSR, solche Sachen so ein bisschen.

Ingmar: Fuß in die Tür und versuchen zumindest, zumindest rudimentäre Grundkenntnisse

Ingmar: in die Diagnostik zu haben. So ähnlich ist es, glaube ich, im EEG auch.

Ingmar: Und da gibt es auch Begriffe, die wir aus der EKG-Diagnostik kennen,

Ingmar: die wir aber auch in der EEG-Befundung irgendwie mit anwenden können.

Ingmar: Und ich glaube, das ist auch zumutbar, dass wir irgendwie zwischen intermittierend,

Ingmar: also paroxysmal und kontinuierlichen Veränderungen unterscheiden können,

Ingmar: dass wir regional hemisphärisch oder generalisierte Veränderungen sehen können.

Ingmar: Die können Mono- oder Polymorph sein und dann eben Änderungen in Frequenzspektren

Ingmar: oder was auf der Intensivstation eben auch häufig eine Frage ist,

Ingmar: gibt es Epilepsie-typische Muster,

Ingmar: wie zum Beispiel Spikes, Sharp-Waves, Spike-Wave-Komplexe.

Ingmar: Das wären so typische Dinge.

Ralf: Und bei uns regional und hemisphärisch schon so ein bisschen schwieriger fällt

Ralf: mit der Anzahl Ableitungen.

Ingmar: Ja klar, also wenn du nur eine frontal rechts und eine frontal links und eine

Ingmar: Null-Elektrode irgendwo anders hast.

Ralf: Also im OP haben wir im Prinzip zwei Kanalsysteme.

Ingmar: Ja.

Ralf: Also wir haben drei Elektroden und eine davon ist eine Referenzelektrode, die in der Mitte klebt.

Ingmar: Ja, genau. Auf der Intensivstation, es gibt kommerzielle Systeme,

Ingmar: die dann mit fünf Kanal arbeiten, also 2-2 neutral.

Ralf: Ich tippe mir gerade auf die Stirn.

Ingmar: Es gibt da unterschiedliche...

Clemens: Zeig nochmal für unsere Hörer.

Ralf: Ja, so. Erst da und da dann, oder?

Ralf: Ich habe ja im Prinzip wie eine Regieanweisung. Tippt sich auf Stirn.

Ingmar: Tippt sich auf Stirn.

Ingmar: Genau. Auf meiner Intensivstation, wenn wir irgendwie sagen,

Ingmar: so, jetzt ist es Zeit für ein...

Ralf: Meine Intensivstation.

Ingmar: Mein Haus.

Hanna: Dir ganz allein gehört.

Ingmar: Ja. Wenn wir sagen, wir brauchen eine EEG, dann haben wir eben häufig Patienten

Ingmar: mit einer Bewusstseinsstörung und dann interessieren uns schon auch über das

Ingmar: EEG, was Differenzialdiagnosen sein können.

Ingmar: Dann freuen wir uns, wenn die Neurophysiologen uns sagen, hier,

Ingmar: wir haben, keine Ahnung, Gammawellen bei einem soporösen Patienten und das könnte

Ingmar: irgendwie eine kortikale Deafferenzierung sein.

Clemens: Logisch. logisch.

Ingmar: Dafür brauchen wir die, weil das sehe ich einfach leider nicht.

Ingmar: Noch nicht. Vielleicht nach der Folge.

Ingmar: Die meisten EEG-Veränderungen, die man hat, wenn man irgendwie im Koma liegt, sind schlecht.

Ingmar: Dann kann man das so stumpf stehen lassen.

Clemens: Gut, man muss ja sagen, so schlimm muss es ja nicht immer sein.

Clemens: Man kann ja auch mal normale Operationen über sich ergehen lassen müssen.

Clemens: Und ich weiß nicht immer, ob du jetzt noch viel zur Intensivmedizin loswerden möchtest.

Ingmar: Ich glaube, das Spannende ist sogar das zweite Thema, nämlich das,

Ingmar: was uns im OP mit EEGs konfrontieren könnte.

Clemens: Gut, also ich hatte ja gerade schon mal angeteasert, dass offensichtlich das

Clemens: EEG sogar manchmal dem Sättigungsmessen,

Clemens: vorgezogen wird. Weiß nicht, schockiert euch das auch ein bisschen,

Clemens: so eine Aussage? Oder würdet ihr sagen, nö, stimmt schon. Sättigung kann man abmachen.

Hanna: Hauptsache EEG. Ich würde sagen, das ist ja erstmal für uns als AnästhesistInnen

Hanna: sehr unintuitiv zu sagen, nee, Sättigung, darauf können wir ruhig verzichten,

Hanna: weil ich meine, wir spielen ja wirklich ganz gerne mit Atemwegen rum und machen

Hanna: Beatmung und so ein Kram und dann zu sagen,

Hanna: so eines der wichtigsten Überwachungstools für die Oxygenierung der PatientInnen, die wir so haben.

Hanna: Tauschen wir mal gegen was anderes aus, was wir vielleicht gar nicht so flächendeckend

Hanna: immer verwenden und worin viele von uns vielleicht auch gar nicht so gut sind,

Hanna: ist erstmal tatsächlich ein bisschen schockierend.

Hanna: Also ich war ja am gleichen Ort, als diese Aussage getätigt wurde und dachte auch so, ernsthaft?

Hanna: Keine Sättigung, aber ein EEG? Also ich würde nicht sagen, dass es mich schockiert hat, aber es war….

Ingmar: Also ihr müsstet jetzt sagen, es war nicht niemand, der das gesagt hat?

Hanna: Nein, nein.

Ingmar: Sondern ihr wart auf dem Euro-Anesthesia-Kongress in einer Session über das

Ingmar: EEG-Monitoring mit einer hochdotierten Dozentin.

Clemens: Also die hat sie, glaube ich, schon mal davon gehört.

Hanna: Die sich richtig gut auskannte.

Ingmar: Es kann natürlich sein, dass sie mit dieser Aussage etwas provozieren wollte.

Clemens: Klar.

Ingmar: Aber sowas ist eben gesagt worden und das wollten wir hier mit zur Diskussion

Ingmar: stellen, wie wir dazu stehen.

Hanna: Und hat definitiv dazu geführt, dass wir das nicht vergessen haben. Das muss man ja auch.

Ralf: Das ist vielleicht auch die Hauptsache, die sie damit erreichen wollte,

Ralf: oder? Ein bisschen provozieren, ein bisschen ...

Clemens: Ich habe auch das Gefühl, dass eben der Ausbildungsfokus ...

Clemens: In unserer Abteilung, aber ich glaube auch in anderen Abteilungen eben nicht

Clemens: urbildlich auf dem EEG liegt.

Clemens: Und ich meine, wir hatten ja auch schon mal diskutiert und dazu kommen wir gleich

Clemens: auch, unprozessiertes EEG, prozessiertes EEG, verschiedene Hersteller bieten

Clemens: da verschiedene Indizes auch an, was nutzt wer und wie in der täglichen Praxis. ist.

Clemens: Und was man so raushört, wenn man sich umhört, ist ja schon entweder hat man,

Clemens: sagen wir mal, Gurus, die es richtig gut finden und die EEG verteidigen und

Clemens: die halt sogar was sagen, wie lieber die Sättigung abbauen als das EEG.

Clemens: Denen würde man natürlich zutrauen, dass sie unprozessiertes EEG beurteilen können.

Clemens: Spektrogramme aus dem FF lesen etc. Aber ich würde jetzt mal so sagen,

Clemens: und das ist jetzt meine Theorie in der Breite.

Clemens: Gibt es vielleicht dann noch den oder oder diejenige, die sich auf diese Indizes

Clemens: verlässt und halt sagt, ja, im zeitlichen Verlauf ist, keine Ahnung,

Clemens: unser BIS zum Beispiel oder Makrotrendindex oder was es alles so gibt,

Clemens: Setline und keine Ahnung, hat sich so und so verändert.

Clemens: Man kann den super aufschreiben und dokumentieren und vielleicht kann man auch

Clemens: darauf reagieren, wenn er jetzt durch die Decke geht.

Clemens: Diese Leute gibt es sicherlich noch, aber ich glaube auch, dass es eine gewisse

Clemens: Anzahl und wahrscheinlich gar nicht so wenige gibt,

Clemens: zu denen ich mich auch zum Teil selber erzählen würde, die jetzt gar nicht so

Clemens: den tiefen Ahnung haben irgendwie, wie man unprozessiertes EEG klinisch beurteilt

Clemens: und dann auch seine Entscheidungen darauf trifft.

Clemens: Und man muss ja auch sagen, wenn man jetzt wenig Erfahrung damit hat,

Clemens: das Roh-EEG zu lesen, dann ist es ja vielleicht sogar gefährlich,

Clemens: daraufhin in irgendeinen Aktionismus zu verfallen, nur weil man jetzt denkt,

Clemens: man hätte jetzt, du weißt ja gar ja, was auf diesen,

Clemens: Rohdaten da entdeckt. Ich weiß nicht, wie...

Hanna: Mir ist an der Stelle gerade eingefallen, wir hatten ja jetzt schon so die ein

Hanna: oder andere EKG-Analogie und ich dachte, dass was wir im Moment,

Hanna: wenn wir ein EEG im OP nutzen,

Hanna: also irgendwie so ein vereinfachtes, prozessiertes EEG mit irgendeinem Indexwert,

Hanna: dann ist das vielleicht so ein bisschen vergleichbar mit einer Reanimation,

Hanna: in der man nicht selber eine Rhythmusanalyse macht und auf diesen Monitor guckt,

Hanna: sondern man nutzt halt einen AED-Modus und lässt sich sagen,

Hanna: so schocken oder nicht schocken.

Hanna: Und ich glaube, so ein bisschen machen wir das im Moment auch,

Hanna: also wir gucken, wenn wir es nutzen auf den Zahlenwert, können aber die Kurve,

Hanna: die dahinter steckt, vielfach also da spreche ich auf jeden Fall auch für mich,

Hanna: nicht so, also ich habe mir mal Sachen angeguckt, ja und Burst Suppression habe

Hanna: ich auch irgendwie mal gesehen und so, aber dass ich jetzt ernsthaft sagen kann,

Hanna: so, oh cool, ich sehe an der Kurve, was sich verändert hat und weiß deswegen,

Hanna: warum der Wert jetzt höher oder niedriger geworden ist,

Hanna: das würde ich jetzt auf jeden Fall auch nicht so sehen, das heißt,

Hanna: irgendwie sind wir zumindest, glaube ich, großteils noch nicht so weit,

Hanna: dass, und wie du das gesagt hast, das ist nicht so richtig Grundlagenteil der Ausbildung.

Hanna: Also schon, aber halt nicht. Ja, aber es wird, glaube ich, noch nicht.

Ralf: Im Facharztkategorik steht es mir sicher nicht, würde ich behaupten.

Hanna: Und ich würde auch sagen, es wird nicht. Ich meine nicht, da habe ich noch nie

Hanna: gesehen, irgendwie so und so viele Narkosen mit Narkosetiefeüberwachung.

Hanna: Ich glaube, das steht da nicht drin.

Hanna: Und es ist aber, glaube ich, wird auch nicht als Nicht.

Clemens: Mal als Unterpunkt irgendwo?

Hanna: Nee, ich glaube tatsächlich nicht. Und ich glaube, also mein Eindruck ist,

Hanna: es wird nicht als grundlegendes anesthesiologisches Skill wahrgenommen,

Hanna: wo man so sagt, okay, so ein vernünftiger Anästhesist oder eine vernünftige

Hanna: Anästhesistin, das sollte die können.

Hanna: Also über andere Sachen brauchen wir uns nicht unterhalten, dass wir in der

Hanna: Lage sein sollten, so ein EKG in die Hand zu nehmen und zu sagen, okay.

Clemens: Aber man muss ja sagen, das Haupteffektorgan, was wir...

Hanna: Eben, deswegen, also das ist ja eher überraschend.

Clemens: Einfluss ist ja das Gehirn, genau.

Ingmar: Aber warum ist das so?

Hanna: Ja, wahrscheinlich, weil es trotzdem funktioniert, was wir machen.

Hanna: Sowas wie, also die Erfindung von solchen Sachen oder die Idee war ja auch,

Hanna: wir wollen irgendwie zum Beispiel Nativa, wir wollen Awareness vermeiden.

Hanna: Gewisse Sachen, wir wissen mittlerweile, wir können, wenn wir Narkose-Tiefe

Hanna: überwachen und das richtig machen, können wir sicherlich oder wahrscheinlich

Hanna: auch die Rate an Delir irgendwie reduzieren, wenn wir Narkosemittel nicht übermäßig einsetzen.

Hanna: Aber ich glaube, das sind häufig Sachen, die nicht so offensichtlich sind.

Hanna: Also wenn ich nicht vernünftig mein EKG ableite und intraoperativ das Herz überwache,

Hanna: dann kriege ich akut und zwar ziemlich schnell irgendwie Probleme.

Hanna: Wenn ich zu tiefe Narkose mache, dann bringt das viele Probleme für die Patientinnen

Hanna: und Patienten und auch drumherum, aber es hat erstmal nicht so unmittelbare Konsequenzen.

Clemens: Wie war das nochmal mit den Überwachungsmethoden? Das randomisiert,

Clemens: Studien dazu gab es ja eigentlich nicht.

Clemens: Ob jetzt das EKG es besser macht oder nicht?

Ralf: Ich wollte noch was ganz anderes sagen auf das, was Hannah gesagt hat.

Ralf: Du hast es genau gesagt, akut. Also wenn wir eine zu tiefe Narkose machen,

Ralf: dann sind die Probleme, wie zum Beispiel in Delir, was dann in den Tagen danach

Ralf: auftritt, irgendwas, was wir einfach gar nicht mitkriegen in 90 Prozent der Fälle oder noch mehr.

Ralf: Also unsere schlechte Medizin wird uns in dem Moment gar nicht bewusst,

Ralf: weil die Effekte nicht so akut sind.

Ralf: Und im gleichen Zusammenhang haben wir auch vorher schon Narkose gemacht,

Ralf: in Anführungsstrichen.

Ralf: Und auch so ein gewisses Gefühl von, naja, wir können das ja so.

Ralf: Was brauchen wir jetzt denn noch ein Gerät, das uns sagt, dass der Patient schläft?

Ralf: Wir können doch schon, ob die Herzfrequenz schneller wird. Also ich sage das

Ralf: jetzt ein bisschen plakativ, das ist natürlich nicht die Wahrheit,

Ralf: aber ich glaube, so ein bisschen was von dieser Haltung ist da drin.

Ralf: Die Geräte kosten Geld, sind nicht an jedem Krankenhaus wahrscheinlich verfügbar.

Clemens: Vor allem nicht an jedem Arbeitsplatz wahrscheinlich.

Ralf: Das daraus folgend.

Ralf: Und wie wir jetzt eigentlich auch schon eingängig beschrieben haben,

Ralf: es ist gar nicht so einfach, das OEEG sinnhaft zu interpretieren mit dem Skillset,

Ralf: was wir in unserer Ausbildung erwerben, stand jetzt.

Ralf: Und der große Punkt, den wir noch nicht ausgesprochen haben,

Ralf: im prozessierten EEG kriegt man dann auch sozusagen über einen,

Ralf: wie auch immer gearteten Blackbox-Algorithmus, der nicht erklärt wird,

Ralf: eine Zahl, die uns sozusagen als EEG-Line vermitteln soll, ist diese Narkose

Ralf: jetzt tief oder nicht tief.

Ralf: In der Regel eigentlich fast immer ein Wert zwischen 0 und 100,

Ralf: wobei 100 das wacheste sozusagen davon ist.

Ralf: Und sich im Prinzip auch rumgesprochen hat, dass diese Zahl zwar irgendwie hilft,

Ralf: Aber auch ihre Limitationen hat. Und das ist, glaube ich, ein Problem bei der

Ralf: Sache, in der Akzeptanz.

Ingmar: Das ist ja, glaube ich, am Ende des Pudels Kern,

Ingmar: dass wir eigentlich wissen, dass Roh-EEG ist das, was wir lesen können sollten,

Ingmar: aber dass es da halt, ich sag mal, Einschränkungen gibt.

Ingmar: Weil es keine großen Datenlagen gibt, die Roh-EEGs mit einer Sedierungstiefe

Ingmar: irgendwie korrelieren,

Ingmar: dass es gibt wenig Erfahrung des Personals in der Anwendung vom Roh-EEG außerhalb

Ingmar: der Neurophysiologen und Neurophysiologinnen.

Ingmar: Wir haben vielleicht auch nicht die Gerätetechnik für Roh-EEGs im OP verfügbar.

Ingmar: Es gibt so viele Artefakte und Einflussfaktoren, dass das schwierig macht.

Ingmar: Und dann kommst du, Ralf, mit einer Industrielösung, die sagt,

Ingmar: okay, Roh-EEG ist für die Anwenderin, für den Anwender im Alltag vielleicht zu komplex.

Ingmar: Lass uns doch was bauen, wie wir die Rohdaten prozessieren können,

Ingmar: um dann Möglichkeiten anzubieten, wie man trotzdem auf diese wertvolle Ressource

Ingmar: EEG irgendwie zugreifen kann.

Ingmar: Weil da sind wir uns irgendwie einig. Es geht um das Organ, was wir mit den

Ingmar: Medikamenten ja lahmlegen wollen, dass die Patienten, Patientinnen die Narkose ertragen.

Ingmar: Und dann kommen wir irgendwie zu den prozessierten EEGs. Und vielleicht ist

Ingmar: das die goldene Brücke, um über prozessierte EEGs in den nächsten paar Minuten zu sprechen.

Hanna: Ja. Wir stimmen dir zu.

Ingmar: Ja, also das ist das, was wir halt häufig im OP verfügbar haben,

Ingmar: nämlich prozessierte EEGs,

Ingmar: die durch irgendwelche Algorithmen Roh-EEG-Daten analysieren,

Ingmar: reduzieren und dann uns irgendeinen Marker ausspucken, an dem wir dann Entscheidungen

Ingmar: festmachen sollen, können,

Ingmar: dürfen. Da gibt es also Hersteller, die das machen.

Ingmar: Narkotrend ist sowas, bispektraler Index, bis.

Ingmar: Da gibt es noch mehr. Patient State Index, Density Spectral Array,

Ingmar: Asymmetrie Indizes, Cerebral State Indizes, Responsiveness Indizes,

Ingmar: Depth of Hypnosis Index.

Ingmar: Also es gibt jede Menge Algorithmen und Möglichkeiten aus dem RAW EEG durch

Ingmar: Computermagie da was abzuleiten.

Ingmar: Wir wollen in den nächsten paar Minuten verschiedene prozessierte EEG-Verfahren

Ingmar: nebeneinander legen und haben so ein bisschen recherchiert,

Ingmar: was es gibt und die häufigsten sind B-Spektraler Index, kurz BIS, Patient State Index,

Ingmar: PSI und Narkotrend.

Ingmar: Das sind alles proprietäre Systeme, bei denen, weil die proprietär sind,

Ingmar: geheim ist, wie sie zustande kommen.

Ingmar: Aber was sie gemein haben, ist, dass sie alle ein reduziertes EEG nutzen,

Ingmar: das über frontale Elektroden abgeleitet wird.

Ingmar: Und durch diesen proprietären geheimen Algorithmus schwucken alle diese drei

Ingmar: Indizes am Ende einen Zahlenwert aus,

Ingmar: der zwischen 0 und 100 liegt und bei dem 0 der Patient am tiefsten schläft,

Ingmar: am meisten sediert ist, am wenigsten EEG-Aktivität mitbringt.

Ralf: Also geradezu isoelektrisch.

Ingmar: Geradezu isoelektrisch, während wenn man 100 hat, 100 Prozent,

Ingmar: dann soll man so richtig wach sein.

Ingmar: Also es ist eine Skala von 0 bis 100, von tiefkomatös bis wach.

Ingmar: Und die Idee hinter diesen Indizes war, dass man eben sagt, hier ist es einfacher

Ingmar: als das Roh-EEG-Interpretieren, macht was draus.

Ingmar: Angetreten sind die Hersteller damit, dass sie gesagt haben,

Ingmar: wir verhindern damit Awareness.

Ingmar: Indem wir sicherstellen, dass ihr wisst, wie flach eure Narkosen eigentlich sind.

Ingmar: Und das ist dann wissenschaftlich auch aufgearbeitet worden.

Ingmar: Und man hat festgestellt, auch mit prozessiertem EEG ändert sich die Awareness-Rate nicht.

Ingmar: Blöd für die Firmen, die das hergestellt haben. Die haben dann ihren Marketing-Slogan

Ingmar: ein kleines bisschen geändert und sagen jetzt nicht mehr, dass sie Awareness

Ingmar: verhindern, sondern jetzt verhindern sie zu tiefe Narkosen.

Ingmar: Von denen ja mittlerweile auch bekannt ist, dass sie Probleme macht bis hin

Ingmar: zu einer erhöhten Mortalität über welche Faktoren auch immer.

Ingmar: Aber trotzdem sind diese prozessierten EEG-Indizes das,

Ingmar: was wir häufig in den OPs zur Verfügung haben und auch etwas,

Ingmar: was es uns ermöglicht, leicht irgendwie einen Zahlenwert in unserer Dokumentation

Ingmar: aufzunehmen, mit dem wir vielleicht dokumentieren können,

Ingmar: dass unsere Narkose eben nicht so tief ist.

Ingmar: Ich glaube, da ist der Hauptwert, den die Indizes da mitbringen.

Ralf: Was mich bei dieser Sache, die ich aber noch nicht auf die Schnelle dabei gefunden

Ralf: habe, noch interessiert, weil das wäre vielleicht noch irgendwie ein bisschen

Ralf: interessant, die Unterscheidung hinsichtlich der Messtechnik von diesen,

Ralf: sag ich mal, drei Verfahren zum Beispiel.

Ralf: Also eigentlich sind ja auch so EMG-Signale teilweise ja auch damit enthalten.

Ralf: Bin mir ziemlich sicher, dass das auf dem Monitor mit angezeigt,

Ralf: ich kann es aber nicht sicher sagen und ich weiß es jetzt auch nicht, wer was mit nutzt.

Ralf: Unterschiedliche Kanäle haben wir ja schon, einfach dadurch,

Ralf: dass es unterschiedliche Elektrodenteile sind. Weißt du, worauf ich hinaus will?

Ingmar: Deine Frage ist, was ist der Unterschied zwischen BIS, PSI und Narkotrend am Ende?

Ralf: Zumindest in dem, also die Skalen spucken sonst alle aus, jeder mit unterschiedlichen

Ralf: Algorithmen, aber wer misst zum Beispiel was noch ganz grob mit?

Ingmar: Am Ende haben die verschiedene Parameter aus dem Rho EEG und welche das genau

Ingmar: sind, sagen sie nicht so ganz genau.

Ingmar: Also bei bispektralem Index, beim BIS, sagen sie halt, sie haben einen Algorithmus,

Ingmar: der basiert auf einer Leistungsspektralanalyse und sie gucken sich bispektralanalyse

Ingmar: an und die Burst-Suppressionsdaten.

Ingmar: Und daraus gewichten sie dann irgendwie eine Summe und das gibt dann einen Wert.

Ingmar: Beim PSI gibt es eben noch andere Faktoren, die sagen, sie berücksichtigen regionale

Ingmar: und bilaterale Kohärenzen, haben irgendwelche quantitativen Merkmale in einem, Zitat,

Ingmar: in einem multivariaten Algorithmus inklusive Börsensuppressionsdaten und Plausibilitätsanalysen.

Ingmar: Und Narkotrend sagt einfach nur, sie machen roh EEG-basierte mathematisch-statistische Bewertungen.

Ingmar: Schönen Dank dafür. Und am Ende kommt halt eine Zahl zwischen 0 und 100 raus.

Hanna: Also ich meine, was man dazu ja mal sagen muss, irgendwie, das ist nicht ideal.

Hanna: Und irgendwie scheint es ja nicht so nicht perfekt zu funktionieren,

Hanna: weil irgendwie haben wir trotzdem Awareness und Dinge werden teilweise nicht

Hanna: erkannt, wie es bei wirklich alten Menschen, Kindern ist.

Hanna: Man weiß nicht so genau. Aber was sie natürlich mit dieser Vereinfachung schon

Hanna: mal geschafft haben ist, dass die Dinge in unseren OPs stehen.

Hanna: Also wie gut das ist, was da jetzt an Zahlenwert rauskommt, das ist nochmal

Hanna: so ein bisschen zu diskutieren, aber erstmal stehen die Dinger da und die spucken

Hanna: ja grundsätzlich auch eine Kurve aus.

Hanna: Das heißt, uns auf die Fahne zu schreiben, mal zu lernen, diese Kurven besser

Hanna: beurteilen zu können und was damit anfangen zu können, ist ja auf jeden Fall,

Hanna: also die Möglichkeit ist da, weil wir haben diese Dinger da stehen.

Ingmar: Ja und nein. Ich glaube, der Punkt,

Ingmar: den wir insgesamt in dieser Folge machen wollen, ist, dass der Schlüssel zum

Ingmar: Erfolg eigentlich die Interpretation des Roh-EEGs ist und nicht die Dokumentation

Ingmar: oder die Reaktion auf die prozessierten EEG-Indizes, wie auch immer sie heißen.

Ingmar: Und da ist es dann von den Herstellern abhängig, was für Werte oder was für

Ingmar: Daten sie dir überhaupt ausspucken.

Ingmar: Ob du Zugriff auf die Rohkurve hast, ob du Zugriff auf das Spektrum der Frequenzen

Ingmar: irgendwie hast und wie du das interpretierst.

Ingmar: Also ich bin bei dir, dass es besser ist als nichts.

Clemens: Ich glaube, was du sagen wolltest, es ist gut, dass wenigstens das Gerät da

Clemens: ist, was auch unprozessiertes EEG kann. Obwohl es jetzt leider noch diese...

Hanna: Aber wenn man jetzt guckt, das was wir sehen, wenn wir, also,

Hanna: aber jetzt dazu meine ganz kurze praktische Frage, wenn wir unseren Akkutrend

Hanna: anschließen im OP, dann haben wir einen Zahlenwert, ja, aber wir haben ja auch eine Kurve.

Clemens: Ja, das ist richtig.

Hanna: Und die Kurve, die wir sehen, ist doch das, was diese Zwei-Kanal-Ableitung da

Hanna: am Kopf einfach ableitet.

Ralf: Oder? Das müssten zwei Kurven ja eigentlich sein. Das müssten ja zwei Kanäle.

Hanna: Ach so, du meinst ja schon.

Ralf: Nee, es müssten zwei Kanäle eigentlich sein.

Clemens: Oder was du machen musst, um es tatsächlich nutzen zu können,

Clemens: ist ja, dass du verschiedene Sweep-Vorschubgeschwindigkeiten einstellst.

Clemens: Also du stellst einmal einen 6,25 Millimeter pro Sekunde meinetwegen und du

Clemens: stellst einmal einen 50 Millimeter pro Sekunde und das dazwischen. 25.

Clemens: Und was du dann machen kannst, ist ja, das ist ja eigentlich das,

Clemens: was man sich hauptsächlich angucken will, Deltawellen und Alpha-Spindeln.

Clemens: Und für die einen brauchst du acht Sekunden, um zu beurteilen,

Clemens: sind die Deltawellen so zwischen 0,5 und 1 Hertz. Also machen die so.

Clemens: Und dann musst du ja reinzoomen, in Anführungszeichen, und dir die Sekunde angucken

Clemens: und dir in deiner Deltawelle anschauen, ob da auch kleine Alphaspindeln sind.

Clemens: Und wenn die da sind und du hast deine Alphaspindeln sogar eher auf dem aufsteigenden

Clemens: Ast von deiner Deltawelle, dann ist das ein gutes Zeichen, dass deine Narkose tief genug ist.

Clemens: Wenn die gar nicht da sind, du hast also auch keine Deltawellen,

Clemens: dann hast du ja mutmaßlich eher eine zu flache Narkose oder sogar einen wachen Patienten.

Clemens: Wenn du Wetterwellen und solche Sachen siehst, dann geht es ja schon wieder

Clemens: so Richtung Aufwachen, in Anführungszeichen.

Clemens: Und dann kannst du ja noch Spektrogramm darstellen und solche Sachen.

Clemens: Aber das brauchst du ja eigentlich primär erstmal gar nicht,

Clemens: um deine Narkosetiefe zu steuern, sondern du willst halt eigentlich diese vier

Clemens: Vorschubgeschwindigkeiten auf deinen Monitor bringen. Das geht,

Clemens: das kann Narkotrend auch machen.

Clemens: Das kannst du auch in unseren Monitoren einstellen.

Clemens: Und dann kannst du dir einerseits angucken, sind Deltawellen da und sind Alphaspindeln da?

Clemens: Und sind die in der, beziehungsweise wenn es keine Alphaspindeln sind,

Clemens: sind sie schneller, also hochfrequenter oder niedrigfrequenter?

Clemens: Und dann kannst du daran deine Narkose steuern eigentlich, wenn man ehrlich

Clemens: ist. Mehr braucht man nicht. Man braucht das Spektrogramm,

Clemens: Je nachdem, wie man fragt. Man braucht das prozessierte EEG,

Clemens: je nachdem, wie man fragt. Und was man wirklich braucht, ist eigentlich das

Clemens: unprozessierte, rohe EEG in bestimmten Vorschubgeschwindigkeiten.

Clemens: Weil sonst wird es zu schwierig, wenn du nur eine Sekunde immer nimmst,

Clemens: die dargestellt wird, und dann kommt es schon wieder zum, weißt du,

Clemens: dann kannst du die Delta-Wellen nicht mehr erkennen, weil du den Ablauf nicht

Clemens: siehst, über die Zeit. Weißt du, was ich meine?

Ralf: Das ist also gar kein Widerspruch von meiner Seite aus.

Ralf: In meinem Verständnis wäre es nur so gewesen, dass wir sozusagen die 1A- und

Ralf: 1B-Elektrode jeweils auf die Referenz messen und nicht aufeinander.

Clemens: Achso.

Ralf: Und deswegen eigentlich zwei Signale da sein müssen.

Ingmar: Das ist die Frage nach biphasischen oder uniphasischen Ableitungen.

Ingmar: Und da gibt es auch wieder beides, je nachdem, wie du die verschaltest.

Ingmar: Das kannst du auch bei beliebig komplexen Konfigurationen.

Ralf: Ich glaube, das geht auf Hannas Ausgang zurück von wegen, dass das ja dann vielleicht

Ralf: eigentlich das Rohsignal wäre.

Ralf: Man hat es ja angefragt mit deiner praktischen Frage. Man klebt es auf und dann

Ralf: hat man eine Kurve auf einmal da.

Hanna: Ja, das ist unsere Standardeinstellung.

Ralf: Ich hätte jetzt erwartet, dass es, ich kann es mir jetzt auch nicht besser erklären,

Ralf: dass es irgendwie eine summierte Version dann vielleicht auch schon ist,

Ralf: weil eben nur eine Kurve da ist.

Clemens: Also na klar ist es ja das summierte Frontal-EGR.

Ralf: Ja, aber nicht nur Aktionspotenzial summiert, sondern eben auch vielleicht zwei

Ralf: Messungen summiert, was ich…,

Ralf: medizinisch gedacht gar nicht so sinnvoll finde. Aber in meinem Verständnis,

Ralf: hätte ich trotzdem erwartet, dass es eigentlich zwei Messungen dort sind.

Ralf: Aber ich befürchte, das können wir nicht 100% klären.

Clemens: Also das weiß ich nicht genau, aber du brauchst es nicht. Du bräuchtest nicht mehrere Messungen.

Clemens: Es gibt ja eben diese Konventionen über die bestimmten Frequenzbereiche,

Clemens: die du dir anschauen kannst.

Clemens: Die haben sich ja mehr oder weniger willkürlich ausgedacht, dass sie sie so nennen.

Clemens: Also dass Deltawellen Deltawellen sind, hat ja jetzt immer keine zugrunde liegende,

Clemens: also du kannst nicht sagen, nur weil da Deltawellen sind, macht jetzt das Gehirn

Clemens: gerade dieses oder jenes, aber es korreliert eben mit den Narkosestadien und mit deinen,

Clemens: klinischen Parametern und damit, ob jemand dann Awareness hatte oder ob jemand

Clemens: zu tief narkotisiert war, solche Sachen.

Clemens: Und wenn die Deltawellen dann weggehen, zum Beispiel wenn du hast Birth Suppression,

Clemens: oder komplett isoelektrisch das EEG, dann weißt du halt, du hast es jetzt übertrieben.

Clemens: Wenn die Deltawellen wiederum verschwinden und du eher hochfrequente Wellen

Clemens: siehst, dann hast du es untertrieben.

Clemens: Das ist sicherlich jetzt grob vereinfacht, aber du brauchst eigentlich nicht

Clemens: mehrere Messungen von mehreren Kanälen und könntest ja hinten auch noch ein

Clemens: EKG draufkleben und oben und so, dann müsstest du halt Haare wegrasieren und

Clemens: das macht man halt nicht. Du weißt es.

Ralf: Ja, also die Frage, die für mich nur dahinter stand, inwiefern ist diese Kurve

Ralf: schon eine vorprozessierte Kurve darüber hinaus, als das, was wir schon sozusagen

Ralf: sagen, das ist eine Summation aller Potenziale.

Hanna: Ich denke die ganze Zeit, dass es irgendwie...

Clemens: Es gibt Filter, ja. Filter gibt es, die du drauflegen kannst.

Ralf: Ja, damit das Rauschen kleiner wird.

Clemens: Damit das Rauschen kleiner wird, aber wenn du den Filtern übertreibst,

Clemens: dann filterst du auch die Delta-Wellen raus, zum Beispiel.

Clemens: Also wenn die weg sind, musst du nicht gleich deine Narkose vertiefen,

Clemens: sondern erstmal gucken, ob du den falschen Filter eingestellt hast.

Clemens: Aber keine Ahnung. Ich glaube, ansonsten ist es unprozessiert, bei,

Clemens: Das ist einfach das, was du da, die Potenziale zwischen den Elektroden, die du misst.

Hanna: Die Frage, die ich mir so ein bisschen stelle, du hast ja gesagt,

Hanna: dein Review, was du dir da angeguckt hast, sagt eigentlich, ja so richtig geil

Hanna: sind diese Indizes gar nicht.

Clemens: Die prozessierten Indizes.

Hanna: Ja, genau.

Clemens: Nee, die sind wohl nicht so.

Hanna: Die sind nicht so richtig gut und wissen wir auch nicht so richtig.

Hanna: Was ich mir die ganze Zeit frage, es ist doch eigentlich, also es wird doch

Hanna: wohl technisch möglich sein, das Ganze besser prozessieren zu lassen.

Hanna: Also es klingt irgendwie, klingt nicht so, als würde ein vernünftiger Algorithmus

Hanna: das nicht hinkriegen, das qualitativ hochwertig zu machen. Keine Ahnung.

Ingmar: Vielleicht ist das deine Marktlücke, den Hanna-Index neben PSI,

Ingmar: BIS und Narkotrend zu setzen.

Hanna: Dafür habe ich mich vielleicht vor vielen Jahren für das falsche Studium entschieden, ich weiß nicht.

Clemens: Also Ingmar hat ja jetzt gesagt, das Ziel dieser Folge ist eigentlich,

Clemens: die unpräzisierte EEG-Kurve zu propagieren.

Clemens: Und jetzt müssen wir eigentlich sagen, warum das so ist.

Clemens: Also warum finden wir, was heißt wir, die Autoren, die wir gelesen haben.

Hanna: Nee, wir jetzt schon auch.

Clemens: Kann diesen Index massiv verändern, sodass man dann auf die Idee kommen könnte,

Clemens: entweder seine Narkose zu vertiefen oder halt weniger zu machen.

Clemens: Das ist schon mal doof. Und was man auch wissen muss, es gibt ja verschiedene

Clemens: Medikamente, also Narkosemedikamente, Lachgas, Ketamin, die diesen Index in

Clemens: die Höhe schnellen lassen, sodass man eigentlich denken müsste,

Clemens: Naja, wir müssen jetzt mehr Narkose machen.

Clemens: Also sie sind extrem fehleranfällig im Prinzip und so gesehen sind sie eigentlich nicht nutzbar.

Clemens: Also nicht ohne, dass man die Rohdaten lesen kann, nutzbar.

Clemens: Wenn sie an Rohdaten passen, dann kann man sagen, super, kann den Verlauf nehmen.

Clemens: Wenn man die Rohdaten nicht interpretieren kann, muss man aber eigentlich die Finger davon lassen.

Ralf: Dem letzten Satz stimme ich halb zu.

Clemens: Ja, ich meine vielleicht auch nur halb ernst, aber eigentlich schon.

Ralf: Ich finde, das ist ein Wunsch für die Zukunft und was ich jetzt nochmal rausgefunden

Ralf: habe, dass was sich auf unseren Narkotrend bezieht, so wie wir es machen,

Ralf: ist es tatsächlich nur ein Kanal, der daraus entsteht.

Ralf: Also dann ist diese ganze Frage hinsichtlich und da wird tatsächlich auch ein EWG mit abgeleitet.

Hanna: Aber das ergibt ja auch total Sinn, weil wenn wir mal Mal gucken,

Hanna: was passiert, wenn wir nochmal nachrelaxieren.

Ingmar: Also klar wird dann EMG mit abgeleitet. Ist die Frage, ob das Absicht ist?

Hanna: Vermutlich nicht.

Ralf: Also wenn Sie den Wert angeben.

Clemens: Doch, das ist glaube ich schon Absicht.

Ralf: Es gibt sozusagen die Kategorie EMG in dem Ding.

Ralf: Und es würde ja vielleicht auch Sinn machen, das sozusagen mit reinzunehmen

Ralf: in den Algorithmus. So ganz,

Ralf: unwissend gemutmaßt.

Clemens: Das wird da drin sein. Das ändert das ja auch, wenn du Muskel Eigenaktivität

Clemens: hat und dann nachrelaxierst, dann geht ja der Index runter.

Clemens: Normalerweise. Also, nicht normalerweise, in manchen Fällen.

Ralf: Möglicherweise.

Ingmar: Es ist, glaube ich, wieder Zeit für eine EKG-Allegorie.

Ingmar: Und vielleicht ist das hier der Vergleich der Indizes mit den Diagnosetools im EKG.

Ingmar: Ich kann einen 12-Kanal-EKG schreiben und der sagt mir Vorderwandinfarkt.

Ingmar: Und ich kann mich darauf verlassen und den in den Herzkatheter schieben.

Ingmar: Oder ich sage, okay, der hat Vorderwandinfarkt gesagt. sagt,

Ingmar: lass mich mal die Rohdaten im 12-Kanal ansehen und gucken, ob ich dafür Korrelate finde.

Ingmar: Vielleicht ist das ein Weg, wie wir auch mit dem EEG oder mit dem prozessierten

Ingmar: EEG umgehen können, dass es ein Hinweisgeber ist, um in die Rohdaten des Roh-EEG mit reinzugucken.

Hanna: Und um bei der, bei dieser Analogie einmal zu bleiben, dann muss man halt auch

Hanna: immer sagen, wenn ich ein EKG habe, mir das angucke, da sagt mir ein System,

Hanna: Vorderwandinfarkt, ich gucke mir das EKG selber nochmal an, gucke ich mir natürlich

Hanna: immer auch und das klingt so stumpf, aber das ist natürlich so,

Hanna: ich gucke mir den Patienten an oder die Patientin und gucke mir die Klinik an

Hanna: und so ist das ja bei uns in der Narkose auch.

Hanna: Ja, wir haben schöne Überwachung, aber wir werden ja nicht davon Abstand nehmen,

Hanna: nicht auch Dinge wie Blutdruck, Herzfrequenz, was passiert da gerade operativ,

Hanna: ist das alles plausibel, passt das zusammen, wann habe ich das letzte Mal was

Hanna: an Narkosemitteln gegeben,

Hanna: habe ich nochmal nachrelaxiert, habe ich nochmal ein Opioid gegeben.

Hanna: Das ist ja immer Teil des Gesamtpakets auf Grundlage dessen,

Hanna: wie wir Entscheidungen treffen.

Hanna: Also ich finde, wenn man diese Analogie auf der einen Seite macht,

Hanna: muss man sie an der Stelle auch machen.

Hanna: Wir haben ein Überwachungstool, aber das ist ja so wie bei allen immer ein Baustein

Hanna: in unserem Puzzle, was uns am Ende zu einer Entscheidung führt. Hoffentlich.

Clemens: Wenn man sich dann mal die Koryphäen auf dem Bereich bei YouTube anschaut,

Clemens: dann sagen die auch teilweise sowas wie, wenn man nicht so genau weiß,

Clemens: wie man das jetzt zu beurteilen hat, dann gibt man halt mal 30 Milligramm Propofol.

Clemens: Und wenn es sich dann ändert, dann wird es wahrscheinlich die Narkosetiefe gewesen sein.

Clemens: Und wenn nicht, dann war es vielleicht ein anderes Problem. Keine Ahnung.

Clemens: Muskeleigenbewegung oder was auch immer. EKG.

Ingmar: Wenn du jetzt Koryphäen auf YouTube ansprichst.

Clemens: Ja.

Ingmar: Lass uns doch mal unsere Quellen auf den Tisch legen, weil ich finde,

Ingmar: wir haben hier eine ziemlich coole Quelle.

Clemens: Ja, absolut.

Ingmar: Ist eine Webseite, die heißt icetap.org icetap.org Das sind so ein paar Amerikaner,

Ingmar: die genau diese These formulieren,

Ingmar: dass es es wert ist, das ROEG anzugucken und hier mit ein paar Videos und Vorträgen

Ingmar: genau diesen Punkt machen.

Ingmar: Und das sind Leute, die zu diesem Thema auch viel publiziert haben und in der

Ingmar: ASA relativ weit oben aufgehängt sind.

Ingmar: Das ist eine super coole Quelle zum Thema EEG im Anästhesieumfeld.

Clemens: Und diese Leute empfehlen zusätzlich noch die Website EEG for Anesthesia .org

Clemens: Also die beiden Seiten kann man

Clemens: empfehlen und dann kommt man auch auf die entsprechenden YouTube-Videos.

Ingmar: Ja, also das war was, wo wir hier in der Recherche drüber gestolpert sind und

Ingmar: wo wir uns uns gefreut haben, wie wunderbar das in die Tiefe geht.

Ingmar: Das gefällt uns gut. Zum Thema Neuromonitoring auf der Intensivstation gibt

Ingmar: es ein relativ aktuelles Buch mit Göttinger Beteiligung auch.

Ingmar: Das heißt Neuromonitoring in der Intensivmedizin.

Hanna: Surprise.

Ingmar: Da steht auch was zum Thema EEG mit drin.

Clemens: Also wir haben jetzt prozessiert irgendwie abgewatscht, sag ich mal.

Clemens: Müssten wir jetzt nicht sagen, Angenommen, ihr seid jetzt im OP-Saal,

Clemens: ihr habt das jetzt draufgeklebt und ihr habt euch jetzt vorher mal durchgelesen,

Clemens: wie das nochmal mit dem Roh-EEG war.

Clemens: Wie könnt ihr das anhand eines Fallbeispiels denn jetzt wirklich nutzen?

Clemens: Oder ist das zu visuell, weil man dann von Deltawellen und irgendwelchen Alpha-Ostillationen

Clemens: reden muss, die man sich halt nun mal nicht im Podcast...

Ingmar: 2021 ist im Anästhesisten ein CME-Fortbildungsartikel zum quantifizierten EEG

Ingmar: während der allgemeinen Anästhesie erschienen.

Ingmar: Ich nenne es mal den üblichen Verdächtigen aus der internationalen Neuromonitoring-Szene.

Ingmar: Und das geht los mit einem Fallbeispiel. Also es ist ein Artikel,

Ingmar: den wir grundsätzlich empfehlen.

Ingmar: Und das Fallbeispiel wollen wir euch einfach mal mit auf den Weg geben.

Ingmar: Also, sie betreuen einen 58-jährigen Patienten zur laparoskopischen Hemikolektomie.

Ingmar: Als relevante Vorerkrankungen sind Bluthochdruck und Adipositas,

Ingmar: einem BMI von 37 kg pro Quadratmeter, bekannt.

Ingmar: Der Patient erhält für den Eingriff eine Kombinationsanästhesie aus TAP-Blockade

Ingmar: und Allgemeinanästhesie mit Cevofluran und Fentanyl.

Ingmar: Die Einleitung verläuft problemlos, aber während der Insufflation von Kohlendioxid

Ingmar: in das Peritoneum wird der Patient ausgeprägt hypoton mit einem Blutdruck von 65 zu 35 mmHg.

Ingmar: Sie vermuten als Ursache primär das Kapnoperitoneum, aber ein Blick auf den

Ingmar: EEG-Monitor führt sie zu einer weiteren Differenzialdiagnose.

Ingmar: Trotz einer minimalen alveolären Konzentration des Sevoflurans von nur 0,8 weist

Ingmar: das EEG ein deutlich erkennbares Burst-Suppressionsmuster auf.

Ingmar: Nach einmaliger Gabe von 10 Mikrogramm Noradrenalin und Reduktion der Sevofluran-Konzentration

Ingmar: auf 0,6 Mach stabilisiert sich der Blutdruck.

Ingmar: Während der nächsten 90 Minuten verläuft die Anästhesie ohne größere hämodynamische

Ingmar: Veränderungen und das EEG zeigt stabile Alpha-Oszillationen und eine Slow-Wave-Aktivität.

Ingmar: Operativ erschweren dem Chirurgen abdominelle Adhesionen die Arbeit.

Ingmar: Nachdem es zu einer Verletzung des Dünndarms kommt, entscheidet sich der Operateur

Ingmar: für ein offenes Verfahren und führt eine Laparotomie durch.

Ingmar: Hierbei verändert sich das EEG-Muster abrupt und es sind nur noch Deltawellen zu erkennen.

Ingmar: Sie sind sich unsicher, ob sie die Narkose durch die Gabe von Fentanyl oder

Ingmar: eine höhere Konzentration von Sevofluran anpassen sollen. Auf einen erneuten

Ingmar: Bolus an Opioid erscheinen wieder Alpha-Spindeln im EEG.

Ingmar: Anscheinend war die Tab-Blockade nicht ausreichend für die Abdeckung des gesamten

Ingmar: Lapparotomie-Bereichs und der akute Schmerzreiz hat zum Verlust der Alpha-Oszillationen geführt.

Ingmar: Die Operation verläuft weiterhin gut, bis es aufgrund einer Lazeration der Vena

Ingmar: cava inferior zu einem ausgeprägten Blutverlust kommt.

Ingmar: Aufgrund der hämodynamischen Instabilität verringern sie die Säbifluoradenkonzentration

Ingmar: auf etwa 0,4 Mach und versuchen den Patienten durch Infusion von Crystalloiden

Ingmar: und Transfusion von Erythrozytenkonzentrat zu stabilisieren.

Ingmar: Ihnen fallen jedoch beim Blick auf den Monitor erneut fehlende Alpha-Oszillationen

Ingmar: im EEG auf, wobei im Spektrogramm dieses Mal dem Alpha-Verlust ein Anstieg der

Ingmar: Frequenz der Alpha-Oszillation vorausging.

Ingmar: Sie erhöhen daher die Konzentration des volatilen Anästhetikums wieder auf 0,5 Mach,

Ingmar: trotz weiterhin bestehender hämodynamischer Instabilität und supplementieren

Ingmar: mit einem Bolus von 2 mg Midazolam, sodass wieder Alpha-Oszillationen im EEG zu erkennen sind.

Ingmar: Nach chirurgischer Kontrolle der Blutung stabilisiert sich der Patient zusehends.

Ingmar: Nach der Ausleitung ist er schmerzfrei und kann sich nur an ihre Worte vor der Einleitung erinnern.

Ingmar: Das ist so ein Fallbeispiel, das den Nutzen von EEG-Monitoring intraoperativ

Ingmar: versucht zu verdeutlichen.

Clemens: Also ich finde da viele Sachen dran interessant. Interessant zum Beispiel,

Clemens: dass sie eben sagen, sie dosieren ja offensichtlich nach MAC,

Clemens: Entidale Konzentration von Silvofloran in dem Fall.

Clemens: Aber jetzt muss man mal selber überlegen, wie oft hat man denn selber schon

Clemens: intraoperativ, ohne dass man EG benutzt hätte in dem Fall, den MAC auf 0,4 reduziert.

Clemens: Ich weiß nicht, wie oft habt ihr das schon gemacht?

Hanna: Zur Ausleitung.

Clemens: Ja, zur Ausleitung.

Ralf: Ja, abhängig davon, weil es gibt, also nicht reduziert, sondern einfach generell

Ralf: sehr wenig gemacht überhaupt tatsächlich,

Ralf: wenn es beispielsweise bei einem Mitra-Clip, weil es einfach sehr invasiv ist

Ralf: von der operierenden, z.B. interventionierenden Seite.

Clemens: Okay, aber die haben ja hier den Bauch aufgeschnitten.

Ralf: Ja, du hast gefragt, ich habe geantwortet.

Clemens: Also das finde ich zum einen schon mal interessant, dass man da offensichtlich

Clemens: viel differenzierter seine Narkose führen kann, ohne anscheinend eben eine Awareness

Clemens: zu provozieren, beziehungsweise zu riskieren.

Clemens: Das finde ich schon mal interessant.

Ralf: Kann ich da an einer Sache, es gibt, ich glaube es heißt wahrscheinlich implizit

Ralf: oder explizit Awareness, ich weiß nicht, das mag nicht ganz richtig sein von der Begrifflichkeit,

Ralf: aber meines Wissens nach ist es so, dass Awareness nicht nur einschließt,

Ralf: dass sich danach jemand,

Ralf: die Leute an irgendwas erinnern, sondern dass eben Awareness auch ist,

Ralf: dass die Leute ohne davon zu wissen Albträume danach haben,

Ralf: also sozusagen irgendwas Unbewusstes davon teilnehmen und das wird aus meiner

Ralf: Sicht da jetzt nicht klar und das,

Ralf: Damit hast du auch nur, weil der Patient oder die Patientin sich danach nicht

Ralf: daran erinnert, was vielleicht intraoperativ passiert ist und keine Gesprächsfetzen wiedergeben kann,

Ralf: wäre das für mich in meiner Wahrnehmung noch keine Garantie,

Ralf: dass nicht doch sozusagen ein Schaden durch eine unbewusste Awareness entstanden ist.

Hanna: Was ich mich vor allen Dingen ein bisschen gefragt habe, also ich finde es auch

Hanna: ein cooles Fallbeispiel, weil es zeigt so ein bisschen, wo sind Anwendungsgebiete.

Hanna: Ich finde aber auch so ein paar Sachen sind da, wo ich mich frage,

Hanna: ob das nicht ein bisschen konstruiert ist und an manchen Stellen so leicht von

Hanna: der Praxis weggeht. Also natürlich ist es konstruiert, ja, ist klar.

Hanna: Aber zum Beispiel schon der Anfang, wo man sagt, okay, der Patient,

Hanna: Kapnoperitoneum, der Patient wird irgendwie hypoton und man vermutet als Ursache,

Hanna: dass Kapnoperitoneum ist ja wahnsinnig naheliegend,

Hanna: hat aber auch eine tiefe Narkose und gibt dann irgendwie einen Katechlamin und

Hanna: reduziert aber auch die Narkose.

Hanna: Ich meine, das sind ja irgendwie natürliche Reaktionen, aber ob es nicht eine

Hanna: Kombination aus beidem war und die, also weißt du, was ich meine?

Hanna: Die Katechlamingabe stabilisiert ein bisschen und auch die Reduktion der Narkose

Hanna: macht in dem Zusammenhang ja vielleicht Sinn, aber die Frage ist,

Hanna: ist das jetzt in der Praxis?

Hanna: Also hätte ich es in der Praxis anders gemacht, wenn ich keine Narkosetiefe-Messung gemacht hätte?

Hanna: Oder hätte ich nicht auch so gesagt, okay, ich gebe erstmal Katischlamin,

Hanna: um den Blutdruck zu stabilisieren und überlege dann mal, ob ich die Narkose so tief haben muss.

Hanna: Klar, ein weiterer Überwachungsparameter ist schöner und ich habe dann noch mehr Anhaltspunkte.

Clemens: Aber woran würdest du denn festmachen, ob die Narkose mit 0,8 mag?

Hanna: Ja, ich würde es wahrscheinlich einmal ausprobieren, ob ich noch ein bisschen

Hanna: weniger Narkose machen kann.

Clemens: Und ausprobieren, inwiefern, also was ist dein Outcome-Parameter dann? Also in der Narkose?

Hanna: Ja, also, naja gut, das klingt jetzt so, als wäre ich grausam,

Hanna: ne? Ja. Wir müssen das rausschneiden.

Ralf: Das ist doch viel schöner dafür.

Clemens: Ne, also ich will ja nur sagen, es gibt halt einfach keine Überwachung ansonsten.

Ingmar: Ich sehe euren Punkt. Ich sehe eure beiden Punkte. Dass das klar ist in einem

Ingmar: CME-Artikel über intraoperatives EEG-Monitoring, ist das der Weisheit letzter Schluss.

Ingmar: Klar. Und wenn man das nicht gehabt hätte, hätte eine erfahrene Anästhesistin

Ingmar: auch gesagt, klar, geben wir auf die Hypotonie ein Katecholamin und die nächste

Ingmar: Stellstraube, die ich habe, ist vielleicht die Narkosetiefe zu reduzieren.

Ingmar: Aber ob du sie richtig reduziert hast, Völlig richtig.

Ingmar: Hilft dir wahrscheinlich das EEG-Monitoring schon, weil du eben dann ein Zielparameter

Ingmar: hast, auf den du schauen und auf den du gucken kannst.

Clemens: Und man muss ja auch sagen, eine hemodynamische Instabilität mit einer Reduktion

Clemens: oder wenn man Hyperton ist, mit Erhöhung der Narkosemittel zu therapieren,

Clemens: muss ja nicht immer richtig sein.

Ingmar: Das ist die zweite Hälfte, also der zweite Fall des Fallbeispiels,

Ingmar: wo sie dann eben sagen, ja.

Hanna: Genau.

Clemens: Also ich meine, eine hämodynamische Instabilität behandelt man ja jetzt erstmal

Clemens: damit, dass man die Hämodynamik stabilisiert und nicht, dass man seinen Sevofloran runterschraubt.

Clemens: Jetzt ohne EEG. Wisst ihr, was ich meine?

Ingmar: Nee.

Clemens: Nee, keine Ahnung.

Hanna: Würdest du aber in dem Fall ohnehin machen, weil bis die Narkosetiefe,

Hanna: also bis die Hämodynamik auf eine Rücknahme der Narkosetiefe reagiert,

Hanna: musst du ja ohnehin was machen.

Hanna: Genau. Man kann ja nicht sagen, so, machen wir mal Sevo ein bisschen runter

Hanna: und dann warten wir mal und dann gucken wir mal, ob das in zehn Minuten besser ist.

Clemens: Ja, genau, das sage ich dir.

Ralf: Ich finde auch die zwei Milligramm Midazolam irgendwie, das klingt schon so

Ralf: nach, ach du Scheiße, es gab AWN, das schnell Midazolam hinterher,

Ralf: damit das Gedächtnis weg ist.

Clemens: Ich glaube, so ist es auch gemeint.

Ralf: Ja, aber wenn ich dann, dann, dann, wenn ich irgendwie jemanden das Gedächtnis

Ralf: wegballer, dann muss ich mich jetzt auch nicht wundern, dass der danach vielleicht

Ralf: nicht weiß, was passiert ist.

Ralf: Also, ich möchte den Artikel trotzdem jetzt nicht schlecht reden damit.

Ralf: Das mit der Awareness, finde ich, ist schon wichtig, dass man sagt,

Ralf: Awareness ist nicht nur, wenn mir jemand danach sagen kann, über was ich geredet

Ralf: habe während der Narkose mit irgendjemandem.

Ralf: Da, da, ne, stehe ich dazu. zu.

Hanna: Man muss das ja auch nicht schlecht reden, aber man kann ja sowas trotzdem mal

Hanna: diskutieren. Übersprechen.

Clemens: Also was es aber auch noch zeigt, also was sie ja sagen ist,

Clemens: okay, EEG gehört an jeden erstmal dran grundsätzlich.

Clemens: Was es ja auch zeigt in diesem Fallbeispiel,

Clemens: da passieren ja alle Sachen gleichzeitig, wenn man mal so will.

Clemens: Also zum Beispiel, dass dann irgendwann keine Deltawellen mehr vorhanden sind.

Clemens: In diesem Fallbeispiel ist ja eigentlich eine paradoxe Reaktion auf auf eine

Clemens: zu niedrige Narkose, also zu wenig Analgesie.

Clemens: Das ist ja anscheinend bekannt, dass in bestimmten Fällen das dann so aussehen

Clemens: kann, wie zum Beispiel ein Birth Suppression Muster mit völligen Fehlen von Deltawellen,

Clemens: was aber eben nicht bedeutet, dass die Narkose zu tief ist, sondern dass die Narkose zu flach ist.

Clemens: Und das hätte dazu geführt, beim Biss und beim Narkotrend und so weiter,

Clemens: dass das einen ganz niedrigen Index angezeigt hätte, weil es so ähnlich aussieht

Clemens: wie ein Burst-Suppression-Muster für den Algorithmus, aber für den erfahrenen EEG-Interpretateur,

Clemens: eben nicht. Also, wisst ihr, was ich meine?

Clemens: Das ist ja jetzt nur wieder das Nächste, um zu sagen, was die sagen.

Clemens: Ich meine, ich bin ja kein, ich habe ja kein,

Clemens: Game dabei. Also, ob man jetzt Biss nehmen soll oder nicht, ist mir ja völlig,

Clemens: egal, aber das ist ja zumindest das, was was in den Artikeln immer so rauskommt,

Clemens: dass das Roh-EEG offensichtlich der heilige Gral zu sein scheint.

Ralf: Wenn man es denn interpretieren kann.

Clemens: Wenn man es kann, ja.

Ingmar: Sollen wir einen Deckel drauf machen?

Ralf: Ja.

Ingmar: Dann folgt die kurze Zusammenfassung. Ich glaube, wir haben uns in dieser Episode

Ingmar: über die Grundlagen und die Technik von EEGs unterhalten.

Ingmar: Auf der Intensivstation und im OP.

Ingmar: Wir haben uns über die Unterschiede zwischen Roh-EEG und prozessierten EEGs

Ingmar: mit Indizes unterhalten.

Ingmar: Und würden als Fazit der Episode, glaube ich, stehen lassen,

Ingmar: dass es vielleicht wert ist,

Ingmar: sich mehr mit Roh-EEGs zu befassen und dass eine profunde Kenntnis in der Interpretation

Ingmar: von Roh-EEGs es einem ermöglicht,

Ingmar: smartere Narkoseführungen durchzuführen.

Clemens: Und wir haben euch im Prinzip mindestens zwei Ressourcen, wenn nicht sogar noch

Clemens: mehr, an die Hand gegeben,

Clemens: um das im Konkreten dann auch mal durchzuspielen, weil wir haben jetzt viel

Clemens: erzählt zählt von Deltawellen und Alpha-Oscillationen und irgendwelchen wilden Suppression-Mustern.

Clemens: Aber das ist natürlich im Podcast nicht abbildbar und es ist auch nicht sinnvoll

Clemens: wahrscheinlich, da jetzt irgendwie zu sagen, oh, guck mal, hier,

Clemens: in einer Sekunde sind so und so viele Spindeln zu zählen.

Clemens: Also das muss man ja dann machen, wenn man unprozessiertes EEG interpretieren will.

Clemens: Aber dafür gibt es eben super YouTube-Videos, gute Internetseiten,

Clemens: Review-Artikel und so weiter, die wir euch alle in die Shownotes packen,

Clemens: wo man das dann auch mal konkret angucken kann, durchlesen, wie auch immer.

Clemens: Damit halt dieses visuelle Thema auch mal visuell dargestellt wird,

Clemens: damit man es dann auch in der Praxis benutzen kann.

Ingmar: In der Zwischenzeit basteln wir noch eine neue Homepage für den Podcast.

Ingmar: Die URL dafür wird youngurbananesthesiologist.de sein, die ist schon reserviert

Ingmar: und befindet sich im Aufbau, Ist aber eben noch im Aufbau.

Clemens: Also nicht yuan.cn oder so?

Ingmar: Nee, das war schon weg. Da werdet ihr in Zukunft wahrscheinlich den Podcast

Ingmar: finden mit allem, was dazugehört. Auch mit einem neuen Formular für die CME-Punkte,

Ingmar: die man darüber generieren kann.

Ingmar: Vielen Dank, dass ihr eingeschaltet habt. Wenn ihr Fragen und Anregungen habt, schreibt uns.

Ingmar: Wir freuen uns, wenn ihr auch bei der nächsten Folge wieder mit dabei seid.

Ingmar: Wenn wir uns mit den nächsten spannenden Themen aus der Anästhesiologie und

Ingmar: Intensivmedizin befassen.

Ingmar: Bis zum nächsten Mal.

Ingmar: Bleib neugierig. Tschüss.

Clemens: Ciao.

Clemens: Also ich hab mir heute diese Videos angeguckt, wie der Typ IEG um IEG durchgeht und sagt und so und so.

Clemens: Und das halt so wie in diesem Fallbeispiel. War noch super.

Ingmar: Das ist geil, ne? Also IceTab fand ich eine mega Quelle.

Clemens: Weil ihr so kritisch jetzt seid, scheiß Fallbeispiel.

Hanna: Nee, ich bin nicht so kritisch wegen des Teilbeispiels, aber ich finde schon,

Hanna: dass man das immer noch mal ein bisschen einordnen muss und dass es doch nett

Hanna: ist, wenn man nicht nur das liest, sondern dann auch einmal überlegt, okay,

Hanna: also ich finde immer, wenn man es ernst nehmen soll, dann muss man einmal überlegen,

Hanna: was davon ist jetzt irgendwie so ein bisschen konstruierter,

Hanna: alberner Kram, weil irgendwas vermittelt werden soll und was ist tatsächlich praxisrelevant.

Clemens: Aber was ist denn die Alternative? Es gibt keine Alternative.

Clemens: Die Alternative ist zu glauben, dass man Kraft seiner Wassersuppe schon merkt,

Clemens: wenn der Patient tiefe Narkose hat. Ich wollte damit nicht sagen.

Hanna: Dass man kein Narkosetiefe-Monitoring machen soll, sondern...

Clemens: Was ist denn das Alternative Narkosetiefe-Monitoring?

Hanna: Du musst mich aussprechen lassen. Ich habe gesagt, ich wollte nicht sagen,

Hanna: dass man keine Narkosetiefe-Monitoring möchte, sondern ich wollte nur sagen,

Hanna: dass ich finde, dass dieser Fokus in dem Fallbeispiel...

Hanna: Verständlicherweise so gewählt ist, weil es geht nun mal ums Monitoring der

Hanna: Narkosetiefe, aber dass es in der Praxis,

Hanna: so ja nicht ist, sondern dass die Narkosetiefe auch mit einbezogen wird und

Hanna: gerne auch mit dem Monitoring, aber dass in so Situationen vielleicht manchmal

Hanna: erstmal andere Sachen im Vordergrund stehen, dass wenn ich einen hämodynamisch

Hanna: instabilen Patienten habe,

Hanna: ich vielleicht im Vorbeigehen merke, dass da Deltawellen fehlen,

Hanna: aber auch nur, wenn ich das schon hunderttausend Mal gemacht habe und dass das nicht mein Fokus ist.

Clemens: Aber das geht ja nicht weg. Nur weil du Nordrhein-Westfalen gibst,

Clemens: geht ja die Birth Suppression nicht weg.

Hanna: Nein, keine Frage.

Hanna: Das habe ich nicht behauptet.

Clemens: Ich sage nur, natürlich würdest du einfach Norderlernin spritzen,

Clemens: damit der Blutdruck wieder hochgeht. Machst du ja auf jeden Fall.

Clemens: Da bin ich ja völlig bei dir.

Clemens: Aber ohne Neuromonitoring und ohne Ahnung, so wie ich zum Beispiel,

Clemens: würde man es ja gar nicht merken, dass der jetzt ein Burst-Depression-Muster

Clemens: im EEG hat und offensichtlich einfach viel zu tief abgeschafft ist.

Hanna: Ich wollte mit der Kritik an dem Fallbeispiel auch nicht,

Hanna: das Neuromonitoring kritisieren. Nur mal sagen, das kann man aber auch nochmal.

Hanna: Also ich finde, wenn du so einem Thema zum Beispiel kritisch gegenüberstehst

Hanna: und dann liest du so ein Fallbeispiel und denkst, jetzt übertreiben die auch

Hanna: so voll weg von der Praxis und wer guckt denn ständig auf so Neuromonitoring

Hanna: und deswegen finde ich es manchmal hilfreich,

Hanna: wenn man es nochmal einordnet und sagt so, ja, uns ist auch klar,

Hanna: in der Praxis ist das vielleicht gar nicht so,

Hanna: aber nicht, dass trotz, also weißt du, ich finde man kann.

Clemens: Aber vor dem Hintergrund, dass da wirklich Leute umlaufen und sagen,

Clemens: reißt die Sättigungsclip ab, mach EEG drauf, muss man wahrscheinlich schon sagen,

Clemens: dass wir einfach völlig untertreiben mit unserem, wir sind einfach schlecht, was das angeht.

Clemens: Wir müssen uns wahrscheinlich, ohne Ahnung davon zu haben, viel mehr hinsetzen

Clemens: und die Vorteile, die ja in diesem Fallbeispiel natürlich völlig übertriebenerweise

Clemens: und zusammengepackt sind.

Hanna: Ich glaube, du hast mich falsch verstanden. Ich habe dir nie widersprochen.

Hanna: Ich habe nie gesagt, ich finde das schlecht. Ich habe auch gesagt,

Hanna: ich finde, dass wir das mehr machen müssen und dass wir das können sollten.

Hanna: Ich habe nur gedacht, ich finde, man kann Sachen ernster nehmen,

Hanna: wenn man sie nochmal einordnet und man sagt so, ja, ja, das klingt jetzt erstmal

Hanna: ein bisschen übertrieben, aber mach das trotzdem mal.

Clemens: Okay.

Hanna: Weil, also weißt du, was ich meine?

Ingmar: Nein, ich provoziere dich nochmal und formuliere deine Einordnung nochmal ein kleines bisschen um.

Ingmar: Ich habe dich so verstanden, dass du gesagt hast, okay, das ist jetzt ein Setting,

Ingmar: wo das Anästhesitin absurd gut EEG interpretieren kann, nämlich im Vorbeilaufen.

Ingmar: Und dass das in anderen Umständen möglicherweise schwieriger ist und dass diejenigen,

Ingmar: die mehr Schwierigkeiten haben, das EEG so schnell und sicher zu interpretieren,

Ingmar: auch die Situation irgendwie lösen, weil sie es schon immer so gelöst haben.

Ingmar: Aber dass es eigentlich nicht cool ist, es so zu lösen, sondern eigentlich ist

Ingmar: das Ziel, genauso souverän das EEG zu befunden wie in dem Fallbeispiel und es genauso dran zu haben,

Ingmar: Und eben nicht zu sagen, ja, mit den Tools, die wir bisher genutzt haben,

Ingmar: nämlich aus Erfahrung Kardicholamine und aus Erfahrung Narkose reduzieren,

Ingmar: das Ganze dann zu quantifizieren.

Hanna: Ich finde das Fastes sehr schön zusammen. Und es ist so ein bisschen,

Hanna: das war gar keine Provokation, und es ist so ein bisschen, das hatten wir ganz am Anfang,

Hanna: wir arbeiten teilweise immer noch mit einer Generation von Anästhesistinnen

Hanna: und Anästhesisten zusammen, die uns aus Zeiten erzählen, wo man ohne Sättigung Narkose gemacht hat.

Hanna: Das ist für uns heute unglaublich und es wird auch da eine Übergangszeit gegeben

Hanna: haben, wo viele gesagt haben, das haben wir früher auch ohne gekonnt und geht

Hanna: doch auch alles, ging ja auch, die Patienten sind wieder wach geworden und trotzdem

Hanna: ist es heute undenkbar, es ohne zu machen und vielleicht, hoffentlich,

Hanna: wird es dabei auch irgendwann so sein.

Clemens: Aber das ist ja überhaupt keine neue Technik, diese Ice-Tap-Seiten, die sind uralt.

Ingmar: Offensichtlich alt.

Clemens: Ja, offensichtlich richtig alt. Also der Typ hat eine gelbe Krawatte an, im Ernst.

Ralf: Weil das ist ja auch nicht überraschend, dass Dinge nicht neu sind und irgendwie

Ralf: lange brauchen, in der Medizin irgendwie anzukommen Ja.

Clemens: Ja klar Medizin ist glaube ich da eines der schlechtesten Der langsamsten Aber ich glaube auch.

Ingmar: Dass Das ist Deutschland, das ist noch mal ein anderes Thema Nee.

Clemens: Ich meine, es geht natürlich auch um Patientensicherheit und so weiter,

Clemens: dann kannst du natürlich nicht wieder weiß der Teufel Branche sagen,

Clemens: kaufen sofort fort den neuesten Roboter, weil das ist das Schlimmste, was passiert.

Clemens: Keine Ahnung, wir können unsere Reifen nicht so gut herstellen wie vorher.

Clemens: Viel Geld, aber es stirbt keiner.

Ingmar: Ich glaube aber auch, dass das Feld der Kurveninterpretation in den nächsten

Ingmar: paar Jahren nochmal krass angefasst wird.

Hanna: Mit Sicherheit.

Clemens: Ich habe jetzt nicht geguckt, welches neuronale Netzwerk EEGs es schon analysieren

Clemens: kann. Da wird es ja wohl was geben.

Hanna: Deswegen, das habe ich ja eben gesagt, ich kann mir nicht vorstellen,

Hanna: dass das so schlecht funktioniert.

Über diesen Podcast

Der Podcast aus der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen. Wir berichten über Aktuelles aus Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin. Manchmal sprechen wir auch einfach über Dinge, die uns interessieren.
"Young Urban Anesthesiologists", kurz "YUAN" referenziert das Weiterbildungsformat der Abteilung, auch wenn wir weder besonders jung noch urban sind.

CME-Fortbildungspunkte für das Hören des Podcasts können über unsere Homepage beantragt werden.

von und mit Ingmar Finkenzeller (Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen)

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