Young Urban Anesthesiologists

Young Urban Anesthesiologists

Der Podcast der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen

Transkript

Zurück zur Episode

Ingmar: Censorship-PEEP? Der PEEP.

Johanna: Nee, ich glaube nicht.

Ingmar: Der positiv-entexperaturische Pressure.

Johanna: Druck. Aber der sagt ja manchmal das.

Ingmar: Das macht überhaupt keinen Sinn. Von PEEP her.

Ingmar: Balance the risk, know the signs, keep this power when it's well aligned.

Ingmar: Was ihr gerade gehört habt, war der Teaser auf den Abspann. Es folgt nämlich

Ingmar: ganz am Ende der Episode eine musikalische Zusammenfassung der wichtigsten Botschaften,

Ingmar: die wir euch aus dieser Folge hier mitgeben wollen.

Ingmar: Diese Folge des Young Urban Anästhesiologist Podcasts aus Göttingen,

Ingmar: aus der Göttinger Podcastmanufaktur der Klinik für Anästhesiologie,

Ingmar: geht heute zum Thema PEEP, dem positiv-entexpiratorischen Druck.

Ingmar: Darüber haben wir eine ganz gute Vorstellung, weil wir es jeden Tag irgendwie benutzen.

Ingmar: Aber bei der Vorbereitung haben wir gemerkt, es gibt noch ganz viele Sachen,

Ingmar: die man häufig nicht so ganz auf den Punkt kriegt.

Ingmar: Oder wo das alles noch so eine Rolle spielen kann. Und das, da sind wir ausgezogen. Wir sind Johanna.

Johanna: Hallo, hallo.

Ingmar: Johanna ist eine neue Stimme. Und ich freue mich sehr, dass Johanna eine neue Stimme im Podcast ist.

Johanna: Ich auch.

Ingmar: Und ich. Ich bin Ingmar. Ich bin immer hier.

Ingmar: Wir erklären euch heute alles zum Thema PEEP. Wie immer geht es mit Geschichte los.

Ingmar: Und die Geschichte des PEEP beginnt 1967 mit der ersten Beschreibung des ARDS

Ingmar: durch Eschborg und Kollegen.

Ingmar: Die haben festgestellt, dass ein positiver, entexpiratorischer Druck die arterielle

Ingmar: Oxygenierung verbessert.

Ingmar: Das ist in ihrer ARDS-Erstbeschreibung.

Ingmar: Und wir haben die Quelle, die wir euch dazu in den Shownotes verlinken,

Ingmar: die blickt so zurück auf 50 Jahre ARDS-Forschung. Ashmore & Co.

Ingmar: Haben auch später noch publiziert, dass dieser positive kontinuierliche Atemwegsdruck,

Ingmar: ich werde an diesem Zungenbrecher heute noch ganz viel arbeiten,

Ingmar: so zwischen 7 und 10 cm Wassersäule bei ARDS-Patienten den Blutsauerstoff erhöht

Ingmar: und Lungenödeme reduziert.

Ingmar: Und das hat also schon vor langer, langer Zeit dazu geführt,

Ingmar: dass wir begriffen haben, dass PEEP in der Intensivmedizin eine wichtige Größe ist.

Ingmar: Aber mindestens genauso lange wissen wir, dass Beatmungsdruck auch eine Kehrseite

Ingmar: hat, weil hohe Beatmungsdrücke eben sowas wie Barotrauma und Pneumothorax und

Ingmar: Kreislaufdepressionen irgendwie erzeugen können.

Ingmar: Und dann hat sich die Beatmungsmedizinwelt aufgemacht, in den nächsten Jahrzehnten

Ingmar: den optimalen PEEP zu finden. Und das ist eine lange Reise gewesen und die ist

Ingmar: auch immer noch nicht zu Ende.

Ingmar: Ganz aktuell in der Covid-Pandemie ist das Stichwort des Ventilator induzierten

Ingmar: Lungenschadens, Vili Ventilator Induced Lung Injury,

Ingmar: aufgekommen und hat damit vielleicht nochmal diese Debatte der optimalen Beatmungsdrücke

Ingmar: nochmal neu oder nochmal aufgefrischt, nicht neu entfacht, aber nochmal vertieft.

Ingmar: Also PEEP ist nicht nur zur Verbesserung der Oxygenierung da,

Ingmar: sondern vielleicht auch mit einem hohen Anteil zum Schutz der Lunge.

Ingmar: Ja, ganz wichtig, das da einzusetzen. Ganz wichtig.

Ingmar: Heute ist PEEP ein fester Bestandteil von moderner Beatmungsmedizin und in der

Ingmar: berühmten lungenprotektiven Beatmung, in den Strategien dort fest enthalten.

Ingmar: Und wir wenden PEEP irgendwie überall an, von Neonatologie bis hin zur Anästhesie,

Ingmar: im OP oder auf der Intensivstation. Und jetzt haben wir uns ein paar Schwerpunkte

Ingmar: rausgegraben, die wir in den nächsten Minuten euch erklären wollen.

Ingmar: Und los geht's mit den physiologischen Grundlagen von PEEP.

Johanna: Um die Wirkweise von PEEP zu verstehen, müssen wir uns eben einmal ganz kurz

Johanna: die normale Atemmechanik in Erinnerung rufen.

Johanna: Also ohne PEEP endet die Ausatmung bei einem alveolären Druck von 0 cm Wassersäule.

Johanna: Das entspricht dem atmosphärischen Druck.

Johanna: Und dabei kann es insbesondere in geschwächter Lunge zum Kollaps kleiner Atemweg und Alveolen kommen.

Johanna: Mit PEEP hingegen bleibt am Ende der Expiration ein definierter positiver Druck

Johanna: in den Atemwegen bestehen, typischerweise so zwischen 5 und 10 cm Wassersäule,

Johanna: der die Alveolen offen hält.

Johanna: Also PEEP schient also die alveolären Strukturen ähnlich wie ein Stent in einem Gefäß.

Johanna: Die unmittelbare Folge ist eine Vergrößerung der funktionellen Residualkapazität,

Johanna: also des Luftvolumens, das nach normaler Ausatmung in der Lunge verbleibt.

Johanna: Mehr geöffnete Alveolen bedeuten eine größere Gasaustauschfläche und verbessern

Johanna: somit die Oxygenierung des Blutes.

Johanna: Tatsächlich erhöht PEEP den alveolären Sauerstoffpartialdruck und verbessert

Johanna: die Sauerstoffaufnahme gemäß

Johanna: Henry-Gesetz, da bei erhöhtem Druck mehr O2 ins Blut übertreten kann.

Johanna: Außerdem verschiebt sich die Lunge durch PEEP in einen günstigeren Bereich der

Johanna: Druckvolumenkurve, Beginnend von einem höheren Lungenvolumen arbeitet die Inspiration

Johanna: an einer steileren Kurve, was die Compliance der Lunge verbessert.

Johanna: Kurz gesagt, das Einatmen fällt leichter, weil die Alveolen nicht aus komplett

Johanna: kollabiertem Zustand entfettet werden müssen.

Johanna: PEEP wird sich auch auf die Ventilations-Perfusionsverteilung aus.

Johanna: Durch das Offenhalten ehemals kollabierter

Johanna: Bereiche reduziert PEEP den intrapulmonaren Rechts-Links-Schand.

Johanna: Blut, das zuvor unausgetauschten Lungengewebe durchfloss, wird eben jetzt mit

Johanna: Sauerstoff angereichert.

Johanna: Der VQ-Missmatch verbessert sich, was die arterielle O2-Sättigung erhöht.

Johanna: Und gleichzeitig ermöglicht PEEP oft eine

Johanna: Reduktion der eingeatmeten Sauerstoffkonzentration. Also ziemlich cool.

Ingmar: Wenn man die eingeatmete Sauerstoffkonzentration reduziert, dann reduziert sich

Ingmar: damit auch die Sauerstofftoxizität.

Ingmar: Also das ist so eine Kaskade von Vorteilen, die wir uns vom PEEP versprechen,

Ingmar: die bis eben zur Toxizität runtergeht.

Ingmar: Noch ein Vorteil wäre, dass dieses stabile Offenhalten der Alveolen über den

Ingmar: Atemzyklus hinweg das stetige Öffnen und Kollabieren von diesen instabilen Lungenbezirken

Ingmar: verhindern soll oder reduzieren soll.

Ingmar: Und dieser zyklische Alveolar-Kollaps, es stellt eigentlich immer so einen mechanischen

Ingmar: Stress für die Alveolar-Wende dar.

Ingmar: Und man spricht von Artelekt-Trauma, wenn die eben bis zur Artelektase kollabieren.

Ingmar: Und wenn ich das mit PEEP verhindern kann, dann habe ich weniger Ventilator-Induced

Ingmar: Lung Injury, weniger Willi.

Ingmar: Und auch damit nehme ich quasi eine weitere Stresskomponente von der Lunge raus.

Ingmar: Das PEEP kann also, wenn man es richtig dosiert, die Lunge von so ventilatorinduzierter

Ingmar: Schädigung schützen, indem man so eine homogene Belüftung fördert oder weniger Pendelluft hat,

Ingmar: also weniger regionale Volumenunterschiede zwischen kollabierten und belüfteten Arealen.

Ingmar: PEEP hat aber auch systemische Auswirkungen, vor allem auf Herz- und Kreislauf.

Ingmar: Unter normaler Spontanatmung erzeugt das Zwerchfell ja negativen intrathorakalen

Ingmar: Druck, der den venösen Rückstrom zum Herzen fördert.

Ingmar: Unter PEEP, also positiven Druck, kehrt sich dieser Effekt aber um.

Ingmar: Und der erhöhte Druck im Thorax und den Alveolen behindert den venösen Rückfluss zum rechten Vorhof.

Ingmar: Und das ist natürlich ein Problem, insbesondere bei Patienten,

Ingmar: die schon Hypovolem sind oder Patienten, die eine sehr steife Lunge haben.

Ingmar: Das heißt, wo es wenig Dehnbarkeit in der Lungenstruktur gibt,

Ingmar: dann überträgt sich der Druck aus den Alveolen unmittelbar auf das Gefäßbett

Ingmar: und damit unmittelbar auf die Perfusion.

Ingmar: Und das sind Patienten, die können mit einem Blutdruckabfall auf Pieperhöhung reagieren.

Johanna: Es ist ja so, der ZVDM ist ja der Druck in der Vena Kawa.

Johanna: Und wenn der intrathorakale Druck durch den PEEP steigt, wird auch dieser gemessene

Johanna: Druck künstlich angehoben, unabhängig vom tatsächlichen Volumenstatus.

Johanna: Und zudem kann sich das Blut halt auch im venösen System vor dem Herzen stauen,

Johanna: weil es nicht gut in den Thorax einströmen kann.

Johanna: Und deswegen würde man den zentralen Venendruck erhöhen.

Johanna: Weil ich habe mich, weißt du, was ich mich auch gefragt habe,

Johanna: Ingmar? Ich meine, weil mich hat ja immer auch diese kardiale Dekompensation

Johanna: bei Herzinsuffizienz mit Lungenödem.

Johanna: Das hat mich immer wahnsinnig gemacht, weil ich dann nicht wusste,

Johanna: was genau behebe ich damit.

Johanna: Also klar habe ich einmal den PEEP für das Lungenödem bei einer kardialen Dekompensation

Johanna: und dann hieß es ja irgendwie, man entlastet auch das linke Herz zusätzlich.

Johanna: Und dann dachte ich immer, durch den hohen Interatoratalkartal, du weißt schon, Druck,

Johanna: habe ich ja eigentlich bei einem sowieso schon nicht gut pumpenden Herzen genau

Johanna: sowas, dass ich doch dann erhöhten ZVD habe und dann vielleicht ein bisschen

Johanna: weniger Vorlast, aber das hilft mir ja nicht unbedingt für die Kontraktilität.

Ingmar: Oder denke ich zu weit? Das hilft dir halt nur nicht bei der Kontraktilität

Ingmar: oder es hilft dir in dem Moment bei der Kontraktilität, wenn eine zu hohe Vorlast

Ingmar: vorher dein Problem war.

Ingmar: Also im Patienten mit Fluid Overload, wenn du dem so viel PEEP gibst,

Ingmar: dass kein Blut mehr zum Herzen zurückströmt, dann hast du halt auch weniger Congestion,

Ingmar: weniger pulmonale Stauung oder weniger kardiale Stauung, die dann wieder pulmonal zurückstaut.

Johanna: Man muss sich dann rechts und links nicht voneinander unterscheiden,

Johanna: wenn wir jetzt sagen, der ZVD steigt, Na ja.

Ingmar: ZVD ist halt immer nur rechts.

Johanna: Genau.

Ingmar: Der kann nicht links sein.

Johanna: Genau. Deswegen, also muss ich dann in präklinisch, oder vielleicht präklinisch

Johanna: ist das ein bisschen zu viel, aber muss ich dann eigentlich nicht,

Johanna: wenn ich diese Sachen anwende, wissen, von was für einer Herzenssuffizienz ich spreche?

Ingmar: Ja, eigentlich schon. Und dann müsste man es messen.

Ingmar: Also wir sind wieder an dem Punkt, wo wir mehr Pulmonar-Arterien-Katheter in

Ingmar: der Präklinik brauchen.

Johanna: Zum Beispiel.

Ingmar: Ja, aber es ist ein Punkt für Echo vielleicht.

Ingmar: Ich habe gedacht, das wird eine einfache Folge, aber es könnte sein,

Ingmar: dass es gar nicht einfach wird.

Johanna: Ich glaube, es kommt so ein bisschen drauf an, was wir alles erklären müssen und was wir weglassen.

Ingmar: Ein hoher alveolärer Druck erhöht auch den pulmonalen Gefäßwiderstand,

Ingmar: weil ganz simpel gesprochen die Lungenkapillaren zusammengedrückt werden.

Ingmar: Das bedeutet eine erhöhte Nachlast auf der rechten Seite, auf dem rechten Herzen

Ingmar: und damit eine Mehrbelastung.

Ingmar: Und das kann bei einem schon insuffizienten oder schon einem schlechten,

Ingmar: schwachen rechten Herzen zu Problemen führen.

Ingmar: Und weil man eben rechts und links nicht so von alleine trennen kann,

Ingmar: weil das eben doch eine gekoppelte Pumpe ist, leider, kann man damit über die

Ingmar: Rechtsherzbelastung sogar eine Linksherzinsuffizienz auslösen.

Ingmar: Also das sind auch schon dann die verketteten Effekte, die man mit einer Piepveränderung

Ingmar: oder einer intratragalen Druckänderung über PEEP möglicherweise erzielen kann.

Ingmar: Und das nächste Kompartiment, was wir mit PEEP beeinflussen,

Ingmar: ist der intrakranielle Druck, aber das wahrscheinlich erst bei relativ hohen

Ingmar: Piepwerten, größer 15 cm Wassersäule.

Ingmar: Das ist bei, ich würde mal sagen, den normal beatmeten Patienten nur selten der Fall.

Ingmar: Da bewegen wir uns dann schon im ARDS.

Ingmar: Es ist am Ende also ein Balanceakt zwischen pulmonalem Nutzen und möglichen Nebenwirkungen.

Ingmar: Auf der einen Seite verbessern wir Oxygenierung und Lungenmechanik,

Ingmar: auf der anderen Seite belasten wir aber Kreislauf und andere Organe.

Ingmar: Und jetzt können wir uns in den nächsten Abschnitten überlegen,

Ingmar: wie wir das in die Praxis umsetzen.

Ingmar: Wenn Ralf heute hier wäre, würde er fragen, ob wir nicht ein Lappenschema machen können.

Johanna: Das machen wir für ihn.

Ingmar: LADME-Ralf. Genau, das ist die LADME-Ralf Memorial Session zum Thema PEEP

Ingmar: p.

Ingmar: Das geht natürlich nicht, das ist so ein bisschen Augenzwinkern,

Ingmar: weil PEEP ja offensichtlich kein Medikament ist.

Ingmar: Aber wenn wir es wie ein Medikament behandeln oder betrachten würden und das

Ingmar: LADME-Schema darauf anwenden würden, dann wäre der erste Buchstabe L,

Ingmar: Liberation, Freisetzung.

Ingmar: Und das ist bei PEEP wieder einfach zu betrachten. PEEP wird ja nicht eingenommen wie eine Tablette,

Ingmar: sondern es wird einfach technisch freigesetzt durchs Beatmungsgerät in Form

Ingmar: von einem Druckniveau und das wird am Ende der Expiration aktiv aufrechterhalten.

Ingmar: Die Freisetzung, die Liberation ist also sofort und kontinuierlich und wird

Ingmar: durchs Beatmungsgerät gesteuert.

Ingmar: Also vielleicht kann man das doch so als zielgerichtetes physikalisches Medikament betrachten.

Ingmar: Das A, die Absorption, Aufnahme.

Ingmar: Und da hätten wir bei den üblichen Medikamenten, würden wir über Resorption sprechen.

Ingmar: Das ist bei PIP natürlich auch ein bisschen anders. Es geht nicht durch Membranen

Ingmar: durch, aber vielleicht doch, haben wir ja gerade gesagt, dass der Druck sich

Ingmar: überträgt auf andere Strukturen.

Ingmar: Also vielleicht kann man, das ist natürlich sehr philosophisch,

Ingmar: entfaltet sich das eben nicht nur lokal mechanisch auf die Lunge,

Ingmar: sondern eben auch auf andere Strukturen bis hin zum intrakraniellen Druck.

Ingmar: Aber in erster Linie ist es eben lokal mechanisch durch Druck auf das Alveolargewebe

Ingmar: und die thorakalen Strukturen.

Ingmar: Und man könnte sogar eine Dosis-Wirkungsbeziehung

Ingmar: postulieren mit einem Ceiling-Effekt. Das könnte man machen.

Ingmar: Wie man die zeichnet, ist die nächste Frage. Und wo die Ceiling-Effekte eingebaut

Ingmar: werden, ist die nächste Frage.

Ingmar: Aber kann ich mir vorstellen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen wenig

Ingmar: PEEP und wenig Wirkung und viel PEEP und viel Wirkung.

Ingmar: Also der Zielort sind Alveolarwände, Bronchiolen und Kapillargeflecht.

Ingmar: Zur Absorption gehört auch die Bio-Verfügbarkeit. Die ist 100%,

Ingmar: weil sie direkt am Zielorgan irgendwie appliziert wird und es wird auch nicht metabolisiert.

Ingmar: Aber da kommen wir später dazu.

Ingmar: Die Onset-Time ist noch ein Thema bei der Absorption und die Anschlagszeit ist praktisch sofort.

Ingmar: Sobald der Druck auf der Lunge, auf der Albiole ist, kann der Körper damit was

Ingmar: machen. Da muss man nicht warten.

Ingmar: Der nächste Buchstabe ist das D im LADMEschschema, die Distribution.

Ingmar: Und auch das ist auf den ersten Blick natürlich eine bescheuerte Idee,

Ingmar: sich um Distribution zu kümmern, um Verteilung.

Ingmar: Aber beim zweiten Blick ist es doch wieder spannend, weil auch die Verteilung

Ingmar: des Piepeffekts innerhalb der Lunge ganz stark von der Lunge selber abhängt.

Ingmar: Nämlich von der Lungenstruktur, der Lagerung des Patienten und am Ende damit

Ingmar: der Rekrutierbarkeit der Lunge.

Ingmar: Und wenn man ganz inhomogene Lungenverhältnisse hat, zum Beispiel bei manchen

Ingmar: ARDS-Formen, dann gibt es auch ganz ungleiche Wirkungen durch die unterschiedlichen

Ingmar: Druckverhältnisse in der Lunge.

Ingmar: Fast so wie bei den Verteilungsproblematiken von schwer lipophilen Substanzen

Ingmar: in schlecht durchbluteten Geweben.

Ingmar: Also auch da bietet sich am Ende dieser Vergleich an. Also es gibt unterschiedliche

Ingmar: Kompartimente, langsame und schnelle,

Ingmar: die sind rekrutierbar oder nicht rekrutierbar in unserem Vergleich.

Ingmar: Und es gibt auch Verteilungsvolumina, die abhängig sind von der FRC,

Ingmar: von der Compliance oder der Lagerung.

Ingmar: Und auch die interindividuelle Variabilität ist ziemlich hoch, bietet sich an.

Ingmar: Statt mal auf PEEP umzubauen. Probieren wir es beim nächsten Buchstaben,

Ingmar: beim M, zum Metabolismus.

Ingmar: Wie wird PEEP umgebaut, abgebaut, verstoffwechselt?

Ingmar: Das wird dann natürlich nicht wie bei chemischen Substanzen irgendwie enzymatisch

Ingmar: über die Leber, aber die Wirkung verändert sich auch über die Zeit.

Ingmar: Es ist nicht so, dass die gleiche Dosis PEEP immer richtig ist,

Ingmar: weil es Umbauvorgänge gibt oder die Thorax Compliance sich verändert.

Ingmar: Es gibt Unterschiede durch muskuläre Adaptionen, spontan atmende oder kontrolliert

Ingmar: beatmende Patienten funktionieren da anders.

Ingmar: Und das beeinflusst alles die Effektstärke.

Ingmar: Also einen gewissen Metabolismus, also einen Umbau oder eine Veränderung des

Ingmar: PEEPs innerhalb der Lunge können wir uns auch hier irgendwie zusammenreimen.

Ingmar: Und dann bleibt noch der letzte Buchstabe, das E für Excretion,

Ingmar: Excretion, Ausscheidung.

Ingmar: Wie verlässt PEEP wieder den Körper?

Ingmar: Das ist eigentlich unser häufigstes Problem. Wenn wir irgendwie Patienten diskonnektieren,

Ingmar: dann ist der PEEP auf einen Schlag komplett verloren.

Ingmar: Und auch da gibt es wie bei chemischen Substanzen Rebound-Effekte,

Ingmar: wie so Absetzphänomene, dass Patienten das häufig gar nicht gut vertragen,

Ingmar: wenn wir die Beatmungsdrücke, insbesondere den PEEP, so schlagartig verändern.

Ingmar: Das bedeutet, dass unser PEEP eine sehr kurze Halbwertszeit hat von Sekunden

Ingmar: und dass es wie andere Substanzen eben auch das Absetzen gefährlich sein kann.

Ingmar: Hypoxie, Rebound, Reatelektasen. Es ist also schon ein, wenn wir diesen Vergleich

Ingmar: weiterhin bemühen, ein hochpotentes Präparat, was wir einsetzen, das genau dosiert,

Ingmar: kontinuierlich appliziert und regelmäßig überwacht werden muss.

Ingmar: So wie therapeutisches Drug Monitoring bei Antibiotika.

Ingmar: Also Wirkungen und Nebenwirkungen sind Patienten individuell unterschiedlich

Ingmar: und wir müssen auf ganz viele Sachen achten, wenn wir dieses Medikament PEEP anwenden.

Ingmar: Shoutout an Ralf für das LADME-Schema, was wir hier sogar in die Beatmung mit einbauen.

Ingmar: Wo brauchen wir PEEP, Johanna? Wo benutzt du PEEP?

Johanna: PEEP kann man eigentlich, naja bei uns in der Anästhesie eigentlich fast überall verwenden.

Johanna: Denn PEEP kann lebensrettend sein und sehr häufig wissen wir ja auch,

Johanna: dass wir PEEP zum Beispiel bei Erkrankungen wie dem akuten Lungenversagen benutzen,

Johanna: also dem ARDS ganz klassisch, wo es eben die Oxygenierung einfach sehr schnell

Johanna: und effizient verbessert und indem es einfach kollabierte Alvejonen rekrutiert.

Johanna: Das ist, glaube ich, so eines der größten Punkte, wo wir PEEP benutzen und es auch gerne anwenden.

Ingmar: Wo wir auch vor allem gerne viel PEEP benutzen.

Johanna: Ja, genau.

Ingmar: Bei der Dosiswirkung. Das ADS, da haben wir gerne viel über die Dosierung.

Ingmar: Da kann ich nochmal sprechen.

Johanna: Genau.

Ingmar: Ich glaube, es gibt so eine Reihe von klassischen Indikationen,

Ingmar: bei denen PEEP eine wichtige Rolle spielt in der Beatmungsmedizin.

Ingmar: Das erste hast du schon gesagt, ist das ARDS. Das zweite sind wahrscheinlich

Ingmar: auch bei allen anderen Formen von beatmungspflichtigen Zuständen, Pneumonien,

Ingmar: da spielt auch PEEP die gleiche Rolle, nämlich das Offenhalten von Lungenarealen

Ingmar: und Gasaustausch zu optimieren.

Ingmar: Aber auch, du hast es vorhin in deinem Kommentar schon so ein bisschen anklingen

Ingmar: lassen, es gibt auch nicht beatmungsassoziierte Gründe, von einem positiven

Ingmar: endexpiratorischen Druck zu profitieren. Wie zum Beispiel kardial Lungenödeme.

Ingmar: Da entlastet PEEP das Lungengefäßbett und senkt den venösen Rückstrom und kann

Ingmar: über diesen gekoppelten Mechanismus von rechts nach links das überdehnte linke

Ingmar: Herz entlasten und damit den Rückstau in die Lungenstrombahn reduzieren.

Ingmar: Und damit wird wieder die Oxygenierung besser und das ist der Grund,

Ingmar: warum wir gerne CPAP im kardialen Lungenödem machen. Wegen des PEEPS.

Johanna: Wegen des PEEPs. Ja, bei der COPD muss man so ein bisschen aufpassen.

Johanna: Das ist ja eine Erkrankung mit schon häufig irgendwie einem intrinsischen PEEP.

Johanna: Da kann so ein Moderator externer PEEP helfen, die kleinen Atemwege während

Johanna: der Expiration offen zu halten.

Johanna: Insbesondere bei der schweren COPD erleichtert so ein PEEP von 5 cm Wassersäule

Johanna: das Entweichen der Luft und vor allem reduziert ist die Atemarbeit, das wissen wir.

Johanna: Bei schwerem Asthma hingegen wird meist so niedriger externer PEEP bevorzugt,

Johanna: um die Expiration nicht zusätzlich zu bremsen.

Ingmar: Was heißt dein Gesichtsausdruck?

Johanna: Müssen wir das erklären?

Ingmar: Ich glaube schon.

Johanna: Wir müssen das erklären. Wie erkläre ich denn Airtrapping jetzt?

Johanna: Das Airtrapping bedeutet, dass beim Ausatmen nicht die gesamte Luft aus der Lunge entweichen kann.

Johanna: Ein Teil bleibt gefangen, dadurch sammelt sich mit jedem Atemzug mehr Luft in

Johanna: der Lunge. was zu einer Überblähung führen kann.

Johanna: Und dazu eben ganz typische Ursachen, wie schon erwähnt, COPD, Asthma.

Johanna: Dadurch, dass diese Patienten eben schon einen eigenen PEEP haben,

Johanna: kann ein noch höherer PEEP die ganze Situation verschlechtern.

Ingmar: Genau, aber da ist wichtig zu unterscheiden, dass es eben COPD und Asthma unterschiedliche

Ingmar: Piepstrategien haben oder unterschiedliche Piepstrategien erfordern.

Ingmar: Und dass man beim COP-Disten, der zum Autopiepen neigt, eben einen etwas höheren

Ingmar: PEEP wählt als bei einem Asthmatiker, weil die zugrunde liegende Pathologie eben eine andere ist.

Ingmar: Und obwohl sie beide ein Atemproblem haben, profitiert der Asthmatiker meistens

Ingmar: nicht so sehr von einem hohen PEEP.

Ingmar: Wir benutzen PEEP auch bei stinknormalen Narkosen.

Johanna: Im OP?

Ingmar: Im OP, perioperativ, weil wir, je nachdem was es für Narkosen sind,

Ingmar: unsere Patienten ja häufig in einseitigen Haltungen verbringen,

Ingmar: auf dem Rücken liegen oder auf dem Bauch.

Ingmar: Und dann kommt es zu Ateliktasen in den abhängenden Körperabschnitten.

Ingmar: Und das versucht man routinemäßig mit ein bisschen PEEP zu kontern,

Ingmar: so ungefähr 5 Millibar, um die Lunge an den Stellen offen zu halten.

Ingmar: Und dann, auch da kommen wir nachher nochmal ein bisschen genauer dazu,

Ingmar: gibt es natürlich Patientengruppen, die nochmal eine höhere Aufmerksamkeit brauchen,

Ingmar: irgendwie bei bariatrischer Chirurgie, wo man dann genau Kreislauf und Beatmung

Ingmar: noch ein bisschen besser dosieren muss.

Ingmar: Und eine Gruppe, die uns eingefallen ist zum Thema Piepanwendung, sind Neonaten.

Ingmar: Frühgeborene mit Zuffekt und Mangel, bei denen die Lunge auch zum Kollaps neigt.

Ingmar: Da ist häufig der Beginn ihrer Beatmungstherapie eben auch ein C-PAP,

Ingmar: häufig auch über die Nase, um ein kleines bisschen PEEP auf die Lunge zu bringen.

Ingmar: Und das reicht häufig schon, um eine ausreichende Oxygenierung zu erzielen.

Johanna: Ganz genau.

Ingmar: Am Ende ist die Überschrift von PEEP das Verbessern von respiratorischen,

Ingmar: hypoxämischen, um genau zu sein, Insuffizienzen.

Ingmar: Also er kauft Oxygenierung um den Preis eines höheren intrathorakalen Drucks.

Ingmar: Im Zweifelsfall kann man also bei Patienten auch ohne manifeste Lungenerkrankungen,

Ingmar: wie bei so einem normalen perioperativen Patienten, PEEP auch schon prophylaktisch

Ingmar: einsetzen, um das Risiko von Atelektasen zu verhindern.

Ingmar: Die Frage, die aber alle umtreibt, ist, wie findet man jetzt den richtigen PEEP?

Ingmar: Was ist die richtige Dosis für diesen berühmten PEEP? Und wie kriegt man es raus?

Ingmar: Und kriegen jetzt alle 3, 5, 10 oder 15?

Ingmar: Und offensichtlich ist die Antwort Nein. Aber wie stellen wir diese Zahl am

Ingmar: Beatmungsgerät ein, um das rauszufinden?

Ingmar: Johanna, welchen PEEP würdest du mir einstellen?

Johanna: Einen alten, dicken Mann?

Ingmar: Alter, dicker, weißer Mann.

Ingmar: Mit Patientenverfügung.

Johanna: Genau.

Johanna: Ich glaube, Ingmar, du könntest einen Fünferpiep vertragen und vielleicht sogar einen Siebener PEEP.

Ingmar: Okay, was soll das heißen?

Johanna: Warum? Warum? Also, ich glaube, so standardmäßig, wenn man irgendwie in eine

Johanna: OP kommt, kriegt ja jeder erstmal einen Fünferpiep, oder?

Ingmar: Warum ist das so? Warum ist das eigentlich so? Und ist das schlau?

Ingmar: Warum kriegt nicht jeder einen Zehnerpiep oder einen Dreier?

Johanna: Von dem, was wir jetzt schon gesagt haben, muss man ja irgendwie so ein bisschen

Johanna: Gleichgewicht finden zwischen maximaler Rekrutierung der Alveolen,

Johanna: was ja irgendwie schön ist für eine gute Oxygenierung.

Johanna: Und wir möchten aber auch irgendwie eine Überblähung vermeiden.

Johanna: Und da hilft uns ja so ein bisschen manchmal ein Blick in die Akte,

Johanna: was der Patient so für Vorerkrankungen mit sich bringt.

Ingmar: Ja, da findet man alter weißer Mann.

Johanna: Zum Beispiel?

Ingmar: Dicker alter weißer Mann.

Johanna: Oh, das ist ja schon wieder ein wichtiger Punkt.

Johanna: Ähm, hältst du mir das jetzt lange nach?

Ingmar: Vielleicht. Nein, du hast ja recht. Es ist lustig, weil es wahr ist.

Johanna: Dann so ein bisschen, müssen wir doch so ein bisschen unterscheiden,

Johanna: naja, ist das jetzt ein Patient, den wir lange beatmen im OP?

Johanna: Ist das eine kurze Operationszeit? Ist das ein Patient vielleicht?

Ingmar: Ich provoziere dich jetzt.

Johanna: Ja, sag mal.

Ingmar: Warum müssen wir das unterscheiden? Brauchen Leute bei denen,

Ingmar: die nur kurz operiert werden, ist es da egal, wie wir sie beatmen?

Johanna: Das darf man wahrscheinlich jetzt nicht sagen. Ich nehme mal an,

Johanna: dass eine gesunde junge Lunge uns eher mehr verzeihen kann, als vielleicht eine kranke alte Lunge.

Ingmar: Ja, aber das ist ja nicht mein Punkt. Mein Punkt ist ja nicht,

Ingmar: welche Lunge kann uns was verzeihen.

Ingmar: Die Frage ist, kannst du dir selbst verzeihen, nicht den optimalen PEEP bei

Ingmar: deinen Patienten immer zu finden?

Johanna: Ich würde es davon abhängig machen, ob ich dem Patienten am Ende schade oder nicht.

Johanna: Natürlich möchte ich immer das beste Outcome für jeden Patienten, das ist ganz klar,

Johanna: aber hat jetzt ein PEEP von 6 bei einer 5-minütigen HNO-OP irgendwie einen besseren

Johanna: Outcome als zum Beispiel ein PEEP von 5? Danach würde ich mich richten.

Johanna: Was würde Ingmar denn machen?

Ingmar: Naja, ich finde die Frage ja, also findest du die Frage unfair?

Ingmar: Also du sagst, wenn es keine harten outcome daten gibt dann ist es egal was wir tun naja.

Johanna: Das ist jetzt wieder ein bisschen zu weit,

Johanna: Ich finde die Frage fair, aber

Johanna: ich finde sie nicht so ganz klinisch anwendbar. Vielleicht ist es das.

Ingmar: Ja, dann versuche ich dich jetzt an diesen Punkt zu führen.

Ingmar: Dann lass uns eine Narkose machen von einem Eingriff, der so zwischendrin ist,

Ingmar: dass du dich nicht so rausreden kannst.

Ingmar: Wir machen jetzt bei einem mittelalten, dicken, alten, weißen Mann eine Gallen-OP.

Ingmar: Offen. Noch nicht mal laparoskopisch. offenbar alles verwachsen ist,

Ingmar: sondern eine riesige Fettleber hat.

Ingmar: Das heißt, du rechnest so mit, sagen wir mal, einer Stunde bis anderthalb Stunden OP-Zeit.

Ingmar: Und du hast jetzt quasi eine Stunde oder anderthalb Stunden Zeit,

Ingmar: PEEP zu optimieren oder Beatmung zu optimieren.

Ingmar: Was wären Johannas Parameter, dass ich, oder nee, das nicht ich,

Ingmar: sondern der generische, dicke, alte, weiße Mann,

Ingmar: am Ende seiner Narkose die bestmögliche

Ingmar: Lungenfunktion hat oder die bestmögliche Beatmung bekommen hat.

Ingmar: Was wären da für dich vielleicht Stellgrößen, worüber denkst du nach,

Ingmar: wenn es dir nicht egal ist?

Ingmar: Also du hast natürlich recht, es gibt keine harten Outcome-Daten für Ultrakurzbeatmung,

Ingmar: sondern die Daten werden in dem Moment besser, wo wir über Langzeitbeatmung

Ingmar: auf Intensivstationen sprechen und es ist überhaupt nicht geklärt,

Ingmar: ab wann wir von Langzeitbeatmung sprechen.

Ingmar: Das sehen unterschiedliche Fachgesellschaften anders, was eigentlich eine Langzeitbeatmung ist. Und,

Ingmar: Wir würden alle sagen, dass drei Wochen Beatmung ist, sicher eine Langzeitbeatmung.

Ingmar: Und wir sagen alle sicher, dass fünf Minuten keine Langzeitbeatmung sind.

Ingmar: Aber dazwischen ist irgend so ein Graubereich.

Ingmar: Und sind sechs Stunden eine Langzeitbeatmung? Ist der lange MKG-Lappen,

Ingmar: der 14 Stunden dauert, ist das eine Langzeitbeatmung?

Ingmar: Ist die vierstündige neurochirurgische OP, die noch bis Mitternacht nachbeatmet

Ingmar: wird, Langzeitbeatmung?

Ingmar: Oder ist es erst eine Langzeitbeatmung, wenn die Sonne wieder aufgegangen ist?

Ingmar: Da wird es dann, finde ich, philosophisch. Aber das bringt mich an den Punkt,

Ingmar: wo ich dich fragen kann, ist nicht die anderthalb Stunden Gallen-OP vielleicht

Ingmar: auch schon Langzeitbeatmung?

Johanna: Ja, also ich finde ja so einen praktikablen Bettkantenansatz irgendwie ganz

Johanna: gut. Dass man halt sagt, man orientiert sich so ein bisschen an dem,

Johanna: was ja mein PEEP verbessert oder verschlechtert.

Johanna: Und dann gucke ich mir halt an, das, was wir vorhin schon gesagt haben, Oxygenierung.

Johanna: Und wenn dieser Patient jetzt vielleicht mit der ein Oxygenierungsproblem hat,

Johanna: was ich so erstmal vielleicht bei einer Gallenoperation an der Sättigung sehe,

Johanna: wenn ich jetzt keine anderen Maßnahmen habe oder Katheter oder irgendwas,

Johanna: woran ich das messen kann,

Johanna: dann würde ich erst auch damit versuchen, ein bisschen den PEEP zu erhöhen,

Johanna: um zu gucken, ob es meinem Patienten, ob der einen Benefit davon hat oder nicht,

Johanna: ob der davon profitiert.

Johanna: Und dann ist es eigentlich ziemlich einfach. Wenn die Sättigung steigt,

Johanna: dann weiß ich, irgendwas habe ich richtig gemacht. Wenn das die Stellschraube war.

Johanna: Wenn sie fällt, dann müsste ich vielleicht nochmal einen kurzen Moment in mich

Johanna: gehen und überlegen, ob mein Patient, ob das dem jetzt doch nicht so gut getan hat.

Ingmar: Okay, fair. Du versuchst, Gasaustausch zu optimieren. Dazu musst du dir Gasaustausch angucken.

Ingmar: Das heißt, im Idealfall hast du dafür eine arterielle BGA und hast eine Stellgröße, nämlich dein PEEP,

Ingmar: den du anpasst und dann machst du danach eine BGA und guckst dir in der BGA

Ingmar: an, was deine Piepveränderung gemacht hat.

Ingmar: Mir ist auch klar, dass das im Alltag nicht praktikabel ist,

Ingmar: so kleinschrittig Blutgasanalysen irgendwie zu machen.

Ingmar: Und vor allem hast du halt nicht nur eine Variable, weil sobald du den PEEP

Ingmar: veränderst, änderst du ja deinen Driving Pressure.

Ingmar: Oder du änderst den Driving Pressure, den Spitzen, also den auch noch gleich mit.

Ingmar: Wenn du alles gleich hältst, hast du halt noch einen zweiten Punkt,

Ingmar: nämlich den Spitzendruck, den du noch mit drin hast.

Ingmar: Und das ist das, was am Ende für mich Beatmung schön und spannend macht,

Ingmar: dass alles so verknüpft ist.

Ingmar: Aber was bei dir mit drin steckt über die PEEP-Veränderung oder die PEEP-Erhöhung,

Ingmar: die du gerade getestet hast an dem generischen alten dicken weißen Mann,

Ingmar: ist ja so eine Art Rekrutierung.

Ingmar: Also profitiert die Lunge von mehr Druck.

Ingmar: Und da gibt es auch verschiedene Ideen, wie man das machen kann.

Ingmar: Das eine ist einmal einen hohen Druck irgendwie anzuwenden.

Ingmar: Auch da gibt es dutzende unterschiedliche patentierte, nicht patentierte Recruitment-Manöver,

Ingmar: die einen hohen PEEP und einen hohen Plateau-Druck nutzen für 30 Sekunden und

Ingmar: anschließend den PEEP wieder reduzieren,

Ingmar: bis man sich einen vorher überlegten Endpunkt irgendwie erreicht hat.

Ingmar: Da kann man Messgrößen für benutzen.

Ingmar: Manchmal zeigt einem das Beatmungsgerät auch Compliance direkt an.

Ingmar: Oder man muss sich dann eben angucken oder ausrechnen, an welchem PEEP- und

Ingmar: Plateaudruckniveau das beste Verhältnis zwischen Volumen und Temperatur.

Ingmar: Besteht, um eben da was auszurechnen.

Ingmar: Das kann man auch machen, indem man sich PV-Loops, also Druck-Volumen-Kurven

Ingmar: anguckt und sich überlegt, wo welche Knickpunkte, also insbesondere das ist

Ingmar: ja Lower Inflection Point, dieser untere Knickpunkt,

Ingmar: wo der sich befindet, in Abhängigkeit vom PEEP und das damit einstellen.

Ingmar: Also das wäre eine Variante am Beatmungsgerät.

Ingmar: Und alles andere wird dann, glaube ich, im OP schon wieder richtig schwierig.

Johanna: Ja, das würde ich bei der geilen Operation jetzt nicht machen.

Ingmar: Du hast gar nicht die Zeit, das EIT-Gerät aus dem Keller zu holen.

Ingmar: Oder du kommst ins sterile Feld und kriegst dann irgendwie Ärger von den Chirurgen.

Ingmar: Aber da sind wir dann bei den apparativen Messverfahren, wie wir versuchen,

Ingmar: PEEP noch weiter genauer irgendwie hinzukriegen.

Ingmar: Transösophagiale Druckmessungen über den Oesophagus Katheter.

Ingmar: Damit kann man den Pleuradruck abschätzen. Und aus dem Pleuradruck kann man

Ingmar: über den Druck in den Alveolen dann den transpulmonalen Druck versuchen zu berechnen

Ingmar: oder den kann man daraus ableiten.

Ingmar: Und damit könnte man seinen PEEP so einstellen, dass am Ende der Expiration

Ingmar: ein leicht positiver transpulmonaler Druck noch besteht.

Ingmar: Und dann hätte man die Idee, dass damit der Alveolar Kollaps verhindert wird,

Ingmar: ohne eine extreme Überblähung verursacht wird.

Ingmar: Das ist ziemlich aufwendig. Das ist etwas, was wir bei ADS-Patienten durchaus machen.

Ingmar: Um außerhalb von Tabellen, und ich glaube, das ist auch was,

Ingmar: was wir noch erwähnen müssen, dass das vielleicht der einfachste Weg ist und

Ingmar: am Ende wahrscheinlich auch die Antwort, warum wir immer 5 nehmen.

Ingmar: Dass es eben sich bewährt hat bei niedrigem Sauerstoffbedarf oder bei Patienten,

Ingmar: die keine Oxygenierungsstörung haben, trotzdem protektiven PEEP zu benutzen.

Ingmar: Aber es gibt eben auch für ADS-Patienten Tabellen, wo man nachgucken kann,

Ingmar: was in Abhängigkeit des FeO2 ein kluger PEEP wäre.

Ingmar: Jetzt fange ich an zu mischen und so ein bisschen zu schwadronieren.

Ingmar: Wir haben transpulmonalen Druck über den Ösophagus-Ballon gemessen.

Ingmar: Ich habe das Stichwort EIT schon mal in den Raum geworfen.

Ingmar: EIT steht für elektrische Impedanzmessung. Da machen wir auch nochmal eine Extrafolge

Ingmar: zu, weil es sich lohnt, darüber eine Extrafolge zu machen.

Ingmar: Aber an der Stelle nur so viel, dass man mit EIT über Elektroden am Thorax in

Ingmar: Echtzeit regionale Belüftung abbilden kann.

Ingmar: Und dann kann man eben das mit Rekrutierungsmanövern verknüpfen und quasi in

Ingmar: Echtzeit Überblähungen und Kollapszonen sehen.

Ingmar: Und das dahin in Echtzeit mit Bilddaten gestützt optimieren.

Ingmar: Das ist möglicherweise Zukunft. Das ist auf jeden Fall noch nicht Standard,

Ingmar: aber eigentlich auch gut abgehangene Technik.

Ingmar: Und was wir auf Intensivstationen noch manchmal bei den extrem schweren Fällen

Ingmar: von ADS machen, ist das Ganze im CT, Rekrutierungsmanöver im CT,

Ingmar: dass wir auf unterschiedlichen Piepniveaus die Lungen scannen.

Ingmar: Das ist aus Strahlenschutz, Strahlenbelastungsgründen nicht für alle Patienten

Ingmar: geeignet, aber in Extremsituationen durchaus denkbar.

Ingmar: Weniger Strahlenbelastung macht Lungensonografie. Da kann man zum Beispiel nach

Ingmar: B-Linien oder Artelektasen forschen und gucken, ob die mit mehr PEEP weniger werden.

Ingmar: Da gibt es die ersten Arbeiten dazu, das ist aber auch noch nicht in die Praxis übertragen.

Ingmar: Am Ende hoffe ich, dass ich mit den Ausführungen hier beschreibe,

Ingmar: dass es viele Ansätze gibt, Aber keinen richtigen Goldstandard,

Ingmar: keine endgültige Methode, die sagen kann, das ist vom reinen Betrachten des.

Ingmar: Patienten oder der Patientin her der optimale PEEP.

Ingmar: Pech gehabt. Zum Glück gibt es aber auch keine Evidenz, dass das ein Problem ist.

Ingmar: Also es gibt keine, es konnte nicht gezeigt werden, dass es eine Pieptitrationsstrategie

Ingmar: gibt, die am Ende klar das klinische Outcome verbessert.

Ingmar: Und deswegen wird es jetzt diplomatisch und die Antwort ist,

Ingmar: dass PEEP-Titration am Ende individualisiert stattfinden sollte oder muss.

Ingmar: Und da gibt es eben ganz viele Aspekte, die man sich dabei anschauen kann.

Ingmar: Erkrankungsschwere, Lungenmechanik, Kreislauf, Gasaustauschparameter.

Ingmar: Und so ist dann am Ende die Realität auf unserer Station oder auf unserer Beatmungsstation,

Ingmar: dass wir versuchen, möglichst viele Puzzlestücke aus diesen Messverfahren miteinander

Ingmar: zu kombinieren, um damit, Gartinoni würde sagen, die Lunge zu verstehen.

Ingmar: Man muss den Patienten verstehen, die Physiologie verstehen und dann eine Strategie

Ingmar: aussuchen, die eben Oxygenierung, Compliance und Hämodynamik zusammenfasst.

Ingmar: Und dann bauen wir einen Fahrplan und entwickeln Protokolle. ganz einfach.

Johanna: Ganz einfach. Eben mal so.

Ingmar: Keep it peep.

Johanna: Du kannst jetzt noch mal das Lied einfügen.

Ingmar: Vielleicht mache ich den Chorus dann irgendwo so als Kapitel machen. Keep it peep.

Johanna: Mittendrin.

Johanna: Ja, Stichwort Gattinoni. Der Vater der ADS-Forschung.

Johanna: Da ist ja immer so ein bisschen die Diskussion, die so ein bisschen bleibt.

Johanna: High peep versus low peep.

Johanna: Was ganz interessant ist irgendwie, dass sich unter all den ADS-Patienten keine

Johanna: signifikante Mortalitätsreduktion durch routinemäßig höheren PEEP zeigte.

Ingmar: High-PEEP und Low-PEEP sind ja eigentlich nur die ADS-Net-Pieptabellen.

Ingmar: Und da gibt es eine Zeile mit hohen PEEP-Vorschlägen und eine mit niedrigen PEEP-Vorschlägen.

Ingmar: Und man steht immer davor und überlegt sich, welche man nehmen soll.

Ingmar: Aber die Antwort hier ist genau so, wie du es gesagt hast. Es gibt keine Antwort.

Ingmar: Zumindest keine Tabellenantwort. Vielleicht gibt es aber doch eine Antwort,

Ingmar: wann man welche nehmen soll.

Johanna: Katinoni sagt ja so ein bisschen, sagt er das überhaupt? Ist der das?

Johanna: Mit schwerem ADS. Das ist er doch, ne?

Ingmar: Das ist er, ja. Er hat sein Büro hier gegenüber gehabt.

Johanna: Ach so. Ihr kanntet euch.

Ingmar: Ja.

Johanna: Persönlich.

Ingmar: Ja. Wirklich, das hier drüben steht noch dran.

Johanna: Echt?

Ingmar: Ja, mach mal die Tür auf. Den Katinoni, den vermisse ich ernsthaft.

Ingmar: Das war ein super netter Mensch.

Ingmar: Da konntest du einfach rübergehen und fragen, wie war das nochmal mit dem Lack

Ingmar: der Harz? Das habe ich nicht kapiert.

Ingmar: Und dann hat er dir das vier Stunden lang erklärt. Und danach habe ich es immer noch nicht kapiert.

Johanna: Hat er es denn versucht, dir zu erklären?

Ingmar: Ja. Die Goldene Brücke ist ja von...

Ingmar: Ich versuche immer Brücken zu bauen. Pontifex, auch noch eine goldene Brücke zum Totenpapst.

Ingmar: Es gibt ja auch Gegebenheiten, Krankenhäuser, Orte, Situationen, wo man nicht auf EIT, CT,

Ingmar: Ösophagus, Drucksonden und sowas zurückgreifen kann, aber trotzdem irgendwie

Ingmar: eine protokollbasierte Beatmung machen möchte, sollte.

Ingmar: Und dazu dienen eben die Tabellen des ADS-Netzwerks.

Ingmar: Und die haben eine High-Peep und eine Low-Peep-Zeile.

Ingmar: Es gibt aber leider keine Daten, die sagen, oder die knallhart Outcome basiert

Ingmar: sagen, benutzt die eine oder die andere, benutzt High oder Low PEEP.

Ingmar: Da gibt es in der Gesamtpopulation der ADS-Patienten keine Mortalitätsunterschiede,

Ingmar: wenn man die höhere PEEP-Tabelle nimmt.

Ingmar: Das ist vielleicht egal. Nee, ist es nicht, weil wenn man genauer hinguckt und

Ingmar: sich die Subgruppen anguckt,

Ingmar: dann sind die Patienten, die das schwere ADS haben, also mit einem Horowitz-Index

Ingmar: von unter 200, die profitieren eher von den höheren PEEP-Niveaus,

Ingmar: also von der High-PEEP-Tabelle,

Ingmar: als die Patienten mit einem leichten ADS.

Ingmar: Die profitieren eher von der Low-PEEP-Tabelle, beziehungsweise haben eine etwas

Ingmar: niedrigere Sterblichkeit, wenn man die Low-PEEP-Tabelle für die Pieptitration benutzt.

Johanna: Was ja irgendwie so ein bisschen das Überleben dann verbessern kann.

Ingmar: Also je ADS, desto PEEP.

Johanna: Desto PEEP.

Ingmar: Und es gibt noch mehr Subgruppen, die man sich angucken kann.

Ingmar: Das sind obstruktive Patienten, also COPD und Asthma.

Ingmar: Die funktionieren mit der Low-PEEP-Tabelle wohl besser.

Ingmar: Und adipöse Patienten mit der High-PEEP-Tabelle.

Ingmar: Und das sind so Überlegungen, die man vielleicht in seine klinische Entscheidungsfindung

Ingmar: mit einfließen lassen kann.

Ingmar: Die Zusammenfassung von dem Kapitel ist aber wieder am Ende Individualisierung

Ingmar: und Augenmaß, dass man sich überlegen soll, was ist eigentlich das Gesamtbild,

Ingmar: was ist eigentlich der Patient,

Ingmar: und wie kriege ich Oxygenierung, Ventilationsdruck und Hämodynamik unter einen

Ingmar: Hut und ist mein Patient ein PEEP-Responder oder nicht.

Ingmar: Und nicht immer sind die Patienten so, wie die Studien es vorschlagen.

Ingmar: Und es kann auch sein, dass der adipöse ARDS-Patient mit einer exerzibierten COPD,

Ingmar: eben aus der Tabelle rausfällt und eine individuelle Strategie braucht.

Ingmar: Individualisieren ist das Motto.

Johanna: Und zu unserem Patienten mit der Gallenoperation von vorhin.

Ingmar: Der dicke weiße alte Band.

Johanna: Da gibt es nämlich auch eine ganz nette Studie zu, von Profil,

Johanna: sagt man über Profil dazu, 2014,

Johanna: wo eben einfach, das war so eine groß internationale randomisierte Kontrollstudie,

Johanna: die geguckt hat, wie die Wirkung von unterschiedlichen Piepeinstellungen während

Johanna: der Abdominalchirurgie so funktioniert.

Johanna: Und da wurden eben zwei Gruppen verglichen, einmal ein hoher PEEP über zwölf

Johanna: mit Rekrutierungsmanövern und niedrigen PEEP unter zwei ohne.

Johanna: Und die Ergebnisse, das war so ein bisschen erstaunt oder die Ergebnisse waren so ein bisschen,

Johanna: hat man nicht mit gerechnet, Trotz der Vorteile einer schützenden Beatmung mit

Johanna: kleinen Tidalvolumina und moderaten hohem PEEP ergab das eben,

Johanna: dass ein sehr hoher PEEP keine Vorteile in Bezug auf postoperative Komplikationen brachte.

Johanna: Was aber doch passiert ist, ist eben eine Hypotonie, die Anästhesisten dann

Johanna: irgendwie manchmal ganz nervös machten intraoperativ.

Johanna: Und das bewegt heute dazu, dass man einfach ein bisschen zurückhaltender ist

Johanna: mit der Wahl des PEEPs, wenn eben keine klare Indikation für einen hohen PEEP vorliegt.

Johanna: Vielleicht ist das so ein bisschen...

Ingmar: Deswegen kriege ich den generischen, dicke, alte, weißen Mann, den Fünferpiep.

Johanna: Wenn ich mir jetzt diese Studie angucke, würde ich, genau. Wäre es so.

Ingmar: Ich bin ja auch nicht so, so dick.

Ingmar: Aber ziemlich alt. Deswegen muss ich diesen neuen Podcast machen.

Ingmar: Ich würde so gerne einen YouTube-Kanal machen.

Ingmar: Aber alle sagen nein.

Johanna: Wir sagen alle nein, Ingmar.

Ingmar: Nein, mach das nicht. Du hast ein Radiogesicht.

Ingmar: Danke dafür. Okay, jetzt sind wir eigentlich schon bei den speziellen Patientengruppen, oder?

Johanna: Aber diese PEEP-Lower-Gruppe, es gibt ja diese PEEP-High und diese PEEP-Lower-Gruppe.

Johanna: Sollen wir das nochmal erwähnen oder nicht? Hast du das eigentlich erwähnt jetzt?

Ingmar: Habe ich eigentlich erwähnt. Ich habe gedacht, ich habe erwähnt,

Ingmar: dass es eine High-PEEP- und eine Low-PEEP-Gruppe gibt im ADS-Net,

Ingmar: in den ADS-Netzwerk-Tabellen zur PEEP-Tritration bei ADS-Patienten.

Johanna: Okay, und das auch in dieser Studie, also bei PEEP Lower, dass die Leute das vielleicht kapieren,

Johanna: dass eine Erhöhung des PEEPs nur zur Alveolarüberdehung, also das bringt dann

Johanna: gar nichts bei dieser Gruppe, wenn man da einen hohen PEEP wählt.

Ingmar: Ja, es gibt halt Patienten, wenn die einen zu hohen PEEP kriegen,

Ingmar: dann werden die respiratorisch nicht besser, sondern es wird alles schlechter.

Johanna: Genau. Okay.

Ingmar: Und ich dachte, damit habe ich

Ingmar: das Letzte abgeschlossen, dass ich gesagt habe, man weiß es halt nicht.

Ingmar: Es kann halt sein, dass du denkst, du hast die richtige Tabelle,

Ingmar: aber wenn es nicht wirkt, dann musst du es halt trotzdem anders machen.

Johanna: Ja.

Ingmar: Und dann musst du es weiter individualisieren. Und eine Tabelle ist der Beginn

Ingmar: der Individualisierung, aber nicht das Ende der Individualisierung.

Johanna: Und das ist sich bei diesem reduzierten PEEP manchmal, also dass die dann um

Johanna: zwei Zentimeter Wassersäule, ne?

Johanna: Also das hat mich ein bisschen...

Ingmar: Das ist gar nicht vieles.

Johanna: Das habe ich nicht gecheckt, weil das ist nämlich nicht von einem PEEP von 10

Johanna: auf 15, sondern da geht es manchmal ein bis zwei Zentimeter.

Johanna: Achso, und was weißt du noch ganz cool? Also was ist denn Ingmas Meinung eigentlich?

Johanna: Ingmar, was denkst du denn zu PEEP und Larynxmasken?

Johanna: Das ist vielleicht nur so ein Punkt.

Ingmar: Ich habe so eine Meinung. Ich glaube, dass das funktioniert.

Ingmar: Ich benutze PEEP bei Lahrungsmasken, wenn ich das Gefühl habe,

Ingmar: dass die Lahrungsmaske dicht ist.

Ingmar: Und das mache ich besonders gerne, wenn das Zweitgenerations-Lahrungsmasken

Ingmar: sind, bei denen ich den Magen entlasten kann.

Ingmar: Dann bin ich zuversichtlicher, dass sie richtig dicht sind. Aber dann spricht

Ingmar: für mich nichts dagegen, auch da PEEP anzuwenden.

Johanna: Okay, und was hältst du von keinem Pieperlangsmasken?

Ingmar: Ich bin halt tief im Herzen Intensivmediziner. Und je mehr Intensivmediziner, desto PEEP.

Ingmar: Und ich glaube, es gibt aus Prophylaxegründen keinen Grund, jemandem keinen PEEP zu geben.

Ingmar: Also warum sollte ich auf den PEEP verzichten?

Johanna: Ja, bei welchem Patienten könntest du dann auf den PEEP verzichten?

Ingmar: Bei gar keinem.

Johanna: Also...

Ingmar: Fällt dir ein Patient... Also hast du etwa eine andere Meinung?

Johanna: Natürlich habe ich eine andere Meinung, sonst würde ich doch die Frage nicht stellen, Ingmar.

Ingmar: Dann versuch doch mal, mich zu überzeugen.

Johanna: Also es gibt ja, unabhängig davon, dass es auch wieder Leitdien gibt von Esau und alles, gibt es...

Johanna: Ideen zu dieser ganzen Sache. Und zwar, also so wie du sagst,

Johanna: deswegen, du bist ja Intensivmediziner im Herzen,

Johanna: ist bei intensivmedizinischen Patienten, da benutzt man ja in der Regel keine

Johanna: Larynxmaske, aber auch wenn man so einen Patienten mal im OP hat mit einem schweren

Johanna: ADS oder die einfach schwer krank sind, ist ein PEEP völlig sinnvoll,

Johanna: sollte man dann auch benutzen.

Johanna: Und man sagt aber auch, dass bei stabilen Patienten ohne irgendwelchen schweren,

Johanna: Atemwegserkrankungen braucht man nicht zwingend einen PEEP.

Johanna: Da kann man dann auch darauf verzichten.

Johanna: Genau aus den Gründen, du sagtest ja selber, wichtiger Stichpunkt ist ja,

Johanna: dass die richtig sitzt, also Atemwegsleck und eben auch unzureichende Abdichtung

Johanna: der Larynxmaske möchte man ja irgendwie mal vermeiden.

Johanna: Und so ein anderer Punkt ist ja irgendwie Aspiration und Reflux.

Johanna: Da haben wir ja auch immer Angst vor.

Johanna: Und die Leitlinien der ESA, also European Society of Anesthesiology,

Johanna: sagt zum Beispiel auch ganz klar zur Larynxmaske und Beatmung,

Johanna: Patienten, die stabil sind und nicht ADS sind, wird PEEP nicht routinemäßig empfohlen.

Johanna: Insbesondere wird eine Anwendung von hohem PEEP bei der Larynxmaske vermieden,

Johanna: da dies eben zu Atemwegsleck, Reflux und so weiter führen kann.

Ingmar: Genau, hoher PEEP.

Johanna: Na, na, na, also von hohem PEEP bei der Larynxmaske.

Ingmar: Ja, hoher PEEP, da steht nicht jegliche Vorbereitung.

Johanna: Ja, ich möchte dir doch auch nur im Teil widersprechen. Moderater PEEP kann

Johanna: in spezifischen Fällen bei Patienten mit mittelschwerer Hypoxämie oder leichter

Johanna: ADS in Erwägung gezogen werden, um die Sauerstoffversorgung zu verbessern.

Johanna: Allerdings sind die Vorteile begrenzt und müssen mit den Risiken abgewogen werden.

Ingmar: Das ist fair.

Ingmar: Das bringt mich noch nicht dazu, meine Praxis zu ändern und individualisiert,

Ingmar: meine persönliche Hemmschwelle für Piepanwendungen weiter Serien in Richtung zu lassen.

Ingmar: Aber der Verweis auf die Guideline ist natürlich hart.

Johanna: Ja. Für jeden Intensivmediziner.

Ingmar: Für jeden Intensivmediziner. Ja. Cool. Finde ich gut. Das haben wir,

Ingmar: das haben wir, das haben wir. Das haben wir.

Ingmar: Jetzt machen wir Spezialanwendung von BEEP.

Ingmar: Weil wir absolute Spezialexperten für Neugeborene und Frühgeborene Beatmung sind. Not.

Ingmar: Halten wir das ganz kurz und sagen, das gibt es.

Ingmar: Bitte sprecht mit eurem Kindermediziner, wenn ihr es genau wissen wollt.

Ingmar: Aber der Mechanismus ist, Neugeborene, Frühgeborene vor allem können einen Suffekt

Ingmar: und Mangel haben und damit zu Kollapsneigung an der Lunge neigen und das kann man kontern,

Ingmar: indem man ein bisschen PEEP auf die Lunge gibt.

Ingmar: Das ist die Erstlinientherapie in der Neonatologie, um den alveolären Kollaps

Ingmar: zu verhindern, sagt Amboss.

Ingmar: Das macht über so Nasenprongs, über so eine Nasenmaske.

Ingmar: Damit kann man die Lunge versuchen, offen zu halten und Intubation vermeiden

Ingmar: und ein PEEP, der dabei üblicherweise verwendet werden soll,

Ingmar: gerüchteweise, ist 4-6 cm Wassersäule, 4 bis 6 Millibar.

Ingmar: Und natürlich sind das kleine Wesen und dann muss man noch vorsichtiger sein

Ingmar: mit dem Anwenden von großen Drücken.

Ingmar: Aber ich glaube, das ist selbstverständlich. Sonst platzen die Babys.

Johanna: Apropos platzen. Bei adipösen Patienten, das ist nochmal eine andere Gruppe,

Johanna: wo wir ganz besonders auf den PEEP achten müssten oder müssen.

Johanna: Da hilft es uns, nämlich Ateliktasen zu vermeiden und da sind eben höhere Piepwerte

Johanna: als bei normalgewichtigen Patienten notwendig, um die gleiche Oxygenierung zu erreichen.

Johanna: In der Intensivbeatmung eines adipösen Patienten ohne ADS wird oft moderater

Johanna: PEEP, da sagt man 8 bis 10 cm Wassersäule eingestellt und bei adipösen Patienten

Johanna: mit ADS gelten im Prinzip eben die gleichen Prinzipien,

Johanna: wie wir sie vorhin auch schon alle besprochen haben.

Johanna: Und da sind dann auch schon Werte, da scheuen viele Behandler eben nicht vor

Johanna: Werten, über 15 cm Wassersäule, sofern das irgendwie geht, sofern der Patient nicht zu stiff ist.

Ingmar: Ja.

Johanna: Und wichtig ist eben, und das haben wir ja auch schon gesagt,

Johanna: dass irgendwie die Hämodynamik eben auch eine große Rolle spielt,

Johanna: dass man da eine hämodynamische Überwachung braucht, da bei diesen adipösen

Johanna: Patienten der intraabdominelle Dug ohnehin erhöht ist und,

Johanna: PEEP den venösen Rückstrom stark beeinträchtigen kann.

Johanna: Und auch da hilft uns wieder in der Intensivmedizin der transpormonale Druck.

Ingmar: Es gibt noch eine Patientengruppe, die wir häufig auf der Intensivstation sehen,

Ingmar: aber die einen eben auch im OP ereilen können. Das sind die Traumapatienten.

Ingmar: Und Traumapatienten mal ganz weit gefasst, wenn wir ans Polytrauma denken mit

Ingmar: Thoraxverletzungen, mit Flail Chest, Rippenserienfraktoren, instabilem Thorax.

Ingmar: Da ist PEEP total cool, um so eine Art innere Schienung der Lunge und der Brustwand

Ingmar: irgendwie zu erreichen.

Ingmar: Sodass man keine paradoxe Atmung mehr hat.

Ingmar: Da hilft PEEP. Und es gibt Studien, die sagen, dass Patienten mit einem schweren,

Ingmar: ausgeprägten, instabilen Thorax unter ZIP, unter ZIP, unter C-PAP, also PEEP,

Ingmar: häufig ohne Intubation auskommen und bessere Ergebnisse erzeigen als bei früher

Ingmar: kontrollierter Beatmung.

Ingmar: Eine Herausforderung sind Polytraumapatienten in dem Moment,

Ingmar: wo sie außerdem Thorax-Trauma, Lungenkondition,

Ingmar: instabil im Thorax, außerdem noch ein Schädel-Hirn-Trauma haben,

Ingmar: was wir dann über die Hämodynamik-Komponente möglicherweise ICP-Anstiege erzeugen können.

Ingmar: Also weil wir mit einem hohen PEEP können über einen verminderten venösen Abfluss

Ingmar: auch zu einem ICP-Anstieg kommen.

Ingmar: Das hat dann wieder Schwierigkeiten, was Autoregulation und cerebrale Perfusion

Ingmar: angeht. Das wollen wir alles vermeiden.

Ingmar: Da ist die Faustregel Traumapatient mit Schädel-Hirn-Trauma so niedrig wie möglich.

Ingmar: Piepen und ausreichend analgesieren und sedieren um Hypoxin eher durch FeO2-Erhöhungen

Ingmar: kompensieren als durch einen exorbitant hohen PEEP, den ich ansonsten liebe.

Johanna: Die intraoperative Anwendung haben wir ja schon so ein bisschen besprochen.

Ingmar: Ja.

Johanna: Soll ich das nochmal sagen?

Ingmar: Nee, eigentlich nicht.

Ingmar: Ähm, jetzt habe ich vergessen, wo wir stehen geblieben.

Johanna: Risiken und Komplikationen von PEEP.

Ingmar: Nächstes Kapitel. Risiken und Komplikationen von PEEP. Wir haben es eigentlich

Ingmar: schon gesagt, die ganze Zeit reiten wir darauf rum.

Ingmar: Wir machen es aber nochmal strukturiert. Risiken und Komplikationen von PEEP.

Ingmar: Gibt es nämlich zu viel PEEP, also zu hoher PEEP. Macht Kreislaufdepression, haben wir schon.

Ingmar: Jetzt sind wir darauf rumgeritten.

Ingmar: Wir haben über Barotrauma gesprochen, ganz am Anfang, in der Einleitung schon.

Ingmar: Dass hohe Drücke Alveolen und Bronchiolen zerreißen können.

Ingmar: Dann kriegt man Luft ins Gewebe in der Lunge und das heißt Pneumothorax.

Ingmar: Oder Pneumomediastinum oder Emphysem und das ist doof.

Ingmar: Das verhindert man, indem man nicht so viel Druck auf die Lunge gibt.

Ingmar: Es gibt auch noch den Verwandten des Barotraumas, das Volotrauma.

Ingmar: Das Volotrauma, das entsteht durch zu hohen PEEP und damit übermäßiger Lungendehnung

Ingmar: in vor allem den gut belüfteten,

Ingmar: elastischen Arealen, die wir dann noch weiter aufpusten, bis es einfach auch

Ingmar: nicht mehr geht und wir in der Hyperinflation landen.

Ingmar: Das ist fast ein Wirtschaftsbegriff.

Ingmar: Dann muss man was an den Boden koppeln, die Währung. Du bist so viel zu jung für.

Ingmar: Verstehe ich nicht.

Johanna: Die meisten, die hier zuhören, wahrscheinlich auch nicht machen.

Ingmar: Ja, selbst ich bin dafür zu jung. in Wirklichkeit das ist vielleicht das Mysterium

Ingmar: von Johanna ist, so wie mein Mysterium wie alt wir eigentlich sind und Johanna

Ingmar: glaubt immer noch, dass sie jünger ist als ich ja.

Johanna: Genau was ich auch bin, liebe Hörer.

Ingmar: Wir waren beim Volotrauma, also am Ende macht das auch, begünstigt ein Volotrauma

Ingmar: das Barotrauma, also die sind verknüpft.

Ingmar: Jetzt kommen wir zum Gegenteil davon, von zu wenig PEEP, das macht ein Artellekt-Trauma.

Ingmar: Auch das hatten wir ganz am Anfang schon erwähnt, dass wir mit zu wenig PEEP

Ingmar: einen zyklischen Kollaps von Alveolen erzeugen können oder nicht verhindern können.

Ingmar: Und dann kollabieren die mit jedem Atemzug und das ist ein hoher mechanischer Stress.

Ingmar: Und setzt Entzündungsmediatoren frei und macht ARDS schlimmer und deswegen genug

Ingmar: PEEP geben, aber eben nicht zu viel.

Ingmar: Wenn wir den PEEP, jetzt sind wir wieder auf der zu hoch Seite,

Ingmar: das hätte ich schlauer sortieren können, habe ich aber nicht.

Ingmar: Wenn der PEEP zu hoch ist, haben wir auch mehr Totraum Ventilation.

Ingmar: Wir belüften zwar viele Alveolen, aber wir durchbluten sie auch nicht mehr gut.

Ingmar: Das ist dieses Westzone Westzone 1 Phänomen, wo der alveoläre Druck größer ist

Ingmar: als der kapilläre Druck.

Ingmar: Und damit haben wir eben größeren Totraumanteil und das effektiv nutzbare Atem Minutenvolumen sinkt.

Ingmar: Das ist so ein Effekt, den wir merken, wir drehen den PEEP hoch,

Ingmar: die Oxygenierung wird besser, aber die Dekarboxylierung wird schlechter.

Ingmar: Das finde ich immer einen spannenden Effekt. Wenn wir den PEEP so weit hochdrehen,

Ingmar: dass wir das Cardiac Output verringert haben über die Mechanismen,

Ingmar: die wir auch schon erklärt haben,

Ingmar: dann können wir auch die Organperfusion von Niere und Leber und so weiter schädigen oder stören.

Ingmar: Bis hin zur Darmischemie im Splanchicus-Gebiet gibt es da Tierversuche,

Ingmar: wo man das mal zeigen konnte.

Ingmar: Dafür muss man aber wirklich einen richtig hohen PEEP wählen,

Ingmar: bis man sich in die Darmischemie beatmet hat.

Ingmar: Über den erhöhten Hirndruck bei hohem PEEP haben wir schon gesprochen im Kapitel

Ingmar: über Traumapatienten und ICP-Anstiege.

Ingmar: Und das war's.

Johanna: Ein Punkt, den wir noch erwähnen können, ist auch Autopiep. Und zwar ist Autopiep

Johanna: meist eine Folge der Grunderkrankung COPD und Asthma.

Johanna: Aber hohe Atemfrequenzen und eine zu kurze Expiration unter PEEP können Airtrapping begünstigen.

Johanna: Und das haben wir ja vorher auch schon so angedeutet.

Johanna: Wenn Autopiep entsteht, addiert es sich zum eingestellten PEEP Und das Resultat

Johanna: sind dann wieder Komplikationen, wie sie Ingmar schon genannt hat,

Johanna: also Barotrauma, Blutdruckabfall und erschwerte Trägersituationen für den Patienten.

Johanna: Und deswegen, bei solchen Patienten kann man eben versuchen,

Johanna: die Atemfrequenz zu senken, die Expirationszeit verlängern oder eben auch den PEEP reduzieren.

Johanna: Daran muss man eben dann auch noch denken und auf eine ausreichende Expirationszeit achten.

Ingmar: Viele von den Risiken, die wir genannt haben, die treten bei zu hohem PEEP auf. Oder bei sehr im,

Ingmar: Das heißt, wenn ich hier ein Fazit drunter setzen würde,

Ingmar: dann würde ich sowas sagen wie, benutzt so viel PEEP wie nötig,

Ingmar: aber so wenig wie möglich, um eben zwischen Risiko und Nutzen idealerweise zu titrieren.

Ingmar: Zurückhaltend starten, den PEEP schrittweise steigern, während man Oxygenierung,

Ingmar: Drücke und Kreislauf überwacht.

Ingmar: Und dabei nicht vergessen, den Plateaudruck unter 30 cm Wassersäule, Millibar, zu halten.

Ingmar: Und dann sieht man frühzeitig, ob die Kombination aus PEEP und Volumen die Lunge

Ingmar: vielleicht überfordert.

Ingmar: Und das muss man auch re-evaluieren.

Ingmar: Und zwar nicht nur einmal pro Aufenthalt, sondern regelmäßig.

Ingmar: Und dann kann man auch so Sachen wie PEEP-Weaning machen, wenn die Oxygenierung

Ingmar: stabil ist und man das FeO2 oder den FeO2 reduzieren kann.

Ingmar: Ich will aber auch niemanden entmutigen, PEEP anzuwenden, weil ein guter PEEP

Ingmar: richtig wichtig ist. Um Mortalität, das ist schwer nachzuweisen,

Ingmar: aber um Lungenfunktionen zu verbessern.

Ingmar: Aber wir haben auch gezeigt oder verdeutlicht, dass es so viele Einflussfaktoren

Ingmar: gibt, die man damit beeinflussen kann, zum Guten oder zum Schlechten,

Ingmar: die man sich zunutze machen kann.

Ingmar: Nicht umsonst überwachen wir beatmende Patienten ja aufwendig mit EKG und Blutdruck,

Ingmar: vielleicht mit einem ZVD, wir monitoren Diurese, gerade wenn irgendwie höhere

Ingmar: Piepwerte im Spiel sein müssen, weil die Grunderkrankung das erfordert.

Ingmar: Und das bringt uns vielleicht dann in den Abschnitt Perspektive. Wie geht es weiter?

Ingmar: Was gehen für Sterne am Horizont auf, die Individualisierung vielleicht leichter macht?

Ingmar: Da haben wir auch ein paar Sachen zusammengetragen.

Johanna: Ja, es gibt so ein paar spannende Entwicklungen. Eine Idee wäre,

Johanna: PEEP noch personalisierter zu titrieren, quasi den richtigen PEEP für den richtigen

Johanna: Patienten zu finden. Das wäre das Optimalste.

Johanna: Nur wir wissen, dass nur rund 50 Prozent der ADS-Patienten wirklich von höheren

Johanna: PEEP-Leveln durch echte Lungenrekrutierung profitieren,

Johanna: während bei den anderen vorwiegend Überdruck ohne Zusatznutzen erzeugt wird.

Johanna: Und diese Erkenntnis treibt so ein bisschen die Suche nach dem richtigen PEEP-Respondern

Johanna: versus den Non-Respondern voran.

Johanna: Und eine Idee ist es jetzt, bereits früh Marker für die Rekrutierbarkeit der Lunge zu erheben.

Johanna: Sei es jetzt durch, wie wir schon vorhin gesagt haben, das CT,

Johanna: EIT oder durch Analyse der Druckvolumenkurven.

Johanna: Und so könnte man in der Zukunft Patienten also mit Fokalem von einem diffusen ADS unterscheiden.

Johanna: Die Hypothese sagt, also Fokales ADS ist zum Beispiel dann eine Dubere-Pneumonie.

Johanna: Diese Art der Pneumonie profitiert weniger von global hohem PEEP und eher von

Johanna: Lagewechsel, während so ein diffuses ADS piepempfindlicher ist.

Johanna: Bis solche Differenzierungen aber wirklich belastbar sind, empfiehlt man eigentlich

Johanna: einen individuellen Therapieversuch.

Johanna: PEEP erhöhen und beobachten, ob die Oxygenierung, Compliance und CO2-Elimination

Johanna: sich verbessern und ob zum Beispiel das Herz-Zeit-Volumen einbricht und dann

Johanna: entsprechend justieren.

Ingmar: Und das ist wiederum verknüpft mit anderen Technologien oder Entwicklungen aus den letzten Jahren.

Ingmar: Der KI-Boom spielt da mit rein, dass wir diese ganzen Kurven oder Daten,

Ingmar: die wir aufzeichnen, und wenn wir Subgruppen suchen,

Ingmar: finden wir die möglicherweise mit Automation oder AI.

Ingmar: Erstens in der Analyse und zweitens könnte man dann aus der Analyse über Closed-Loop-Beatmungsgeräte

Ingmar: dann Beatmungsmodi entwickeln, die Atemzugvolumen, Frequenz,

Ingmar: PEEP, Spitzendrücke.

Ingmar: FU2 machen.

Ingmar: Patienten spezifisch und lungenschonend anwenden. Es gibt auch Hersteller,

Ingmar: die damit jetzt schon werben, möglichst intelligente Modi dazu zu vertreiben.

Ingmar: EIT hast du auch gerade schon erwähnt, also weitere nichtinvasive Bildgebungsverfahren,

Ingmar: die uns helfen sollen, den PEEP an der Lunge an bestimmten Stellen individualisiert

Ingmar: oder die Effekte von PEEP und Beatmung innerhalb der Lunge zu messen.

Ingmar: Und dann Veränderungen visuell und sehr spezifisch nachvollziehen zu können.

Ingmar: Das hast du auch gerade mit Fokal und Diffus im ARDS auch schon erwähnt.

Ingmar: Da ist EIT, was zumindest auch bei uns in der Abteilung einen zunehmenden Stellenwert

Ingmar: irgendwie gewinnt, was uns forscherisch auch interessiert.

Ingmar: Und ganz viele Daten sind entstanden in der Covid-Pandemie, wo wir eben viele

Ingmar: Patienten hatten, wo es viele Bildgebungen gab und auch da Gattinoni haben wir

Ingmar: schon erwähnt mit dem High und Low Peep,

Ingmar: der eben auch gesagt hat, dass es ganz unterschiedliche Covid-Patienten gab

Ingmar: und auch das kann ich aus der klinischen Praxis irgendwie bestätigen, Dass es Patienten gab,

Ingmar: die von hoher Compliance geprägt waren und welche, die von niedriger Compliance geprägt waren,

Ingmar: obwohl sie beide die gleiche zugrunde liegende Grunderkrankung,

Ingmar: nämlich ein Covid-ARDS hatten.

Ingmar: Und das spielt in diese Individualisierungsdiskussion natürlich mit rein,

Ingmar: dass wir, obwohl wir klassisches ARDS gesehen haben,

Ingmar: die Patienten eigentlich ganz unterschiedlich beatmen mussten,

Ingmar: um ihre individuellen Bedürfnisse da zu befriedigen.

Ingmar: Also Individualisierung ist, glaube ich, das Stichwort nicht nur im Rest der

Ingmar: Medizin, sondern eben auch in der Beatmungsmedizin mit dem Stichwort PEEP.

Johanna: So ein weiteres Feld, wo man eben jetzt versucht, Klarheit zu schaffen,

Johanna: ist so ein bisschen die Weaning-Phase.

Johanna: Das ist ja vielleicht auch wieder was für die Intensivmedizin,

Johanna: weil hier spielt nämlich AutopEEP auch eine Rolle und KI-Modelle werden jetzt

Johanna: zunehmend entwickelt, um bessere Vorhersagen zu treffen. wann ein Patient wirklich

Johanna: extubationsbereit ist.

Ingmar: Das ist das, was wir uns so grob vorgenommen hatten, euch über PEEP zu erzählen.

Ingmar: Mit Blick auf die Uhr ist das auch etwas ganz Rundes geworden.

Ingmar: Ich würde das nochmal zusammenfassen. Das war aus dem Feedback ein Wunsch,

Ingmar: dass wir am Ende nochmal die harten Fakten auf den Tisch legen.

Johanna: Facts.

Ingmar: Hard Facts. Take-home-Message sind PEEP ist ein wichtiges Werkzeug,

Ingmar: was gut etabliert ist in der Beatmungsmedizin.

Ingmar: Es verbessert die Oxygenierung und schützt vom alveolären Kollaps.

Ingmar: Vorteile sind vielfältig, solange wir sie mit Bedacht einsetzen.

Ingmar: PEEP hält Alveolen offen.

Ingmar: Durch den positiven antexpiratorischen Druck wird ein Kollaps in den Lungenbläschen

Ingmar: verhindert und mehr Lungenvolumen für den Gasaustausch bereitgestellt.

Ingmar: Das verbessert insbesondere bei ARDS und anderen schweren Lungenversagen die

Ingmar: Oxygenierung und verringert damit den FeO2-Bedarf und schützt vor Sauerstofftoxizität.

Ingmar: Das war Punkt 1. Punkt 2.

Ingmar: Lungenschutz, Lungenprotektion durch PEEP. Ein angemessener PEEP ist nämlich

Ingmar: Teil der protektiven Beatmung.

Ingmar: Er verhindert Atelekttraumata, also durch das ständige Öffnen und Zusammenfallen

Ingmar: in stabile Alveolen und trägt so zur Reduktion von ventilatorinduzierten Lungenschäden Willi bei.

Ingmar: Gleichzeitig darf der PEEP aber nicht so hoch sein, dass er seinerseits Volutrauma

Ingmar: oder Barotrauma induziert, da ist Feingefühl gefragt.

Ingmar: Drittens, individuelle Einstellungen sind ganz wichtig. Es gibt nämlich keine

Ingmar: Einheitslösung für den richtigen PEEP.

Ingmar: Und es gibt ganz viele Faktoren, die den richtigen PEEP beeinflussen,

Ingmar: wie ARDS-Schweregrad, Verteilung von Lungenschäden, Body Mass Index,

Ingmar: Thorax Compliance und obstruktive Ventilationsstörungen.

Ingmar: Das alles beeinflusst die Piephöhe. Und die Leitlinien empfehlen,

Ingmar: den PEEP individuell zu titrieren und bei schwerem ARDS ein bisschen höhere Werte zu benutzen.

Ingmar: Nächster Punkt. PEEP- und Hämodynamik müssen in Gleichgewicht gehalten werden.

Ingmar: Jeder Piepschritt sollte mit Blick auf den Kreislauf erfolgen.

Ingmar: Und ein Anstieg des intrathorakalen Druckes kann Vorlast und Herzzeitvolumen reduzieren.

Ingmar: Und das sieht man am Blutdruck, an der Herzfrequenz, an der Hautperfusion,

Ingmar: an der Diurese und am Ende an der Dermperfusion.

Ingmar: Umgekehrt kann bei einem instabilen Kreislauf ein vorübergehendes PEEP-Reduzieren

Ingmar: sinnvoll sein, um Zeit für die Kreislaufstabilisierung zu gewinnen.

Ingmar: Wir müssen unsere Beatmungsdrücke überwachen.

Ingmar: Plateau und Driving Pressure gehören damit dazu.

Ingmar: Und da ist die Faustregel, das PEEP plus Atemzugvolumen muss so eingestellt

Ingmar: sein, dass der Plateaudruck unter 30 mbar bleibt.

Ingmar: Und dadurch hält man eben auch, dass der Lenker zurück die Wahrscheinlichkeit

Ingmar: für Barotraumata gering und man soll darauf achten, dass der Driving Pressure,

Ingmar: das ist der Plateaudruck Minus-PEEP.

Ingmar: Nicht größer ist als 15 cm Wassersäule,

Ingmar: weil das mit einem niedrigeren Mortalitätsrisiko verbunden ist.

Ingmar: Der PEEP sollte schrittweise angepasst und re-evaluiert werden,

Ingmar: niedrig starten, langsam steigern und ein initial niedriger PEEP,

Ingmar: der langsam gesteigert wird, ist sicherer als umgekehrt.

Ingmar: Den optimalen PEEP, der kann sich auch verändern im Krankheitsverlauf.

Ingmar: Manchmal braucht man früh einen hohen PEEP und später ein bisschen weniger,

Ingmar: manchmal aber auch anders.

Ingmar: Deswegen muss man den PEEP täglich hinterfragen oder häufig hinterfragen und

Ingmar: ein PEEP-Weaning versuchen, sobald es möglich ist.

Ingmar: Es gibt besondere Situationen, die pieprelevant sind, zum Beispiel COP-Disten

Ingmar: mit einer Neigung zum Autopiep.

Ingmar: Es gibt Adipositas-Patienten, die großzügiger gepiept werden sollen und Schädel-Hirn-Trauma-Patienten,

Ingmar: bei denen man auch nochmal auf den PEEP besonders gucken muss in Bezug auf Hirnperfusion

Ingmar: und intrakraniellen Druck.

Ingmar: Thorax-Trauma-Patienten mit der internen Schienung von paradoxen Atemmustern.

Ingmar: Zukunftsausblick ist das Stichwort EIT und KI-basierte Beatmungssysteme oder

Ingmar: Beatmungsmodi, die man auch zur PEEP-Optimierung verwenden kann.

Ingmar: Das aber noch nicht flächendeckend immer und überall verfügbar.

Ingmar: Am Ende muss man über PEEP, glaube ich, einfach sprechen. jeden Tag am Patientenbett,

Ingmar: am Beatmungsgerät oder während der Narkose.

Ingmar: Man muss sich überlegen, was ist das für eine Zahl, denn PEEP ist und das ist

Ingmar: die prosaische Ausleitung eben mehr als nur eine Zahl am Beatmungsgerät.

Ingmar: Das ist ein Konzept, das ganz tief in der Physiologie verwurzelt ist und man

Ingmar: es mit Bedacht einsetzen muss.

Ingmar: Richtig dosiert kann PEEP Leben retten, falsch angewendet kann es schaden und

Ingmar: deswegen sollte PEEP eben angewendet werden,

Ingmar: möglichst evidenzbasiert und patientenzentriert und wir haben versucht,

Ingmar: euch in dem Podcast da was an die Hand zu geben mit einem PEEP-Exkurs.

Ingmar: Vielen Dank fürs Zuhören, bleibt neugierig und haltet die Lungen offen.

Ingmar: Oh Gott, das ist cheesy.

Johanna: Keep it PEEP.

Ingmar: Keep it PEEP. Und dann verabschieden wir uns jetzt in den musikalischen Ausklang,

Ingmar: der das auch nochmal zusammenfasst.

Ingmar: Wir finden es sehr gelungen. Geht in den Kopf.

Ingmar: Keep it peep. Tschüss.

Johanna: Tschüss.

Ingmar: Pre-Load my Dip.

Johanna: Ey, weißt du, was noch interessant ist? Eine Sache nur.

Ingmar: Was denn?

Johanna: Diese Art-Studie. Haben wir die erwähnt?

Ingmar: Nee. Was war nochmal Art-Studie?

Johanna: Das war dieses, wo die die Leute rekrutiert haben.

Ingmar: Und zwar hart rekrutiert.

Johanna: Genau. Und diese Diskussion führen wir ja immer.

Johanna: Rekrutieren, ja oder nein? Weil

Johanna: dann besserer PEEP, dann hast du eine kurzfristig bessere Oxygenierung.

Johanna: Und die sagen, das ist Bullshit, dass man halt eher darauf verzichten sollte

Johanna: und dann lieber den PEEP trittrieren.

Johanna: Weil das ist ja irgendwie, weißt du, das ist noch so eine Sache,

Johanna: das dachte ich mir irgendwie auch, also wenn ich das jetzt so höre,

Johanna: wie mache ich, also klar, es gibt Saffergus und so, aber ist es besser einen

Johanna: schnellen Hohenpiep oder soll ich kleine Schritte machen? Keine Ahnung.

Ingmar: Aber die Art Studie sagt kleine Schritte.

Johanna: Genau, zum Beispiel.

Ingmar: Also die Art Studie hat sich angeguckt, krass aggressives Beatmungsmuster,

Ingmar: nämlich harte Rekrutierung mit P platt auf 40 für 40 Sekunden,

Ingmar: dabei ein PEEP von 24 und dann das Ganze verglichen mit einer Pieptitration

Ingmar: auf ein optimales Compliance-Niveau und dann sind die in der hart rekrutierten

Ingmar: Studie eine höhere Sterblichkeit.

Johanna: Genau, und das ist doch irgendwie cool. Sag das noch. Achso,

Johanna: jetzt in dieser Sekunde?

Ingmar: Ja.

Johanna: Weil das fand ich ziemlich beeindruckend.

Ingmar: Bonustreck danke johanna dann gehen wir jetzt endlich noch ein schoko ding und ich glaube,

Ingmar: heute gehe ich früher nach hause als sonst sonst.

Johanna: Immer so lange hier.

Ingmar: Wenn man mit den anderen jungs aufnimmt dann dauert immer ewig.

Johanna: Weil die so viel labern.

Ingmar: Aber hallo.

Über diesen Podcast

Der Podcast aus der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen. Wir berichten über Aktuelles aus Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin. Manchmal sprechen wir auch einfach über Dinge, die uns interessieren.
"Young Urban Anesthesiologists", kurz "YUAN" referenziert das Weiterbildungsformat der Abteilung, auch wenn wir weder besonders jung noch urban sind.

CME-Fortbildungspunkte für das Hören des Podcasts können über unsere Homepage beantragt werden.

von und mit Ingmar Finkenzeller (Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen)

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