Young Urban Anesthesiologists

Young Urban Anesthesiologists

Der Podcast der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen

Transkript

Zurück zur Episode

Ingmar: Hallo zusammen, heute geht es weder um die Feuerzangenbowle noch um Dampfmaschinen,

Ingmar: aber um etwas, was Dampfmaschinen verflixt ähnlich sieht, nämlich Beatmungsgeräte.

Ingmar: Wir wollen uns in den nächsten Folgen mit dem Thema Beatmung beschäftigen und

Ingmar: los geht's mit den Grundlagen zu Beatmungsgeräten.

Ingmar: Und dazu haben wir uns hier wieder versammelt und wollen versuchen,

Ingmar: euch da mitzunehmen in diese Welt der Technik und der Verfahren.

Ingmar: Wir werden über Definitionen, Geschichte und dann heute wahrscheinlich vor allem

Ingmar: um den technischen Aufbau sprechen, bevor wir uns dann in den nächsten Episoden

Ingmar: einzelnen Beatmungsformen widmen wollen.

Ralf: Im Prinzip ist eigentlich eine Beatmungsmaschine die umgekehrte Dampfmaschine.

Ralf: Dampfmaschine macht mit Gasen und Gasverschiebung Energie.

Ingmar: Ja, wir machen mit Energie...

Hanna: Gasverschiebung. Wow.

Ingmar: Ende der Durchsage.

Ralf: So, dann ist ja alles klar jetzt, oder?

Hanna: Ist alles gesagt. Ja. Schön, dass ihr zugehört habt.

Ingmar: Das ist im Prinzip schon die Definition.

Hanna: Wir haben auf einer unserer Lieblingsseiten, Deranged Physiology,

Hanna: eine Version oder eine Definition gefunden eines Herren mit dem Namen Robert L.

Hanna: Chatburn. Und frei übersetzt sagt er,

Hanna: dass ein Beatmungsgerät, eine Maschine ist bei der Energie durch den Antriebsmechanismus

Hanna: des Beatmungsgerätes in einer vorbestimmten

Hanna: Weise durch den Steuerkreis übertragen oder umgewandelt wird,

Hanna: um die Muskeln des Patienten bei der Verrichtung der Atemarbeit zu unterstützen oder zu ersetzen.

Hanna: Das klingt gestelzt und leicht kompliziert, aber im Prinzip sagt es einfach

Hanna: nur, dass das, was wir machen, ist dem Patienten oder den Patientinnen die Atemarbeit

Hanna: in dem Sinne abzunehmen, dass wir die Arbeit irgendwie von außen verrichten.

Hanna: Entweder tatsächlich durch eine Maschine oder vielleicht auch im weitesten Sinne

Hanna: durch einen Handbeatmungsbeutel oder ähnliches.

Hanna: Das heißt, Kraft, die nicht der Muskelkraft des Patienten entspricht,

Hanna: wird umgewandelt, sodass sie den Patienten beatmen kann und der Patient,

Hanna: die Patientin das nicht selber machen muss.

Ingmar: Da scheiden sich dann die Geister, ob ein Beutelmaskenbeatmung,

Ingmar: ob das ein Beatmungsgerät ist.

Hanna: Vermutlich ja, vielleicht nicht.

Ingmar: Oder nicht. Und manche sagen, okay, ein Beatmungsgerät zeichnet sich dadurch

Ingmar: aus, dass man es einstellt, dass man dann weggehen kann und es weitermacht.

Ingmar: Und das klappt halt bei einem Beutelmaskensystem einfach nicht.

Hanna: Ist wahrscheinlich auch. Es ist zwar eine mechanische Ventilation,

Hanna: aber keine automatisierte zumindest.

Ingmar: Also obwohl es so einfach klingt, ist am Ende eine Definition gar nicht so einfach.

Ingmar: Obwohl wir es jeden Tag benutzen, ist uns oder ist mir gar nicht so richtig

Ingmar: klar, wie man da eine Überschrift drüber setzen kann.

Ingmar: Wie ging es denn los? Was sind die Geschichte der Beatmungssysteme?

Hanna: Auch das ist ja wie bei vielen Sachen, die schon lange her sind und die sich

Hanna: so in die Normalität unseres Alltags geschlichen haben.

Hanna: Hoffe ich gar nicht so einfach zu sagen, wann ging es denn jetzt ganz genau los.

Hanna: Was man auf jeden Fall findet, es gab einen Herrn mit dem Namen George Poe,

Hanna: der, Funfact am Rande, ein Cousin des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe war.

Hanna: Das ist zwar an dieser Stelle inhaltlich nicht relevant, aber gut.

Hanna: Und der hat wohl 1907 bereits ein erstes Patent für eine Maschine zur Induktion

Hanna: künstlicher Beatmung angemeldet.

Hanna: Wie dieses Gerät genau aufgebaut war und funktioniert, haben wir jetzt nicht

Hanna: im Näheren recherchiert, aber das war sicherlich irgendwie die Zeit,

Hanna: wo man sich dann in der darauffolgenden Zeit näher damit beschäftigt hat,

Hanna: wie man beatmen kann und wie wir auch wissen, gab es zu Beginn der Beatmungsgeräte

Hanna: verschiedene Ideen, wie man das denn machen kann und so ein bisschen aus anekdotischen Gründen.

Hanna: Wollten wir hier noch einmal die eiserne Lunge erwähnen, das haben sicherlich

Hanna: die meisten gehört oder haben die meisten davon im Rahmen der Polio-Epidemien der 1920er,

Hanna: 30er gehört und die eiserne Lunge war im Vergleich zu dem, was wir heute üblicherweise tun,

Hanna: ein Gerät, mit dem nicht über einen zum Beispiel Endotracheal-Tubus oder über

Hanna: eine Maske Luft in irgendeiner Form in den Patienten hinein gepustet wurde,

Hanna: Sondern man hat die Patientinnen und Patienten tatsächlich in so einer Art Tank,

Hanna: deswegen nennt man es auch irgendwie Tank oder kann es auch als Tankbeatmungsgerät bezeichnen.

Hanna: Wie hat man sie in so eine Art Tankkasten gelegt,

Hanna: wo nur der Kopf rausgeguckt hat und hat in diesem Gerät abwechselnd einen Über-

Hanna: und einen Unterdruck erzeugt und somit quasi so halb physiologisch Luft gelassen

Hanna: und eben auch wieder raus.

Hanna: Aber wie gesagt, das ist eher so ein bisschen anekdotisch, die wurden so in

Hanna: den 20ern, wurde dieses Gerät entwickelt und dann auch so ein bisschen weiterverfolgt und es gab,

Hanna: ich meine sogar in den Nachrichten, ich glaube dieses Jahr ist einer der letzten

Hanna: Polio-Patienten, die mit diesem Ding über Jahrzehnte beatmet wurden, verstorben.

Hanna: Genau, weil es einige gab, die sich dann eben entschieden haben,

Hanna: weiter mit dieser Methode beatmet zu werden und die dann quasi in dem Ding gelebt haben.

Hanna: Aber heute in unserer Medizin hat das im Prinzip keinen Stellenwert mehr und

Hanna: ist mit zunehmendem Einsatz von Endotracheal-Tuben auch mehr oder weniger verschwunden.

Clemens: Aber die haben glaube ich nicht komplett, also die hatten dann immer Phasen,

Clemens: wo sie da drin waren, zur Erholung sozusagen.

Hanna: Ich weiß nicht, also ich habe das schon so verstanden, dass es Leute gibt,

Hanna: die wirklich in diesen Ding angegeben haben.

Ralf: Ja, der, den du jetzt meintest, das war Paul Alexander, der ist 72 Jahre lang

Ralf: da drin gewesen und ist damit sozusagen wohl Rekordhalter, was das angeht.

Clemens: Aber der ist nie da, also der konnte gar nicht selbstständig atmen, oder wie?

Ralf: Das ist mein Verständnis davon.

Hanna: Ja, so habe ich das auch.

Ralf: Und er ist mit 78 jetzt gestorben. Und das ist beim 13.3. diesen Jahres.

Hanna: War dieses Jahr, ne?

Ingmar: Ich glaube, dass das Konzept der Negative Pressure Ventilation im Gegensatz

Ingmar: zu den Überdruckbeatmungsmethoden, die wir ansonsten kennen,

Ingmar: dass das eigentlich ganz smart ist.

Ingmar: Und es gibt auch wieder moderne Vertreter von diesem eiserne Lungen Konzept,

Ingmar: so Kyras-Ventilatoren, die ich gerne mal wieder ausprobieren möchte.

Ingmar: Kann ich mir gut vorstellen, dass das, wenn wir in der Intensivmedizin ganz

Ingmar: viel nachgedacht haben über Self-Inflicted Lung Injury, über überhaupt Lungenschädigungen durch Druck.

Ingmar: Wir lernen ja immer mehr, dass das, was wir mit unserer künstlichen Beatmung

Ingmar: machen, eigentlich nie gut ist für den Patienten.

Ingmar: Und dass wir da mit mit Negativdrucksystemen, mit Unterdrucksystemen vielleicht

Ingmar: eine physiologischere Alternative haben könnten.

Ingmar: Also ich halte das schon für ein interessantes, vielversprechendes Verfahren,

Ingmar: aber ich glaube nicht, also es ist genauso wie du sagst, es ist eben nicht flächendeckend

Ingmar: weit verbreitet, sondern das

Ingmar: sind alles diese Positivdruck, Überdruckverfahren, die wir gerade nutzen.

Ingmar: Jetzt haben wir schon in Überdruck- und Unterdrucksysteme versucht einzuteilen.

Ingmar: Und wenn wir ein großes Kapitel zum Thema Beatmungsgeräte machen,

Ingmar: dann ist ein Unterpunkt auch quasi das Design der Beatmungssysteme, wie die aufgebaut sind.

Ingmar: Und ich glaube, das ist unser nächster Punkt, über den wir sprechen sollten.

Ralf: Die Überdrucksysteme, die wir im Prinzip die ganze Zeit verwenden mit unserer

Ralf: Beatmung, wie Ingmar gerade schon gesagt hat,

Ralf: die lassen sich in verschiedene Versionen einteilen, weil sich irgendjemand

Ralf: mal gedacht hat, Das muss man klassifizieren und da gibt es auch,

Ralf: sag ich mal, vier grob unterschiedliche Systeme, worüber man auch immer wieder

Ralf: stolpert, wenn man sich damit auseinandersetzen muss für irgendwelche Prüfungen.

Ralf: Und das klingt im ersten Sinne unheimlich widersinnig, wenn man die der Reihe nach aufzählt.

Ralf: Zumindest ging es mir damals, als ich das erste Mal drüber gestolpert bin.

Ralf: Denn das wurde in den 50er Jahren von einem Herrn Moyers vorgenommen, diese Einteilung.

Ralf: Und die Frage ist im Prinzip, gibt es ein Reservoir oder gibt es kein Reservoir

Ralf: und gibt es Rückatmung oder keine Rückatmung im weitesten Sinne.

Ralf: Aber von simpler nach komplexer, wenn man das so sagen kann,

Ralf: ist es dann das offene System, das halboffene System, dann das halbgeschlossene

Ralf: System und später das geschlossene System.

Ralf: Die ersten beiden haben kein Reservoir, die zweiten haben eins und Rückatmung

Ralf: findet bei offenen Systemen gar nicht statt,

Ralf: halb offen und halb geschlossene Systeme teilweise und bei einem ganz geschlossenen System komplett.

Ralf: Jetzt wollte ich noch ein kleines bisschen mehr zu den Systemen erzählen.

Ralf: Wir fangen wieder bei den offenen Systemen an. Da gibt es keinerlei Rückatmung.

Ralf: Der Ausatmschenkel, was aus den PatientInnen rauskommt, ist einfach zur Atmosphäre hin offen.

Ralf: Und dementsprechend kommt da alles wieder raus. Und da ist es so,

Ralf: wenn man einen konstanten Flow am Gerät eingestellt hat, wenn ich das richtig

Ralf: sehe, ist das nicht mehr der Fall.

Ralf: Heutzutage bei den Intensivrespiratoren muss der Frischgasfluss mindestens genauso

Ralf: hoch sein, wie der maximale inspiratorische Flow und irgendwie als Peilwert

Ralf: kann man irgendwie das Dreifache des Atem-Minuten-Volumens angeben.

Ralf: Ich finde, da muss man erstmal so ein bisschen drüber nachdenken,

Ralf: warum denn das jetzt eigentlich mehr sein muss als das Atem-Minuten-Volumen.

Ralf: Ich erkläre mir das so, dass einfach der Fluss inspiratorisch ja schon einfach höher ist.

Ralf: Also wenn wir einatmen, haben wir ja nicht einen Fluss von ein Liter die Minute,

Ralf: da haben wir ja auch irgendwie 20, 30 Liter.

Hanna: Ich wollte gerade sagen, vor allen Dingen ist der Flow halt über weil die gesamte

Hanna: Inspiration und Expiration ja nicht konstant, sondern ist ja erst eine schöne Flow-Kurve.

Hanna: Stellt das an, fährt dann ab und wieder andersrum.

Ralf: Ja, und ich nehme an, dass das bei den Intensivrespiratoren so ist,

Ralf: dass das jetzt die Mahnflow-Geräte sind heutzutage, weil sonst wäre es ja unnötig verschwenderisch.

Ralf: Also Geräte, die nur während der Inspiration in den Fluss machen,

Ralf: da kann der Fluss dann gleich dem Atem-Minuten-Volumen sein.

Ralf: Und das ist ja zumindest ein bisschen sparsamer, macht ja auch Sinn.

Ralf: Und früher war das wohl so, in den 70ern und 80ern, anekdotisch hat mir das

Ralf: ein Oberarzt mal berichtet,

Ralf: dass da die Respiratoren im OP auch offene Systeme waren und dass da dann zum

Ralf: Beispiel mit Isofluran-Narkose gemacht wurde für eine 24 Stunden gehende Kinderherz-OP. OP.

Ralf: Und da hat mir dieser Oberarzt berichtet, dass es damals war,

Ralf: dass er am Ende doch sehr, sehr angeschallert im Saal war, weil die expiratorische,

Ralf: Isoflorankonzentration war dann auch die Saalkonzentration.

Clemens: Und er war auch 24 Stunden dabei?

Ralf: Ja, er hat ein Kaugummi zwischendrin gegessen.

Clemens: Achso, ich verstehe.

Ralf: Und er meinte es dann ganz schön...

Ralf: Er ist ganz schön belämmert gewesen dabei.

Ingmar: Das kann man sich heute mit einem laminaren Airflow nicht mehr vorstellen.

Hanna: Ich denke ein bisschen mit Schichten aus dem Krieg.

Ralf: Ja, aber das ist jetzt halt auch fast 50 Jahre her, da war das auch so dann

Ralf: einfach so ein Staubsauger als Absaugung gehabt, der dann so aus dem Raum führte.

Hanna: Immerhin.

Ralf: Immerhin. Im Prinzip ja, da fing das so an, dass man irgendwie Sachen verkohlen

Ralf: konnte, damit es nicht blutet.

Ingmar: Ich glaube, das ist das, was die Leute mit Nebenschauplätzen meinen.

Clemens: Aber bei Schimmelbusch war es wahrscheinlich noch schlimmer, oder?

Ingmar: Die hatten ja nichts.

Clemens: Es gab ja nichts.

Ralf: Das ist ja auch kein Respirator. Nachteile von diesem offenen System,

Ralf: man verbraucht natürlich unheimlich viel an Gasen und natürlich,

Ralf: wenn man irgendwelche anesthetischen Zusätze da in Gas- oder dampfförmiger Form

Ralf: dazu tut, werden die dementsprechend auch viel verbraucht.

Ralf: Wir haben eine trockene Luft, die wird nicht groß angefeuchtet, sie ist kalt.

Ralf: Also nicht komplett ideal, sage ich jetzt mal ganz locker.

Ralf: Dann gibt es noch die halboffenen Systeme. Die finden sich im Prinzip am häufigsten

Ralf: bei unseren Handbeatmungssystemen, wo ein Teil der Ausatemluft fast immer wieder mit eingeatmet wird.

Ralf: Da gibt es noch ein paar kleine einzelne Unterschiede. Und das bedeutet,

Ralf: dass eigentlich auch immer ein bisschen Kohlendioxid immer wieder mit eingeatmet

Ralf: wird, was man natürlich grundsätzlich gern vermeiden will.

Ralf: Weil Ingmar hatte vorhin schon so recht gesagt, dass Handbeatmungssysteme natürlich

Ralf: vielleicht nur in Teilen zu einem Beatmungssystem zu zählen sind,

Ralf: aber nichtsdestotrotz gibt es auch da wieder eine Unterteilung und zwar von

Ralf: einem Herrn Mapleson, der fünf Kategorien gebildet hat, A bis E.

Ralf: Heutzutage sind davon im Prinzip eigentlich fast nur noch C und D in Gebrauch.

Ralf: Als grundsätzliche Unterscheidung, wie diese ganzen Mapleson-Systeme aufgeteilt

Ralf: sind, es gibt immer eine Maske oder ein Konnektierungsstück zum Tubus oder der

Ralf: Ladingsmaske von unseren Patienten.

Ralf: Es gibt in vier dieser fünf Systemen immer ein Reservoir, was genau am anderen Ende ist.

Ralf: Und dann gibt es einen Faltenschlauch in unterschiedlicher Länge,

Ralf: manchmal auch ganz kurz, zum Beispiel beim C-System, der das Anschlussstück

Ralf: des Patienten, der Patientin mit dem Reservoir verbindet.

Ralf: Und dann in der verunterschiedlichsten Kombination gibt es einen Frischgaszufuhr-

Ralf: und einen Abströmventil.

Ralf: Und wie das miteinander verbaut ist, das macht im Prinzip die Unterscheidung von dem Ganzen.

Ralf: Das Mapleson C-System, da ist beides im Prinzip nah am Patienten dran.

Ralf: Also da ist ein ganz, ganz kurzer Faltenschlauch oder gar kein Schlauch in Anführungsstrichen.

Ralf: Und da ist es praktisch so, dass,

Ralf: der Frischgasfluss entsprechend hoch gewählt werden muss, also doppelt so hoch

Ralf: wie das Atem-Minuten-Volumen, um zu verhindern, dass eine substanzielle Rückatmung stattfindet.

Ralf: Beim Mapleson-D-System, das ist das Kuhn-System manchmal auch,

Ralf: ist es so, dass jetzt in der Reihenfolge, wie ich es aufzähle,

Ralf: also Patientenanschlussstück, dann Frischgaszufuhr, Dann Faltenschlauch,

Ralf: dann Abströmenventil bzw.

Ralf: Reservoir. Das Abströmenventil ist da manchmal in das Reservoir mit eingebaut.

Ralf: Wenn man sich an so einen Balk denkt, ist da einfach ein kleines Loch in diesem

Ralf: Balk, was man dann zuhalten muss mit dem Finger, wenn man beatmen will.

Ralf: Ansonsten würde man praktisch den Beatmungsbalken nur leer machen und dass die

Ralf: Luft halt dadurch geht und nicht in den Patienten und die Patientin rein.

Ralf: Was man sich jetzt dabei noch vorstellen kann, also meine Frischgas füllt sozusagen patientennah.

Ralf: Wenn ich jetzt nichts mache, kann minimal vielleicht was in meinen Patienten

Ralf: oder in meinen Patienten reinfließen, aber es fließt vor allem rückwärts sozusagen

Ralf: Richtung des Reservoirs, was ich am Anfang auch sozusagen so will.

Ralf: Dann mache ich meinen Beatmungshub, indem ich auf diesen Beutel drücke mit dem

Ralf: zugehaltenen Loch, dann geht mein frisches Gas, das ist jetzt dieser allererste Atemzug sozusagen,

Ralf: die ich mit diesem System mache, geht in meinen Patienten, Patientin rein und

Ralf: wenn die Ausatemluft wieder rauskommt,

Ralf: ist sozusagen ein Teil Ausatemluft in diesem Faltenschlauch,

Ralf: der zurückfließt bis zum Reservoir

Ralf: und wird zusätzlich durch einen Frischgasfluss mit umspült. wenn ich.

Ralf: Rückatmung minimieren will, dann warte ich,

Ralf: entexpiratorisch ein bisschen und lasse im Zweifelsfall sogar dieses kleine

Ralf: Loch ein bisschen offen,

Ralf: damit der Frischgasflush den Faltenschlauch leer pustet in Richtung des Reservoirs

Ralf: und das Reservoir auch wieder mit frischem Gas füllt und mache dann praktisch

Ralf: erst wieder meinen Daumen drauf,

Ralf: um dann den nächsten Atemzug zu beginnen.

Ralf: So kann ich ein bisschen weniger Rückatmung haben.

Ralf: Es gibt noch die anderen Systeme, aber wir wollen es jetzt nicht zu trist und

Ralf: zu bildlich zu anstrengend machen vielleicht.

Ingmar: Es hilft ja total, wenn man das Bild vor Augen hat und sich angucken kann,

Ingmar: wo Luft rein und wo Luft raus geht und sich dann vorzustellen,

Ingmar: wie das Mischungsverhältnis da wohl sein könnte.

Clemens: Und das meistens ja auch nicht mehr praxisrelevant.

Ralf: Dann Dann kommen wir jetzt zu dem nächsten, die halbgeschlossenen Systeme.

Ralf: Also eben waren wir nur noch halb offen, jetzt ist es halb geschlossen.

Ralf: Und wenn wir jetzt im Kontext der Anästhesie und der Narkose sprechen,

Ralf: ist das eigentlich das, was uns die meiste Zeit über den Weg laufen wird, würde ich sagen.

Ralf: Da fängt es nämlich dann an, dass wir auf einmal ein Reservoir haben.

Ralf: Und wir haben auch eine Teilrückatmung, Aber wir haben vor allem eine ganz große

Ralf: Sache, wir haben einen CO2-Absorber,

Ralf: der sozusagen die Expirationsluft bereinigt und wir haben dann damit auch einen

Ralf: Kreisteil in unseren Geräten.

Ralf: Das heißt, es wird viel weniger Frischgasfluss am Ende gebraucht und der kann

Ralf: jetzt zum ersten Mal kleiner sein als das Atemminutenvolumen,

Ralf: weil wir einen Teil haben,

Ralf: in dem diese Luft einfach zirkuliert, die wird aufgereinigt,

Ralf: sodass kein CO2 die ganze Zeit wieder eingeatmet wird und das ist sozusagen

Ralf: in Anführungsstrichen unser modernes Narkosegerät.

Ralf: Das vierte und letzte System ist das geschlossene System,

Ralf: wo man nur noch genau den Teil an Frischgasfluss reinführt, den der Patient

Ralf: oder die Patientin verbraucht und das ist dann somit das sparsamste Konzept.

Ralf: Das muss aber dann eben auch genau gemessen werden, muss genau reguliert werden.

Ralf: Am Ende sind diese Geräte teurer und zumindest in meinem täglichen Alltag finde

Ralf: ich sie seltener. Ein Beispiel wäre jetzt zum Beispiel der von Träger,

Ralf: der Zeus, der sowas kann.

Ingmar: Und warum wollen wir eigentlich so geschlossene Systeme haben?

Ingmar: Oder anders gefragt, warum sind die nicht überall?

Clemens: Einerseits sind das ja recht neue Systeme normalerweise, sprich die sind wahrscheinlich

Clemens: noch ziemlich teuer in der Anschaffung und der alte Fuhrpark in Anführungszeichen

Clemens: ist halt noch da und funktioniert einigermaßen gut in den meisten Fällen.

Clemens: Aber ich glaube, ein großer Vorteil bei den geschlossenen Systemen ist vor allem,

Clemens: wenn man sich den Treibhausgasfußabdruck der Anästhesie anguckt,

Clemens: der ist ja üblicherweise eigentlich der größte Fußabdruck,

Clemens: was den Klimawandel angeht, aus dem Krankenhaus.

Clemens: Sei es jetzt energietechnisch oder vor allem eben Narkosegase.

Clemens: Und wenn man sich überlegt, was Ralf vorhin gesagt hat mit Low Flow und Minimal Flow Anästhesie,

Clemens: wenn man jetzt wirklich eine Minimal Flow Anästhesie, also weniger als 500 Milliliter

Clemens: pro Minute an Frischgaszufuhr erreichen kann und das geht ja,

Clemens: also es geht schon auch mit halbgeschlossenen Systemen, aber besser natürlich

Clemens: mit geschlossenen Systemen, dann habe ich hier einen schönen Artikel aus dem Ärzteblatt gefunden.

Clemens: Da geht es um Nachhaltigkeit in der Anästhesie und die vergleichen das mit einem

Clemens: aktuellen Mittelklasse-Pkw mit Verbrennungsmotor und schauen,

Clemens: wie viel CO2 der freisetzt, beziehungsweise CO2-Äquivalente.

Clemens: Und wenn man das vergleicht mit einem Arbeitstag im OP unter verschiedenen volatilen

Clemens: Anästhetiker, dann hat man bei einem halben Liter pro Minute,

Clemens: also im Prinzip das, was der Patient verbraucht.

Clemens: Und was dann vom Atemkalk wieder gebunden wird, CO2 und so weiter,

Clemens: hat man ungefähr an einem Arbeitstag,

Clemens: 20 Kilometer Fahrstrecke und wenn man mit Sevofloran und wenn man das gleiche

Clemens: aber macht, zum Beispiel mit Desfloran, hat man irgendwie 900 Kilometer,

Clemens: was ja auch wiederum erklärt, warum man,

Clemens: aktuell natürlich eher Sevofloran verwendet und oder eine Tiva macht,

Clemens: aber dieser Frischgasfluss Frischgasfluss ist halt ein linearer Zusammenhang.

Clemens: Also je höher der Frischgasfluss ist, desto höher ist natürlich auch der Ausstoß

Clemens: von volatilen Anästhetikern in die Umwelt.

Hanna: Also ich glaube, dass wir da überhaupt aber auch erst hingekommen sind.

Hanna: Initial wahrscheinlich noch nicht mal aufgrund des Umweltaspekts,

Hanna: sondern erstmal aufgrund des Kostenaspekts, weil alles, was wir an Medikamenten

Hanna: sparen können und nicht in die Luft pusten, ja auch Kosten spart.

Hanna: Nicht nur Umweltkosten, sondern auch rein ökonomisch.

Clemens: Weil das das Gleiche ist.

Hanna: Ja, am Ende schon, aber das sieht ja bei weitem nicht jeder und jede so.

Hanna: Aber auch ein Vorteil ist doch im Prinzip, dass wir, wir müssen Luft nicht aktiv

Hanna: erwärmen, wenn wir einen niedrigen Flow fahren, weil wir irgendwie Luft immer wieder zurückatmen.

Hanna: Also wir haben ja viel weniger Durchsatz an Luft und verbrauchen nicht nur weniger

Hanna: volatile Anästhetika und Sauerstoff,

Hanna: also medizinischen Sauerstoff, sondern haben irgendwie auch schon unabhängig

Hanna: von unserem Filter, den wir auch nutzen,

Hanna: irgendwie angefeuchtete und angewärmte Luft, die immer wieder zirkuliert und

Hanna: ein bisschen aufgereinigt wird.

Ingmar: Warum machen wir es dann auf Intensivstationen nicht so?

Hanna: Ja, vielleicht ist die Kosten-Nutzen-Analyse an der Stelle eine andere,

Hanna: weil man andere, weil man Intensivbeatmungsgeräte irgendwie nochmal viel länger

Hanna: betreibt, pausenlos betreibt,

Hanna: in größerem Stil vielleicht anschafft, anschaffen muss und da einfach.

Clemens: Müssen die vielleicht auch andere Beatmungsmodi, also auch Niffen und so weiter

Clemens: können und dann kriegen sie den hohen Frischgasfluss nicht hin,

Clemens: theoretisch, den man bräuchte von der NIF.

Ingmar: Aber ich glaube, das Hauptargument für geschlossene Systeme ist ja das Wiederverwerten

Ingmar: von den Narkosegasen, also Wiederverwerten in Anführungsstrichen,

Ingmar: durch das Kreisteil, durch das Zirkulieren.

Ingmar: Und da man das in der Intensivmedizin so super selten macht,

Ingmar: ist das einfach kein Faktor.

Ingmar: Und dann kann man pragmatisch auf Dinge verzichten, wie Narkosegasabsaugungen,

Ingmar: die einfach baulich da häufig einfach nicht vorhanden sind.

Ralf: Und auch Energie fressen.

Ingmar: Und auch super viel Energie fressen.

Clemens: Stimmt, die soll man ja auch immer ausstöpseln.

Ingmar: Ansonsten sind geschlossene Systeme natürlich cool, aber eben auch vom Aufbau

Ingmar: komplexer, vom Monitoring komplexer.

Clemens: Von Erwartungen wahrscheinlich dann. Ja.

Ralf: Und man kann natürlich auch sagen als Argument, man kann ja trotzdem auch mit

Ralf: unseren everyday halbgeschlossenen Systemen, steht uns ja frei,

Ralf: den Frischgasfluss so weit runterzufahren.

Ralf: Also ich glaube, bis auf 200 Milliliter die Minute kann man den bei uns runterfahren. Ja.

Clemens: Und.

Ralf: Da wird kaum jemand zwanghaft drunter sein müssen.

Ralf: Die meisten von uns werden mehr Sauerstoff aufnehmen als 200 Milliliter die Minute.

Hanna: Na und?

Clemens: Ja.

Ralf: Also man kann es sozusagen schon, wenn man erpicht genug ist,

Ralf: können wir es auch selber versuchen zu optimieren.

Hanna: Deswegen ist glaube ich auch diese Klassifikation mit den halbgeschlossenen

Hanna: Systemen, also das ist halt die Klassifikation, aber ich glaube die Range innerhalb

Hanna: der halbgeschlossenen Systeme ist so groß. Also wenn wir jetzt ein 30 Jahre

Hanna: altes Narkosegerät haben, dann ist das auch ein halbgeschlossenes System.

Hanna: Dann werden wir aber sicherlich keinen Frischgasflur von irgendwie 0,5 Liter

Hanna: fahren können, während unsere modernen Narkosegeräte das ja vollkommen problemlos können.

Hanna: Nur das Gerät muss halt je neuer, je besser gebaut, desto weniger Leckage hast

Hanna: du irgendwo im System und kannst es überhaupt erst machen.

Clemens: Ich glaube, du musst aber auch das System erst aufsetzigen sozusagen mit dem

Clemens: Silvofloran und so weiter. Das ist wahrscheinlich beim geschlossenen einfacher, stelle ich mir vor.

Ingmar: Hat ein geschlossenes System überhaupt eine Narkosegasabsaugung?

Hanna: Jaja, auf jeden Fall. Der Zeus macht ja auch, also der dosiert sich selber,

Hanna: aber der fährt ja zwischendurch.

Hanna: Der macht dann mal einen ganz kurzen Frischgasfluss von 10 Liter und pumpt das

Hanna: rein, was gerade im System fehlt und dann schließt der wieder. Also der macht schon.

Ralf: Vor allem abhängig davon, wenn du dir das Entitale-Sevoforan zum Beispiel in

Ralf: einen ganz anderen Range stellst, will er versuchen schnell da hinzukommen.

Hanna: Genau. Und dann haut er den Frischgasfluss auf. Kurz, mit einem hohen Frischglas-Flow,

Hanna: viel Silvofloran rein und auch zum Ausleiten.

Hanna: Du kannst ja den Zeus zum Beispiel auch in einem, du musst ja nicht diesen Autodosierungsmodus

Hanna: im komplett geschlossenen Modus verwenden, sondern du kannst den ja auch in

Hanna: einem ganz normalen Selbstdosierungsmodus verwenden und musst ja auch zum Ausleiten.

Hanna: Du kannst das teure Gerät auch wie ein halbgeschlossenes System verwenden und

Hanna: auch beim Ausleiten muss das Zeug ja irgendwo hin.

Hanna: Also, es wird ja nicht zurück in den Vapor. Zurück über den Vapor.

Ralf: Das muss so kultiviert werden, dass am Ende nichts mehr da ist. Keine Reste.

Hanna: Wenn man das System erfinden würde, was in der Absaugung das Sevofloran wieder

Hanna: aufbereitet und erneut verfügbar macht.

Ingmar: Jetzt habe ich aber,

Ingmar: ein Konzeptproblem. dann ist das geschlossene System doch eigentlich nur ein

Ingmar: halboffenes System, was man mit einem Minimal Flow betreibt oder was du nur mit dem,

Ingmar: Minimalst Flow betreibst Ich.

Hanna: Sehe das eigentlich auch so.

Ralf: Im Prinzip ist es das ja auch der Vorteil, den das bietet, ist glaube ich einfach

Ralf: dass der Minimal Flow sich selbst sozusagen reguliert,

Ralf: Also es sind mehr Algorithmen dahinter, die dafür sorgen mit Mestechnik Ah,

Ralf: das ist raus, das muss rein.

Ingmar: Super, aber rein bautechnisch ist das Kreisteil eigentlich das gleiche.

Ingmar: Nur, dass die Steuertechnik es ermöglicht, noch kleinere Flüsse zu ermöglichen.

Clemens: Beim Halbgeschlossenen wird immer mal ein bisschen was abgesaugt,

Clemens: immer. Und beim Geschlossenen erst ganz am Ende.

Hanna: Aber die Sache ist ja, bei einem halbgeschlossenen System wird doch auch nur

Hanna: deswegen abgesaugt, weil das System gar nicht in der Lage ist,

Hanna: das Ganze so dicht zu halten.

Hanna: Also die Frage ist, ist ein halbgeschlossenes System erfunden worden,

Hanna: um halbgeschlossen zu sein oder ist es nicht zwangsläufig halbgeschlossen,

Hanna: weil es früher nicht so gute Systeme gab und die besser die Systeme sind,

Hanna: desto geschlossener ist das?

Ralf: Ja, wahrscheinlich geht es am Ende des Tages in die Richtung.

Ralf: Also ich habe irgendwann hier gerade nebenbei so ein Bild gezeigt von Komponenten eines Kreisteils.

Hanna: Ach das hier, das ist doch hier unser… Ja.

Ralf: Da sind im Prinzip zwei Zeichnungen zu sehen. Einmal für ein normales Kreisteil

Ralf: und einmal darunter für ein geschlossenes System.

Hanna: Wobei ich da eben auch schon drüber gestolpert bin, weil da steht ja Komponenten des Kreisteils.

Hanna: Und bei dem geschlossenen System ist ja zum Beispiel ein Handbeatmungsbeutel mit eingezeichnet.

Hanna: Der fehlt ja bei dem oberen total. Aber wir haben ja Systeme,

Hanna: die mit Beatmungsbalg funktionieren und trotzdem einen Handbeatmungsbeutel haben.

Ralf: Das geschlossene System scheint mit einer Turbine hier zu funktionieren.

Hanna: Ja genau, aber wir haben ja auch halbgeschlossene Systeme. Ich glaube,

Hanna: der Adlan oder der Persos funktionieren glaube ich auch mit Turbine.

Hanna: Das sind ja laut der Klassifikation keine geschlossenen, sondern nur halbgeschlossene Systeme.

Ralf: Ja, eine Turbine.

Hanna: Ich meine Persos oder Adlan haben den.

Ralf: Um dieses Kreisteil ein kleines bisschen zu illustrieren.

Ralf: Und wir stellen uns sozusagen eine Patientenanschlussstelle vor und von dort

Ralf: ausführend gibt es einen Inspirationsschenkel und einen Expirationsschenkel.

Ralf: Wir laufen den Expirationsschenkel mal aus dem Patienten raus mit.

Ralf: Da wird dann im Prinzip sowohl eine Volumenmessung als auch eine Druckmessung

Ralf: nachgeschaltet, um letztendlich diese ganzen Drücke im System messen zu können.

Ralf: Dann gibt es ein Überschussventil, wo Dinge raus können, sage ich mal.

Ralf: Sicherheitsventile, dann ein Beatmungsbalg, der im Prinzip das Tidalvolumen generieren kann.

Ralf: Einen weiteren Anschluss sozusagen für Narkosemittel und Frischgas,

Ralf: also sagen wir zum Beispiel jetzt Silvofluoran-Verdampfertopf und die vorgeschaltete

Ralf: Frischgaszufuhr und da sind wir langsam wieder auf dem Weg zum Inspirationsschenkel

Ralf: und da findet sich dann der Kohlendioxidabsorber,

Ralf: der nochmal das alte ausgeatmete Gas aufreinigt und dann geht es wieder in den

Ralf: Patienten oder die Patientin rein.

Hanna: Und die erweiterte, das etwas modernere und erweiterte System baut eben Drücke

Hanna: und baut Fluss innerhalb des Kreisteils und damit auch zum Patienten oder zur

Hanna: Patientin hin und wieder zurück.

Hanna: Nicht mit einem Balk auf, sondern zum Beispiel mit einer Turbine. Wobei….

Ralf: Das Code-Wort der Folge ist Turbine.

Ingmar: Ja, jetzt haben wir über Mapleson-Systeme und Kreisteile gesprochen.

Ingmar: Lauter Dinge, die man sich mit einer Skizze bestimmt gut vor Augen führen kann.

Ingmar: Und am Ende kommt dabei raus, dass wenn man sich ein Beatmungsgerät kritisch

Ingmar: betrachtet, dann besteht es eigentlich aus vier Komponenten, aus vier Teilen.

Ingmar: Irgendwo muss Energie herkommen, erstens.

Ingmar: Zweitens, es muss irgendwie gesteuert werden. Drittens, irgendwas muss überwachen.

Ingmar: Und vier, dann gibt es noch Sicherheitsfunktionen.

Ingmar: Und das ist unser nächstes großes Kapitel, dass wir darüber nochmal nachdenken.

Ingmar: Zum ersten Thema, der Energieversorgung von Beatmungsgeräten.

Ingmar: Da gibt es drei große Kategorien, drei Unterkategorien.

Ingmar: Es gibt einmal Systeme, die werden ausschließlich mit Gas betrieben.

Ingmar: Das heißt, sie nutzen einen Gasdruck, der kann zum Beispiel aus einem Wandanschluss kommen,

Ingmar: hängt eben das Beatmungsgerät mit einem Schlauch an einem Sauerstoff- und einem

Ingmar: Druckluftanschluss an der Wand und

Ingmar: es nutzt diesen Gasdruck aus der Sauerstoffflasche, aus dem Wandanschluss,

Ingmar: um die Ventile und Schalter im Beatmungsgerät zu betreiben.

Ingmar: Das sind gasbetriebene Systeme.

Ingmar: Das ist offensichtlich super energieeffizient, weil man einfach keinen Strom braucht.

Ingmar: Das heißt, die Batterie, die drin ist, die braucht man dann nur noch,

Ingmar: um das Display zu betreiben und irgendwelche Alarmtöne auszuspielen.

Ingmar: Aber es hat eben den Nachteil, dass man immer eine funktionierende Gasversorgung

Ingmar: braucht, also irgendwie eine volle Gasflasche und man ganz schön aufgeschmissen

Ingmar: ist, wenn die Gasversorgung zusammenbricht.

Ingmar: Das ist zum Beispiel, wer diesen Oxilog 3000 mal benutzt hat.

Ingmar: Das ist so ein System, was eben Gasdruckabhängig ist.

Ingmar: Das funktioniert nur, wenn eine Sauerstoffflasche dranhängt oder wenn es am Wandanschluss ist.

Ingmar: Und das ist überhaupt ein spannendes System. Das werde ich nachher auch nochmal

Ingmar: erwähnen, wenn es darum geht, wie man eigentlich Sauerstoffkonzentrationen einstellt.

Ingmar: Neben den gasbetriebenen Systemen gibt es Hybridsysteme. Das sind Beatmungsgeräte,

Ingmar: die verwenden den Gasdruck, um den Inspirationsfluss anzutreiben,

Ingmar: aber haben trotzdem noch elektrische Ventile und elektrische Schalter.

Ingmar: Das ist das Häufigste, das am weitesten verbreitet ist.

Ingmar: Und das dritte große System sind rein elektrisch betriebene Systeme.

Ingmar: Die benutzen zum Beispiel Turbinen, um Gasfluss zu erzeugen oder Kompressoren

Ingmar: und betreiben auch ihre Ventile und Schalter elektrisch.

Ingmar: Das ist was man bei Heimbeatmungsgeräten zum Beispiel ganz oft findet,

Ingmar: wo man eben keinen Wandanschluss oder keine Sauerstoffflaschen hat.

Ingmar: Braucht viel Strom oder braucht mehr Strom als die Gasbetriebenen,

Ingmar: aber man ist eben nicht abhängig von einer Gaszufuhr.

Ralf: Was ein sehr großer Vorteil ist.

Ingmar: Was ein super Vorteil sein kann.

Ralf: Gerade jetzt auch für Transportbeatmungsgeräte kann das ja auch ein gutes Not-Backup

Ralf: sein, auf eine gewisse Weise, dass man weiß, okay, wenn ich kein Gas mehr habe

Ralf: oder mir meine Flasche ausgeht, habe ich immer noch eine Möglichkeit,

Ralf: irgendwas damit zu machen.

Ingmar: Dann bewegt sich zumindest noch die Luft, die um uns herum ist,

Ingmar: die kann man damit immer noch bewegen, was vielleicht nicht reicht,

Ingmar: aber besser ist als nichts.

Ingmar: Was sind noch Komponenten von einem Beatmungsgerät neben der Energiequelle?

Ingmar: Das sind Steuersysteme, also Dinge, die irgendwie Timing und Regulation und

Ingmar: die Eigenschaften des zugeführten Gases beeinflussen und da kann man zu den

Ingmar: einzelnen Komponenten sicher noch ganz viel sagen.

Ingmar: Aber es gibt Gasblender, die erzeugen eine Mischung aus Luft und Sauerstoff

Ingmar: und sonstigen Komponenten, irgendwelchen Anästhesiegasen oder was man auch immer

Ingmar: noch in die Atemluft noch einmischen möchte.

Ingmar: Es gibt Gasakkumulatoren, also quasi Expansionsräume, Speicherräume,

Ingmar: die dafür sorgen, dass man das Ganze präzise dosieren kann in Inspiration und Expiration,

Ingmar: dass es da eben keine Schwankungen gibt bei niedrigen Gasströmen.

Ingmar: Es gibt Inspirationsflussregler, die stellen eben ein,

Ingmar: wie die Flussgeschwindigkeiten des Gases verhindern, zum Beispiel,

Ingmar: dass man direkt aus der Sauerstoffflasche trinkt mit mehreren Bar.

Ingmar: Vielen Bar, was ja offensichtlich gefährlich sein kann.

Ingmar: Im Prinzip ist das alles, was sichert, dass der Atemkreislauf einen ordentlichen

Ingmar: vorgeschriebenen Gasfluss erhält.

Ingmar: Es stellt zum Beispiel sicher, dass der Patient nur die Menge an Gas und der

Ingmar: Menge an Gas ausgesetzt wird, die er auch ertragen kann und eben nicht den reinen

Ingmar: Druck aus dem Wandanschluss bekommt.

Clemens: Einmalig.

Ingmar: Das ist ein sehr tiefer Atemzug. Dann ist eine weitere Steuerkomponente noch

Ingmar: eine Atemgasbefeuchtung.

Ingmar: Das ist die einfachste Variante von Heat Moisture Exchange Filter,

Ingmar: aber man kann das auch aktiv gestalten.

Ingmar: Vielleicht sind die Beatmungsschläuche, die man noch anschließt,

Ingmar: auch eigentlich Teil dieser Steuergruppe, weil man sich da überlegen kann,

Ingmar: wo trennt man im Schlauchsystem in und Expiration und wie lang sind die und

Ingmar: was haben die für einen Durchmesser.

Ingmar: Die haben auch eine gewisse Compliance und Widerstand und da sind also auch

Ingmar: Komponenten, die man in die Beatmung irgendwie mit einkalkulieren kann.

Ingmar: Und dann müssen wir noch auf der Expirationsseite einen Druck regeln.

Ingmar: Das berühmte Piepventil, das ist eben auch noch eine weitere Steuerkomponente.

Ingmar: All das Ganze muss überwacht werden. Das heißt, wir müssen die Gaskonzentration überwachen.

Ingmar: Wir müssen den Fluss überwachen. Das geht über verschiedene Techniken,

Ingmar: über eine Heißdraht-Anemometrie, über Drosseldurchflussmesser,

Ingmar: über Gitterpneumotachographie und über Ultraschalldurchflussmesser.

Clemens: Logisch.

Ingmar: Logisch. Was sonst?

Ingmar: Drucksensoren, Flusssensoren.

Clemens: Also eigentlich hast du ja gerade gesagt, dass das Hauptding,

Clemens: was der Respirator können soll, ist Fluss generieren.

Clemens: Also wir generieren ja üblicherweise kein Volumen, sondern wir generieren einen

Clemens: Fluss und dieser Fluss führt dann zu einem gewissen Volumen.

Clemens: Es gibt im Prinzip vier verschiedene Methoden, wie man diesen Fluss generieren kann.

Clemens: Das eine hast du ja gerade schon gesagt, im Prinzip pneumatisch.

Clemens: Also man hat einen Wandanschluss oder eine Gasflasche mit einem gewissen Druck

Clemens: und es herrscht eine gewisse Differenz zwischen der Gasflasche und der Lunge

Clemens: zum Beispiel oder der Umgebung.

Clemens: Und da kann man dann, so wie er gerade gesagt hat, verschiedene Flussregler

Clemens: einbauen, die dann dazu führen, dass der Patient eben nicht mit vier Atmosphären beatmet wird,

Clemens: sondern eben entsprechend einzustellender Fluss dann generiert wird,

Clemens: der dann eben zu einem Volumen auch führt.

Clemens: Das hat den Vorteil, es kann, also das habt ihr auch schon gesagt,

Clemens: es braucht halt keine Batterie, kann hohe Flüsse generieren und.

Clemens: Ich brauche aber natürlich eine Gasflasche, sonst funktioniert es nicht.

Clemens: Dann kann man Fluss generieren über eine Turbine.

Clemens: Im Prinzip eine Art Kompressor, der Luft nimmt, auch aus der Umgebung zusammenpresst

Clemens: und dann eben einen Fluss generiert.

Clemens: Darüber kann man auch hohe Flüsse generieren.

Clemens: Zum Beispiel unsere Intensivrespiratoren bzw.

Clemens: Die Transportbeatmungsgeräte von bestimmten Herstellern können über so eine

Clemens: Turbine hohe Flüsse generieren,

Clemens: braucht eben wenig Gas oder sogar gar keins, weil man eben aus der Umgebungsluft

Clemens: das machen kann und wenn man natürlich Sauerstoff geben will,

Clemens: dann muss man natürlich Sauerstoff hinzufügen, das ist klar.

Clemens: Ansonsten kann man das Ganze noch machen mit einer Art Blasebalk,

Clemens: wenn man so möchte, also mit dem Handbeatmungsbeutel kann man einen Fluss generieren

Clemens: oder, und das sieht man ja auch manchmal an bestimmten,

Clemens: Narkosegeräten, eben mit so

Clemens: einem Kolben, der auf und abschlägt und der darüber einen Fluss generiert.

Clemens: Da kann man natürlich bei dem Kolben zum Beispiel deutlich besser auch einstellen,

Clemens: wie viel Volumen man im Endeffekt haben möchte.

Clemens: Ist ein bisschen ökonomischer wohl, was.

Clemens: Gasverbrauch angeht und ist auch wohl deutlich leiser. Das ist,

Clemens: glaube ich, nicht so richtig interessiert. Aber so eine Turbine kann ja schon

Clemens: mal ein bisschen lauter sein.

Clemens: Also das sind im Prinzip die vier Haupt Methoden, wie man eben diese Hauptkomponente

Clemens: des Flusses generieren kann und wie man sie dann messen kann.

Clemens: Das ist ja auch schon gesagt, diese ganzen lustigen Wörter, aber ich glaube,

Clemens: da werden wir jetzt nicht im Ich glaube.

Ingmar: Wir würden es für diese Folge an genau dieser Stelle einen Stopp einziehen und

Ingmar: in der nächsten Folge den Deep Dive in Richtung der Flussmessung,

Ingmar: und der Flusssteuerung eingehen, weil wir glauben, dass das auch spannende Themen sind.

Ingmar: Und ich denke, wir sind für heute auch schon lang genug dabei und haben die

Ingmar: Grundlagen der Komponenten erklärt.

Ingmar: Hinterlasst uns gerne wieder Feedback. Auf der Seite, wo man das Feedback hinterlassen

Ingmar: kann, kann man auch CME-Punkte einstreichen.

Ingmar: Wir freuen uns über alle Hinweise und nehmen uns das zu Herzen.

Ingmar: Danke fürs Zuhören und bis bald. Ciao.

Clemens: Ciao.

Hanna: Tschüss. Ciao.

Über diesen Podcast

Der Podcast aus der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen. Wir berichten über Aktuelles aus Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin. Manchmal sprechen wir auch einfach über Dinge, die uns interessieren.
"Young Urban Anesthesiologists", kurz "YUAN" referenziert das Weiterbildungsformat der Abteilung, auch wenn wir weder besonders jung noch urban sind.

CME-Fortbildungspunkte für das Hören des Podcasts können über unsere Homepage beantragt werden.

von und mit Ingmar Finkenzeller (Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen)

Abonnieren

Follow us