Young Urban Anesthesiologists

Young Urban Anesthesiologists

Der Podcast der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen

Transkript

Zurück zur Episode

Ingmar: Hallo und herzlich willkommen zu unserer Sommerferien-Folge.

Ingmar: Bevor wir richtig durchstarten, haben wir noch ein paar organisatorische Hinweise für euch.

Ingmar: Erstens, der Peep-Song ist jetzt überall verfügbar auf Spotify,

Ingmar: Apple Music und allen anderen Streaming-Plattformen.

Ingmar: Viel Spaß beim Reinhören und mitgrölen.

Ingmar: Zweitens, der Aufnahmezeitpunkt dieser Episode.

Ingmar: Wir haben die Episode Mitte 2025 aufgezeichnet. Und wie ihr wisst,

Ingmar: befindet sich das Gesundheitswesen und die dazugehörige Politik momentan in

Ingmar: einem ständigen Wandel.

Ingmar: Unser Podcast spiegelt die Situation zu genau diesem Zeitpunkt wider und dient

Ingmar: als kurze Einführung in die Krankenhausfinanzierung, speziell für medizinisches Personal.

Ingmar: Also lebt euch zurück, genießt den Sommer und viel Vergnügen mit der Folge.

Ingmar: Hallo und herzlich willkommen zur nächsten Folge des Podcasts Young Urban Anästhesiologists

Ingmar: aus der Göttinger Anästhesie Podcast Manufaktur.

Ingmar: Heute beschäftigen wir uns mit einem Thema, was auf den ersten Blick vielleicht

Ingmar: nicht so klinisch relevant wie die anderen Folgen sind und manche würden vielleicht

Ingmar: auch sagen, nicht so glamourös ist, wie Operationstechniken oder Atemwegsmanagement,

Ingmar: aber am Ende mindestens genauso wichtig für den Krankenhausbetrieb,

Ingmar: nämlich die wirtschaftliche Seite der Anästhesie.

Ingmar: Und wir alle kennen das. Ein Patient kommt zur Operation, bekommt eine Narkose

Ingmar: und wird danach wieder wach.

Ingmar: Das ist der Plan. Aber was passiert eigentlich wirtschaftlich hinter den Kulissen?

Ingmar: Wie rechnet man eine Narkoseleistung ab? Wie wird das abgerechnet und welche

Ingmar: Kosten entstehen und wie werden die gedeckt?

Ingmar: Und vor allem, wie trägt so eine Anästhesie zur wirtschaftlichen Stabilität

Ingmar: von einem Krankenhaus bei?

Ingmar: Ich würde es noch ganz lapidar formulieren, oder die Frage, die ich oder wir

Ingmar: uns gestellt haben, ist, wie wird aus Oma Ernas, generischer Oma-Name,

Ingmar: Krankenversicherungsbeitrag am Ende Ingmas Gehalt?

Ingmar: Und um diese Frage zu beantworten, habe ich heute einen Gast.

Ingmar: Dalila Illhardt ist die Leiterin des Medizinkontrollings an der Universitätsmedizin in Göttingen.

Ingmar: Und sie hat tagtäglich mit solchen Fragen zu tun und kennt diese Abläufe deswegen

Ingmar: sehr genau. Herzlich willkommen im Podcast, Anila.

Dalila: Dankeschön.

Ingmar: Schön, dass du da bist.

Dalila: Danke für die Einladung.

Ingmar: Na klar.

Dalila: Ich freue mich über das Interesse.

Ingmar: Bevor wir jetzt in die Details einsteigen, wollte ich noch kurz erklären,

Ingmar: warum ich das Thema wichtig finde.

Ingmar: Weil wir immer öfter hören, dass Krankenhäuser unter einem großen wirtschaftlichen Druck stehen.

Ingmar: Und man hört auch, dass Krankenhäuser schließen müssen, weil sie nicht rentabel sind.

Ingmar: Und so muss jede Abteilung irgendwie ihren Beitrag leisten.

Ingmar: Und dazu zählt eben auch die Anästhesie. Manchmal hat man so das Gefühl,

Ingmar: dass die Anästhesie immer als Kostenfaktor gesehen wird in einem Krankenhaus.

Ingmar: Aber in der Realität hoffe ich, dass es komplexer und die Antwort nicht so einfach ist.

Ingmar: Vielleicht, oder wir hatten besprochen, dass wir heute auch erfahren,

Ingmar: wie Krankenhausfinanzierung im Allgemeinen mit dem DRG-System funktioniert und

Ingmar: wie man da eine Balance zwischen guter Patientenversorgung und wirtschaftlicher

Ingmar: Nachhaltigkeit vielleicht finden kann. Das ist das große Ziel.

Ingmar: In der Planung und im Vorgespräch hatten wir gesagt, dass wir das Ganze an einem

Ingmar: Fall aufhängen wollen, das ein bisschen plastischer ist.

Ingmar: Und dieser Fall, den würde ich als nächstes beschreiben.

Ingmar: Es geht dabei um eine 85-jährige Patientin, diese generische Oma.

Ingmar: Sie mag Erna, Bertha, Hildegard, Hedwig, Elfriede, Margarete,

Ingmar: Martha, wie auch immer heißen, so wie alte Omas ebenso sind.

Ingmar: Die ist in der Seniorenresidenz gestürzt und wird in die Notaufnahme von einem

Ingmar: Krankenhaus, unseres Krankenhauses eingeliefert und hat Schmerzen in der rechten

Ingmar: Leiste und hat ein verkürztes außen rotiertes Bein.

Ingmar: Und das können sich alle schon vorstellen, was daraus wird, nämlich eine mediale

Ingmar: Schenkelhalsfraktur. Die muss operiert werden.

Ingmar: An Begleiterkrankungen hat sie auch noch was, zum Beispiel einen arteriellen

Ingmar: Hypertonus, der ist medikamentös eingestellt.

Ingmar: Ich habe mir überlegt, dass sie noch einen Diabetes haben könnte,

Ingmar: einen Typ 2 Diabetes, vielleicht eine Herzinsuffizienz und vielleicht noch eine Osteoporose.

Dalila: Und vielleicht noch ein paar Erkrankungen, die wir im Aufenthalt zufällig finden.

Ingmar: Das könnte ja sein, dass wir da noch was finden. In der Notaufnahme wird ein

Ingmar: Röntgenbild gemacht. Es zeigt sich die mediale Schenkelhalsfraktur,

Ingmar: Oberschenkelhalsfraktur.

Ingmar: Und im EKG habe ich noch ein Vorflimmern gefunden in der Notaufnahme.

Ingmar: Und ja, dann wird sie operiert. Vielen Dank.

Ingmar: Irgendwann macht eine Narkose. Irgendwann macht eine normale Vollnarkose.

Ingmar: Eine Intubationsnarkose.

Ingmar: Nichts Besonderes. Und danach wacht die Patientin auch wieder auf,

Ingmar: hat aber ein bisschen Blut verloren und ist Tachykat und Hypoton.

Ingmar: Und ich denke, es ist gut, sie auf der Intensivstation eine Nacht zu überwachen.

Ingmar: Und deswegen schicke ich sie aus der OP auf die Intensivstation.

Ingmar: Und dann verliere ich sie aus den Augen, Weil da wird sie dann irgendwann wieder wegverlegt.

Ingmar: Und an diesem Fall, der vielleicht sehr klischeehaft ist.

Dalila: Aber auch jeden Tag vorkommt.

Ingmar: Dachte ich, könnten wir mal besprechen, wie aus der Krankenversicherung eigentlich

Ingmar: am Ende die Finanzierung für diesen Fall entsteht. Und damit unser aller Gehalt.

Dalila: Ja, sehr gerne.

Dalila: Wissen tatsächlich nicht, wie aus Krankenversicherungsbeiträgen Vergütung wird.

Dalila: Vielen ist auch tatsächlich nicht klar, dass die Krankenversicherungen,

Dalila: die gesetzlichen, gar kein eigenes

Dalila: Geld haben, sondern einfach subsidiäre Einrichtungen des Staates sind.

Dalila: Und subsidiäre Einrichtungen sind Einrichtungen, die Aufgaben übernehmen,

Dalila: die der Staat eigentlich selber übernehmen müsste, aber nicht möchte,

Dalila: weil es zu aufwendig ist oder er kann es vielleicht auch nicht,

Dalila: weil er das Know-how nicht hat. Das heißt, er gibt es dann ab.

Dalila: Und so ist es jetzt so, dass die Krankenversicherungen und die Menschen,

Dalila: die da arbeiten, natürlich auch finanziert werden und ein Gehalt bekommen und so weiter.

Dalila: Aber das Geld, das durch die Krankenversicherung durchläuft,

Dalila: es darf eben nur verwendet werden für Leistungen, die in einem Leistungskatalog festgelegt sind.

Dalila: Und es gibt ein BSG-Urteil, das zusätzlich zum Leistungskatalog eben festgelegt hat.

Dalila: Das BSG ist das Bundessozialgericht, das ist das oberste Gericht für solche

Dalila: Angelegenheiten in Deutschland.

Dalila: Und das Urteil sagt, die Versicherten dürfen nur verlangen, was wirtschaftlich ist.

Dalila: Die Leistungserbringer dürfen nur erbringen, was wirtschaftlich ist.

Dalila: Und die Krankenversicherungen dürfen nur vergüten, was wirtschaftlich ist.

Dalila: Das heißt, wenn jemand hierher kommt und sagt, ich habe keinen Hausarzt,

Dalila: weil das ist mir zu umständlich mit Terminen, ich gehe mal in die Notaufnahme

Dalila: und wenn ich Kopfschmerzen habe und da ein MRT verlange,

Dalila: dann kriege ich das da auch, dann darf die Krankenversicherung das am Ende nicht

Dalila: bezahlen, selbst wenn wir das erbracht hätten.

Dalila: Genau, also es gibt Regeln, die gelten für alle, den Patienten und Patientinnen

Dalila: ist das oft nicht so bekannt, weil die Besonderheit im deutschen Gesundheitswesen

Dalila: ist, du bezahlst deine Krankenversicherungsbeiträge ab.

Dalila: So ein bisschen unbemerkt. Das wird von deinem Gehalt abgebucht.

Dalila: Du kriegst das gar nicht so mit.

Dalila: Und dann hast du mit deiner Krankenversicherungskarte so eine Art Flat Rate.

Dalila: Und egal wie krank du bist, ob du ein Polytrauma bist, ob du wochenlang auf

Dalila: einer Intensivstation liegst, du bezahlst deine 10 Euro Tagespauschale für einen

Dalila: gewissen Zeitraum, sind so circa vier Wochen.

Dalila: Und mehr musst du nicht bezahlen.

Ingmar: Egal was passiert. Also egal, ob du jetzt eine Herztransplantation kriegst oder

Ingmar: einen eingewachsenen Zehennagel hast, das ist alles abgedeckt von dieser Krankenversicherung.

Dalila: Ganz genau.

Ingmar: Von dem All-Inclusive-Kärtchen, was man hat.

Ingmar: Da fand ich mal ganz interessant, dass der Großteil der Kosten,

Ingmar: die ich als Versicherter erzeuge, in meinem letzten Lebensjahr wahrscheinlich entstehen.

Dalila: Im ersten und im letzten.

Ingmar: Genau, und dazwischen zahle ich viel ein, hoffentlich. Und ja,

Ingmar: das fand ich noch so eine interessante Größe,

Ingmar: dass es sich so finanziert auch, dass man hofft, dass möglichst wenig Leute

Ingmar: möglichst wenig Leistungen abfordern, dass man dann wiederum wenigen Leuten

Ingmar: extreme Leistungen anbieten kann.

Dalila: Genau, also in dem Alter, in dem wir beide jetzt sind, auch wenn wir vielleicht

Dalila: nicht exakt gleich alt sind, aber so ungefähr ungefähr.

Dalila: Vielleicht nicht unbedingt chronisch erkrankt sind. Wir sind hier voll erwerbstätig.

Dalila: Wir gelten in der Krankenversicherung als gute Risiken.

Dalila: Du wahrscheinlich noch mehr als ich, weil ich könnte ja noch schwanger werden

Dalila: und mit Kindern der GKV in Anführungsstrichen zur Last fallen.

Dalila: Das könnte bei dir natürlich auch passieren, aber du kriegst die Kinder nicht,

Dalila: deswegen hast du auch keine Schwangerschaft und keine Komplikationen und sowas.

Dalila: Genau, also es gibt in der GKV gute und schlechte Risiken und die guten Risiken,

Dalila: die will man natürlich gerne haben.

Dalila: Genau, und es ist so, man hat diese Flatrate zum Beispiel in Zeiten zu Covid zum Beispiel,

Dalila: da hatten wir in Deutschland auch, Du musstest dir als Patient darüber keine

Dalila: Gedanken machen, ob du das bezahlen kannst, wenn du jetzt ein ADS kriegst oder

Dalila: irgendwas durch die Infektion.

Dalila: Diesen Gedanken mussten wir uns nicht machen. In anderen Ländern war das anders.

Dalila: Da konnten sich nur die Menschen, die sehr reich waren, überhaupt diese Behandlung leisten.

Dalila: Also es ist schon auch, finde ich, ein Privileg.

Dalila: Man wird hier in diese Gesellschaft reingeboren und hat zufälligerweise diesen

Dalila: super guten Krankenversicherungsschutz, auch wenn es natürlich viele Dinge gibt,

Dalila: über die man diskutieren kann.

Dalila: Wenn du, ein Beispiel von Oma Enna dir das anguckst, du kommst hier ins Krankenhaus,

Dalila: hast eine Fraktur, wirst versorgt und egal was danach passiert, es ist alles abgedeckt.

Dalila: Und man nennt es Dreiecksbeziehung in der Krankenversicherung,

Dalila: weil die Beiträge werden eingezogen vom Versicherten an die Krankenkasse und

Dalila: im Leistungsfall stellen wir eine Rechnung an die Krankenversicherung.

Dalila: Wir stellen aber keine Rechnung an die eigentlichen LeistungsempfängerInnen,

Dalila: also an die Patienten und PatientInnen, weil die nicht der Rechnungsempfänger

Dalila: oder die RechnungsempfängerInnen sind. Und das ist ein bisschen komplex.

Dalila: Deswegen verlieren manchmal auch Leute aus den Augen, dass es überhaupt diese

Dalila: Rechnung gibt und diese Kosten.

Dalila: Weil man kriegt es ja gar nicht mit. Wenn man ein Auto hat, bringt es in die

Dalila: Inspektion und bezahlt nur 10 Euro Pauschale dafür.

Dalila: Dann weiß man auch nicht, was sind da eigentlich für Kosten angefallen.

Dalila: Und vielen Leistungserbringern und Erbringerinnen, damit meine ich jetzt das

Dalila: medizinische, pflegerische, therapeutische Personal,

Dalila: denen ist das auch nicht bewusst, dass diese Gelder nicht unendlich sind,

Dalila: sondern wir haben eine duale Finanzierung.

Dalila: Das heißt Fixkosten für die Versorgung, die kommen von den Krankenversicherungen

Dalila: und Investitionskosten, zum Beispiel für Bau oder Großgeräte,

Dalila: die kommen von den Ländern und es gibt einen Investitionsstau.

Dalila: Die Länder kommen der Vergütung nicht nach dieser Investitionskosten in dem

Dalila: Umfang, in dem sie es müssten, weil ihnen das Geld fehlt.

Dalila: Und deswegen haben irgendwann, als das DRG-System eingeführt wurde,

Dalila: viele angefangen, die Krankenhäuser so quer zu finanzieren aus den DRG-Erlösen.

Dalila: Also DRGs, Diagnosis Related Groups, das kann ich auch gleich nochmal kurz erklären.

Dalila: Und das ist natürlich fatal, weil die DRGs sind genau kalkuliert.

Dalila: Also die Erlöse sind gleich die Kosten.

Dalila: Das heißt, wenn ich….

Ingmar: Das ist eigentlich kein Raum für Investitionen, sondern man soll einfach nur

Ingmar: das abdecken, was man im Laufe der Behandlung an laufenden Kosten ausgegeben hat.

Ingmar: Aber da steckt eben nicht drin, dass ich mir irgendwann mal einen neuen MRT-Scanner

Ingmar: kaufen muss, weil was abgenutzt ist, weil der Magnet abgenutzt ist. Genau, richtig.

Dalila: So ist die Finanzierung nicht gedacht. Es ist eben trotzdem möglich.

Dalila: Warum, kann ich gleich nochmal erklären. Das hat aber natürlich auch negative Folgen.

Dalila: Was so für Menschen, die diesen Podcast wahrscheinlich hören, wichtig ist.

Dalila: Manchmal denkt man ja, die Versicherungen, die wollen nicht bezahlen,

Dalila: die sind geizig, was soll das?

Dalila: Es ist aber nun mal so, man kann jeden Euro nur einmal ausgeben.

Dalila: Also das ist grundsätzlich so.

Dalila: Weiß man selber, wenn man nur 10 Euro hat, also wenn ich mich so erinnere,

Dalila: Taschengeld als Kind, dann musste ich mir genau überlegen, was kaufe ich mir für 5 Mark.

Dalila: Also ich bin schon so alt, ich hatte noch die Marke als Taschengeld.

Dalila: Und wenn das weg war, war das weg. Und so ist es ja hier auch.

Dalila: Das heißt, wenn wir Dinge oder die Krankenversicherung Dinge finanziert,

Dalila: die nicht nötig oder nicht wirtschaftlich sind, Beispiel kosmetische Operationen.

Dalila: Also da wird ja oft darum gestritten, was zum Beispiel Brustoperationen nach

Dalila: Brustkrebs, das ist vielleicht noch unstreitig, aber wenn ich jetzt psychisch leide unter irgendwas,

Dalila: ist die Krankenversicherung dann leistungspflichtig oder nicht,

Dalila: mir meine Nasen-OP zu bezahlen, ist schon graue Zone.

Dalila: Weil irgendwann kommt man an den Punkt, dass man sagen muss,

Dalila: wenn wir jetzt diese Operationen bezahlen, dann können wir vielleicht irgendwann

Dalila: die Nierentransplantation nicht mehr bezahlen. Und so ist es in England zum Beispiel.

Ingmar: Weil einfach im System nicht das Geld da ist, um dafür die Kosten zu decken.

Dalila: Genau, und die arbeiten halt nach sogenannten Qualis. Das heißt,

Dalila: jeder Mensch hat quasi so eine Art Wert.

Dalila: Und wenn du 60 bist, dann kannst du die Nierentransplantation nicht mehr rausarbeiten für die Gesellschaft.

Dalila: So gehen die vor. So haben die sich halt entschieden, das zu entscheiden, wer was bekommt.

Dalila: In Deutschland haben wir sowas nicht. Das heißt, auch wenn man 105 ist,

Dalila: hat man, wenn man noch fit ist, gute Chancen, noch eine neue Hüfte zu bekommen.

Dalila: Genau. Und das führt natürlich dazu, dass es sehr streng sein muss mit dem, was man ausgibt.

Dalila: Und die Krankenversicherungen haben jetzt schon Probleme.

Dalila: Ich habe letztens gelesen, da hat ein Vorstand von der großen deutschen Krankenversicherung

Dalila: gesagt, dass am vierten des Monats alle Krankenversicherungsbeiträge,

Dalila: die ja am Anfang des Monats eingehen, schon ausgegeben sind bei denen.

Dalila: Und das finde ich schon sehr früh, fand ich besonders erregend.

Ingmar: Da ist noch viel Monat übrig.

Dalila: Ja, genau. Und wenig Geld. Ja, also deswegen, wenn sich jemand mal ärgert,

Dalila: weil ein Kostenübernahmeantrag abgelehnt wurde,

Dalila: dann muss man sich immer so vor Augen halten, die Krankenversicherungen machen

Dalila: das nicht, weil sie selbst sich bereichern wollen.

Dalila: Die haben gar kein eigenes Geld in dem Sinne. Die verwalten das für die Versicherten.

Dalila: Und wenn sie etwas ablehnen, dann hat das was damit zu tun.

Dalila: Natürlich sind manche Ablehnungen unsinnig. Muss man gar nicht darüber diskutieren.

Dalila: Aber das ist keine Schikane. Die sind angehalten, auch das so zu machen.

Dalila: Die haben auch Aufsichtsbehörden, die sie überprüfen.

Dalila: Und auch schauen, ob die damit sorgsam umgehen. Das kommt uns am Ende allen zugute.

Ingmar: Jetzt habe ich eine Verständnisfrage. Du hast gerade gesagt, am 4.

Ingmar: Des Monats haben die Krankenversicherer eigentlich ihr Geld schon aufgebraucht.

Ingmar: Wie finanzieren sie dann die restlichen Kosten?

Ingmar: 26, 27 Tage, sind das Rücklagen oder sind das andere Wege, die ich nicht kenne?

Dalila: Ja, also ich kenne leider keine internen Zahlen von Krankenversicherungen.

Dalila: Die hatten bis vor kurzem viele Rücklagen in auch sehr großen Höhe,

Dalila: wo Herr Lauterbach, unser ehemaliger Gesundheitsminister, dann auch gesagt hat,

Dalila: das braucht ihr nicht, das ist zu viel.

Dalila: Weil alles, was ihr da bunkert, fehlt ja woanders.

Dalila: Aber ich habe gerade eben gelesen, dass die Krankenkassen jetzt auch aus einem

Dalila: Sondervermögen, was ja nichts anderes als Steuergelder am Ende sind,

Dalila: auch an einer Finanzspritze bekommen, in einer sehr großen Höhe.

Dalila: Und ansonsten werden die mit

Dalila: Sicherheit auch sich irgendwo Geld leihen können, gehe ich mal von aus.

Ingmar: Dann ist es so ein bisschen wie bei den Renten, in Anführungsstrichen,

Ingmar: dass auch von der jüngeren Generation quasi die Rentner direkt finanziert werden,

Ingmar: ohne dass es da irgendwie einen Fonds oder sowas im Hintergrund gibt.

Ingmar: Und alles, was nicht reicht, um die Rente direkt zu bezahlen,

Ingmar: wird dann vom Staat zugeschossen.

Dalila: Es wird jetzt einmal so gemacht. Das ist natürlich nicht tragfähig auf Dauer.

Dalila: Wahrscheinlich wird es darauf hinauslaufen,

Dalila: dass demnächst die Krankenversicherungsbeiträge erhöht werden.

Dalila: Genau, aber ich bin keine Spezialistin für Krankenkassenfinanzierung,

Dalila: für Krankenhausfinanzierung schon, aber ich wollte einmal die Systematik in den Raum stellen.

Dalila: Man muss sich halt schon fragen, ich frage mich das, brauchen wir überhaupt

Dalila: so viele Krankenversicherungen? Weil die haben alle denselben Leistungskatalog

Dalila: und haben alle Vorstände, das kostet alles Geld.

Dalila: Es gibt Untersuchungen von Gesundheitsökonomien, die sagen, das würde also einen

Dalila: Tropfen auf einen heißen Stein machen im Gesundheitswesen, wenn wir nur noch

Dalila: eine Krankenversicherung hätten.

Dalila: Aber ja, am Ende, es müssen Krankenhäuser schließen und aus Kostengründen.

Dalila: Und dann frage ich mich schon, kann man nicht die Zahl der Krankenversicherungen auch reduzieren?

Ingmar: Ja, so sehr unterscheiden die sich, zumindest auf der gesetzlichen Seite, ja nicht.

Dalila: Genau, die einen finanzieren Homöopathie, die anderen nicht.

Dalila: Wo ich sagen muss, nicht evidenzbasierte Maßnahmen zu finanzieren,

Dalila: finde ich, geht gar nicht.

Dalila: Wenn das BSG doch sagt, es darf nur finanziert werden, was wirtschaftlich ist.

Ingmar: Ja.

Dalila: Aber auch da weiß ich nicht, wie groß die Summe ist, die da im Jahr für ausgegeben wird.

Ingmar: Und dann unterscheiden sie sich in den Zusatzbeiträgen. Genau. Okay.

Ingmar: Damit haben wir besprochen, was die Rolle der Krankenversicherung ist.

Dalila: Also wo das Geld herkommt, also von den Versicherten.

Ingmar: Also die Oma Erna hat ihr ganzes Leben lang treu Krankenversicherung abgeführt

Ingmar: und jetzt muss sie davon was beziehen.

Ingmar: Oder das Krankenhaus wird jetzt irgendwann eine Rechnung stellen an die Krankenversicherung.

Ingmar: Und jetzt würde ich gerne von dir wissen, wie diese Rechnung zustande kommt.

Dalila: Ja, das erkläre ich dir gerne. Also es ist so, dass man jetzt unterscheiden

Dalila: muss zwischen stationärer und ambulanter Leistungserbringung.

Dalila: Es gibt auch noch andere Formen, teilstationär und so, tagesstationär.

Dalila: Darüber sprechen wir jetzt aber gar nicht, weil das ist viel zu komplex.

Dalila: Oma Erna ist natürlich in Deutschland mit ihrer Schenkelhalsfraktur stationär.

Dalila: Das ist nicht überall auf der Welt so, das sollte uns auch klar sein.

Dalila: Also in den USA, wo die Versicherten viel selbst bezahlen müssen,

Dalila: also zum Beispiel wenn sie gar

Dalila: nicht versichert sind oder für den Leistungsbereich nicht versichert sind,

Dalila: da machen wir zum Beispiel Tavis oder was heißt wir, in den USA werden Tavis

Dalila: und Gallenblasen, Entfernungen und sowas ambulant gemacht.

Dalila: Wir haben ein gutes ambulantes Betreuungsnetz, also dann für zu Hause und dann

Dalila: kann man das auch machen. Also das geht medizinisch.

Dalila: Aber bei uns ist die Versorgung hier stationär und dann rechnen wir nach DRGs

Dalila: ab, also Diagnosis Related Groups.

Dalila: Das ist ein Fallpauschalensystem, was versucht, ungefähr gleiche Sachverhalte gleich zu vergüten.

Dalila: Das heißt, hier geht es nicht um eine Einzelpostenabrechnung oder um eine Tagesweiseabrechnung.

Dalila: Die Verweildauer hat einen Einfluss auf die Höhe der Vergütung zu bestimmten Zeitpunkten.

Dalila: Das ist bei jeder DRG anders.

Dalila: Aber grundsätzlich wird eben hier versucht, Leistungen, die ungefähr dieselben

Dalila: Kosten haben, in einer DRG abzubilden.

Ingmar: Sozusagen eine Musterrechnung.

Dalila: Ja, es ist noch keine Rechnung, weil DRG ist nur ein Bestandteil von einer Krankenhausrechnung.

Dalila: Also man könnte vielleicht sagen, wenn du,

Dalila: Im Supermarkt bist und einkaufst, dann wird nicht mehr jedes Teil gescannt, sondern es wird gesagt,

Dalila: Ingmar hat 15 Prozent Backwaren gekauft und Backwaren sind in der Fallpauschale B für Backwaren.

Dalila: Und die Backwaren, die Ingmar eingepackt hat, die haben ein Gewicht,

Dalila: ein Relativgewicht. Das gibt es nämlich wirklich bei den DRGs.

Dalila: Und das ist 900 Gramm, also 0,9

Dalila: Relativgewicht und das wird dann mit einem Basisfallwert multipliziert.

Dalila: Dann würde man dir nicht mehr jedes Brötchen einzeln in Rechnung stellen,

Dalila: sondern würde nach so einer Systematik vorgehen.

Ingmar: Und ob ich dann 900 Gramm Schokokroissants oder 900 Gramm einfache Weizenbrötchen

Ingmar: kaufe, ist dann eben der Fallunterschied.

Ingmar: Und die Krankenversicherung hat aber aus den retrospektiven Daten so eine grobe Vorstellung,

Ingmar: wie alte weiße Männer im Supermarkt Backwaren kaufen und bezahlen dann den Durchschnittspreis.

Dalila: Also ich kann jetzt nicht ganz zustimmen, weil ich dich nicht als alten Mann

Dalila: kategorisieren würde, aber ja, so in der Sache kann man das so sehen.

Dalila: Wenn jetzt die Weizenbrötchen den selben Preis hätten wie das Schokokroissant,

Dalila: dann könnte man die auch in eine Gruppe packen.

Dalila: Da müsste man die Trennung nicht machen.

Dalila: Genau, wenn die aber sehr unterschiedlich sind in den Kosten,

Dalila: dann würde man die trennen. Dann würde man sagen, das eine ist B1 und das andere ist B2.

Dalila: Dann haben die auch unterschiedliche Relativgewichte. Dann hätten die Schokokroissants

Dalila: vielleicht 0,9 und die Weizenbrötchen 0,5.

Ingmar: Okay, das ist dann die einfache Schenkelhalsfraktur und die komplizierte Schenkelhalsfraktur,

Ingmar: die eine andere, eine totale Endoprothese oder eine Hemi-Endoprothese,

Ingmar: die dann unterschiedlich abgerechnet werden?

Dalila: Ja, das kann man da so leider nicht sagen.

Dalila: Ich kann aber gleich mal zur Oma Erna hier zur Simulation übergehen.

Ingmar: Ich finde den Vergleich total. Also diesen Supermarkt-Backwaren-Vergleich,

Ingmar: den verstehe ich. Ich versuche den jetzt weiterzutragen und zurückzuübertragen auf diesen Fall.

Dalila: Also wenn du jetzt dir einen Einkaufswagen vorstellst, in dem ganz viele Sachen

Dalila: drin sind, dann könnte man sagen,

Dalila: du hast heute nur Backwaren gekauft und zwar nur Schokokroissants und dann gehst du an die Kasse,

Dalila: kannst du sogar per Self-Checkout machen, weil es so easy ist, nur eine Sache.

Dalila: Und dann hast du 0,9 Relativgewichte multipliziert mit dem sogenannten Landesbasisfallwert.

Dalila: Das sind in Niedersachsen momentan roundabout 4.390 Euro.

Dalila: Also nicht ganz, aber der Einfahrt halber.

Dalila: Und wenn du das jetzt vergleichst mit der Schenkelhalsfraktur,

Dalila: dann wäre es tatsächlich so, gestürzte Patientin, sie hat in Anführungszeichen

Dalila: nur diese Schenkelhalsfraktur.

Dalila: Wir machen eine OP.

Dalila: Sie braucht auch vielleicht gar keine Prothese, sondern wir kriegen das so hin

Dalila: mit Nagel und was unsere guten Unfallchirurgen noch alles so im Petto haben.

Dalila: Und dann kann sie wieder nach Hause. Sie hat keine Nebenerkrankungen,

Dalila: sie bekommt keine Komplikationen und so weiter.

Dalila: Und wenn wir jetzt aber das nochmal mit dem Einkauf vergleichen,

Dalila: dein Einkaufskorb ist ganz voll.

Dalila: Also du hast Getränke gekauft und was in der Kühltheke und hast Backwaren.

Dalila: Dann ist das vergleichbar mit Oma Erna hat ihre Schenkelhalsfraktur.

Dalila: Sie hat dann eine Prothese bekommen.

Dalila: Dann hast du sie auf die Intensivstation aufgenommen, weil sie im Aufwachraum

Dalila: Hypoton war und Harikat.

Dalila: Und dann ist euch irgendwie aufgefallen, irgendwie ist das nicht in Ordnung.

Dalila: Sie hat Vorflimmern und das ist alles nicht diagnostiziert.

Dalila: Und außerdem hat sie geschwollene Lymphknoten. Dann lasst ihr im Rahmen des

Dalila: Intensivaufenthalts ein CT machen.

Dalila: Dann stellt ihr fest, dass sie ein Lymphom hat. Und dann hat sie einen prolongierten

Dalila: Verlauf auf der Intensivstation, weshalb sie klassischerweise ein Delir bekommt

Dalila: und dann aufsteht und stürzt.

Dalila: Und dann geht die Prothese, die bricht aus und dann braucht sie einen Wechsel.

Dalila: So und dann hast du ganz, ganz viele verschiedene einzelne Bausteine.

Dalila: Du hast auch noch eine Pneumonie, dann wird sie noch septisch.

Ingmar: Das ist ein richtig voller Supermarkt-Einkaufsware.

Dalila: Genau, der ist richtig, richtig voll.

Ingmar: Dabei wollte ich nur Schokokonsons kaufen.

Dalila: Genau.

Ingmar: Aber ich bin hungrig einkaufen gegangen und habe deswegen alles andere auch noch gekauft.

Dalila: Genau, wie man so schön auch das sagt, bei solchen Patienten,

Dalila: der hat einfach alles mitgenommen.

Dalila: Ist Flatrate, das kostet nichts. Also ich denke nicht, dass das die Intention

Dalila: von Oma Erna war, aber solche Fälle passieren, gerade eben bei älteren Patienten ist es halt so.

Dalila: Und jetzt soll man dafür einen guten Preis finden.

Dalila: Und wenn man das über Einzelpostenabrechnung oder über den Aufwand machen würde,

Dalila: wäre das einfach total schwierig.

Dalila: Früher hat man das über tageweise Abrechnung gemacht.

Dalila: Da hast du, egal ob der Patient, die Patientin, Schenkelhalsfraktur,

Dalila: Infarkt, Nasenbluten, was man früher alles so stationär aufgenommen hat, ganz egal.

Dalila: Dafür hast du immer dieselbe Vergütung pro Tag bekommen. Unterschieden haben

Dalila: sich diese Fälle in der Rechnung nur in der Anzahl der Verweildauertage.

Dalila: Es hat dazu geführt, dass Patienten

Dalila: mit einem Myokardinfarkt einfach vier Wochen im Krankenhaus waren.

Ingmar: Weil es sich gelohnt hat, sie ganz lange zu machen.

Dalila: Also es gab keinen Anreiz, sie zu entlassen. Also ich will niemandem unterstellen,

Dalila: dass man deswegen diese Patienten da behalten hat.

Dalila: Früher war auch die Medizin anders. Da ist man davon ausgegangen,

Dalila: dass es wichtig ist, dass die Patienten sie schonen.

Dalila: Die haben sehr lange Bettruhe gehabt, ich glaube so zwei Wochen ungefähr.

Dalila: Und das war einfach auch eine andere Zeit. Und irgendwann hat man dann gewusst,

Dalila: okay, die brauchen das gar nicht, aber man hat sie trotzdem nicht entlassen,

Dalila: weil es gab keinen Anreiz.

Dalila: Und das ist bei allen Vergütungssystemen so, dass du kein Vergütungssystem finden

Dalila: wirst, das keine Fehlanreize hat.

Dalila: Und dass man auch mit Fehlanreizen steuert, das ist auch, glaube ich,

Dalila: menschlich und normal. Da gibt es auch eine Untersuchung aus Harvard,

Dalila: die ist schon ziemlich alt, ich glaube aus den 50ern.

Dalila: Ja, deswegen gibt es auch Kontrollorgane, die unsere Rechnung überprüfen.

Ingmar: Also das war der erste Fall oder der historische Blick auf den Fall,

Ingmar: dass man keinen Anreiz hatte, den Patienten zu entlassen, weil jeder Tag vergütet wurde.

Ingmar: Und dann gab es doch irgendwann den Schwenk mit dem DRG-System,

Ingmar: um als Antwort darauf, was dazu geführt hat,

Ingmar: dass man eine Fallpauschale vergütet bekam, egal wie lange der Patient oder

Ingmar: die Patientin behandelt wurde, was wieder den anderen Anreiz geschaffen hat.

Ingmar: Den Patienten oder die Patientin in Anführungsstrichen so schnell wie möglich wieder loszuwerden.

Ingmar: Und das war dann auch zu extrem. Und ich glaube, jetzt sind wir in der dritten Generation geworden.

Ingmar: Oder bestimmt gibt es noch unzählige Zwischenvarianten und Anpassungen.

Dalila: Jetzt sind wir in einer komischen Generation, weil wir jetzt bald auch noch

Dalila: Leistungsgruppen bekommen. Das ist aber nochmal ein ganz anderes Thema.

Ingmar: Das ist die Folge, also die Zukunftsepisode. Da machen wir nochmal ein Update,

Ingmar: wenn die wirklich da sind.

Dalila: Ganz genau. Aber es ist so, dass INEC, das ist das Institut,

Dalila: das die DRGs kalkuliert, das hat genau eben auch über diese Anreize nachgedacht.

Dalila: Und er hat gesagt, okay, damit die Patienten nicht blutig entlassen werden,

Dalila: um die zu schützen, bauen wir eine untere Grenzverwaltung ein.

Dalila: Und wenn die nicht eingehalten wird, dann bekommt das Krankenhaus einen Abschlag,

Dalila: eine Strafe, die abgezogen wird.

Dalila: Die ist ziemlich hoch, also oft fast die Hälfte von der DRG.

Dalila: Ist besonders bitter übrigens bei Patienten und Patientinnen,

Dalila: die in einen Schockraum kommen.

Dalila: Superschwer krank, wo du fünf, sechs Stunden richtig, richtig Aufwand hast mit

Dalila: 20 Personen und dann versterben die.

Dalila: Du kannst ja nichts dafür in dem Sinne, aber trotzdem kommst du selten dann

Dalila: über 1000 Euro hinaus für so einen Fall.

Dalila: Es ist aber ein Sonderfall und das kommt jetzt auch nicht ständig und ganz oft

Dalila: vor. Deswegen kann man das vielleicht in der Kalkulation im gesamten deutschen

Dalila: DRG-System vernachlässigen.

Dalila: Aber grundsätzlich gibt es diese untere Grenzverwaltdauer.

Dalila: Die Krankenkassen haben irgendwann

Dalila: angefangen, Rechnungsprüfungen beim medizinischen Dienst zu initiieren.

Dalila: Das ist eben das Organ, das uns auch prüft, unsere Rechnung prüft und hat gesagt,

Dalila: musste das wirklich sein, dass der Patient, die Patientin drei,

Dalila: vier Tage im Krankenhaus ist? War die wirklich so krank?

Dalila: Und dann hat der MD angefangen zu sagen, nein, wir finden dafür keine medizinische Begründung.

Dalila: Und dann wurde dieses Instrument, der unteren Grenzverweildauer,

Dalila: das als Patientenschutz gedacht war, umgekehrt in ein Sparinstrument für die Krankenkassen.

Dalila: Also es gibt kein System ohne Fehlanreize. Selbst ein Fehlanreizverhinderungssystem hat Fehlanreize.

Dalila: Und so gibt es auch eine obere Grenzverweildauer und es gibt noch eine mittlere

Dalila: Grenzverweildauer, die aber im Alltag nur relevant ist, wenn man Patienten verlegt.

Dalila: Zum Beispiel von der Intensivstation auf eine andere Intensivstation,

Dalila: weil man ein Bett braucht für einen schwer krankeren Patienten.

Dalila: Ansonsten ist die mittlere Verweildauer einfach der Kalkulationspunkt der DRG.

Dalila: Man sagt, das ist der Zeitpunkt, wo eben die meisten Kosten entstanden sind.

Dalila: Das heißt, wenn man schneller ist als diese mittlere Grenzverweildauer,

Dalila: dann spart man in der Regel auch Geld, bekommt aber trotzdem die komplette DRG.

Ingmar: Genau, also man muss Also zwischen der unteren Grenzverweildauer und der mittleren

Ingmar: Grenzverweildauer ist aus einer kaufmännischen Perspektive der beste Zeitpunkt,

Ingmar: einen Patienten zu verlegen.

Dalila: Also der beste Zeitpunkt ist nach Erreichen der unteren Grenzverweildauer?

Ingmar: Ja.

Dalila: Und nicht ihn zu verlegen, sondern ihn zu entlassen. Weil wenn du ihn dann verlegst

Dalila: in diesem Zeitraum bis zur mittleren

Dalila: Fahrwelldauer, dann bekommst du Abschläge. Das wird auch bestraft.

Dalila: Also nur die Entlassung oder das Versterben, also wie auch immer.

Dalila: Also das wir aber ja nicht initiieren, ist ja klar.

Dalila: Aber genau das ist eigentlich der ideale Punkt. Wir haben vollen DRG-Erlös, aber keine Kosten mehr.

Dalila: Und das funktioniert aber nur, wenn man super organisiert ist,

Dalila: weil man eine sehr gute Patientensteuerung hat.

Dalila: In der Intensivmedizin, ich kann es schlecht schätzen, aber ich würde sagen,

Dalila: in der Akut-Intensivmedizin, damit meine ich jetzt nicht, elektive Patienten,

Dalila: die eine Nacht überwacht werden, das ist ja eher IMC,

Dalila: also ARDS-Patienten, Sepsis und so weiter, Trauma-Patienten.

Dalila: Also ich glaube, niemand steuert das, weil das ist unvorhersehbar,

Dalila: was passiert mit diesem Patienten.

Dalila: Wir wissen das auch, so oft Komplikationen.

Ingmar: Also ich persönlich, ich kenne diese Verweildauern auch vielleicht in einer

Ingmar: Handvoll von Diagnosen,

Ingmar: aber ich habe mich noch nie dabei beobachtet, wo ich überlege,

Ingmar: okay, wo stehen wir eigentlich gerade in unserer Verweildauer und wo müssten

Ingmar: wir stehen und was macht das irgendwie DRG-mäßig.

Ingmar: Das ist in meiner Denke irgendwie gar nicht drin.

Ingmar: Vielleicht ist das ein Problem. Ich habe es bisher noch nicht als Problem wahrgenommen.

Ingmar: Aber bevor hier der Eindruck entsteht, dass wir hier Therapien in Richtung Verweildauern

Ingmar: optimieren, das glaube ich ist nicht die Realität.

Dalila: Nee, genau, das machen wir auch nicht. Das ist auch immer ganz wichtig im Medizinkontrolling

Dalila: für uns, dass das für alle klar ist, dass wir diesbezüglich keine Vorgaben machen.

Dalila: Also wir beraten, indem wir sagen, wenn ihr die Patienten mit der Gallenblasenentfernung,

Dalila: wenn ihr die einen Tag vor der eigentlichen OP aufnehmt,

Dalila: Und wir erreichen dann die untere Grenzverwaltdauer und die Patientin geht nach

Dalila: Hause, dann wird der medizinische Dienst diesen Tag wahrscheinlich streichen.

Dalila: Also überlegt euch, ob ihr die nicht am OP-Tag aufnimmt, dann geht die am nächsten

Dalila: Tag nach Hause, dann habt ihr einfach einen Tag Kosten gespart.

Dalila: Solche Steuerungen machen wir schon oder empfehlen wir und das muss man auch,

Dalila: weil du kannst sonst einfach nicht auskömmlich arbeiten.

Dalila: Genau, weil es gibt auch Strafzahlungen auf diese MD-Verluste.

Dalila: Also wenn du eine Rechnung stellst, die korrigiert werden muss,

Dalila: dann musst du 400 Euro Strafe bezahlen jedes Mal.

Ingmar: Jetzt haben wir den medizinischen Dienst schon angesprochen.

Ingmar: Und du sagst, das ist das Kontrollinstrument der Krankenkassen.

Ingmar: Wem ist der unterstellt?

Ingmar: Die sind ja nicht von der Krankenkasse beauftragt, oder?

Dalila: Doch.

Ingmar: Oder wem reporten die? Wer bezahlt den MD?

Dalila: Also die Krankenkassen bezahlen den MD immer noch. Also meines Wissens wurde das nicht geändert.

Dalila: Früher waren die MDen in den Bundesländern und der MD-Bund, das gibt es auch noch.

Dalila: Es gibt dann immer MD Niedersachsen, MD Rheinland-Pfalz und so weiter und dann

Dalila: gibt es noch einen MD-Bund.

Dalila: Früher waren die quasi, waren das eigenständige Organe, würde ich das mal nennen.

Dalila: Die Rechtsform weiß ich jetzt gar nicht genau. Die wurden von den Kassen bezahlt.

Dalila: Und es wurde aber immer gesagt, die Gutachter und GutachterInnen sind unabhängig

Dalila: in ihrer ärztlichen Ausführung, Meinung, wie auch immer.

Dalila: Wir haben aber auch gesehen, also ich habe früher in einem anderen Krankenhaus

Dalila: gearbeitet, wo ich auch Vorortprüfungen gemacht habe, zusammen mit den Gutachtern.

Dalila: Also ich war quasi das Gegenüber der Gutachter.

Dalila: Und da war schon auch oft so der Fall, dass die SOPs rausgeholt haben und haben

Dalila: gesagt, nee, ich muss das jetzt so, ich verstehe das, dass sie das so gemacht

Dalila: haben, aber ich muss das jetzt hier anders entscheiden, weil wir haben dafür eine Vorgabe.

Dalila: Also ich hatte dann nicht immer den Eindruck, dass die wirklich unabhängig sind.

Dalila: Und die sind jetzt unterstellt, weil man dann auch gesagt hat,

Dalila: das ist merkwürdig, also komisch.

Dalila: Du wirst von dem Auftraggeber bezahlt, bist aber angeblich unabhängig.

Dalila: Und jetzt sind die der Bundesbehörde unterstellt, dem BMG.

Dalila: Und ich habe dann noch nicht so viele Änderungen gespürt, außer natürlich,

Dalila: dass da mehr Abstimmung passiert.

Dalila: Auch es gibt ja ganz viele Prüfungen, unsere Strukturen werden geprüft.

Dalila: Also ob wir überhaupt bestimmte Leistungen erbringen dürfen,

Dalila: bevor wir irgendeine DRG-Rechnung schreiben

Dalila: dürfen, zum Beispiel für die intensivmedizinische Komplexbehandlung.

Dalila: Da müssen wir alle eure Approbationsurkunden, alle eure Facharzturkunden und so weiter vorlegen.

Dalila: Dass ihr hier angestellt seid, müssen wir nachweisen und so weiter.

Dalila: Wann ihr Dienstgerät. gemacht habt, ist es sehr, sehr aufwendig und das habe

Dalila: ich den Eindruck, läuft jetzt ein bisschen besser, weil der MD jetzt auch reguliert ist.

Dalila: Also da ist jetzt, man merkt schon, dass da jetzt jemand oben drüber ist,

Dalila: der abwägt die Interessen der Krankenhäuser und des MD, aber trotzdem ist es

Dalila: immer noch viel zu bürokratisch.

Ingmar: Okay.

Ingmar: Haben wir damit grundsätzliche Krankenhausfinanzierung?

Dalila: Ja, ich würde sagen. Dreiecksbeziehung ist als Besonderheit.

Dalila: Dann eben die duale Finanzierung, Investitionskosten durch die Länder,

Dalila: Betriebskosten durch die Krankenkassen.

Dalila: Also über die Versichertenbeiträge. Genau.

Dalila: Ja, das ist glaube ich so das Grundsätzliche.

Ingmar: Dann lass uns doch nochmal zurück zum Fall.

Dalila: Ja.

Ingmar: Von der Oma mit der Schenkelhalsfraktur.

Ingmar: Machen wir es doch mal konkret. Die ist operiert worden, hat eine Endoprothese

Ingmar: gekriegt und du hast den Fall simuliert.

Dalila: Genau, ich habe den Fall simuliert. Das kann zum Glück außer immer keiner sehen. Das ist so wild hier.

Dalila: Wie das aussieht.

Ingmar: Fall simulieren bedeutet, du hast die Diagnosen, die aus der ärztlichen Dokumentation

Ingmar: hervorgehen, in bestimmte Codes umgewandelt.

Ingmar: Also am Ende ist das eine Proberechnung.

Ingmar: Ja, es ist so.

Dalila: Es wird ein sogenanntes Grouping durchgeführt und das Grouping beruht auf Codierung.

Dalila: Das hat nichts mit Softwareprogrammierung oder so zu tun, sondern Codierung

Dalila: heißt einfach, ich gebe Diagnosen, die wir in der Akte finden oder Tätigkeiten,

Dalila: die vorgenommen wurden, Codes, ICD- und OPS-Codes, genau.

Dalila: Und Operationenprozedurenschlüssel heißen die, genau.

Dalila: Und es ist so, dass diese ganzen Dinge in ein Krupa reingegeben werden. Das ist eine Software.

Dalila: Man kann es auch händisch machen mit einem sehr, sehr, sehr umfangreichen Definitionshandbuch.

Dalila: Das ist sehr komplex. Die Definitionshandbuch ist die Bibel,

Dalila: die Grundlage des Krupas, der DRGs.

Ingmar: Ich hatte das mal in der Hand. Das ist am Ende ein riesiges Flowchart,

Ingmar: wo man sich einmal durchhangelt und sagt, okay,

Ingmar: das ist jetzt eine Extremitätenfraktur, untere Extremität, dann geht es weiter,

Ingmar: okay, Oberschenkelknochen, dann zu den Frakturen und dann gibt es am Ende,

Ingmar: kommt man bei einer Diagnose raus.

Dalila: Genau, da wird immer noch gefragt, unter 18, über 18. Es gibt auch andere Trenner

Dalila: beim Alter, zum Beispiel bei den Neonaten.

Dalila: Genau, da wird immer Ja, Nein gefragt und dann musst du dich da durchhangeln.

Ingmar: Und dieses Flowchart weiter.

Dalila: Genau. Und es gibt Tabellen noch dazu auch.

Ingmar: Und das erzeugt am Ende die Hauptdiagnose.

Dalila: Nein, das erzeugt die DRG.

Ingmar: Die DRG.

Dalila: Weil die Hauptdiagnose ist Bestandteil auch. Du musst eine Hauptdiagnose haben,

Dalila: um überhaupt eine DRG erstellen zu können.

Dalila: Die musst du schon wissen. Genau und das Alter zum Beispiel in der Geriatrie

Dalila: oder bei den Neonaten oder auch sonst bei Kindern ist eben wichtig,

Dalila: aber auch das Gewicht zum Beispiel bei den Kindern ist auch groupingrelevant,

Dalila: die Verweildauer und wir haben jetzt hier, also ich habe jetzt bei.

Ingmar: Unserer… Und dann laufe ich durch das Codierhandbuch durch und kriege am Ende

Ingmar: ein ICD-Code Schenkelhalsfraktur.

Dalila: Nein, nein, nein, nein.

Ingmar: Was ist der Unterschied zwischen Die Hauptdiagnose?

Ingmar: Kannst du mir nochmal den Unterschied zwischen Diagnose und DRG erklären?

Dalila: Ja.

Dalila: Die Diagnose ist ein Bestandteil der DRG.

Ingmar: Okay, dann versuche ich es dir mal zu erklären. Also, in unserem Fall entsteht,

Ingmar: die DRG ist die Überschrift,

Ingmar: kriege ich es umgebaut in die Supermarktallegorie, Die DRG ist der Supermarkt, in dem ich einkaufe.

Ingmar: Da kann ich zum Fleischer gehen oder ich kann zum Bäcker gehen oder ins Kleidergeschäft.

Ingmar: Das sind dann die unterschiedlichen DRGs. Nee, es passt nicht.

Dalila: Nee, weil wir ja alles Mögliche einkaufen.

Ingmar: Wir gehen in den Supermarkt.

Dalila: Du kriegst am Ende einen Preis für deinen kompletten Korb.

Dalila: Und die Bäckertheke ist zum Beispiel die Hauptdiagnose.

Ingmar: Weil ich hauptsächlich Backwaren gekauft habe.

Dalila: Ja, genau. Und da geht es dann, von dort geht es dann los. Und dann guckt man,

Dalila: was hast du noch gekauft?

Dalila: Und es kann passieren, wenn du dann, weil du grillen willst,

Dalila: beim Fleischer völlig ausgeflippt bist und fünf Kilo Fleisch gekauft hast.

Ingmar: Du hast gesagt, wir grillen heute Abend, du musst ein Baguette kaufen.

Dalila: Ja.

Ingmar: Und dann gehe ich in den Supermarkt und kaufe ein Baguette, aber ich kaufe noch ganz viel Grillgut.

Ingmar: Dann ist das am Ende der Kassenzettel, die DRG und da steht sowohl,

Ingmar: weil meine Frau gesagt hat,

Ingmar: also Baguette kaufen, ist die Hauptdiagnose, aber ich habe trotzdem mehr Geld

Ingmar: für Steaks ausgegeben oder für Grillkäse.

Dalila: Genau, und dann kommt es eben drauf an, ob das vergütet wird oder nicht.

Ingmar: Und das Grouping ist das Zusammenstellen der einzelnen Codierungen für den Aufwand,

Ingmar: den ich hatte beim Einkaufen.

Ingmar: Kann man das so sagen?

Dalila: Genau. Man kann es so sagen oder vergleichen auch, wenn ihr überlegt,

Dalila: ob die Beatmung, so wie ihr sie eingestellt habt, noch okay ist.

Dalila: Dann habt ihr Parameter an der Maschine, ihr habt BGA-Ergebnisse.

Dalila: Und ihr habt noch so ganz grundsätzlich den Patienten oder die Patientin und

Dalila: dann würdet ihr ja nie anhand eines Parameters quasi entscheiden,

Dalila: wie ihr jetzt weitermacht, sondern ihr seht das in der Gesamtschau.

Dalila: Und so ist das, das ist auch so eine Art Grouping, nur auf eine andere Art und Weise.

Dalila: Und so trefft ihr dann eure Entscheidungen. Und für uns trifft der Grupper die

Dalila: Entscheidung, bei welcher DRG wir rauskommen.

Ingmar: Und der Grupper ist eine Software, die das Codierhandbuch auswendig kann.

Dalila: Genau, der Grupper ist was ganz Spezielles. Das sehen wir auch nicht im Vordergrund,

Dalila: im Frontend, sondern der Grupper ist auch zertifiziert.

Dalila: Nicht jeder darf einfach einen Grupper bauen. Der muss vom INEC,

Dalila: von dem Institut, das die DRGs kalkudiert, zertifiziert werden.

Dalila: Und dann wird der eingebaut in sogenannte Codiersoftware. Genau.

Dalila: Und also man kann dem jetzt nicht beim Arbeiten zugucken oder so,

Dalila: sondern der läuft eben im Hintergrund.

Ingmar: Dem sage ich dann, ich habe folgende Hauptdiagnose und habe außerdem im Einkaufskorb noch Tofu.

Ingmar: Und dann sagt er, okay, dann berechnen wir jetzt den Gesamtpreis.

Dalila: Genau. Und wenn du dich jetzt fragst, was hat denn Tofu für ein Kot?

Dalila: Weil der Grupper mag keinen Freitext. Freitext will der nicht.

Dalila: Dann guckst du im ICD-10 nach für das Jahr 2025, weil jedes Jahr ändern sich auch Codes.

Dalila: Nicht alle zum Glück, aber doch einige.

Dalila: Und wir haben hier S72.04 und zwar links.

Dalila: Seitenlokalisation ist wichtig bei Frakturen.

Dalila: Manchmal sind die auch beidseitig. Das kann auch zu einer schwere Graderhöhung

Dalila: führen. Das haben wir hier in dem Fall auch kodiert.

Dalila: Hier war es auch einfach die Hauptdiagnose festzulegen. Manchmal ist das ganz schön schwer.

Dalila: Wenn zum Beispiel jemand ein Polytrauma ist, zu einem Polytrauma geworden ist

Dalila: und das alles Mögliche kaputt und manchmal ist es auch medizinisch gleichrangig kaputt.

Ingmar: Also wenn der einen instabilen Thorax hat und ein gebrochenes Becken,

Ingmar: sind das beides wunderbare Diagnosen.

Dalila: Genau, oder im Kopf, hat eine Blutung. Genau, das ist ganz schwierig dann.

Dalila: Meistens sind die Patienten so schwer krank, dass es egal ist am Ende,

Dalila: weil die Intensivkomplexbehandlung zum Beispiel und die ganzen Prozeduren das

Dalila: sowieso übersteuern, so nennen wir das.

Dalila: Aber häufig ist es eben nicht egal. Es gibt zum Beispiel einen Klassiker,

Dalila: der heißt COPD und Pneumonie.

Dalila: Wenn die Patienten ins Krankenhaus kommen, haben die häufig beides.

Dalila: Was ist jetzt die Hauptdiagnose?

Dalila: Exercibierte COPD oder Pneumonie? Du behandelst beides. Man sagt immer,

Dalila: da wo mehr Aufwand ist, das nimmt man.

Dalila: Aber es ist nicht immer so klar. Also Hauptdiagnose ist auch was,

Dalila: wo sich Kodierfachkräfte, das ist die Berufsgruppe, die die Dokumentation in

Dalila: Codes umwandelt, sich auch so mit am schwersten tut eigentlich.

Dalila: Weil das häufig ganz schwer ist, gerade in der Unimedizin auch.

Ingmar: Okay.

Dalila: Genau.

Ingmar: Ich glaube, dann habe ich es jetzt. Ich beginne es zu begreifen.

Ingmar: Es ist gut, dass wir das machen.

Dalila: Ja, sehr gut. So, zum Beispiel bei euren Patienten. Die haben eine,

Dalila: sagen wir mal, die haben eine Influencer.

Ingmar: Mhm.

Dalila: Und dann kriegen die eine Pneumonie.

Ingmar: Mhm.

Dalila: Und dann kriegen die noch ein ADS.

Ingmar: Was nehmen wir denn da jetzt? Ja.

Dalila: So. Wenn die zu euch verlegt werden mit dem ADS, dann ist es einfach.

Dalila: Weil die kommen zu uns wegen dem ADS.

Dalila: Aber wenn die sich bei uns so entwickeln, dann wird es schon schwieriger.

Dalila: Da muss man sagen, ja, eigentlich ist der zu uns ins Krankenhaus gekommen, wegen der Influencer.

Dalila: Weil es ihm so schlecht ging.

Ingmar: Ja.

Dalila: Genau.

Ingmar: Also gibt es da einen gewissen Interpretationsspielraum?

Dalila: Ja, es gibt auch...

Ingmar: Entscheidet das der Grupper?

Dalila: Nee, nein, nein, nein.

Ingmar: Das entscheidet die Kodierfachkraft?

Dalila: Das entscheidet die Kodierfachkraft. Eigentlich ist der Arzt verantwortlich

Dalila: dafür, aber bei uns sind diese Tätigkeiten eben auch andelegiert.

Dalila: Aber im Streitfall oder wenn man wirklich nicht weiter weiß,

Dalila: dann spricht man zuerst mit unserer Codier-Expertin.

Dalila: Wir haben auch ein Kompetenzteam Codierung für solche Codierfragen eingerichtet.

Dalila: Manchmal gibt es auch schon Urteile dazu oder es gibt auch einen Schlichtungsausschussbund,

Dalila: der sich zu solchen Fragen zum Beispiel...

Dalila: COPD und Pneumonie, wo die sich mit beschäftigen.

Dalila: Bei Malignomen ist es häufig so, ist der Primärtumor oder die Metastase,

Dalila: die Hauptdiagnose, ist auch ganz oft strittig.

Dalila: Da gibt es dann jetzt schon so übergeordnete Regelungen und ansonsten haben

Dalila: wir auch nicht wenig Fälle bei Sozialgerichten, weil das wirklich tausende von

Dalila: Euro ausmachen kann. Hier ist es aber zum Glück für uns einfach.

Dalila: Und wenn du Kodierfachkraft in der Unfallchirurgie bist, dann kennst du die kurz auch auswendig.

Ingmar: Irgendwann kann man die einfach, ja.

Dalila: Ja, genau. So, und dann haben wir noch mehr.

Ingmar: Wir haben eine S72.04 für die mediale Schenkleisfraktur.

Dalila: Genau. Dann hat sie auch, ganz wichtig, das darf man immer nicht vergessen dazu

Dalila: zu kodieren, einen Weichstallschaden Grad 2 bei geschlossener Fraktur oder Luxation

Dalila: der Hüfte und des Oberschenkels S71.85, ein sogenannter Sekundärcode.

Dalila: Der kann auch in verschiedenen Konstellationen erlösrelevant sein.

Dalila: Dann haben wir eine benignende essentielle Hypertonie, einen nicht entgleisten

Dalila: Diabetes, Mellitus Typ 2 ohne Komplikationen.

Dalila: Wir haben eine Hypokalämie.

Ingmar: Oh, eine Elektrolytverschiebung.

Dalila: Ja, genau. Wir haben eine Dauertherapie

Dalila: mit anderen Arzneimitteln in der Eigenanamnese. Das ist hier ein Ast.

Dalila: Abnorme Gewichtsabnahme. Eine Ovarialzyste. Fragt man sich, ist die relevant?

Dalila: Dürfen wir die wirklich kodieren?

Dalila: So, das haben wir noch. Eine Hypothyreose nach medizinischen Maßnahmen. Komfort.

Dalila: Und wir haben...

Dalila: Anscheinend bei der Bildgebung einen malignen neuroendokrinen Tumor des Iliums gefunden.

Ingmar: Das ist eine Überraschung.

Dalila: Das ist eine Überraschung und da muss man sagen, das wäre ja einen eigenen Fall wert.

Dalila: Mit einer schönen C17-2 als Hauptdiagnose und wir haben auch noch in der Leber

Dalila: eine Metastase gefunden.

Dalila: Eine sekundäre bösartige Neubildung.

Ingmar: Okay.

Dalila: Und dann haben wir auch noch in Lymphknoten Metastasen gefunden.

Dalila: So, und dann hat sie noch Ernährungsprobleme und hat noch ein Karzinoid-Syndrom entwickelt,

Dalila: was auch den Fall ganz schön für die Behandler erschwert, weil wir sind jetzt

Dalila: hier schon ganz weit weg von einer ganz normalen Fraktur oder ja.

Ingmar: Ich komme doch nur mit der Schenkelhalsfraktur, ja.

Dalila: War aber schon lange nicht mehr beim Arzt und hat gedacht, ja die geschollenen

Dalila: Lymphknoten und dies, das, das geht von selbst wieder weg, ist auch von selbst gekommen.

Dalila: Genau und dann stellen wir noch so ein paar andere Sachen fest,

Dalila: weil wir ja Staging mit der machen. Und dann haben wir jetzt natürlich ganz vieles.

Ingmar: Da wird der Einfachstwagen immer voller.

Dalila: Genau. Wir haben jetzt auch noch ein bösartiges Melanom der oberen Extremität

Dalila: gefunden, ein Issefagus-Divertikel, bösartige Neubildungen als Primärtumoren

Dalila: an mehreren Lokalisationen.

Dalila: Das ist ein Sekundärcode.

Dalila: So, und dann haben wir auch passend zu diesen Diagnosen, Prozeduren,

Dalila: erstmal natürlich unsere Implantation der Dukov-Prothese.

Dalila: Dann haben wir aber auch eine komplexe differenzialdiagnostische Sonographie.

Dalila: Wir haben eine Perkodahne-Biopsie an der Leber gemacht.

Ingmar: Dieses ganze Staging, ja.

Dalila: Genau. Haben wir eine Bildgebung gesehen. Dann haben wir eine Biopsie dann noch

Dalila: am Arm gemacht. Da hat sie ja auch noch malignum.

Dalila: Eine ÖGD, mehrere CTs und so weiter und so fort.

Dalila: Und dann landen wir in der I47B.

Ingmar: Das ist die DRG.

Dalila: Genau. Revision oder Ersatz des Hüftgelenks ohne bestimmte komplizierende Faktoren

Dalila: mit komplizierenden Diagnosen am Becken und Oberschenkel.

Ingmar: Das ist was, was ich gerade, glaube ich, begreife, weil ich habe immer gewusst,

Ingmar: dass DRGs mit einem Code vergeschlüsselt sind und dass meine Diagnosen auch

Ingmar: ICD-10 kodiert sind, aber dass das nicht der gleiche Code ist.

Ingmar: Das war mir nicht klar. Gut, dass wir das machen.

Ingmar: Das heißt, durch die ICD-10-Codierung meiner Diagnosen kriege ich am Ende eine DRG-Codierung.

Ingmar: Und die nennt man Gruppierung.

Dalila: Genau, das ist das Grouping-Ergebnis. Die DRG ist das Grouping-Ergebnis.

Dalila: So wie dein Kassenzettel im Supermarkt.

Ingmar: Okay, also genau. Ich gehe einkaufen und dann kriege ich am Ende einen Kassenzettel

Ingmar: mit der Überschrift I47B. und ich muss quasi I47B bezahlen.

Dalila: Genau. Okay. Während in diesem Fall gucken wir mal insgesamt ...

Dalila: 10.610 Euro und dann haben wir nochmal Pflegeerlös, der dazu kommt,

Dalila: das sind 4.974 Euro und dann haben wir 15.584 Euro.

Ingmar: Dafür, dass wir eigentlich nur eine Schenkelhalsfraktur kaufen wollten im Supermarkt?

Ingmar: Was hätte, wenn wir nur die Schenkelhalsfraktur gehabt hätten?

Dalila: 7.759.

Ingmar: Okay, das ist quasi doppelt so viel durch den ganzen anderen Pech,

Ingmar: den diese arme alte Frau noch mitgenommen hat.

Dalila: Genau, jetzt habe ich aber ein Aber. Das ist nicht über die DRG entstanden,

Dalila: sondern über die Verweildauer, weil

Dalila: wir haben hier einen oberen Grenzverweildauerzuschlag von fast 3000 Euro.

Dalila: Das heißt, weil sie so lange lag, weil wir so viele Sachen noch gefunden haben.

Dalila: Und ich habe das mal simuliert. Ich habe die ganzen Malignome rausgenommen aus dem Grouping.

Dalila: Es passiert nichts. Wir bleiben in der I47B.

Dalila: Das heißt, alles, was wir gemacht haben an Tumorsuche, Staging und die Diagnosen,

Dalila: die wir gefunden haben, wird nicht vergütet.

Ingmar: Wie lange war die da?

Dalila: Die war 27. Du hast es schon gefunden.

Ingmar: 27 Tage war mal da.

Dalila: Genau, und wenn du dir jetzt überlegst, wenn sie jetzt nach,

Dalila: sagen wir es realistisch,

Dalila: so sieben Tage nach Hause gegangen wäre, dann hätten wir eben die 7759 bekommen

Dalila: und hätten keine weiteren Kosten gehabt. Okay.

Ingmar: Kannst du sehen, was für Kosten entstanden sind für den Fall?

Dalila: Also wir haben….

Ingmar: Mit diesen ganzen Staging.

Dalila: Bildgebungsbiopsie… Ja, leider nicht, weil wir haben hier keine sogenannte Kostenträgerrechnung.

Dalila: Es gibt ca. 250 Krankenhäuser in Deutschland, die...

Dalila: An der Kalkulation teilnehmen.

Ingmar: Das sind quasi die Referenzhäuser, an deren Rechnungen dann die Durchschnitte.

Dalila: An deren Kosten. Die übermitteln an das INEC nicht nur ihre Daten,

Dalila: ihre ganzen DRGs und alles, was sie kodiert haben, sondern auch die Kosten,

Dalila: die sie für bestimmte Fälle hatten.

Dalila: Und da das nicht alle mitmachen, zum Beispiel auch nicht große Klinikgruppen

Dalila: in Gänze, die natürlich zum Beispiel zusammen einkaufen können,

Dalila: viel günstiger und dadurch dann am Ende unter den Kosten liegen, die kalkuliert wurden,

Dalila: stimmt die Kalkulation natürlich nicht ganz.

Dalila: Das heißt, deswegen gibt es auch jetzt schon eine Zwangsverpflichtung.

Dalila: Da gibt es eine sogenannte Ziehung, wie beim Lotto.

Dalila: Kann man sich auch auf YouTube anschauen. 2016 war das, glaube ich.

Dalila: Da hat das INEX sogar die Ziehung veröffentlicht.

Ingmar: Okay, da freuen sich dann alle, wenn man ausgelost wurde und sagt,

Ingmar: oh Gott, ja schön, jetzt haben wir richtig viel Aufwand, jeden Nullstopfen mit

Ingmar: zu zählen, den wir verbrauchen.

Dalila: Genau, so genau macht man es dann am Ende nicht.

Dalila: Aber was natürlich sehr gut ist, wir wissen ja immer, was geben wir aus über

Dalila: unsere Sachkosten, Personalkosten, aber wir wissen nicht genau, wo passiert das.

Dalila: Bei uns ist es noch schwieriger, weil wir eine Trennungsrechnung machen müssen,

Dalila: weil wir auch Forschung und Lehre natürlich hier haben.

Dalila: Und das wäre schon gut zu wissen, für was gebe ich viel, viel aus.

Dalila: Also das ist so, du gehst nach Hause und deine Frau sagt, du solltest nur Baguette kaufen.

Dalila: Was hast du gemacht? Jetzt hast du 300 Euro ausgegeben. Was war hier so teuer?

Dalila: Und dann sagst du, das weiß ich nicht.

Ingmar: Der Tofu.

Ingmar: Das heißt aber, wenn ich jetzt aus der Anästhesistenperspektive frage,

Ingmar: was ist eigentlich mein Anteil an dieser DRG, kann man das gar nicht so genau sagen.

Ingmar: Also mit der Frage, die Narkose, die ich dafür gemacht habe,

Ingmar: diese Vollnarkose, die wird gar nicht direkt abgebildet, sondern die ist Teil

Ingmar: des Groupings und eigentlich ist es dem Grouping auch völlig egal,

Ingmar: ob ich da eine Spinalanästhesie mache oder eine Regionalanästhesie oder eine

Ingmar: Lahrungsmaske oder ein Endotrachealtubus.

Ingmar: Das hat überhaupt keinen Einfluss auf den am Ende bezahlten Betrag.

Dalila: Genau. Selbst wenn ihr gar keine Narkose machen würdet.

Ingmar: Das wäre ja kaufmännisch das Beste, wenn wir keine Ausgaben hätten. Aber unethisch.

Dalila: Genau. Und das machen wir natürlich nicht. Aber selbst dann würdet ihr Vergütung bekommen.

Dalila: Also zum Beispiel in der Gastroenterologie ist es ja so, dass die Patienten

Dalila: häufig eine Kurznarkose bekommen von den Gastroenterologen.

Dalila: Da sind ja häufig gar keine Anästhesisten und Anästhesistinnen beteiligt.

Dalila: Und da ist in der DRG auch so ein kleiner Anteil für Anästhesie hinterlegt.

Dalila: Aber es gibt ja auch häufig Patienten, die sagen, ich brauche das gar nicht.

Dalila: Gastro, das kriege ich so hin.

Dalila: Dann kommt man das trotzdem.

Ingmar: Darf ich da nochmal einhaken?

Dalila: Ja, na klar.

Ingmar: Das heißt, Dalila hat jetzt über die Diagnose kodiert, gegrubt, ganz viele,

Ingmar: es ist ein langes Grouping geworden, aber am Ende Da ist dann eine große Zahl

Ingmar: entstanden und diese Rechnung geht an die Krankenkasse und die Krankenkasse

Ingmar: überweist dann an das Krankenhaus den Kassenzettelbetrag.

Ingmar: 15.000 irgendwas Euro.

Dalila: Also noch mehr, weil der DRG-Erlös ist nur ein Teil der Rechnung.

Dalila: Da kommen noch Hygienezuschläge dazu, Ausbildungszuschläge und auch zum Beispiel

Dalila: mehr Erlös- oder Mindererlösausgleiche.

Dalila: Das ist alles noch ein bisschen komplizierter.

Ingmar: Es wird noch ein bisschen komplizierter. Die Frage, auf die ich hinaus wollte,

Ingmar: ist, an diesem Fall sind ja jetzt verschiedene Disziplinen beteiligt gewesen.

Ingmar: Da waren die Unfallchirurgen mit ihrer Endoprothese, da waren die Hautärzte

Ingmar: mit dem Melanom-Oberschenkel am Oberarm und da sind die Anästhesisten und wer weiß noch beteiligt.

Ingmar: Wie verteilt das Krankenhaus die DRG auf die einzelnen Abteilungen?

Ingmar: Oder wie verteilt man das?

Ingmar: Ich weiß nicht, ob es das Krankenhaus ist oder ob es in der DRG,

Ingmar: wenn du sagst, da gibt es schon einen Anteil, der für Narkose vorgesehen ist,

Ingmar: ist das überall gleich oder kann das das Krankenhaus bestimmen?

Dalila: Also der, ich würde es dir auch gerne zeigen, wenn es hier gleich mal aufgeht.

Dalila: Da gibt es einen sogenannten E-NIC Browser, da kann man das genau nachvollziehen.

Ingmar: Ist der öffentlich zugänglich?

Dalila: Ja, der ist öffentlich zugänglich.

Ingmar: Kannst du mir, also was cool wäre, solche Sachen dann irgendwie mir nochmal als Link schicken.

Ingmar: Dann kann ich das nämlich verlinken und den Hörerinnen und Hörern zur Verfügung stellen.

Dalila: Dann kannst du auch gleich bei uns noch zweiter dir die Beauftragter werden,

Dalila: weil für eure Abteilung ist einer eh zu wenig.

Dalila: Ich habe jetzt so viel gelernt. Ich glaube, du bist sehr gut geeignet dafür.

Dalila: So, jetzt suchen wir unsere I 47b.

Ingmar: Das war unser Groupingergebnis, das ist die Überschrift des Klassenzettels.

Dalila: Genau. Und dann kann man genau sehen, was das INEC für welche Fachabteilung,

Dalila: in welcher Kategorie eingepreist hat. Das dauert einen kleinen Moment.

Ingmar: Und das ist quasi dann der Kassenzettel rückwärts,

Ingmar: dass ich dann bei meiner Frau zu Hause sagen kann, okay,

Ingmar: wir haben irgendwie Briefumschläge mit Geld für Brot und Geld für Tofu und Steaks

Ingmar: und für Deko und dass ich dann aus den Budget-Briefumschlägen zu Hause das dann

Ingmar: richtig sortieren kann. Das ist ein richtig langes Dokument.

Dalila: Genau. So, hier haben wir den Punkt 5, Anästhesie.

Dalila: Das ist übrigens immer so. Das ist genormt quasi.

Dalila: Und da haben wir hier in der I47B 343,99 Euro.

Dalila: Das war im Datenjahr 2023.

Dalila: Genau, der andere wollte sich nicht öffnen lassen.

Ingmar: Also von 17.000 Euro Erlös fallen 344 Euro auf Anästhesie, ärztliches Personal.

Dalila: Ja. Dann auf den medizinisch-technischen Funktionsdienst, das sind zum Beispiel

Dalila: eure A-Task im OP, gibt es nochmal 236,15 Euro.

Ingmar: Okay, also 500 Euro Personal, also überschlagen.

Dalila: Dann für Arzneimittel. 18,43 Euro. Zum Beispiel die Frage ist da.

Ingmar: Reicht das?

Dalila: Kann man da schon noch Pondprophylaxe machen?

Ingmar: Zuckermadex. 18 Euro, das ist nicht viel.

Dalila: Dann haben wir noch so kleine Einzelkosten für Materialien, Spritzen und so.

Ingmar: 17 Cent.

Dalila: Genau, hier in der Sachkosten, übriger medizinischer Bedarf,

Dalila: haben wir nochmal 60 Euro, dann nochmal für Infrastruktur, um dass ich ja nicht verrutscht bin.

Dalila: Und dann landen wir insgesamt bei 808 Euro für die Anästhesie.

Ingmar: Okay, und dann kann ich von diesen 800 Euro, kann ich mir überlegen,

Ingmar: wenn ich jetzt Klinikdirektor wäre, könnte ich mir überlegen, wie ich die einsetze.

Ingmar: Ob ich dafür lieber viele Ärzte, aber billige Technik oder weniger Personal und mehr Technik.

Dalila: Es gibt es ja in der Anästhesie tatsächlich, dass es Krankenhäuser gibt,

Dalila: die nicht pro Narkose eine Person im ärztlichen Dienst, sondern ADHAS einsetzen.

Ingmar: Dann ärztlich supervidiert.

Dalila: Genau.

Ingmar: Das Schweizer Modell ist ja auch so, auch häufig so oder aus den USA kenne ich das auch.

Dalila: Ich weiß nicht, ehrlich gesagt, ob das haftungsrechtlich, ich glaube nicht,

Dalila: dass es okay ist. Es ist immer so, bis was passiert.

Dalila: Aber am Ende, wenn diese Häuser kalkulieren, dann haben sie da auch geringere Kosten.

Dalila: Das führt dann dazu, dass deutschlandweit dieser Wert sinkt.

Dalila: Also die Kosten, die die Kalkulationskrankenhäuser haben, haben am Ende auch wieder Einfluss.

Dalila: Und wenn die an solchen Stellen sparen, dann geht das natürlich da auch dann drin auf.

Dalila: Und jetzt kann ich dir gleich nochmal eine andere Kalkulation zeigen, nämlich mit Pneumonie.

Dalila: Und Beatmung und Intensiv-Komplex-Behandlung.

Ingmar: Okay, weil das ist ja auch ein spannender Fall. Dann schließen wir an der Stelle

Ingmar: diesen Fall ab und sagen, Oma Ernas Schenkelhalsfraktur mit einem schwierigen,

Ingmar: komplizierten Verlauf, da sind für mich die Take-Home-Messages.

Ingmar: Die Anästhesievergütung ist daraus einfach ein Teil. Und wie viel das ist,

Ingmar: legt am Ende das INEC fest.

Ingmar: Und das ist ein Anteil und der verteilt sich auf Personal und Arzneimittel und

Ingmar: übrigen medizinischen Bedarf und Infrastruktur und verteilt aus dem,

Ingmar: Kassenzettelbetrag das auf alle beteiligten Fachabteilungen und da ist Anästhesie eben Teil.

Ingmar: Aber welche Art der Anästhesie, das kann ich dann irgendwie selber ich kann

Ingmar: Narkose machen, wie ich möchte.

Ingmar: Da gibt es nicht mehr oder weniger Geld für das ein oder das andere Verfahren,

Ingmar: sondern ich habe diesen Betrag und damit muss ich mir dann selber überlegen,

Ingmar: wie ich den klug einsetze.

Dalila: Genau, und hier würde für euch zum Beispiel noch eine Intensivnacht zur Überwachung,

Dalila: was du auch angesprochen hattest, wäre hier auch nochmal extra ausgewiesen unter Intensivstation.

Dalila: Genau, das wären hier nochmal 260 Euro.

Ingmar: Und spannend fand ich, dass dieser Fall, obwohl der eigentlich mit dem Schenkelhals,

Ingmar: mit der Schenkelhalsfraktur losging, aber dann sehr komplex wurde durch diese

Ingmar: Tumordiagnose, die noch dazu gekommen ist,

Ingmar: trotzdem vom Grouping am Ende nur in Anführungsstrichen mehr erlöst hat,

Ingmar: weil der lange gedauert hat und gar nicht, weil er kompliziert war.

Dalila: Ja, genau. Weil die DRG, wir haben es nicht geschafft, den Fall aus seiner DRG

Dalila: rauszubekommen mit unseren Diagnosen und Prozeduren.

Ingmar: Also er ist nicht höher eingruppiert worden?

Dalila: Genau. Also ohne diese ganzen Nebendiagnosen. Es ist zum Beispiel ein Klassiker.

Ingmar: Ist das dieser Case-Mix-Index?

Dalila: Nee, der Case-Mix-Index ist quasi die Fallschwere.

Ingmar: Aber ist der Fall nicht schwerer geworden, dadurch, dass sie eine Schenkelhalsfraktur

Ingmar: hatte und ein Neuroendokrinentumor?

Dalila: Ja, medizinisch, aber nicht in der DRG.

Ingmar: Nicht DRG-mäßig.

Dalila: Genau. Also ein Klassiker ist, das ist meine absolute Hass-DRG tatsächlich.

Dalila: Sowas haben wir auch, wir Medizinkontroller und Kontrollerinnen,

Dalila: Lieblings- und Hass-DRGs.

Dalila: Das ist die B80Z.

Dalila: Das sind die Kopfverletzungen, also Komotio.

Dalila: Und da ist es auch so, du kriegst die nicht aus dieser DRG raus.

Dalila: Egal, was da los ist, da musst du schon richtig viel machen,

Dalila: richtig viel anstellen, damit du die da rauskriegst.

Dalila: Das ist wirklich, ja, das ist unschön.

Dalila: Aber das gibt es. Das DRG-System ist eben eine Mischkalkulation.

Dalila: Manchmal verliert man, manchmal gewinnt man.

Dalila: Und die meiste Zeit bleibt man genau eigentlich, ist man genau da, wo man hingehört.

Ingmar: Okay, also das ist ja eigentlich tröstlich, dass man sagt, im Großen und Ganzen

Ingmar: funktioniert es eigentlich.

Dalila: Genau, es kommen auch oft Ärzte und Ärzte zu uns und sagen, Fräulein,

Dalila: das kann doch gar nicht sein, warum können sie da nicht was machen,

Dalila: wir haben dafür nur so wenig Geld bekommen und dann müssen wir auch mal sagen,

Dalila: das ist eine Mischkalkulation.

Dalila: Du kannst nicht jedes Mal…,

Dalila: genau das deinen Aufwand treffen. Aber es ist ein Appell quasi zu sagen,

Dalila: wenn es kein Notfall ist.

Dalila: Wir haben jetzt Oma Erna mit ihrer Schenkelhalsfraktur. Jetzt stellt man fest,

Dalila: die schnarcht auch nachts ein bisschen.

Dalila: Da macht man HNO-Konsil und der stellt fest, der HNO-Arzt, sie hat eine Nasenscheidewandverkrümmung.

Dalila: Und sagt, ja, das wäre schon für die Oma Erna besser, weil ich habe auch gesehen,

Dalila: sie hat eine chronische Sinusitis auf der Seite.

Dalila: Dass man das gleich jetzt brichte,

Dalila: die ist ja eh da. Also dass man eine Korrektur macht von der Nase.

Dalila: Das wird halt nicht triggern in der DRG. Das heißt, was man so ein bisschen

Dalila: mitnehmen kann, ist, nur medizinisch notwendige Sachen auch im Aufenthalt zu machen.

Ingmar: Wenn man den Routine- Augenarzttermin auch noch damit reinzieht,

Ingmar: macht menschlich Sinn, aber finanziell wäre es geschickter, dafür einen eigenen Fall aufzumachen.

Dalila: Und das ambulant zu machen, weil ich vergleiche das immer mit der First Class beim Fliegen.

Dalila: Wenn du von Bremen nach Hannover fliegst, dann brauchst du eigentlich keine

Dalila: erste Klasse, keine First Class.

Dalila: Weil das geht so schnell, bis du da bist, hast du dich nicht mal angeschnallt.

Dalila: Und deswegen braucht Oma Erna auch keine ambulante Augenuntersuchung bei uns

Dalila: in der Universitätsmedizin.

Dalila: Das kann der Niedergelassene machen.

Dalila: Und da ist es auch günstiger als bei uns.

Dalila: Genau. Okay.

Ingmar: Das heißt, wir gucken uns jetzt noch einen zweiten Fall an, der weniger Fokus

Ingmar: auf den OP legt und mehr den Fokus auf die Intensivstation.

Dalila: Ganz genau. So, und zwar habe ich das nochmal simuliert.

Ingmar: Ist auch wieder Oma Erna.

Dalila: Das ist, genau.

Ingmar: Die hat auch wieder Schenkelhalsfraktur.

Dalila: Derselbe Fall.

Ingmar: Aber sie kriegt eine Pneumonie und muss beatmet werden auf der Intensivstation.

Dalila: Genau, ist ein Klassiker. Also auch das nicht an den Haaren herbeigezogen, muss man sagen.

Ingmar: Soll schon mal vorgekommen sein.

Dalila: Genau, und zwar habe ich ihr eine Lubert-Pneumonie. gegeben, also kodiert.

Ingmar: Schönen Dank auch.

Dalila: Sehr gerne. Ich bin wie immer ganz freigiebig.

Dalila: J18-1 und leider muss ich das auch für die Qualitätssicherung dazu kodieren.

Dalila: U6901, andernorts klassifizierte Pneumonie, die mehr als 48 Stunden nach Krankenhausaufnahme auftritt.

Dalila: Die hat sie nämlich nicht mitgebracht. Also eine Hospital Acquired. Genau.

Dalila: Dann hat sie im Verlauf auch noch eine Sepsis durch Staphylococcus aureus.

Ingmar: Das ist die pneumogene Sepsis.

Dalila: A41.0.

Dalila: Und genau, hier haben wir auch noch die nosokomuniale Sepsis U69-81.

Dalila: Sepsis ist jetzt GBA-Richtlinien relevant.

Dalila: Das ist eine Verbesserung für die Patienten, weil da wurde lange drum gekämpft und gerungen.

Dalila: Dazu kann man aber auch eine eigene Podcast-Folge machen. Tatsächlich,

Dalila: Qualität hängt oft an den Daten, die Qualitätsmessung hängt an den Routinedaten,

Dalila: die wir kodieren. Das ist sehr interessant.

Dalila: Septischer Schock hat sie auch noch gehabt, R57-2 und außerdem hat sie natürlich

Dalila: eine akute respiratorische Insuffizienz entwickelt und dann….

Ingmar: Klinisch würde ich einfach sagen, es ist eine schwere Pneumonie.

Ingmar: Das ist meine einfache klinische Einschätzung, aber es sind viel mehr Items auf dem Kassenzettel.

Dalila: Genau, wir müssen das immer noch ein bisschen genauer. Das sind jetzt alles Hinweise hier unten.

Dalila: Und jetzt ist die Frage, wo unser Grouping hin ist hier.

Dalila: Und jetzt landen wir in der I26B.

Ingmar: Wie lange haben wir sie beatmet? Wie lange hat das gedauert?

Dalila: Wir haben sie beatmet, warte mal.

Ingmar: Also die Tagesanzahl steht hier unten sind auch 27 Tage.

Dalila: So lange haben wir sie nicht beatmet.

Ingmar: Also die Gesamtfalldauer ist die gleiche.

Dalila: Genau und ich glaube, ich habe ihr, das ist hier so unübersichtlich,

Dalila: normal arbeiten wir nicht mit diesen Ausdrucken.

Ingmar: Wartung, 260 Stunden.

Dalila: Ja, so genau. Zehn Tage Verwälder auf der Intensivstation habe ich ihr geschenkt.

Ingmar: Davon fünf beatmet. Ne, warte, 260 Stunden sind 24 Stunden. Zehn Tage.

Dalila: Dann doch voll zehn Tage beatmet. Ja, bisschen über zehn Tage. Genau. Und,

Dalila: Und sie hat eine Intensiv-Komplex-Behandlung natürlich bekommen,

Dalila: weil sie war ja eine Intensiv-Patientin, sie hat auch eine Indikation, sie war beatmet.

Ingmar: Kriegt man nicht automatisch eine Intensiv-Komplex-Behandlung,

Ingmar: wenn man auf einer Intensivstation ist?

Dalila: Also wenn du keine Indikation hast dafür, dann kann der MD das im Nachhinein

Dalila: anzweifeln und streichen.

Ingmar: Also Schenkelhalsfraktur, die gleichen Nebendiagnosen wie beim ersten Mal,

Ingmar: nur kommt jetzt dazu, dass wir sie wegen einer pneumogenen Sepsis durch Staph

Ingmar: aureus, die nosokomial erworben ist, 10 Tage und ein bisschen beatmet haben.

Dalila: Genau. Und wir haben eine Codierung, einen Code für die intensivmedizinische Komplexbehandlung.

Dalila: Und zwar 553 bis 828 Aufwandspunkte.

Ingmar: Okay, das ist interessant, weil das eben jetzt eine ganz andere DRG ist.

Ingmar: Und das ist jetzt eine intensivmedizinische DRG und nicht mehr eine,

Ingmar: was für das andere war, eine Knochen-DRG.

Dalila: Genau. Und jetzt sind wir im Bereich I26b, intensivmedizinische Komplexbehandlung,

Dalila: über 588 Aufwandspunkten, aber bei Krankheiten und Störungen im Muskel,

Dalila: Skelettsystem und Bindegewebe.

Dalila: Das heißt, das ist schon noch so unterkategorisiert jetzt.

Ingmar: Bevor du die Zahl sagst, sage ich

Ingmar: nochmal die alte Zahl. Für den Fall ohne Beatmung waren es 17.000 Euro.

Ingmar: Und für den Fall mit Beatmung steht hier 45.000 Euro.

Dalila: Genau, und wir hatten ohne die obere Grenzverweildauer, ohne die Zuschläge waren es 7.700.

Dalila: Was dir jetzt vielleicht auffällt, wir haben jetzt keine oberen Grenzverweildauer-Zuschläge mehr.

Dalila: Warum ist das so?

Ingmar: Das weiß ich nicht.

Dalila: Weil sich die obere Grenzverweildauer ändert, je nach DRG. Die ist DRG individuell.

Ingmar: Das heißt, für intensivmedizinische Komplexbehandlung gibt es keine obere Grenzverweildauer?

Dalila: Doch, es gibt für diese DRG auch eine obere Grenzverweildauer,

Dalila: aber die ist halt viel höher als in der I47B.

Dalila: Ist ja auch nachvollziehbar, weil wenn du schon 10 Tage Beatmung hast und so

Dalila: weiter und so fort, dann...

Ingmar: Dann muss die länger sein als 10 Tage.

Dalila: Genau. Und jetzt sind wir, wir haben keinen oberen Grenzverweildauer-Zuschlag,

Dalila: weil wir sind in der Verweildauer und sind bei einem Gesamterlös von 45.464 Euro.

Ingmar: Das ist richtig viel mehr. Ich muss nochmal ein Stück zurückspringen.

Ingmar: In der DRG I26B, die hieß ja intensivmedizinische Komplexbehandlung mit mehr

Ingmar: als 588 Aufwandspunkten.

Ingmar: Wo kommen die Aufwandspunkte her? Was sind Aufwandspunkte? Ist es das,

Ingmar: was ich jede Nacht um Mitternacht mit meinen TIS-TIS?

Ingmar: Mit meinem TIS dokumentiere?

Dalila: Genau, es gibt TIS und es gibt SAPs und ursprünglich war das mal ein Instrument,

Dalila: um Sterblichkeitswahrscheinlichkeit zu monitoren und man hat dann festgestellt,

Dalila: dass es sich gut eignet, um den Aufwand abzubilden, der dann eben übersetzt wird in Geld.

Dalila: Wir haben manchmal Intensivpatienten, die ein hohes Risiko für was auch immer

Dalila: haben und überwacht werden, aber an denen nicht viel gemacht wird.

Dalila: Keine Beatmung, die haben wenig Aktionen auf oder außerhalb der Intensivstation,

Dalila: also Transporte und sowas.

Dalila: Und dann haben die einfach wenig

Dalila: Punkte, die liegen lange auf der Intensivstation und haben wenig Punkte.

Ingmar: Ich habe mir gerade die Frage gestellt, wofür eigentlich TIS steht.

Ingmar: Weißt du es auswendig? Ich habe es nachgeguckt.

Dalila: Weiß ich nicht mehr.

Ingmar: TIS ist der Therapeutic Intervention Scoring System.

Dalila: Das ist etwas Medizinisches, das ist nichts aus der Ökonomie eigentlich ursprünglich.

Ingmar: Und da werden halt Leistungen erfasst, die man auf der Intensivstation oder

Ingmar: die man eben erbracht hat, sowas wie Beatmung, mehrere Katecholamine gleichzeitig,

Ingmar: viel Flüssigkeitsinfusion,

Ingmar: IV-Zugang, Pulmonales-Katheter oder Voraufkatheter, Dialyse,

Ingmar: intrakranäle Druckmessung, Behandlung von Acidosen oder Alkalosen,

Ingmar: wenn sie metabolisch sind, Und spezielle Interventionen wie Trautomien und Aktionen

Ingmar: außerhalb der Stationen, sowas wie Operationen und Diagnostik.

Ingmar: Und das gibt Punkte pro Tag und die sammelt man dann, hier in dem Fall, über diese 10 Tage,

Ingmar: addieren die sich dann einfach auf und erzeugen dann damit die intensivmedizinische

Ingmar: Komplexbehandlungs-DRG.

Ingmar: Und deswegen macht es total Sinn, auch wenn es nervig ist, das um Mitternacht zu machen,

Ingmar: das genau zu machen, weil man damit möglicherweise in eine interessante DIG

Ingmar: fällt und die Erlössprünge für intensivmedizinische Komplexbehandlung sind, glaube ich, erheblich.

Dalila: Das kann man so sagen. Also manchmal fehlt einem ein Punkt, um 20.000 Euro eine Grenze zu erreichen.

Ingmar: Das ist auf keinen Fall der Aufruf, da zu mogeln. Nein, nie.

Ingmar: Das ist der Aufruf, vernünftig zu dokumentieren.

Dalila: Genau.

Ingmar: Und man muss sich ja nichts wegnehmen lassen. Es wäre ja schade,

Ingmar: wenn man das verliert, wenn es mit wenig Aufwand korrekt abzurechnen ist.

Ingmar: Man hat das ja wirklich erbracht, diese Leistungen.

Ingmar: Und dann kann man die ja auch fair erlösen lassen.

Dalila: Und durch das PDMS werden ja schon viele Punkte automatisch erfasst.

Dalila: Also zum Beispiel der höchste Blutdruckwert oder der niedrigste oder der höchste

Dalila: Puls oder so, also Herzfrequenz.

Ingmar: Wobei das ist der SAPS-Score.

Dalila: Genau, das ist SAPS, das ist nicht TIS, aber das ist natürlich super relevant.

Ingmar: Weißt du, wofür SAPS steht?

Dalila: Weiß ich auch nicht mehr, nee.

Ingmar: Das ist der Simplified Acute Physiology Score.

Dalila: Ja, und das ist der, den man benutzt, um die Sterblichkeit vorher zu sagen.

Dalila: Manche Systeme zeigen das nämlich noch. Das ist ganz gruselig.

Dalila: Da sieht man dann Sterblichkeitsrisiko 80 Prozent innerhalb der nächsten 24 Stunden.

Ingmar: Ja, das ist richtig schlimm. Und die Aufwandspunkte errechnen sich aus der Summe

Ingmar: der täglichen SAPS 2 Punkte und der TIS-Punkte.

Dalila: Genau, die werden alle zusammengerechnet. Und was bei den SAPS-Punkten ganz

Dalila: oft falsch gemacht wird, ist der Aufnahmegrund.

Dalila: Also es gibt auch schon Punkte, einfach nur, weil der Patient da ist.

Dalila: Also ungeplant oder geplant. Und ungeplant gibt es halt Punkte.

Dalila: Oder ob er ein Malignom hat in der Eigenanamnese oder eine HIV-Erkrankung.

Dalila: Und das wird oft einfach, da wird da nicht drüber nachgedacht,

Dalila: da werden dann einfach immer nur Punkte angeklickt, aber du sammelst jeden Tag

Dalila: so viele Punkte über diese Parameter,

Dalila: das ist total wichtig, dass man die auch richtig scort.

Ingmar: Okay, kannst du mir das nochmal erklären? Weil ich da auch manchmal dran hänge.

Ingmar: Wenn wir zum Beispiel einen Patienten aus einer Beatmungs-WG kriegen.

Ingmar: Der ist einfach tachyotomiert, schon seit 45 Jahren und braucht jetzt eine Zahn-OP.

Ingmar: Und das Beatmungsheim sagt, okay, der ist nachts eben an einem Beatmungsgerät,

Ingmar: das heißt, der muss auf eine Beatmungsstation und das ist in dem Fall für MKG unsere Station.

Ingmar: Der kommt und soll am nächsten Tag operiert werden. Warum auch immer.

Ingmar: Keine Same-Day-Surgery.

Ingmar: Ist es dann eine geplante Aufnahme?

Ingmar: Eine geplante Operation, auch wenn die erst am nächsten Tag möglicherweise mehr

Ingmar: als 24 Stunden später stattfindet.

Ingmar: Also es gibt medizinische Aufnahmen,

Ingmar: es gibt ungeplante Operationen und es gibt geplante Operationen.

Ingmar: Zumindest sind es das in dem Dropdown-Menü in unserem PDMS-System,

Ingmar: das was mir vorgeschlagen wird.

Dalila: Genau, das ist auch exakt das, was es gibt.

Dalila: Also so einen Patienten, muss man sagen, der hat gar keine Indikationen für eine Intensivstation.

Dalila: Also den dürfen wir eigentlich gar nicht scoren, weil der hat da nichts verloren.

Dalila: Der wird wahrscheinlich Punkte zusammenkriegen, aber diese Patienten auch,

Dalila: es gibt sogar Urteile, da wurde die komplette Beatmung gestrichen von solchen

Dalila: heimbeatmeten Patienten,

Dalila: weil man die Beatmungsparameter genauso gelassen hat, wie die die letzten 40

Dalila: Jahre waren, weil der Patient damit gut gefahren ist. Und dann hat der MD gesagt.

Ingmar: Was habt ihr eigentlich gemacht?

Dalila: Wir streichen euch diese Stunden. Der war ja nur bei euch, weil auf eurer Normalstation

Dalila: keiner das Gerät bedienen kann. Und so ist es ja auch. Genau so.

Dalila: Deshalb Wide Coding und richtiges Abrechnen, also es steht immer im Vordergrund,

Dalila: wir machen auch kein Down Coding.

Dalila: Also wir werfen kein Geld weg, aber wir machen Wide Coding.

Dalila: Und zum Wide Coding und zum richtigen Abrechnen gehört auch,

Dalila: dass man nicht Leistungen abrechnet in Bereichen, wo einem gar kein Geld zusteht,

Dalila: weil der Patient nicht in der Indikation ist.

Dalila: Das ist dann unsere Organisationssache, was wir denn da hinlegen.

Ingmar: Okay. Und damit haben wir versucht,

Ingmar: wie intensivmedizinische Komplexpauschalen funktionieren.

Dalila: Ja, das ist noch viel komplexer, wie die funktionieren. In den letzten Jahren

Dalila: noch komplexer geworden, als die, es kam ein neuer Code hinzu.

Dalila: Es gibt eine intensivmedizinische Komplexbehandlung und eine aufwendige intensivmedizinische

Dalila: Komplexbehandlung mittlerweile.

Dalila: Die aufwendige intensivmedizinische Komplexbehandlung dürfen nur krankenweise

Dalila: erbringen, die bestimmte Grundvoraussetzungen mitbringen in ihren dauerhaften

Dalila: Strukturen. Und es ist anspruchsvoller und wir erfüllen die zum Glück.

Dalila: Und deswegen dürfen wir die aufwendige intensivmedizinische Komplexbehandlung abrechnen.

Dalila: Und das im Zusammenspiel mit der Beatmung oder mit ECMO oder mit Prozeduren,

Dalila: zum Beispiel herzchirurgischen Prozeduren, aber auch anderen Prozeduren, ist ganz relevant.

Dalila: Also man kann auch nicht sagen, dass man immer in so eine I-DRG kommt,

Dalila: Intensivmedizinische Komplexbehandlung, sondern wir kommen auch ganz oft,

Dalila: gerade bei euch mit den ARDS-Patienten, in eine A-DRG.

Dalila: A-DRGs sind die klassischen Beatmungs-Intensiv-DRGs.

Dalila: Ich würde noch hier, wenn du magst, einmal nachgucken, wo wir jetzt landen,

Dalila: was die Anästhesie betrifft.

Dalila: Also wir können sagen, wir haben weiterhin nur einmal Narkose gemacht.

Ingmar: Aber wir haben zehn Tage Intensivmedizin gemacht.

Dalila: Genau. Wir wissen ja aber, die Intensivmedizin wird extra ausgewiesen.

Dalila: Ich glaube, wir können es auch hier sehen.

Dalila: Also die Intensivstation, für die haben wir jetzt 14.000 Euro.

Dalila: Von 45, ja. Genau, vorhin hatten wir irgendwie 285 oder sowas.

Dalila: Und für die Anästhesie haben wir jetzt für den ärztlichen Dienst 755,

Dalila: für den MTD, also die ATA zum Beispiel, haben wir 530.

Dalila: Und insgesamt landen wir bei 1.858 Euro.

Ingmar: Obwohl es trotzdem nur diese eine Narkose war?

Dalila: Genau.

Ingmar: Weil der Anteil, also der Anästhesie-Anteil ist dann prozentual vom Gesamterlös.

Ingmar: Und weil der Gesamterlös hier höher ist, ist auch der Anästhesie-Anteil dann höher. Genau. Ja.

Dalila: Das muss nicht immer so sein. Also es kann auch sein, dass man in eine DRG triggert,

Dalila: wo Anästhesie nicht so hoch bepreist ist.

Dalila: Das kann passieren. Aber hier in dem Fall ist es jetzt so. Also das ist eben

Dalila: so, der Grupper weiß halt nicht.

Ingmar: Ob die Intensivmedizin zur Anästhesie gehört oder nicht.

Dalila: Der Grupper weiß schon, an welchem Tag haben wir die OP gemacht,

Dalila: dann war wahrscheinlich auch die Narkose und an welchem Tag haben wir mit der

Dalila: Beatmung begonnen. Also das übermitteln wir schon.

Dalila: Aber wann zum Beispiel die Oma Erna die Pneumonie hatte, weiß der Gruppe auch

Dalila: nur ungefähr, nämlich mehr als 48 Stunden nach der Aufnahme haben wir mit der

Dalila: Nebendiagnose mitgegeben.

Dalila: Aber sonst, zum Beispiel wann die Sepsis war und so, das weiß der Gruppe halt nicht.

Dalila: Der Gruppe weiß, der Fall war jetzt viel aufwendiger und dann ist es im Durchschnitt

Dalila: auch kostenintensiver für die Anästhesie. Es ist mehr Anästhesie-Einsatz dahinter.

Dalila: Und das ist eben diese Mischkalkulation. Ihr werdet auch mal Fälle haben,

Dalila: wo ihr sehr, sehr involviert seid und am Ende stehen in der Diadymatrix 300 Euro.

Dalila: Und also ich habe noch mehr Kalkulationen mitgebracht. Ich glaube,

Dalila: das schaffen wir jetzt gar nicht mehr alles, aber was auch interessant ist, Revisionen.

Dalila: Wir haben ja gesagt, Oma Erna, wenn die in die Leer hat und aus dem Bett befällt

Dalila: oder aufsteht und stürzt und die Prothese bricht aus, dann haben wir eine Revisions-OP.

Dalila: Okay, und dann gibt es so einen verrückten Sachverhalt, den auch kein Medizinkontroller

Dalila: oder Medizinkontroller, mit dem ich mich unterhalten habe, kann das verstehen,

Dalila: dass das so ist, ist aber schon lange so.

Dalila: In jedem Jahr wird das DRG-System neu kalkuliert. Wir warten immer darauf,

Dalila: dass sich das ändert, aber es bleibt immer gleich.

Dalila: Wenn du eine Revisionsoperation machst und machst dann noch eine geriatrische

Dalila: Komplexbehandlung, dann wird der Fall sogar billiger.

Dalila: Also in den meisten Fällen, weil er dann von einer unfallchirurgischen E-DRG

Dalila: in eine geriatrische DRG kommt und dann triggert nur noch diese geriatrische Komplexbehandlung.

Dalila: Das heißt, du hast noch 14 bis 21 Tage mehr Aufwand und hast dann noch 100 Euro weniger Geld am Ende.

Ingmar: Das ist, wenn meine Frau beim Supermarkt sagt, du hast vergessen,

Ingmar: die Payback-Punkte einzulösen.

Ingmar: Oder du hast einen Coupon eingelöst und damit… Ja.

Dalila: Das ist schwierig jetzt. Wie könnte man das… Nee, du hast eigentlich… Was hast du gemacht?

Dalila: Du hast, ich war mal in den USA in so einem Premium-Outlet und da war ich bei

Dalila: Levi's und habe da eingekauft und dann haben die mir gesagt,

Dalila: wenn du für 50 Dollar noch was kaufst, kriegst du 100 Dollar Rabatt.

Ingmar: Buy one, get one. Genau. Wenn du drei, drei für zwei. Nimm doch noch zwei Hosen

Ingmar: mehr. Ja, wenn du mehr kaufst, kannst du auch mehr sparen.

Dalila: Das fand ich so absurd. Noch für 50 Dollar mehr und dann kriege ich 100 Dollar Rabatt.

Dalila: Also ich kriege quasi 50 Dollar dann runter, obwohl ich noch mehr gekauft habe.

Dalila: Genau so kann man es ungefähr vergleichen. Also es gibt solche Situationen eben

Dalila: bei den DRGs und auch das ist eine Mischkalkulation.

Dalila: Es ist aber auch deutschlandweit so, dass wenn die Leute auf ihr Budget gucken

Dalila: und dazu sind sie ja angehalten, dass sie wirtschaftlich arbeiten,

Dalila: auch innerhalb ihrer Fahrabteilung, nicht nur innerhalb des Krankenhauses,

Dalila: dann schluckt man natürlich schon.

Dalila: Wenn man sieht, okay, nochmal drei Wochen Behandlung und das ist medizinisch

Dalila: auch wichtig, notwendig für die Patientin, aber dann kriegen wir noch 100 Euro

Dalila: weniger für den ganzen Aufwand.

Dalila: Es ist halt so, man kann es halt so gar nicht richtig betrachten,

Dalila: weil das ist so eine isolierte Betrachtung dann von einem Sachverhalt,

Dalila: aber so funktioniert halt das System nicht ab.

Ingmar: Ich hatte, also kannst du mir noch Zusatzentgelte erklären?

Ingmar: Das ist ja auch was, was uns auf der Intensivstation manchmal oder eigentlich

Ingmar: gar nicht so selten betrifft, dass so eine Flagge auftaucht.

Ingmar: Achtung Zusatzentgelt.

Dalila: Ja, sehr gerne. Also das hatte ich am Anfang nicht erwähnt.

Dalila: Das ist etwas, was das System noch komplizierter macht, aber es gehört dazu.

Dalila: Also es gibt sogenannte Zusatzentgelte, ZE abgekürzt, und zwar einmal bepreist und einmal unbepreist.

Dalila: Das heißt, es gibt einen Katalog, da kannst du Preise nachschauen für bestimmte Zusatzentgelte.

Dalila: Und dann gibt es Zusatzentgelte, die haben nach der Abkürzung ZE immer das aktuelle Jahr.

Dalila: Als Bezeichnung. Darin erkennt man, dass es ein unbepreistes Zusatzentgelt ist.

Dalila: Das ist quasi nicht vorgegeben durch das INEG, sondern das wird verhandelt vor

Dalila: Ort in der Budgetverhandlung mit den Kostenträgern.

Dalila: Und das ist zum Beispiel bei euch relevant im Bereich Wiening.

Dalila: Es gibt ein OPS-Code für das prolongierte Weaning.

Dalila: Da ist es vielleicht nicht ganz so relevant, aber bei Medikamenten,

Dalila: für die du Kosten hast von 10.000, 20.000 Euro, ist es schon relevant.

Dalila: Weil das geht natürlich total auf die Liquidität.

Ingmar: Das heißt, das Zusatzentgelt machen wieder die Supermarktallegorie.

Ingmar: Am Ende kommt der Kastenzettel mit der DRG-Überschrift daraus.

Ingmar: Aber wenn ich im Supermarkt aus irgendeinem Grund eine teure goldene Uhr noch

Ingmar: gekauft habe, die wirklich super teuer ist,

Ingmar: dann kann ich das unabhängig von dem DRG-Erlös noch zusätzlich auf den Kassenzettel schreiben.

Dalila: Genau, es wird dir dann auf den Kassenzettel geschrieben. Man könnte es vielleicht umgekehrt sagen.

Ingmar: Nicht den Grill gleich mitkaufe.

Dalila: Ja, also angenommen, wir würden sagen, du bekommst hier in der UMG ein Grundgehalt. Ja.

Dalila: Dafür, dass du jeden Tag zur Arbeit kommst. Und dann gibt es noch Dinge, die du extra machst.

Dalila: Zum Beispiel machst du Dienste, Rufbereitschaft zum Beispiel.

Dalila: Und angenommen, wir hätten jetzt keinen Tarifvertrag,

Dalila: sondern jeder Arbeitnehmer oder Gruppen von Arbeitnehmern müssten sich Rufbereitschaftsdienste

Dalila: extra verhandeln mit dem Arbeitgeber.

Dalila: Dann könnte man das so vergleichen. In der Zeit, wo du nicht verhandelst,

Dalila: bekommst du nur sechs Euro pro Stunde, obwohl deine Kosten für einen ausgebildeten

Dalila: Menschen wie dich viel, viel höher sind.

Dalila: Und erst ab dem Moment, wo du das verhandelt hast für dieses Jahr,

Dalila: für das gültige Abrechnungsjahr, bekommst du dann auch den verhandelten Preis.

Ingmar: Okay.

Dalila: Genau. Und das ist sehr aufwendig. Also man würde ja denken,

Dalila: naja, DRGs, das ist alles festgelegt.

Dalila: Da muss man ja nicht mehr mit Kostenträgern jetzt ins Gespräch gehen, was wir abrechnen.

Dalila: Aber es gibt schon viele Dinge, die noch extra verhandelt werden müssen.

Dalila: Dann werden natürlich auch die, also wir haben einmal die unbepreisten ZEs,

Dalila: die man verhandelt, die anderen muss man nicht verhandeln.

Dalila: In ECMO ist zum Beispiel auch etwas, was man verhandelt.

Dalila: Es gibt zum Beispiel online, frei zugänglich von vielen Krankenhäusern,

Dalila: die Krankenhausentgelttarife. Da kann man das auch nachgucken.

Dalila: Zum Beispiel von der Charité, da ist jetzt auch der neue Krankenhausentgelttarif veröffentlicht.

Dalila: Da kann man genau sehen, für wie viele Tage, wenigen man wie viel Geld bekommt pro Tag.

Dalila: Und dann gibt es noch eine andere Sache, die ist sowas ähnliches wie ein Zusatzentgelt

Dalila: und die heißt NUB, also N-U-B, Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden.

Dalila: Und das können Medikamente sein, das können aber auch Verfahren sein.

Dalila: Also zum Beispiel gibt es häufig so von Medizintechnikunternehmen neue Katheter

Dalila: oder Sonden oder ganz kleine Herzschrittmacher, sowas in der Form, Stands,

Dalila: die quasi noch nicht, also die neu auf dem Markt sind, die noch nicht etabliert

Dalila: sind, die aber eine Zulassung haben zum Medizinprodukt und wo auch die Indikation unstrittig ist.

Ingmar: Das ist auch bei Chemotherapeutika, ist mir das auch aufgefallen.

Dalila: Genau, aber auch bei anderen Medikamenten. Also es gibt es ganz vielfältig und da ist es so,

Dalila: dass man da für einen extra Antrag stellen muss beim INEG und so eine Uniklinik,

Dalila: die hat wahnsinnig viele hunderte Anträge, NOB-Anträge und erst wenn du einen

Dalila: Status 1 dafür bekommen hast, das heißt es ist eine Indikation da,

Dalila: so wie du es beantragt hast für den Sachverhalt,

Dalila: und es hat auch eine Zulassung und so weiter und so fort. Da spielen verschiedene Dinge mit rein.

Dalila: Erst dann darfst du das mit den Kostenträgern verhandeln.

Dalila: Also du bekommst noch kein Geld, wenn du Nub-Status 1 hast.

Dalila: Das bekommst du mal Ende Januar mitgeteilt, welche deine Anträge in Status 1 bis 4 haben.

Dalila: Und die Status 1 Anträge darfst du dann verhandeln.

Dalila: Da ist zum Beispiel jetzt interessant, es haben vielleicht auch viele mitbekommen

Dalila: mit den Alzheimer-Prophylaxe-Medikamenten oder die eben die Erkrankung stoppen.

Dalila: Die sind zugelassen, haben aber nur, ich glaube, einen Nubstatus 4 bekommen.

Dalila: Das heißt, wir können es nicht verhandeln stationär und das ist vielleicht auch

Dalila: etwas, was man nicht unbedingt stationär machen muss, wenn der Patient keine

Dalila: Anaphylaxie nach der Gabe bekommt. Genau.

Dalila: Also Zusatzentgelte sind sehr, sehr relevant, weil besonders,

Dalila: dass wir sie gut dokumentieren, also es ist ganz wichtig, dass ihr immer genau

Dalila: aufschreibt, wie viel Milligramm von welchem Pilzmedikament und so weiter und

Dalila: so fort ihr gegeben habt, weil das häufig Milligramm genau abgerechnet wird.

Dalila: Da gibt es dann so Korridore, die abgerechnet werden und das sind echte Kosten

Dalila: und die sind eben nicht mit in der DRG drin, weil man sagt,

Dalila: das bekommen manche Patienten eben und andere nicht und das kann man nicht gut

Dalila: mitkalkulieren. Deswegen ist es extra.

Dalila: Echter Erlös gegen echte Kosten im Fall. Fallbezogen.

Ingmar: Okay. Zusatzentgelte. Ja.

Dalila: Und Nubs.

Ingmar: Und Nubsentgelte.

Dalila: Genau.

Ingmar: Das ist richtig kompliziert. Und ich bin richtig froh, dass ich außer Medizin

Ingmar: mich da eigentlich kaum drum kümmern muss.

Dalila: Um Doku, um gute Doku.

Ingmar: Genau. Und mit der Doku, das ist glaube ich der Vorteil von so einem großen

Ingmar: Krankenhaus wie diesem,

Ingmar: dass es dann eben Profis gibt, die sich aus meiner Doku die kaufmännischen Daten

Ingmar: dann besorgen und das vernünftig dann dokumentieren oder konieren.

Ingmar: Was haben wir noch für Themen? Fällt dir noch was ein?

Dalila: Ja, es gibt natürlich noch dieses riesengroße Themenfeld der Ambulantisierung,

Dalila: aber das ist glaube ich auch ein bisschen too much.

Ingmar: Ja, ich glaube über das Thema Ambulantisierung oder ambulante Narkosen müssen

Ingmar: wir sowieso nochmal eine extra Folge machen.

Ingmar: Dann wäre es auch sinnvoll, da nochmal über das Kaufmensch dazu zu.

Dalila: Ja, ich habe mal nachgeguckt, wir haben fast 20 ambulante Abrechnungsarten.

Dalila: Ihr merkt das in der Erbringung nicht immer so.

Ingmar: Ich glaube gar nicht.

Dalila: Ja genau, weil sich das häufig erst am Ende stellt sich raus,

Dalila: in welche Abrechnungsart geht der Fall, aber ihr macht eine Narkose bei einem ambulanten Patienten.

Dalila: So, ob das jetzt ein Selbstzahler ist, das ist vielleicht manchmal noch wichtig

Dalila: für irgendwelche Wahlarzverträge, aber ansonsten, ob das ein BG-Fall ist,

Dalila: ein AUB-Fall, ein Hochschulambulanzfall, ist dann erstmal nicht so relevant.

Dalila: Aber Fallsteuerung in diesen Bereichen ist sehr relevant,

Dalila: weil es natürlich einen Unterschied macht, ob ich eine AOP-Leistung erbringe,

Dalila: wo ich wirklich auch Narkosen und die Überwachung gut vergütet bekomme oder

Dalila: ob die Chirurgin zum Beispiel jetzt entscheidet, dass man den Patienten operiert

Dalila: und weil man den nicht in der AOP operieren kann,

Dalila: weil das nicht abrechenbar ist, diese eine Operation,

Dalila: macht man das als Hochschulambulanz, wo ich als Anästhesie fast gar kein Geld bekomme.

Dalila: Also das ist schon steuerungsrelevant und ich glaube da ist auch ein sehr großes

Dalila: Potenzial, das man auch nutzen muss in den nächsten Jahren, dass man fachabteilungsübergreifend

Dalila: zusammen die Fälle so steuert,

Dalila: dass es eben auch auskömmlich ist.

Dalila: Also nicht, dass wir uns eine goldene Nase verdienen, das geht sowieso nicht,

Dalila: aber dass wir eben auch nicht das Geld zum Fenster rausschmeißen und anästhesiologische

Dalila: Fachärzte für leistenden OPs einsetzen oder gut,

Dalila: die sind noch über OP vergütet, aber ich sag mal für andere OPs,

Dalila: die am Ende 150 Euro Hochschulambulanzpauschale bringen.

Dalila: So kann man nicht mehr arbeiten.

Dalila: Früher, als noch so mehr Geld im System war, mehr Puffer.

Ingmar: Hat das besser geatmet und dann, ja.

Dalila: Ja genau, aber eigentlich konnte man sich das da auch schon nicht leisten,

Dalila: aber es war irgendwie noch Puffer da.

Dalila: Genau, aber es ist ein Zukunftsthema auf jeden Fall, also auch ambulante Anästhesie,

Dalila: Riesenthema, weil natürlich die Leute, für die ihr Leistung erbringt, also,

Dalila: Also für die Patienten macht ihr das ja eigentlich, aber für die Chirurgin und Chirurgen.

Ingmar: Vierecksbeziehung.

Dalila: Genau.

Ingmar: Wer ist eigentlich unser Kunde? Das ist unsere Managementfrage.

Dalila: Genau. Also ihr habt gleich mehrere Stakeholder quasi.

Ingmar: Ja.

Dalila: Da ist es natürlich, wird es jetzt immer relevanter, weil wir natürlich auch

Dalila: innovative Dinge ausprobieren.

Dalila: MVZ als Krankenhaus etablieren, Kooperation mit Praxen, um dort zu operieren

Dalila: und so. Also das sollte man schon nicht nur im Hinterkopf haben,

Dalila: sondern jetzt angehen tatsächlich.

Ingmar: Spannend. Jetzt hast du das Wort Zukunft gesagt.

Dalila: Ja.

Ingmar: Und das ermöglicht mir die Frage mit dem Blick in die Glaskugel.

Ingmar: Es gibt gerade eine neue Bundesregierung und Herr Lauterbach hat aber in den

Ingmar: letzten Zügen noch dafür gesorgt, dass es demnächst Veränderungen im Gesundheitssystem geben wird.

Ingmar: Und hast du schon eine Idee, wo es hinführen kann, in ganz groben Zügen,

Ingmar: ohne zu sehr ins Detail zu gehen?

Ingmar: Weil die Details werden wir erst besprechen können, wenn sie da sind.

Dalila: Also was er jetzt gemacht hat, also er hat ganz viele Sachen gemacht.

Dalila: Nicht nur in der Krankenhausfinanzierung für den stationären Bereich, aber auch dort.

Dalila: Und Qualität der Leistungserbringung ist ihm auch wichtig.

Dalila: Also dass Leistungen dort gemacht werden, wo sie häufig gemacht werden.

Dalila: Zum Beispiel Pankreas-Operationen, dass sie nicht mehr an Krankenhäusern gemacht

Dalila: werden, die nur zehn Stück im Jahr machen.

Dalila: Und das will er so verhindern oder hat er so konstruiert, dass es sogenannte

Dalila: Leistungsgruppen zusätzlich gibt zu DRGs.

Dalila: Das heißt, du musst Leistungsgruppen beantragen, um sie zu bekommen.

Dalila: Zum Beispiel allgemeine Chirurgie ist eine Leistungsgruppe.

Dalila: Für Anästhesie gibt es keine Leistungsgruppe, das ist quasi immer indirekt und

Dalila: du musst Kriterien erfüllen, sonst kannst du das nicht beantragen.

Dalila: Du brauchst eine gewisse Ausstattung medizinisch an Geräten und so weiter,

Dalila: also Personal auch und dann kannst du das beantragen und dann bekommst du vom

Dalila: Land diese Leistungsgruppe zugeteilt mit einer gewissen Fallzahl,

Dalila: die du auch schaffen musst.

Dalila: Und andere Krankenhäuser bekommen diese Leistungsgruppen eben nicht,

Dalila: was dazu führt, dass die Leistungen punktuell stattfinden.

Dalila: Also dass wir nicht zig Krankenhäuser nebeneinander haben, im Ruhrgebiet ist

Dalila: das zum Beispiel ja der Fall.

Ingmar: Die alle ein ähnliches Spektrum abbilden, sondern dass man versucht.

Dalila: Die 20 Fahrabteilungen haben und das zweimal nebeneinander, dreimal nebeneinander.

Dalila: Sondern man will dann, dass jeder vielleicht nur noch 10 Fahrabteilungen hat

Dalila: und die aber qualitativ sehr hochwertig erbringt.

Dalila: Das war so die Idee. Und man will halt so eine Art Vorhaltefinanzierung an die

Dalila: Leistungsgruppen knüpfen.

Dalila: Das heißt, man möchte den Kliniken dann auch sagen, okay, wenn du diese Leistung

Dalila: hier vollst und diesen ärztlichen Dienst und was alles dazugehört und auch teuer ist,

Dalila: dann sollst du dafür auch Geld bekommen, auch wenn du noch keinen Fall quasi versorgt hast.

Dalila: Aber das ist auch sehr umstritten und wir haben noch keine Rechtsverordnung dafür.

Dalila: Das heißt, das ist im KVVG, im Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz festgeschrieben worden.

Dalila: Aber es gibt noch keine Rechtsverordnung, die das Ganze ausgestaltet.

Dalila: Deswegen können wir noch gar nicht so viel dazu sagen. Wir als Uniklinik.

Dalila: Wenn ganz, ganz, ganz viele Leistungsgruppen beantragen, weil wir viele Fälle

Dalila: in ganz vielen verschiedenen Leistungsgruppen auch haben und auch schaffen.

Dalila: Aber für viele Krankenhäuser bedeutet das einen ganz harten Einschnitt.

Dalila: Also hier wird quasi Krankenhausplanung mit Krankenhausfinanzierung verbunden,

Dalila: fest verbunden. In NRW gibt es das jetzt schon ein bisschen länger,

Dalila: weil das Land NRW hat oder das Gesundheitsministerium dort hat schon früher

Dalila: diese Leistungsgruppen eingeführt.

Dalila: Und da haben ganz viele Krankenhäuser geklagt und ja, es ist sehr viel.

Dalila: Also es ist ganz schwierig, weil mit den Leistungsgruppen geht kein Versorgungsverbot

Dalila: einher, sondern du bekommst dann… Ein Abrechnungsverbot. Nein, auch das nicht.

Dalila: Sondern du bekommst nur keine Vorhaltefinanzierung. Und deswegen kannst du auch

Dalila: arbeitsrechtlich damit nicht so gut umgehen,

Dalila: weil du kannst ja nicht einfach, also stell dir vor, du hast eine Abteilung

Dalila: für HNO und du hast deine HNO-Ärztinnen und Ärzte und dein ganzes Personal.

Dalila: Du hast kein Versorgungsverbot, du hast kein Abrechnungsverbot,

Dalila: dann damit hast du auch kein Argument, dass du diese Leute entlässt.

Dalila: Das heißt, du hast diese Kosten ja weiter.

Dalila: Deswegen schließen jetzt schon einige Krankenhäuser auch Abteilungen.

Dalila: Geburtshilfe momentan ist schon seit zwei Jahren ein Thema.

Dalila: Genau, aber jetzt auch nochmal zusätzlich.

Dalila: Also das wird nochmal ganz viele Veränderungen mit sich bringen.

Dalila: Die Codierung der Fälle, die richtige Codierung wird nochmal wichtiger.

Dalila: Ich sage mal, früher, wenn du geguckt hast, nehme ich die Pneumonie oder nehme

Dalila: ich die COPD und du hast einen Unterschied von 3,80 Euro gehabt,

Dalila: dann war das vielleicht egal.

Dalila: Aber jetzt ist nicht nur der DRG-Erlös egal, also bei konkurrierenden Hauptdiagnosen,

Dalila: so nennt man das, sondern jetzt hast du ja auch noch die Leistungsgruppen.

Dalila: Das heißt, wenn du zum Beispiel eine geriatrische Komplexbehandlung machst bei

Dalila: so einer Hüftpatientin, bei unserer Oma Erna, dann kommst du in die Leistungsgruppe Geriatrie.

Dalila: Wenn du das nicht machst, bist du in der Leistungsgruppe Endoprothetik oder

Dalila: allgemeine Chirurgie. Das kommt wieder drauf an.

Dalila: Also es macht es noch komplexer, obwohl das Ziel des KHVVG eigentlich Bürokratieabbau

Dalila: war. Und da bin ich sehr gespannt drauf.

Ingmar: Ich bin gespannt, ob das was wird.

Ingmar: Wenn du dir was von dem ärztlichen Personal wünschen könntest,

Ingmar: insbesondere dem anästhesiologischen, intensivmedizinischen Personal,

Ingmar: weil das sind die Zuhörenden, was würdest du aus einer Medizinkontrollerinnen-Perspektive

Ingmar: sagen, damit würden wir deine Arbeit erleichtern?

Dalila: Also Interesse, zum Beispiel, dass wir jetzt hier sitzen, ich finde das total

Dalila: toll, weil die meisten Leute sind, glaube ich, schon froh, wenn die mich von

Dalila: hinten sehen, so im klinischen Alltag.

Dalila: Interesse, Neugier.

Ingmar: Ich bin ja froh, dass es dich gibt, weil sonst müsste ich das machen.

Dalila: Ja, das stimmt.

Ingmar: Das ist purer Eigennutz.

Dalila: Und ja, Interesse, Neugier und auch Offenheit

Dalila: mal zu hören, so auch in der Dokumentation, wir haben ja auch Vorbildungen bei

Dalila: euch schon gemacht und Am Montag machen wir wieder Fortbildungen,

Dalila: zu Leistungsgruppen ganz kurz, aber einfach auch zu sagen, komm,

Dalila: das ist jetzt nichts Medizinisches, aber vielleicht kann ich mir da was mitnehmen.

Dalila: Und dann ist es meistens schon so, dass dann so Fragen entstehen und dass man.

Dalila: Dann im Austausch ist. Und für mich ist es total wichtig, das ist auch unser

Dalila: Anspruch als Abteilung, wir haben keinen Selbstzweck.

Dalila: Wenn ihr keine Patientin versorgen würdet, dann hätten wir keinen Job.

Dalila: Das heißt, wir sind für euch da und für die Patientenversorgung,

Dalila: für die Finanzierung, das alles sicherzustellen.

Dalila: Und uns ist ganz wichtig, das prozessorientiert zu machen und nicht am Schreibtisch

Dalila: irgendwelche Sachen zu erfinden mit irgendwelchen Datentabellen,

Dalila: sondern dass wir halt im Austausch sind und,

Dalila: Das finde ich dann total super, dass dann jemand anfragt, kannst du nicht mal

Dalila: bei uns was zur Dokumentation erzählen?

Dalila: Ich habe das Gefühl, wir dokumentieren uns zu Tode, aber vielleicht nicht das

Dalila: Richtige und vielleicht können wir sogar weniger aufschreiben, aber dafür besser.

Dalila: Und dann ist es für alle gut. Auch für die Patientenrechtssicherheit.

Dalila: Ihr dokumentiert ja für die Patienten, nicht für uns.

Dalila: Wir nehmen das als Abfallprodukt quasi und machen daraus die DRG.

Dalila: Aber das ist, glaube ich, so das, was das Ganze besser macht.

Dalila: Und wir merken das ja auch.

Dalila: Wir haben ja mit euch einen sehr, sehr guten Austausch. Und ich komme ja auch

Dalila: öfters mal in die Bereiche, eine Arbeite vor Ort.

Dalila: Kann man noch vielleicht dazu sagen, dass ich eigentlich eine Pflegefachperson bin.

Dalila: Genau, das war meine Grundausbildung. Und das passiert nicht mit allen Bereichen,

Dalila: weil nicht alle so offen sind.

Dalila: Oder manche sagen, sie sind offen, aber wenn man dann vor Ort ist,

Dalila: dann wollen sie doch nicht, dass Transparenz da ist.

Dalila: Und da würde ich mir wünschen, dass man Verwaltung und LeistungserbringerInnen

Dalila: nicht so getrennt sieht, sondern

Dalila: wir sind ja für euch da und wir wollen ja quasi das Beste draus machen.

Dalila: Alles im legalen Rahmen, ganz klar, White Coding, richtig abrechnen, auch beraten.

Dalila: Genau, das fände ich super, wenn wir das in noch mehr Bereichen hinbekommen würden.

Ingmar: Das war eine sehr freundliche und diplomatische Antwort, die mir aber eine Nachfrage aufdrängt.

Ingmar: Welcher Dokumentationsfehler geht dir am meisten auf den Zeiger?

Dalila: Ja.

Ingmar: Wo du sagst, oh nicht schon wieder.

Dalila: Ja, also.

Ingmar: Wo du sagst, da rollst du jedes Mal mit den Augen, weil es schwierig abzustellen

Ingmar: ist und du verstehst nicht warum.

Dalila: Also ressourcenorientierter Quatsch. Also es wird so häufig aufgeschrieben,

Dalila: was die Patienten alles können.

Dalila: Also ich sage mal auch normale Dinge, dass ich jetzt in der Logopädie Fortschritte

Dalila: aufschreibe oder in der Beatmung, das ist ja ganz klar.

Dalila: Aber manchmal liest man Akten, Tagesverläufe. Da steht nur drin,

Dalila: was alles super ist. Da stehen aber keine Probleme drin.

Dalila: Und genau aus dem Problem machen wir Diagnosen. Wenn man dann später mit den

Dalila: Menschen spricht, die die Patienten versorgt haben, dann wird ganz häufig gesagt,

Dalila: ja, aber da war noch das und das.

Dalila: Dann sage ich, aber wo ist es denn? Also ich kann es halt nicht sehen.

Dalila: Und das ist auch zum Beispiel im Bereich Haftung, Man muss sich nicht selbst

Dalila: belasten, aber du schreibst diese Doku ja für die Patientin und für die Menschen,

Dalila: die die Patientin nach dir versorgen.

Ingmar: Ja.

Dalila: Und da sollten dann schon die Probleme drinstehen. Viele Sachen haben sich durch

Dalila: digitale Dokumentation erledigt, zum Beispiel unleserliche Doku,

Dalila: da hatte ich so ein schönes Beispiel bei euch in der Besprechung.

Dalila: Wir haben ja noch Abteilungen, die haben Papier und da gab es dann eine Anordnung

Dalila: vom ärztlichen Dienst. Dann hat eine Pflegekraft drunter geschrieben,

Dalila: ich kann das nicht lesen, was soll es bedeuten?

Dalila: Die nächste Schicht hat drunter geschrieben, ich kann das auch nicht lesen, was soll der Quatsch?

Dalila: Also du würdest gedacht, was ist hier los? Ich konnte es auch nicht lesen.

Dalila: Die Kolleginnen hatten schon recht, aber ob das so der richtige Weg ist, zweifelhaft.

Dalila: Das ist in den meisten Abteilungen nicht mehr das Problem. Das war früher eigentlich

Dalila: das größte Ärgernis, dass man es einfach nicht lesen konnte.

Dalila: Und mittlerweile ist es wirklich einfach dieses sehr ressourcenorientierte und

Dalila: dass viele Dokumente einfach viel zu spät kommen.

Dalila: Also Entlassbriefe. Gerade bei verstorbenen Patienten ist das ein Klassiker.

Ingmar: Ja.

Dalila: So nach dem Motto, der braucht dann ja nicht mehr den Brief,

Dalila: da kann ich mir Zeit lassen.

Dalila: Das verzögert sehr die Abrechnung und da telefonieren wir sehr viel hinterher.

Dalila: Jetzt nicht bei euch unbedingt im Bereich, aber in anderen Bereichen ist es

Dalila: wirklich drei Monate oder so, das ist einfach zu lang.

Dalila: Also Dauer und dass nicht eben knackig das dokumentiert wird,

Dalila: was jetzt noch das Problem ist.

Ingmar: Nicht prägnant genug.

Dalila: Ja, genau.

Ingmar: Wenn man aus dem ärztlichen oder pflegerischen Dienst kommt und jetzt vielleicht

Ingmar: mit dieser Episode gemerkt hat, das ist doch gar nicht so uninteressant und

Ingmar: ich möchte mich damit weiter beschäftigen, was ist der nächste Schritt?

Ingmar: Wie kann ich mich fortbilden, beteiligen, um mehr über die kaufmännischen Aspekte,

Ingmar: das Medizinkontrolling, Codierung zu lernen? Hast du einen Tipp?

Dalila: Das kommt jetzt darauf an, in welchem Umfang du das für dich quasi weiterverarbeiten möchtest.

Dalila: Also wenn du sagst, für mich ist ganz klar, ich will weiter Patientinnen und

Dalila: Patienten versorgen, aber ich möchte gerne mehr darüber wissen.

Dalila: Dann bieten wir Fortbildungen an.

Dalila: Unsere QD-Expertin und unser QD-Kompetenz-Team bietet das an.

Dalila: Wir haben standardisierte Fortbildungen, auch fachspezifisch.

Ingmar: Die sind jetzt aber UMG intern. Intern.

Dalila: Genau, diesen UMG-Intern.

Ingmar: Das ist nicht, wenn jetzt jemand aus Berlin den Podcast hört,

Ingmar: kann der nicht da Lieder anrufen und sagen, kann ich mit zuhören.

Dalila: Ja, dann genau könnten wir versuchen, eine Möglichkeit zu finden.

Dalila: Genau, könnten wir versuchen.

Dalila: Es gibt Anbieter auf dem Markt, die auch Schulungen anbieten.

Dalila: Gut ist es immer, wenn das Haus intern ist.

Dalila: Weil wir gucken, zum Beispiel, ich habe bei euch Dokumentationsfortbildung gemacht,

Dalila: da habe ich mir vorher unzählige Akten angeguckt. Hab die genau danach gescreent auch.

Dalila: Und das ist natürlich der Vorteil, wenn du es intern machst,

Dalila: kannst du es immer ganz individuell machen und dann profitiert man.

Dalila: Was wir auch anbieten, jetzt intern, kann man aber auch von extern machen,

Dalila: da muss man nur so eine Schweigepflichterklärung, Hospitationsvertrag unterschreiben,

Dalila: ist bei uns zu hospitieren.

Dalila: Wir hatten das schon, dass zum Beispiel Pflegekräfte von der Intensivstation bei uns waren.

Dalila: Richtig viel mitgenommen haben, also ich erinnere mich an einen Mitarbeiter,

Dalila: der hat gesagt, ich habe hier in einer Stunde so viel gelernt,

Dalila: der war total geflasht davon, der hat gesagt, er hat so viel jetzt besser verstanden

Dalila: und es hat jetzt so viel mehr für ihn, ergibt es einen Sinn,

Dalila: dass er Dinge dokumentiert und er hadert auch nicht mehr damit,

Dalila: er macht es jetzt einfach.

Dalila: Das fand ich total schön, also das bieten wir auch an, halbe Tage,

Dalila: ganze Tage, zwei Tage, auch zu bestimmten Terminen auch einfach mal mitzukommen.

Dalila: Also wir bieten zum Beispiel bei uns intern an, im Geschäftsbereich,

Dalila: einen sogenannten Ausrichtung- und Ziele-Termin.

Dalila: Das ist vergleichbar mit eurer Montagsbesprechung, nur dass wir das einmal im

Dalila: Quartal machen, dafür anderthalb bis zwei Stunden.

Dalila: Und da machen wir Fortbildung für die Mitarbeitenden und auch besseres Kennenlernen.

Dalila: Zum Beispiel Anästhesie hat sich da auch schon mal vorgestellt und hat da einfach

Dalila: eine Dreiviertelstunde, glaube ich, erzählt, was ihr macht.

Dalila: Und die Mitarbeiter, das war so toll, weil die haben das dann auch besser verstanden

Dalila: und haben auch mehr so ein Commitment nochmal gehabt, anstatt jeden Tag nur

Dalila: in ihr Büro zu gehen, haben die gewusst, was passiert denn mit den Patienten,

Dalila: die sie abrechnen, die ihr versorgt habt.

Dalila: Das war total gut und da laden wir auch öfters mal Abteilungen ein.

Dalila: Jetzt kommt zum Beispiel die Zahnmedizin zu uns und wir verknüpfen das dann

Dalila: auch so ein bisschen und da können auch Interessierte dazukommen aus dem Haus.

Ingmar: Also sprecht eure Medizinkontroller, Medizinkontrollerinnen an und vernetzt

Ingmar: euch mit denen in beide Richtungen auf euren Stationen.

Dalila: Genau, Kodierfachkräfte ansprechen, weil davon gibt es viel mehr als von Medizinkontrollern,

Dalila: davon gibt es nicht so viel. Genau, wir haben auch ein Newsletter.

Dalila: UMG-weit verteilen wir den von unserem Geschäftsbereich.

Dalila: Da schreiben wir auch Neuerungen rein, Gesetzesänderungen, was wir als Geschäftsbereich machen.

Dalila: Und wenn man im Bereich Codierung zum Beispiel arbeiten möchte oder Medizincontrolling,

Dalila: dann gibt es natürlich auch die Möglichkeit, sich weiterzubilden.

Dalila: Ich empfehle immer eine Hospitation vorher, sich das mal anzugucken,

Dalila: ist in jedem Haus auch anders, kein genormter Beruf.

Dalila: Und mal zu schauen, ist das was für mich? Und dann kann man eine Codier-Ausbildung machen.

Dalila: Da gibt es unterschiedliche Angebote von, ich glaube, fünf Tagen bis drei Wochen, online oder vor Ort.

Dalila: Und dann die Codier-Praxis ist halt das Entscheidende. Also wenn du eine Codier-Ausbildung

Dalila: hast, kannst du nicht alles codieren.

Ingmar: Bloß wenn man ein Angelschlein hat, kann man noch nicht angeln.

Dalila: Genau. Und ansonsten mal gerne ansprechen, also ich glaube, die meisten Medizinkontroller

Dalila: und Kodierfachkräfte freuen sich wirklich über Interesse, ehrliches Interesse

Dalila: und über diese Vernetzung und den Austausch.

Dalila: Genau. Und auch für den ärztlichen Dienst, wenn man kann zum Beispiel bei uns

Dalila: die Position, es wird jetzt glaube ich nicht extra vergütet oder so,

Dalila: aber wenn man DRG-Beauftragter der Abteilung ist,

Dalila: dann bekommt man von uns auch kostenlose Fortbildungen, DRG-Roundtables und so weiter und so fort.

Dalila: Und ja, wenn man da Interesse hat, so eine Funktion in seiner Fachabteilung zu übernehmen.

Ingmar: Cool.

Dalila: Mhm.

Ingmar: Dalila, glaube ich habe mit Blick auf die Fragen, die ich dir stellen wollte,

Ingmar: die wichtigsten Sachen glaube ich alle gefragt.

Ingmar: Wir haben uns auch richtig lange unterhalten und ich glaube,

Ingmar: man muss gar nicht viel rausschneiden.

Ingmar: Das wird ein langer Podcast, aber ich glaube, das ist auch okay.

Ingmar: Ich fand es super interessant.

Ingmar: Vielleicht schaffe ich es, noch ein witziges Lied daraus zu komponieren,

Ingmar: zu lassen mit einer geheimen AI.

Ingmar: Du hast den Teaser schon gekriegt. Mal gucken, was ich aus dem Transkript mache.

Ingmar: Ja, und ich glaube, dann hören wir an der Stelle auf, oder? Sei denn,

Ingmar: dir fällt noch was ein, was du noch loswerden möchtest.

Dalila: Nee, was mir eben nur so bewusst geworden ist,

Dalila: dass das System ist so komplex Und es gibt für so viele Fälle spezielle Wege

Dalila: und es ist so bürokratisch auch teilweise und auch diese,

Dalila: dass ich dann zum Beispiel auch selbst gar nicht mehr weiß, was heißt jetzt

Dalila: Tissaps eigentlich ausgeschrieben.

Dalila: Ich sage, weil du alles, was du nicht unbedingt brauchst, musst dein Gehirn

Dalila: wegfiltern, damit du da bist, damit du on air bist für die akuten, wichtigen Sachen.

Dalila: Und ja, deshalb habe ich mich hier gerade eben selbst ein bisschen erschrocken.

Dalila: Aber es ist halt nicht wichtig, du musst es im Alltag nicht wissen und dann

Dalila: musst du es halt wegschmeißen, weil du hast so viele andere Sachen, die du wissen musst.

Dalila: Ja, ohne Austausch finde ich super. Und ich finde es ganz toll,

Dalila: dass du mich hierher eingeladen hast.

Ingmar: Das wird gut.

Dalila: Ich bin richtig beseelt davon. Ich finde das super, wirklich.

Dalila: Weil das auch so ein Interesse zeigt, was einen auch nochmal motiviert,

Dalila: da auch weiterzumachen.

Dalila: Und manchmal sitzt man ja so in seinem Büro und denkt, wenn ich hier tot vorm

Dalila: Stuhl falle, kriegt das keiner mit.

Dalila: Weil man da auch so ein bisschen isoliert ist. Aber das fördert auf jeden Fall

Dalila: die gute Zusammenarbeit.

Ingmar: Das ist das perfekte Schlusswort. Vielen Dank, Delia.

Dalila: Danke auch.

Über diesen Podcast

Der Podcast aus der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen. Wir berichten über Aktuelles aus Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin. Manchmal sprechen wir auch einfach über Dinge, die uns interessieren.
"Young Urban Anesthesiologists", kurz "YUAN" referenziert das Weiterbildungsformat der Abteilung, auch wenn wir weder besonders jung noch urban sind.

CME-Fortbildungspunkte für das Hören des Podcasts können über unsere Homepage beantragt werden.

von und mit Ingmar Finkenzeller (Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen)

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